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Ghetto Girl

von -bambi-
GeschichteRomanze / P18 Slash
16.10.2017
17.03.2020
23
99.375
11
Alle Kapitel
74 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
19.10.2017 3.756
 
Hallo :)
Ich hätte echt nicht gedacht, dass die Geschichte so gut ankommen würde, aber vielen vielen Dank für die ganzen Reviews :) und weil ich so glücklich darüber bin, hier noch ein Kapitel :)
Hoffe, es gefällt euch


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„Hast du ein Gramm?“ Stumm nickend bedeutete ich dem Jungen, mir kurz zu folgen. Zumindest ein wenig an den Rand der jubelnden und grölenden Menschenmasse, damit uns nicht allzu viele neugierige Augen sehen konnten. Es würde zwar sowieso niemanden interessieren, aber ich war noch nicht so kaputt, dass ich alles riskieren würde. Immerhin musste ich hier auch weiterhin zur Schule gehen. Bei dem Spiel zu verkaufen war eine gute Idee gewesen, manchmal sollte ich Tai mehr zutrauen. Auch wenn ich immer nur kleinere Mengen auf einmal loswurde, mit der Zeit machte ich guten Umsatz.

Nur, dass es noch bei weitem nicht reichen würde. Bisher fehlten noch fast hundert Dollar und fünfzig müsste ich zusätzlich in unsere Pflanzen stecken. Oder Essen besorgen, meine Brüder würden das nicht auf die Reihe bekommen. Tai war genauso blank wie ich, er würde sich die nächsten Wochen ruhig verhalten. Langsam fühlte er sich beobachtet und es hatte sich gezeigt, dass auf dieses Bauchgefühl meist verlass war. Sobald er an einem der bekannten Verkaufsorte auftauchte, peilten ihn direkt Polizisten an. Sie sprachen zwar nicht mit ihm, aber man merkte deutlich, dass sie ihn im Auge hatten. Er konnte nicht verkaufen, Klauen war in den meisten Geschäften zu heiß geworden und Manny wollte ihm keine Aufträge mehr geben, nachdem er den letzten Wagen beinahe zu Schrott gefahren hatte.

Kai hingegen versuchte sich immer raus zu halten, er hatte es sogar irgendwie geschafft, einen Job an einer Tankstelle zu ergattern. Sein Lohn würde erst in ein paar Wochen fällig werden und für krumme Dinger war er einfach nicht geschaffen. Die anderen waren zu klein, um wirklich was zu reißen. Vlad könnte maximal noch ein wenig zu essen klauen, aber es war gut, wenn er sich da raushielt. Wir waren so schon eine Familie von Dieben und Junkies, da mussten wir die Kleinen nicht auch noch reinziehen. Wenn es nach mir ging jedenfalls nicht. Dann musste ich eben etwas zurückstecken, das würde schon klappen.

„Zwölf“, meinte ich wortkarg. Der Junge nickte, drückte mir das Geld in die Hand. Er war nervöser als ich, sah sich die ganze Zeit um, ob auch wirklich niemand hinsah. Wenn er es noch etwas auffälliger machen würde, würden wir definitiv auffliegen. „Vollidiot“, brummte ich genervt, während ich ihm ein kleines Tütchen zusteckte. Was für ein dummer Sack. Genervt mit den Zähnen knirschend wandte ich mich ab, zog die Augenbrauen zusammen.

Wenn ich gerade einen der idiotischen Junkies abgewickelt hatte, hatte ich wenigstens einen Augenblick Zeit, mich umzusehen. Das Spiel fand heute im Freien statt, auf dem kleinen Basketballplatz etwa hundert Meter von unserer beschissenen High School entfernt. Hier war so gut wie nichts, außer dem Feld und den beiden Tribünen, zwischen denen ich meine Verkäufe durchzog.

