Ghetto Girl

von -bambi-
GeschichteRomanze / P18 Slash
16.10.2017
02.10.2019
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Ein weiteres, eher ruhiges Kapitel :) Danach folgt ein weiteres und ab dann geht der richtige Shit los.

Ihr Lächeln war noch das Selbe, als ich aus der Wohnungstüre schritt. Nur zu deutlich konnte ich erkennen, dass sie sich ehrlich über mein Auftauchen zu freuen schien. Vermutlich war sie neben meinen Kunden der einzige Mensch überhaupt, der mir gern über den Weg lief. Dass das auch irgendwie meine Schuld war, wusste ich selbst. „Siehst gut aus“, begrüßte sie mich mit weicher Stimme.

Sie hatte eine so helle, weibliche Stimme, mir gefiel ihre Tonlage. So vieles an ihr zog mich an, langsam sollte ich wohl anfangen, Dinge an ihr scheiße zu finden. Irgendwas, das diese Anziehung schmälerte. Die Tatsache zum Beispiel, dass sie mich ständig belog. Dass sie mich manipuliert und benutzt hatte, für Drogen und Tod. Durch die Gedanken wurde ich nur wieder wütend, ihrer Attraktivität tat das aber nichts ab.

Warum sah sie auch so gut aus? Sie trug wieder ihre Sportshorts, die locker an ihren Hüften saß, ein eng anliegendes, schwarzes Top und hatte ihre Haare zu einem lockeren Pferdeschwanz zusammengebunden. Blaue Augen glitzerten mich vergnügt an, ihre weichen Lippen hatten sich zu einem sanften Grinsen verzogen.

„Was für eine dumme Aktion hast du dieses Mal geplant? Ich hoffe, ich sterbe dabei nicht wieder, das würde sicher den Spaß verderben“, entgegnete ich leise. Meine Stimme triefte vor Sarkasmus und Ablehnung, wie zur Unterstreichung meiner Gefühle verschränkte ich die Arme vor der Brust. Der Seitenhieb saß, augenblicklich sah sie mich wieder mit ernstem Gesichtsausdruck an.

Ihre Augenfarbe hatte gewechselt, war heute in einem dunkleren Blau. Wie konnten die Blautöne sich nur ständig ändern? „Das tut mir ehrlich leid“, sagte sie eindringlich. Viel zu ernst für meinen Geschmack. Ich hasste es, wenn es ernster wurde. Das bedeutete weniger Spaß. Wie sehr ich mir wünschte, das ekelhafte Gefühl in meinem Brustkorb los zu werden. Dieses verdammte Monster, das mir innerlich zuschrie, dass ich sie zerreißen musste.

Ihr für den Schmerz und die ganzen Manipulationen die Hölle heiß zu machen! Wie gerne würde ich sie zerfetzen, ihr so lange auf die Fresse schlagen, bis sie endlich verstand. So einfach konnte sie nicht mit allem davon kommen. „Und was jetzt? Lädst du mich zum Essen ein und zeigst mir, wie ich ein tolles, kriminelles Leben führe?“, fauchte ich wütend.

Wie hatte ich mich so sehr in ihr täuschen können? Ich war mir so sicher gewesen, dass ich die Kriminelle unter uns war. Stattdessen war sie es, die einen richtig heftigen Drogenring führte. Oder zumindest dabei mitmachte. Wer war dieser verfickte Big Boss, von dem sie gesprochen hatten? Und die Blonde verwirrte mich ungemein. Nichts an ihr war wirklich wahr, sie war fantastisch darin, mich zu täuschen.

Mir alles vorzumachen, was sie wollte. Sie hatte immer so offen und ehrlich gewirkt, aber das war sie schlicht nicht gewesen. Sie hatte mir etwas vorgespielt, von Anfang an. Ein leichtes Lachen drang an meine Ohren, verblüfft hob ich den Kopf wieder. Blickte direkt in ihre belustigt glitzernden Augen, sah ihr Schmunzeln. Zu Lächeln oder Lachen machte sie noch hübscher. Sie sah jünger aus, unbeschwert und frei. Etwas, das ich mir selbst auch wünschen würde.

