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Alleine

GeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P12 / Gen
Dirk Matthies
18.10.2017
18.10.2017
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18.10.2017 679
 
Dirk Matthies saß an Deck seiner Repsold. Der frühherbstliche Wind war kühl, aber es störte ihn nicht. Er hatte sich zwar eine Decke übergelegt.

Irgendwie passte die Kälte zu seinem Gefühlsleben. Er war einsam und fühlte sich leer. Im Prinzip war er nicht im klassischen Sinn einsam, denn er hatte viele gute Freunde. Aber er war nun mal schon sehr lange Single. Wie wäre es wohl gewesen, wenn er Ellen geheiratet hätte? Wäre sein Leben dann in anderen Bahnen verlaufen? Die Erinnerungen taten bis heute weh.

Er hatte damals so lange gezögert, ihr seine Gefühle zu gestehen und als er es endlich tat, wurden seine Gefühle tatsächlich von ihr erwidert. Aber ihr gemeinsames Glück, dauerte keine Vierundzwanzig Stunden. Sie wurde ermordet. Eiskalt ermordet.

Seit damals war kein Tag vergangen, an dem er sich keine Selbstvorwürfe machte. Eigentlich verbringen doch frischverliebte Pärchen jede freie Sekunde miteinander. Warum zog er einen Kneipenbesuch, einem Abend mit seiner Liebsten vor? Idiotischer geht es doch nicht.

Wenn er bei ihr geblieben wäre, wäre der Abend einfach anders verlaufen. Sie wäre nicht einfach zu diesem nächtlichen Sondereinsatz gefahren oder zumindest nicht alleine.

Nach seinem Kneipenbesuch, ist er dann mit dem Taxi zu ihr gefahren. Sie war nicht da, aber er hatte ja ihre Schlüssel, also wartete er in ihrer Wohnung auf sie.

Irgendwann hörte er, wie sie die Wohnungstür öffnete und er freute sich zunächst über sie. Aber als er sie sah, lief es ihm eiskalt über den Rücken. Sie war kalkweiß, hatte Schweiß auf der Stirn und schwerste Koordinationsstörungen. Er lief panisch zu ihr, fing sie auf und er merkte, dass sie Fieber hatte. Dieser Anblick hat sich tief in seine Seele gebohrt.

Obwohl er schnell einen Krankenwagen rief, konnte man ihr nicht mehr helfen. Diese Nacht läuft immer wieder in seinem Kopf. Die Schwermut, die Trauer und die Verzweiflung. Und einfach das Gefühl, dass es kein natürlicher Tod war.

Wie sich dann auch rausstellte, musste Ellen sterben, weil sie hinter einen anderen Mord gekommen war.

Dirk fühlte sich bis heute eine Mitschuld, an Ellens Tod. Weil er damals nicht bei ihr war. Er hat sich selbst bestraft, indem er sich ein neues Liebesglück verbot.

Wie schön es wohl wäre, wenn er sein Leben mit einer Frau verbringen könnte? Wenn da jemand auf ihn warten würde, wenn er nachhause kommt. Wie es wohl wäre, aneinander gekuschelt einzuschlafen?

Oder vielleicht hätte er auch seine Meinung geändert und wäre gerne Vater geworden.

Es war anstrengend darüber nachzudenken und es schmerzte. Er verkroch sich weiter unter seine Decke und sein Magen verkrampfte mal wieder, wegen seiner Grübelei.  

Er schaute hoch, in den Nachthimmel. Die Sterne funkelten und gelegentlich zog eine Wolke am Mond vorbei.

Tränen bahnten sich langsam ihren Weg.

Ob Ellen ihn von da oben sehen könnte? Was würde sie dazu sagen, was er aus den letzten Jahren gemacht hatte? Vermutlich würde sie es nicht gut finden, dass er sich selbst so quält und in Schuldgefühlen versinkt. Aber kam gegen sich selbst nicht an.

An einer mangelnden Auswahl an Frauen hatte es gewiss nicht gelegen, dass er alleine war. Und er war auch gelegentlich verliebt. Es gab da sogar eine Frau, die er so sehr liebte, dass er sich eine Zukunft mit ihr hätte vorstellen können. Aber er stand sich selbst dabei im Weg.

Als er seiner Vorgesetzten Regina Küppers das erste Mal begegnet war, schlug bei ihm der Blitz ein. Sie wirkte zwar immer etwas steif und unterkühlt, aber ein Blick in ihre blauen Augen, verriet ihm ihre wahre Seele.

Je länger er sie kannte, desto tiefer wurden seine Gefühle. Wie oft war er in die Versuchung gekommen, sie einfach in seine Arme zu ziehen und zu küssen?

Aber immer wieder und wieder, war da diese Blockade in ihm drin, die jeden großen Schritt unterbunden hat. Dabei sehnte er sich so sehr nach ihr. Wie es wohl wäre sie zu küssen?

Er verbot sich jeden weiteren Gedanken an sie.

Langsam wurde es doch zu kalt hier draußen und er beschloss, rein zu gehen. Bevor er eintrat, schaute er nochmal zum Himmel und seufzte.
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