Es war der einzige Durchgang, hinter den hohen Sitzreihen waren noch gut drei Meter Platz bis zum nächsten Gebäude. Warum sie die Tribüne nicht einfach direkt bündig an die Wand des Hauses gesetzt hatte, würde ich nie verstehen, aber es war ein gutes Versteck. Dort konnte man zu nahezu jeder Tages- und Nachtzeit allein sein, geschützt vor allen Blicken. Sie hatten anfangs sogar Sträucher und Büsche gepflanzt, damit es nicht ganz so trostlos aussah. Jetzt war es eher ein Wildgarten, der Schutz vor allem Möglichen bot. Hier gefiel es mir.

Gut, dass das Spiel draußen war. Gut für mich, weniger gut für die Spielerinnen. Immerhin war es mitten im Herbst, beinahe schon Winter. Im Moment hatten wir vielleicht zehn Grad, ich für meinen Teil mochte dieses Wetter, aber auf Dauer würde es wohl kalt werden. Die Spielerinnen waren sowieso die ganze Zeit am Rennen, vielleicht merkten sie es auch gar nicht.

Die eine vor allem nicht.
Die platinblonde Anführerin unserer Mannschaft, den New Cost Eagles. Bis vor einer Woche war sie rein weißblond gewesen, irgendwann hatte sie sich dann die Spitzen dunkelblau gefärbt. Als hätte sie die Haare einfach in die Farbe getaucht, es stand ihr unglaublich gut. Wenn sie dann auch noch einen lockeren Pferdeschwanz trug, konnte ich den Blick gar nicht mehr abwenden. Dieses Mädchen war praktisch der Inbegriff meines Typs. Wenn ich sie ansah kribbelte meine Haut, mein Herz schlug einen winzigen Ticken schneller und ich konnte fühlen, wie Hitze durch meinen gesamten Körper schoss.

Allein sie auf dem Feld laufen zu sehen machte mich an. Sie hatte etwas so Kraftvolles, Fröhliches, dass ich manches Mal gar nicht wegsehen konnte. Ihre Augen strahlten total, selbst wenn sie völlig ruhig war. In ihren Augen war so viel zu sehen, selbst vom Spielfeldrand aus. Dabei wusste ich noch nicht einmal, wie sie hieß. Wir hatten ein paar Kurse zusammen, aber ich war nie lange genug da gewesen, um auch nur ihren Vornamen zu erfahren.

Es wäre vermutlich einfach, ihn zu erfragen. Immerhin war sie Kapitän der Schulmannschaft, eine beliebte Schülerin. Selbst, wenn ihre Leistungen alles andere als gut waren. Das hatte sie anfangs etwas langweilig gemacht, die junge Frau wirkte in den Kursen immer total überfordert, obwohl es furchtbar einfach war. Wenn ich ihren Namen wirklich wissen wollte, würde ich es tun. Auf ihrem Trikot stand dick ihr Nachname. Jones.

Verdammt war sie heiß! Gerade warf sie einen Korb und strahlte so offen, dass mein Herz einen Satz machte. Verdammt! Langsam leckte ich mir über die Lippen, beobachtete sie eingehend. Leichte Schweißtropfen liefen über ihre Stirn, die Oberarme. Eigentlich würde ich sie auch gern mal so zum Schwitzen bringen. „Hey, ich hab gehört du hast was dabei“, riss mich eine Stimme aus meinen Gedanken.

Scheiße, ich wollte gerade eigentlich zusehen! Dieser verdammte Wurm. Aber ich musste Geld auftreiben, also nickte ich einfach nur. Ohne den Typen anzusehen wandte ich mich wieder um, ging erneut zum Rand der Tribüne. Heute würde vielleicht doch ein guter Tag werden. „Wie viel?“, fragte ich leise. Hoffentlich würde er ein wenig mehr kaufen, dann hätte ich Zeit, mir das Spiel anzusehen.