„So weit sind wir noch lange nicht. Ich dachte eher daran, dass wir endlich mal zu Ende bringen, was wir ständig anfangen“, erwiderte sie amüsiert. Ein leichtes Kribbeln überkam meinen Körper, beinahe hätte ich mich von ihrem Grinsen anstecken lassen. Eine winzige Gänsehaut krabbelte über meinen Rücken, ließ eine angenehme Spannung in mir aufsteigen. Ja, das klang tatsächlich mal gut. Ihr erster richtig guter Vorschlag seit einer Weile.

„Aber ich kann uns auch was kochen“, fügte sie lächelnd hinzu. Ihre Augen schienen noch eine Nuance dunkler zu werden, während sie einen leichten Schritt auf mich zumachte. „Solange ihr was da habt“, ergänzte sie mit einem frechen Grinsen. Ihre Augen hatten wieder diesen unfassbar intensiven Ausdruck und ich hatte dieses Mal wirklich das Gefühl, sie würde mich zum ersten Mal ansehen.

Schluckend erwiderte ich ihren Blick, spürte augenblicklich das Holz der Türe in meinem Rücken. Scheinbar war ich unwillkürlich zurück getreten, während Tai sie hinter mir geschlossen hatte. Doch allein die Erinnerung daran, dass mein Zwilling noch hier war und uns sehen könnte, riss mich aus diesem Gefühl.

Kommentarlos drückte ich mit der rechten Hand gegen ihren Bauch, schob sie so langsam wieder von mir. Tai würde ich jederzeit zutrauen, dass er uns durch den Spion beobachtete wie ein Creep. Wenigstens hatte keiner von uns etwas Dummes von sich gegeben, etwas, das uns verraten könnte. „Warte“, murmelte ich mit belegter Stimme. Sie war noch immer genauso warm wie in der Sonne am Strand, ich hatte noch nie eine, die so wohltuend warm war wie sie.

Ebenso wortlos wie ich blieb sie zwei Schritte vor mir stehen, verschränkte langsam die Arme vor der Brust und stieß ein tiefes, kehliges Seufzen aus. Bei dem provozierenden Grinsen in ihrem Gesicht war mir sofort klar, dass sie absichtlich ein halbes Stöhnen hingelegt hatte, langsam und genüsslich leckte sie sich über die Lippen. Ich musste dringend meine Nerven beruhigen, gerade jetzt. Schweigend kramte ich den Wohnungsschlüssel aus meiner Hosentasche, versuchte dabei irgendwie meinen Herzschlag wieder in den Griff zu bekommen.

Sie hatte rein gar nichts gemacht, sie hatte mich nicht angefasst oder direkt angemacht. Aber es hatte ausgereicht, mich aus der Reserve zu locken. Meinen Puls unverschämt in die Höhe zu treiben, mir war fürchterlich heiß geworden. Irgendwie reagierte ich viel zu sehr auf sie, auf alles, was sie tat. Wann war ich das letzte Mal richtig gevögelt worden?

Sex hatte ich öfter. Es gab eine Menge Gelegenheiten für mich. Entweder sie wollten ausprobieren, experimentieren oder aber es war der älteste Grund der Welt. Wenn eine Frau mit einer Frau schlief, war es kein Betrug. Es war aufregend, super. Aber es zählte eben nicht, nicht in deren Augen. Aber mit jemandem zu schlafen, der es noch nie mit einer Frau gemacht hatte oder nicht wirklich interessiert war, war nicht so befriedigend.

Und die Blonde war definitiv erfahren, sie hatte keine Scheu und schien allgemein gern mit Frauen zu schlafen. Doch sie bekam mit einem einzelnen Blick heftigere Reaktionen von mir, wie andere mit ihrem gesamten Körpereinsatz. Mit ihr würde es sicherlich gut werden. Verdammt gut sogar!

Mit flatterndem Herzen schloss ich die Türe auf, warf noch einen letzten, fast warnenden Blick auf die Blonde und schlüpfte schnell hinein. Tai stand tatsächlich in der Nähe der Türe, musterte mich ruhig. Kein Lächeln auf den Lippen, gar nichts, er sah mich nur an. Lange standen wir einander gegenüber, blickten uns gegenseitig in unsere identischen Augen und versuchten den jeweils anderen einzuschätzen.

Seinen abschätzigen Gesichtsausdruck kannte ich zur Genüge, Tai war zwar ein verschwiegener Kerl, aber er konnte Menschen verdammt gut lesen. „Unvorsichtig!“, schnauzte er nach einer gefühlten Ewigkeit. Sein Gesicht wurde richtig hart, beinahe schon wie eine Maske und er sah mich mit einem Ausdruck an, den man bei ihm nicht besonders oft zu sehen bekam.

„Du bringst Lola ständig hierher! Die Pflanzen waren noch nicht eingerichtet und du warst jeden einzelnen Tag mit ihr hier! Öfter als ich und ich musste growen!“, fauchte ich aufgebracht. Dass er mich so verurteilend ansah, war für mich fast unerträglich. Dieser doppelmoralische Bastard! „Ich kenne sie schon verdammt lange! Und du? Ein paar Tage?“, knurrte er mit dunkler Stimme.

Seine Hände waren zu Fäusten geballt und ich sah, dass seine Arme ganz leicht zitterten. Als würde er seine Faust so fest zusammendrücken, dass seine gesamten Armmuskeln vor Anstrengung bebten. „Ich vertraue Lola blind! Kannst du das auch von dir behaupten?“ Herausfordernd sah er mich an, seine Stimme war einen Tick lauter geworden und am liebsten würde ich ihm entgegen brüllen, dass ich ihr auch vertrauen würde.

Aber das tat ich nun einmal nicht. Ich vertraute ja noch nicht einmal Tai vollkommen und er war mein verfickter Zwilling. Wenn er mich verarschte, würde ich ihn im Schlaf anzünden. Bei ihr hingegen hatte ich schon überlegt, wo ich den Schlüssel fürs Wohnzimmer verstecken würde. Wenn ich sie wirklich in die Wohnung ließ, würde ich meine Pflanzen wegschließen und den Schlüssel vorher verstecken, damit sie gar nicht erst ran kam.

Was sagte das über mich aus?
„Du wolltest nur ficken!“, brüllte ich ihm entgegen. Ich hatte nichts anderes mehr, das ich sagen konnte. Vertrauen war nicht das, was ich für sie empfand und ich konnte mich noch nicht einmal dazu überwinden, dabei zu lügen. Tai wusste zu genau, dass es nicht so war. „Und was ist deine Ausrede?“, schrie er zurück. Sein Gesicht lief rot an, so laut war er geworden. Natürlich hatte er voll ins Schwarze getroffen. Schließlich hatte ich nun wirklich nichts anderes vor, wie er damals.

„Das geht dich nichts an!“ Fuck, war das schwach! Zähneknirschend ballte ich ebenfalls die Fäuste, versuchte irgendwie dem Drang zu widerstehen, ihm sein gesamtes Gebiss auszuschlagen. Lange starrte er mir entgegen, ich konnte sehen, wie auch er seinen Kiefer hart aufeinander presste. Ob er es verstehen würde, wenn ich einen Typen vor der Türe stehen hätte? Wäre das dann angebracht, weil wir dann die selben Beweggründe hätten? „Du bist so ein dummes Arschloch“, zischte er verärgert. Ohne noch ein weiteres Wort zu sagen griff er sich ein Oberteil, das in einer Ecke des Gangs gelegen hatte und stürmte an mir vorbei.

Auch wenn er es nicht zugeben würde, aber gerade in dieser Wohnung hatte ich nun einmal das letzte Wort. Wenn ich diese Wohnung nicht gefunden und mit dem Growen angefangen hätte, wären wir in der Gosse gelandet. Oder im Knast. Es gefiel ihm vielleicht nicht, aber wenn ich jemanden hierher bringen wollte, hatte er das zu akzeptieren. Ich ließ ihm auch seinen Mist durchgehen und mit Lola hatte er damals Scheiße gebaut! Sie war zu früh hier gewesen, er hatte ihr sogar eine Führung durch die Pflanzen gegeben und Lola hatte einen kleinen Teil davon geklaut. Nur einige Knospen, aber dennoch.