Wenn nicht, hatte ich alle hier abgeschöpft. Sogar mein verkackter Physiklehrer hatte mir vier Gramm abgekauft. Das erste Mal in meinem Leben, dass ich mitbekommen hatte, dass sogar meine Lehrer so abgekackt waren wie wir. Tai hatte schon mal gemeint, dass er an ihn verkauft hatte, aber ich hatte ihm das nicht glauben wollen. Jetzt wusste ich wenigstens, dass ich einen Verbündeten hier haben würde, wenn ich aufflog. Er würde sicher eine Menge dafür tun, dass ich seinen Namen nicht verriet. Oder er würde mich komplett ausliefern, eines von beidem.

„Gibt’s Rabatt bei zehn Gramm?“ Die Stimme klang alles andere als nervös oder hektisch, aber das war auch nicht zu erwarten bei jemandem, der so viel auf einmal haben wollte. Kurz sah ich in sein Gesicht, merkte mir den Typen. Er sah aus wie ein Student, dunkelblonde Haare, hellblaue Augen und ein markantes Gesicht. Kanadier, wenn ich raten müsste. Wer so viel auf einmal holte, würde sicher wiederkommen. Vor allem, wenn er guten Scheiß kriegen würde.

„Achtzig für zehn Gramm, vierhundert für fünfzig“, erwiderte ich ruhig. Normalerweise würde ich nie soweit runtergehen, aber so eine große Menge auf einmal loszuwerden würde unglaublich gut werden. Dann hätte ich nicht mehr so viele Probleme. Aufregung machte sich in meinem Brustkorb breit, langsam leckte ich mir über die Lippen und sah ihm aufmerksam ins Gesicht.

„So viel hast du dabei?“ Da war Verblüffung, keinerlei Berechnung. So alt, wie er aussah, könnte er ein Cop sein. Nicht, dass sich Cops sonderlich nahe an Schulen trauten, aber man konnte nie wissen. Doch der Kanadier war nur überrascht und sichtlich erfreut. „Nein.“ Als ob ich fünfzig Gramm mit mir rumschleppen würde. Das wäre sogar für mich zu heiß. Jetzt spiegelte sich Enttäuschung in seinen Gesichtszügen, seufzend fuhr er sich durch die Haare.

„Gib mir was für hundert“, meinte er leise. Der Typ sah sich noch nicht einmal um, also machte er das ständig. Irritierend. Warum hatte ich ihn vorher nie gesehen? Der Rest war schnell abgewickelt und der Typ verschwand praktisch nahtlos in der Menge. Aber es war auch wirklich die Hölle los, da war das wahrlich keine große Kunst.

Gedankenverloren ließ ich den Blick über das Grundstück gleiten, ging etwas hinter der Tribüne in Deckung. Inzwischen hatte ich genug Geld in der Tasche, ich könnte nach Hause gehen und der Bitch die Scheine in den Arsch stecken. Aber dann würde ich meinen Test verpassen. Oder ich könnte mehr Pflanzen organisieren und sie im Park verkaufen. Ein paar Leute anrufen.

Dann könnten wir heute wenigstens etwas essen. Wenn ich mich doch bloß jetzt direkt hier entscheiden könnte! Aber entscheidungsfreudig war ich noch nie gewesen, ich schob diese Dinge immer so lange auf, bis ich sowieso keine andere Wahl mehr hatte als das Nächstliegende zu tun. Mir fehlten noch über fünfzig Dollar um heute unbekümmert nach Hause kommen zu können. Tai würde unseren Kleinen heute von der Vorschule abholen, dann hatte ich nach dem Test noch eine halbe Stunde bis die Frist abgelaufen war.