Hart rempelte Tai mich mit der Schulter an, als er an mir vorbei lief, ließ mich damit einen Schritt nach hinten stolpern. Zorn wallte in mir auf, mit einer schnellen Drehung und dem Schwung, den sein Körper auf meinen übertragen hatte, versuchte ich einen Schwinger auf seinen Kopf zu landen. Er war zu weit weg und so schlug ich mitten in die Luft, was meine Wut nur noch weiter pushte.

Noch bevor er die Türe hinter sich zuwerfen konnte, brüllte ich ihm einige Flüche hinterher. Mit dem Knall der Türe war es wieder komplett still in der Wohnung, ein seltsames Gefühl breitete sich in meinem Brustkorb aus. Eine merkwürdige Unruhe, die ich nicht erklären konnte. Nur ein paar Worte von ihm und ich fühlte mich komplett beschissen. Kam mir dumm vor, dafür, dass ich einfach nur ficken wollte.

Mehr war es hier auch gar nicht. Ich gab meine Prinzipien und meine eigenen Regeln auf, um gevögelt zu werden. Sogar die Tatsache, dass ich mein eigenes, fehlendes Vertrauen nur dafür auf die Seite schob zeigte doch, dass ich bescheuert sein musste. Geistesabwesend lief ich den Gang entlang, hielt kurz vor dem Wohnzimmer an. Die Pflanzen sahen gut aus, das erkannte ich auf einen Blick, ebenso das braune Tier, das noch immer zwischen den Töpfen lag.

Vielleicht genoss Streuner auch die Wärme, die von den Lampen ausging. Er hatte eine viel zu lange Zeit in dem zugigen Container verbracht, neben seinem toten Freund. An seiner Stelle würde ich auch bei der einzigen heizungsähnlichen Wärmequelle bleiben und die Ruhe genießen. Oder er mochte den Geruch. Ich fand ihn auch nicht schlecht, nahm ihn aber hier gar nicht mehr wirklich wahr.

Um keine Aufmerksamkeit auf uns und die Pflanzen zu ziehen, hatte ich einige Filter in Reihe gebaut, um auch wirklich jeden Partikel zu unterdrücken. Es brachte nur im Raum selbst nicht viel. Ich konnte kontrollieren, was diesen Raum verließ, aber nicht, wie es darin roch. Irgendwann würde ich das auch noch in den Griff bekommen, aber dafür müsste ich jede einzelne Pflanze in ein eigenes Zelt stecken und um ehrlich zu sein war ich dafür schlicht zu faul. Es gefiel mir besser, einen kompletten Überblick über alle zu haben, wenn ich das Zimmer betrat.

„Aufpassen“, befahl ich dem Hund leise. Augenblicklich hob er den Kopf, sah mich aus aufmerksamen Augen direkt an und stellte seinen Ohren auf. Lächelnd schloss ich die Türe vor ihm, drehte den Schlüssel im Schloss und wandte mich ab. Ich konnte den Schlüssel nicht bei mir tragen, immerhin würde sie mich ausziehen. In meinem Zimmer konnte ich ihn auch nicht lassen, wenn ich sie freiwillig rein ließ und der Gang hatte noch nicht einmal Möbel.

Gedankenversunken sah ich mich in dem kleinen Vorraum um, kratzte mich leicht am Hinterkopf. Viele Möglichkeiten hatte ich wirklich nicht, also wurde es Zeit, ein wenig erfinderisch zu werden. Seufzend zog ich dann meine Schuhe aus, hob die Einlagen hoch und legte den Schlüssel darunter, bevor ich die Schuhe sauber an eine Seite der Wand stellte. Sie würde wohl kaum meine Schuhe durchsuchen. Innerlich seufzend ging ich wieder zum Eingang, öffnete die Wohnungstüre.

Die Blonde hatte tatsächlich gewartet, musterte mich mit einem seltsamen Lächeln auf den Lippen. „Klingt, als wäre dein Bruder nicht sehr begeistert, mich hier zu sehen“, meinte sie mit einem leichten Schulterzucken. Irgendwie schaffte sie es, sich durch den schmalen Spalt zu drängen, den ich ihr geöffnet hatte und sah sich in dem kleinen Flur um. Es war wieder eine dieser heruntergekommenen Orte, die sie wohl nicht sehr beeindruckten. Gar nicht zu vergleichen mit der Yacht, zu der sie mich gebracht hatte. Die Wände waren gerade einmal verputzt, nicht gestrichen, der Holzboden war fleckig, voller Staub und Dreck. Nur meine Schuhe standen herum, Tai hatte nichts von sich hier gelassen.

Der Gang war auch nicht besonders groß, innerhalb von zwei Schritten war man bei den fünf anderen Türen. Die winzige Küche und das Badezimmer waren auf der linken Seite, mein Zimmer und das Wohnzimmer waren auf der rechten. Tais Zimmer lag direkt an der Stirnseite, gegenüber der Wohnungstüre. Auch die sahen ziemlich heruntergekommen aus, es blätterte bereits die weiße Farbe vom Holz und mehrere Dellen waren zu sehen. In meiner Türe steckte sogar noch eine Pistolenkugel, die Viola jetzt mit einem seltsamen Gesichtsausdruck musterte.

„Er mag dich nicht“, entgegnete ich nüchtern. Dass sie unseren Streit mitbekommen hatte, machte das alles hier nicht viel besser. Zum Schluss dachte sie noch, ich würde sie persönlich verteidigen und nicht einfach nur meine verborgene Lust. Meine Stimme hatte einen dumpfen Klang, während mein Herz wieder etwas schneller schlug. Erst jetzt fiel mir auf, dass sie eine Tasche dabei hatte, einen relativ großen Rucksack, den sie jetzt unachtsam neben meiner Türe auf den Boden stellte.

Der Rucksack wirkte nicht gerade abgenutzt, da war der Zustand von meinem praktisch katastrophal. Je mehr Zeit ich mit ihr verbrachte, desto weniger wusste ich, ob ich sie wirklich leiden konnte. Ihre Persönlichkeit, alles, für das sie und ihr Leben stand. Anfangs hatte ich wirklich geglaubt, sie wäre mir ein wenig ähnlich. Jetzt hatte ich das Gefühl, sie war falsch.

Da war etwas an ihr, das ich weder einschätzen konnte, noch verstand. Die Tatsache, dass sie optisch mein Typ war hatte mich komplett davon abgelenkt, dass sie ja eine Persönlichkeit besaß. Eine, die gar nicht mit meiner Vorstellung überein stimmte. Ich hatte sie für ihren sportlichen Lebensstil verspottet, aber ich hasste sie für die Art, wie sie Drogen in ihr Leben integrierte. Sie verstand nicht, was es bedeutete kein Geld für Essen zu haben. Sie verstand nicht, was es bedeutete, dumme Dinge tun zu müssen, um zu überleben.

Jemand, der in solchen Mengen Drogen über die Grenzen hinweg vertrieb verstand solche Dinge nicht mehr. Zehntausend Dollar ein paar Mal im Monat. Wo ging das ganze Geld von ihr hin? In noch mehr Drogen? Was war sie für ein verdammter Mensch? Und warum zur Hölle wollte ich das überhaupt wissen? Normalerweise konnte ich Leute ficken, ohne auch nur ihr Alter oder ihren Namen zu kennen und bei ihr interessierte es mich, was sie sich dabei dachte? Das war doch bescheuert!

Während ich in meinen sinnlosen Überlegungen nachgegangen war, hatte sie viel zu viel Aufmerksamkeit der bescheuerten Pistolenkugel in meiner Türe zugewandt. Die war zum Glück schon da gewesen, als wir eingezogen waren. Angeblich waren hier ein paar Leute ermordet worden, das hatte den Mietpreis gedrückt. In dem Moment, in dem mir wieder klar wurde, dass sie nur aus einem Grund hier war, fasste ich eine Entscheidung.

Wenn ich meine Prinzipien schon über Bord warf, musste sich das hier auch wirklich für mich lohnen und ich wollte keine Sekunde länger warten. Wie lange würde es dauern, bis Tai zurück kam? Mein Herz schlug mir bis zum Hals, als ich sie schließlich an ihrem Oberteil zu packen bekam und zu mir herum riss. Bis eben war sie noch in einer leicht gebückten Haltung gewesen, doch ich zog sie so an mich, dass ihr Gesicht plötzlich direkt vor meinem war.