Wenn ich mit dem Test schneller fertig werden würde, hatte ich vielleicht noch eine Stunde. Mehr war heute nicht mehr drin. Dabei hatte ich sogar versucht, in den Umkleidekabinen Geld zu besorgen. Erfolglos. Nun gut, wenig erfolgreich. Ich hatte insgesamt vierzig Mäuse gefunden. Und mehrere Handys, die ich allerdings erst einmal verkaufen müsste. Es war ein Leichtes gewesen, sie mitzunehmen, sie loszuwerden dürfte schwerer werden. Die meisten Teile waren der neueste Scheiß, wenn ich das mit meinem alten Klapphandy verglich kam mir beinahe die Galle hoch.

Einer der Gründe, warum ich sie mitgenommen hatte. Die SIM-Karten loszuwerden war das Leichteste dabei gewesen. Ich hatte sie rausgenommen, durchgeknickt und in eine der herumliegenden Wasserflaschen gepackt. Dann konnte man das wenigstens nicht tracken und solange ich sie nicht anschalten würde, würden sie es niemals finden. Ich musste zuhause nur nochmal die Dateien und Chats durchsehen, mit etwas Glück ließ sich ein wenig Erpressungsmaterial finden.

Dann alles runterlöschen und verkaufen. Das würde auf jeden Fall den Rest des Tages und einen großen Teil der Nacht in Anspruch nehmen. Zu viel Zeit, wenn ich verhindern wollte, dass sich Sasha heute Abend vor lauter Hunger in den Schlaf weinen würde. Irgendwas musste ich heute noch tun. Wenn ich doch nur wusste, was.

„Hey.“ Verblüfft hob ich den Kopf, drehte mich wieder dem Spielfeldrand zu. Dort stand ein junges Mädchen, das wohl irgendwie in meinem Mathe-Kurs war. Zumindest kam sie mir bekannt vor, entweder war es Mathe oder Physik. „Hab nichts mehr“, meinte ich ungerührt. Sie sah ganz gut aus, nicht zu viel Make-Up und roch angenehm. Sie hatte noch nie bei mir gekauft und sie sah auch nicht aus, als würde sie nach dieser Art Zerstreuung suchen. Vielleicht wollte sie etwas anderes von mir.

Etwas, das mit meinem Ruf zu tun hatte.

Nachdenklich ließ ich den Blick über ihren gesamten Körper gleiten, verschränkte die Arme vor meiner Brust. Sie hatte eine ähnliche Statur wie ich, irgendwie war das amüsant. Würde sicherlich witzig werden, auch wenn ich mich normalerweise von Mädchen aus meiner Schule fernhielt. Es war einfach zu anstrengend, wenn sie anhänglich wurden und man ihnen nicht entkommen konnte.

„Ich hab eine abgefahrene Bitte an dich“, meinte die Dunkelhaarige leise. Kurz sah sie sich nach allen Seiten um, biss sich leicht auf die Unterlippe. Gedankenverloren zog ich die Augenbrauen zusammen, kniff meine Augen etwas zusammen, um sie besser betrachten zu können. Was lief hier? Als sie sich vergewissert hatte, dass uns niemand beobachtete, trat sie näher an mich heran.

Ihre Nähe war mir unangenehm, also machte ich einen weiteren Schritt zurück. Die Andere drückte sich zwischen mir und der Rückseite der Tribüne vorbei, griff nach meinem Handgelenk und zog mich mit sich, komplett aus dem Sichtfeld der anderen. „Was wird das hier?“, brummte ich verärgert. Zähneknirschend zog ich die abgegriffene Zigarettenpackung aus meinem Rucksack, in die ich immer vorgedrehte Zigaretten packte. Dann musste ich nicht ständig neu drehen oder das ganze Zeug mit mir herumschleppen. So ging es viel einfacher.