Dass sie so reagieren würde, hatte ich nicht erwartet. Eigentlich hatte ich sie nur hart gegen die Wand drücken und endlich ausziehen wollen. Doch jetzt war sie mir urplötzlich so nah, dass ich ihren Atem auf meinen Lippen spüren konnte, ihre Wimpern so nah waren, dass ich schon glaubte sie könnten mich beim Blinzeln berühren und der Wunsch, sie einfach zu küssen übermächtig wurde.

Erschrockene, tiefblaue Augen bohrten sich so intensiv in meine, dass ich schon im selben Atemzug gar nicht mehr wusste, was ich da eigentlich vorgehabt hatte. Der Ausdruck dieser beiden Seen war unglaublich, ich hatte noch nie so verdammt viele Emotionen auf einmal bei jemandem sehen können. Verblüffung, Belustigung, aufkeimende Erregung und ein so großer Teil Freude, dass mir davon schwindelig wurde.

Wie von selbst fanden ihre Hände den Weg zu meinen Hüften, drückten meinen Körper um einiges enger an ihren. Auch jetzt noch war sie verdammt warm, es fühlte sich an, als würde die Blonde direkt gegen meinen Körper atmen, wenn sich ihr Brustkorb hob und senkte. Innerlich verfluchte ich mich für diese komplette Lähmung, die allein von der Nähe ihrer Lippen zu meinen ausgelöst wurde.

Alles, was ich gerade zustande bekam, war zwischen ihren Augen und ihren Lippen hin und her zu starren und mich fordernd gegen sie zu pressen. Mit einer fließenden Bewegung, die fast nicht bis in mein Bewusstsein dringen wollte, drehte sie sich mit mir in ihren Armen. Es dauerte nur ein paar Sekunden und ich war viel zu gefesselt von dem Moment, um überhaupt zu realisieren, dass sie es nun war, die mich gegen die Wand drückte. Ganz sanft, sodass es mir kaum auffiel, dass etwas Hartes, Kaltes gegen meine Wirbelsäule drückte. Ihre Wärme lullte mich komplett ein, ließ mich nichts anderes mehr spüren.

Ohne auch nur eine einzige Sekunde darüber nachzudenken glitten meine Hände schließlich unter ihr Oberteil, strichen über ihre viel zu weiche Haut. Bei bestimmten Stellen keuchte sie laut auf, obwohl ich nichts anderes tat, als langsam ihren Rücken nachzufahren. Die Wirbelsäule war besonders empfindlich, bei jeder neuen Stelle keuchte und zuckte sie gegen mich.

Ihre Augen fixierten meine, versuchten sie gefangen zu halten, aber sie schaffte es selbst nicht wirklich. Bei jedem weiteren Stöhnen flatterten ihre Augenlider, ich konnte direkt dabei zusehen, wie viel Mühe es sie kostete, sie offen zu halten. Wie sehr sie gegen ihren eigenen Körper kämpfen musste, um die Oberhand zu behalten. Mir kam es sogar so vor, als würde ihr Atem immer heißer werden, während er über mein Gesicht strich, ihre Lippen roter. Ihre Augen sehnsüchtiger.

Sie hatte längst nicht mehr die Kontrolle, auch wenn sie diejenige war, die mich gegen die Wand presste. Inzwischen sogar fester, als würde ihr Leben davon abhängen, dass ich hier festgehalten wurde. Dabei war alles hier so sanft, dass ich mich selbst nicht erkannte. Ich wollte sie küssen. Meine Lippen auf ihre drücken, sie schmecken. Fühlen, wie sehr sie mich gerade wollte und wie sehr ich sie. Der Impuls war so stark, dass ich mich ganz langsam nach vorne lehnte. Nur mein Kopf, mein Oberkörper war komplett von ihr fixiert, meine Augen hingen an ihren roten Lippen.

Wieder entwich ihr dieser warme, kehlige Laut, bei dem auch mir immer wieder eine leichte Gänsehaut über den Rücken lief. Mein Herz schlug mir inzwischen bis zum Hals, in meinen Ohren konnte ich mein Blut rauschen hören und mein gesamtes Dasein schien komplett auf sie fixiert. Auf dieses seltsame Gefühl, das ich bisher noch nie wirklich in diesem Umfang zu spüren bekommen hatte und das mich jetzt förmlich erschlug; Sicherheit.