Außerdem steckten immer zwei oder drei kleine Joints in der Schachtel, war auch nicht zu verachten. Einen von denen schnappte ich mir, nahm ihn zwischen die Lippen und beobachtete die andere weiter. Sie reagierte gar nicht darauf, dass ich mir was anzünden wollte, fragte auch nicht, ob sie eine haben könnte. Was für einen abgefahrenen Scheiß wollte sie von mir? „Keine Sorge, ich bezahl dich auch.“

Jetzt schoss meine rechte Augenbraue so hoch, dass sie praktisch von meinem Haaransatz gefressen wurde. „Seh ich aus wie ne Nutte?!“, wollte ich aufgebracht wissen. Augenblicklich ballten sich meine Hände zu Fäusten, in meiner aufkochenden Wut machte ich einen drohenden Schritt auf sie zu. Die Braunhaarige hob sofort abwehrend die Hände, wollte zurückweichen, doch sie prallte mit dem Rücken gegen die Wand der Tribüne.

„Nein! Nein, man, ruhig!“ In mir pulsierte der Zorn so hart, dass ich ihr am liebsten direkt ins Gesicht geschlagen hätte, am ganzen Körper zitternd starrte ich ihr in die Augen. Sie hatte langweilig braune Augen, die irgendwie verwaschen aussahen und jetzt vor lauter Schreck total geweitet waren.

„Ich brauch nur deine Hilfe!“ Ganz langsam, vorsichtig, als würde sie einen verschreckten Hund anfassen wollen, legte sie ihre Hände auf meine Schultern. Sie war warm, einen kurzen Moment lang wurde die Wut kleiner und ich ließ mich von ihr wegschieben. „Du bist doch so super schlau“, fing sie hastig an. Nachdem sie mich ein paar Schritte weit geschoben hatte, stellte sie wieder etwas Abstand zwischen uns her. Verblüfft sah ich sie an, legte ganz langsam den Kopf schief. Was sollte das jetzt wieder?

„Wir haben Mathe zusammen, du bist nie da und schreibst immer die beste Note. Nun, wie soll ich es sagen? Ich brauche dieses Mal die beste Note“, erklärte sie schnell. Meine Verwirrung legte sich nicht gerade durch diese Aussage. In Gedanken ging ich alle möglichen Wege durch, wie sich das Gespräch jetzt noch entwickeln konnte, also zündete ich den Joint einfach an. Noch mehr zu Grübeln konnte ich mir im Moment gar nicht erlauben.

Die Andere rümpfte kurz die Nase, als sie bemerkte, dass es keine normale Zigarette war, sagte aber kein Wort. „Und was willste dann von mir? Soll ich ne scheiß Note schreiben?“ Wenn es ihr nur um diese verdammte Bestenliste ging, würde ich ihr liebend gern für Geld helfen. Regelmäßig etwas Kohle gegen ein paar ausgefallene Tests kam mir sehr gelegen. Mit meinen Noten ließ sich ja sonst auch kein Geld machen.

„Was soll mir das bringen? Du bist echt null interessiert an dem Kurs, oder? Ich schreibe immer von dir ab, wenn du mal da bist und mogel mich gut durch, aber es reicht nicht. Wenn ich diesen Test verhaue, sind meine Noten so schlecht, dass ich nicht mehr mit dem Schwimmteam antreten darf. Freitag ist ein wichtiger Wettkampf, ich muss da schwimmen, es kommen eine Menge Talentscouts.“

Seufzend stieß ich die eben eingesogene Luft wieder aus meinen Lungen. Beobachtete gedankenverloren, wie der Rauch aus Gras und Tabak in der Luft herumwirbelte. Ein paar Sonnenstrahlen verfingen sich im Dampf und ich war einfach immer mal wieder fasziniert davon. Vor allem, wenn ich zu viel überlegen musste, dann war das die perfekte Erholung für mein Gehirn. Zu dampfen und dem Rauch zuzusehen.