Als könnte in dieser Sekunde gar nichts Schlechtes passieren, schließlich versprach alles an der Situation nur Gutes. Und ich wollte nichts mehr, als mich in dieses Gefühl und gegen ihren Körper fallen zu lassen.

In der Sekunde, in der ich mir schon sicher war, dass ich ihre Lippen auf meinen fühlen konnte, drang ein seltsames Geräusch an meine Ohren. Klimpernd, wie von einem Schlüssel, der in ein Schloss gesteckt wurde. Mein Verstand konnte den Laut noch nicht einmal ganz verarbeiten, da hatte ich sie schon so fest von mir gestoßen, dass sie praktisch einen richtigen Satz in der Luft machte.

Irgendwie versuchte sie sogar, meine Hände von sich zu stoßen, aber sie reagierte zu langsam und starrte mich jetzt, einige Schritte von mir entfernt, mit einer Mischung aus Wut, Verwirrung und Enttäuschung in den Augen an. Ihre Wangen waren flammend rot, ihr Atem ging viel zu schnell und wenn ich die Zeit gehabt hätte, auf meinen eigenen Körper zu hören wäre mir klar, dass ich nicht anders aussehen konnte.

Aber im nächsten Augenblick wurde die Haustüre schon aufgerissen und Tai stampfte wieder rein, direkt hinter ihm meine beiden Brüder Kai und Vlad, die beide je zwei Kartons Pizza auf den Armen balancierten. In der Tür blieben die drei kurz stehen, musterten uns eingehend. Tai murmelte etwas, das klang wie „hab was vergessen“, aber Kai und Vlad grinsten mich breit an.

Am liebsten hätte ich den beiden eine reingehauen! Nicht genug, dass sie gerade jetzt hatten stören müssen, ich erkannte deutlich das Geräusch von Bierflaschen im Rucksack von Vlad. Dummes Arschloch. Das letzte Mal hatte ihnen wohl nicht gereicht. „Sorry, dass wir deinen Wodka geklaut haben“, meinte Kai schulterzuckend. Mit einem, für seine Verhältnisse, gewinnenden Lächeln drückte er mir den größten Karton in die Hand und stellte eine Flasche Wodka darauf ab.

Verwirrt blinzelnd erwiderte ich seinen Blick, das schiefe und fast schon ängstliche Grinsen auf seinem Gesicht zeigte deutlich, wie sehr er sich eigentlich vor diesem Moment gefürchtet hatte. In der Sekunde, in der mir klar wurde, warum keiner der Beiden früher hergekommen war, konnte ich ihnen nicht mehr wirklich böse sein. Sie hatten sich lieber meiner Mutter ausgesetzt, als meiner Wut vor ihrem Diebstahl. Irgendwo tief in mir spürte ich einen Stich durch meinen Körper jagen und seufzte auf.

„Mach‘s nie wieder“, murmelte ich mit sanfter Stimme. Schnipste einfach gegen seine Stirn und lächelte schwach zurück. Mein Herzschlag hatte sich noch nicht normalisiert und mein gesamter Körper schrie nach der Nähe der Blonden. Die fehlende Wärme auf meiner Haut war fast unerträglich und ich musste hart schlucken, um meine stärker werdende Frustration zu verstecken.

Die Augen der beiden Jungs leuchteten fast schon in ihrer Furcht, während sie mich weiter unbewegt anstarrten. Was sollte ich jetzt tun? Ich hatte keine Lust, auf die beiden aufzupassen, aber wenn sie mir so ein Friedensangebot machten, war es schwer, nein zu sagen. Pizza, ein paar Joints und einige Drinks klangen wirklich verlockend. Sex aber umso mehr.

Aber die zwei hier zu haben, während ich es mir besorgen ließ, klang verdammt riskant. „Können wir hierbleiben? Mom hat einen Kerl zuhause und“, fing Vlad mit belegter Stimme an. Irgendwie schien ihm der Mut zu fehlen, weiter zu reden, aber ich verstand ihn auch so. Sie hatte einen Kerl zuhause. Nicht zwei, nicht zehn. Keine Party, sondern der andere Shit. Da wollte keiner von uns zuhause sein.