„Warum sollte mich das kümmern?“, knurrte ich ungeduldig. Langsam, aber sicher verlor ich den winzigen Rest an Geduld, den ich durch das Gras erübrigen konnte und musterte sie mit mehr als deutlichem Missfallen. Wieder nahm ich einen tiefen Zug, genoss das leicht wabernde Gefühl, das meine Kehle entlang kroch. Mein Gegenüber fühlte sich langsam sichtbar unwohl, immer wieder wechselte sie das Bein, auf dem sie stand, kratzte sich am Oberarm oder fuhr sich mit der Hand durch ihre braunen, langen Haare.

Langsam straffte sie den Rücken, verschränkte die Arme vor der Brust und atmete tief durch. Ganz so, als müsste sie jetzt ihren ganzen Mut zusammennehmen. Irgendwie belustigte mich diese Vorstellung ein kleines bisschen. Die junge Frau hatte scheinbar Angst vor mir. Mir und meinem Jähzorn, wie ich ihn in der Schule gern zur Schau stellte. Es war gut so, mit dieser Aggressivität hielt ich mir den meisten Ärger vom Hals.

Als ich jung gewesen war, war ich nett gewesen. Zu allen um mich herum, hilfsbereit und freundlich. Und die verdammten Idioten hatten es ausgenutzt. Mich ausgenutzt. Um an Gras zu kommen, Zigaretten, Alkohol. Alles auf meine Kosten, oder so halbwegs. Ich hatte lange Rabatt auf alles Mögliche gegeben, nur weil die Leute nett waren. So viel Verlust für Heuchler. Jetzt war ich jemand, den man nicht einfach verarschen würde.

Mit dem man gar nicht erst versuchte, Scheiße abzuziehen. Das gefiel mir besser, war weniger erbärmlich. „Ich brauch deine Note. Die, die du kriegen würdest, wie jedes Mal. Das rettet meinen Schnitt und ich darf das ganze restliche Jahr schwimmen. Und dir gebe ich dafür hundert Dollar. Du schreibst meinen Namen auf den Test und ich deinen, dann kriege ich deine Note und du meine, egal wie schlecht sie ist. Dafür geb ich dir jetzt sofort fünfzig und den Rest nach dem Test.“

Das war brillant. Mit miesen Noten so viel Geld machen. Einfach den Test eines anderen so gut bestehen, Namen oben drauf und fertig war die Note. Unsere Lehrer wussten teilweise nicht mal, wie wir hießen. Da könnte ich sogar in Kursen statt der Schüler sitzen und keiner würde es jemals erfahren. Niemanden würde es interessieren, daraus könnte ich eine dauerhafte, große Sache machen! Die Idioten vom Football und ein paar der Mädels vom Basketball oder Volleyball hatten das dringend nötig, die ganze Zeit wurden die besten Spieler wegen einer Note abgesetzt. An dieser Schule für grenzdebile Lerninhalte und absolut debilen Schülern waren gute Noten ein Kinderspiel. Und ich würde sie sowieso nicht brauchen.

„Deal, Bitch“, brummte ich schulterzuckend. Im Moment wollte ich nicht zeigen, wie sehr mich dieses Angebot freute. Sie hatte mir die perfekte Gelegenheit gegeben. Weniger illegalen Scheiß, mehr dauerhafte Arbeit. Viel kleineres Risiko, einfach perfekt! Über den Ausdruck rümpfte die Andere die Nase, kniff kurz die Augen zusammen. Diese Sportler, bildeten sich alle ein, dass sie mit ihren scheiß Leistungen hier rauskommen würden. Also hielten sie sich aus allem raus, vor Leuten wie mir fern, jedenfalls normalerweise. Damit sie keinen Ärger bekamen und ungestört von den Universitäten entdeckt werden konnten.

Die würden eine Menge Geld zahlen, um in ein College zu kommen. Vor allem, wenn sie mit guten Note ankamen. Das wäre an dieser Schule eine wahre Goldgrube. Ohne noch ein weiteres Wort zu sagen drückte sie mir den Schein in die Hand, lächelte mich einen Moment lang an. „Jetzt verschwinde. Ich will keine Zuschauer.“ Gähnend ging ich an ihr vorbei, ließ mich schwungvoll mit dem Rücken gegen den Rand der Tribüne fallen. Dort sank ich zu Boden, lehnte den Hinterkopf gegen die dünne Wand. Es waren erst ein paar Züge, aber in Kombination mit den paar Joints heute Morgen spürte ich schon eine deutliche Wirkung.