Tai drückte sich wieder an uns vorbei, warf mir einen weiteren, wütenden Blick zu und hielt dabei ein riesiges Militärmesser nach oben. Als wollte er sagen „das hab ich vergessen“. Ein seltsames Gefühl kroch von meinem Bauch aus höher, in jeden noch so kleinen, entlegenen Winkel meines Körpers. Wie eine schlechte Vorahnung, eine undeutliche Warnung, dass eine Katastrophe auf uns zukam.

„Dumme Idee!“, rief ich ihm nach. Mehr schaffte ich nicht, er war zu schnell zur Tür raus gewesen. Die Entschlossenheit in seinen Augen beunruhigte mich und ich konnte fühlen, dass die Blonde wieder neben mich getreten war. „Will er sie umbringen?“, wollte sie leise wissen. Die Wärme ihres Körpers an meiner Seite zu spüren während sich eine eisige Kälte in mir ausbreitete war ein seltsames Gefühl.

Nicht beruhigend oder sonst irgendwie positiv. Es verschlimmerte meine Gefühle nur noch weiter, ließ mich frösteln. „Nein“, erwiderte ich tonlos. Ich wünschte, er könnte es. Wenn er es nicht konnte und nicht schnell genug war, wäre sie es, die ihn abstechen würde. Frustriert seufzend fuhr ich mir durch meine total chaotischen Haare und fühlte regelrecht, wie meine gesamte Kraft und Energie aus mir herausglitt.

Ich musste ihm folgen.
Verdammte Scheiße!

„Tai hat gesagt, du hast einen Hund! Können wir ihn sehen? Wir stören dich und deine Freundin auch nicht!“ Das plötzliche Betteln meiner kleinen Geschwister holte mich aus den tiefen, dunklen Gedanken, verblüfft starrte ich die beiden an. Ich war wirklich der größte Idiot. Natürlich wollten sie nicht, dass ich dabei war. Sie fingen gerade an, Alkohol für sich zu entdecken, da wollten sie keine Fremden dabei haben.

Ich könnte meinen Plan mit der Blonden noch umsetzen. Die beiden Jungs zu Streuner ins Wohnzimmer an den Fernseher setzen und sie machen lassen. Das Schlimmste, das sie dort anstellen könnten, wären ein paar Blüten zu klauen. Mit dem Kiffen hatte ich auch etwa mit zehn angefangen, geschadet hatte es mir nicht. Und hier waren sie wenigstens sicher. Außerdem würde die Blonde keine dumme Nummer versuchen, wenn meine Brüder die ganze Zeit bei den Pflanzen waren.

„Die Tür mit der Kugel, geh schon mal vor“, meinte ich an Viola gewandt. Die Blonde schenkte mir ein so strahlendes Lächeln, dass ich mir schon irgendwie verarscht vorkam. Aber sie zwinkerte meinen Brüdern zu, grinste noch etwas breiter und huschte dann ohne eine Sekunde zu zögern in mein Zimmer. Verblüfft sah ich, dass Kai bei ihrem Grinsen kurz rot geworden war und sich abwandte.

Toll. Mein kleiner Bruder fand meinen Zwischenfick heiß. Das wäre fast schon eine Psychoanalyse wert. Kranke Familienscheiße, das hatte mir noch gefehlt. Zum Glück war er noch scheiße klein und würde sicher nichts versuchen, aber der Gedanke war doch irgendwie seltsam. Seit wann interessierte er sich überhaupt für Mädchen? Letztes Jahr fand er es noch super ekelhaft, dass ihn eine aus seiner Klasse auf die Wange geküsst hatte.

Kommentarlos hob ich den Schuh mit dem Schlüssel hoch, nahm das kleine Metallteil raus und warf es Vlad zu. Die Beiden waren schon öfter hier gewesen und kannten sich aus, ich musste also auch nicht erst den Babysitter spielen und sie auf die Couch setzen. „Schinken ist im Kühlschrank, gebt ihm erst was zu fressen, dann dürft ihr ihn streicheln. Heißt Streuner, ist ein Lieber“, ratterte ich abwesend runter.

In Gedanken war ich bereits wieder bei der Blonden, wie sie sich komplett nackt unter mir winden würde. Aber die Begeisterung der beiden Jungs war auch ganz niedlich, wenn ich ehrlich war.
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