Es griff unbarmherzig nach meinem Körper. Als würde es mit meinem Rücken verschmelzen, ein unsichtbares, verdammt schweres Monster, das mich allein mit seinem Gewicht zu Boden gezogen hatte. Auch jetzt noch hielt es mich fest, ließ mich träge werden. Meine gesamten Muskeln waren völlig entspannt, sogar mein Nacken hatte keinerlei Kraft mehr. Genau das war es, das ich gewollt hatte. Entspannung, dass meine Gedanken wieder in einem trägen und dichten Nebel einsanken.

Ich musste nicht mehr so viel überlegen und grübeln. Normalerweise schossen so viele Ideen, Gedanken und Szenen durch meinen Verstand, dass es gar nicht ein einzelner Gedankenstrang sein konnte. Meine Mutter hatte damals meinen IQ testen lassen, weil einer der Vertrauenslehrer ihr hundert Dollar dafür gegeben hatte. Im Zuge dessen musste ich sogar einen Psychiater aufsuchen, der der Meinung gewesen war, dass ich mehr als einen Gedanken zur gleichen Zeit haben konnte.

Sie waren alle fasziniert gewesen, von dem kleinen Mädchen mit dem verwirrenden Kopf. Meine Mutter hatte immer wieder Geld bekommen, für ständig neue Tests. Dann wurde ich acht und das Interesse schwand. Und als meine Mutter keinen Penny mehr bekommen hatte, hatte die Förderung aufgehört. Mit einem Schlag war ich zurück in der dritten Klasse und vollkommen unterfordert worden. Wenn ich kiffen konnte, fiel es mir nicht einmal mehr auf. Dann hörte alles auf, ich wurde ruhiger und die Welt weniger scharf. Der Nebel gab mir die Ruhe, die ich nun einmal nötig hatte.

„Gib es zurück!“

Verblüfft hob ich den Kopf etwas an, musste mehrmals blinzeln, um mein verschwommenes Sichtfeld wieder zu fokussieren. Gedankenlos sah ich mein Gegenüber an, ohne wirklich zu merken, wer sie eigentlich war. Erst, als ich die blaue Farbe sah wusste ich genau, wer da war. „Keine Ahnung von was du redest“, stellte ich schulterzuckend fest. Provozierend zog ich erneut an dem Joint, ohne die Augen dabei von ihr abzuwenden.

Nur zu deutlich konnte ich spüren, wie wütend die junge Frau darüber wurde. Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen, die Stirn runzelte sich und ihre Lippen pressten sich zu einem schmalen Strich zusammen. Auch jetzt noch, am Rande des Spieles, hob und senkte sich ihr Brustkorb hektisch, kleine Schweißtropfen liefen über ihre Stirn. Eigentlich über ihren ganzen Körper.

„Mein Geld. Du hast es aus der Umkleide geklaut!“, stellte sie eiskalt fest.

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Ach ja.
Ich hab gestern eine Nachricht bekommen, die mich irgendwie beunruhigt hat, vor allem, weil der User, der sie geschickt hat, inzwischen abgemeldet ist. Die ging so
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Jetzt bin ich jedenfalls wenig beruhigt und wollte fragen, ob irgendjemand auch so etwas bekommen hat oder was in der Art. Ich wäre echt froh, wenn ich da nich allein stehen würde :) Also, falls irgendwer auch Erfahrung mit hat oder was weiß, gerne eine Mail an mich, bitte :) Oder andere anfragen, die vielleicht auch was bekommen haben könnten. Danke Leute
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