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Das blaue Zimmer

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12
Dr. Gregory House Dr. James Wilson Stacy Warner
15.10.2017
15.10.2017
1
1.171
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Dieses Kapitel
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15.10.2017 1.171
 
Titel: Das blaue Zimmer
Autor: Lady Charena (Mai 2007)
Fandom: House, MD
Charaktere: Gregory House, Stacy Warner, James Wilson
Pairing: Greg/Stacy
Rating: ab 12, het
100-ff-Challenge Thema: # 015 Blau
Word Count: 1175



Summe: „Alles, was ich liebe, ist in diese Zimmer“, flüstert sie in das zufriedene Schweigen und hofft darauf, dass er versteht, was völlig unmöglich zu erklären ist.

Anmerkung des Autoren: angesiedelt vor Serienbeginn. Vielen Dank an T’Len fürs beta lesen.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.  


Sie trinken aus den blauen Tassen, die sie in einem Schrank gefunden haben, zusammen mit einem Wasserkocher und Teebeuteln, zwischen lavendelfarbenen Leintüchern, in einem blauen Zimmer. Durch die Vorhänge gefiltertes, graublaues Morgenlicht liegt weich auf ihrer Haut.

Sie bleiben den ganzen Tag in diesem Zimmer. Dabei sind sie eigentlich wegen der schönen Landschaft hergefahren, von der Freunde ihnen vor schwärmten.

Nur für eine Weile gehen sie schließlich doch vor die Tür, denn es gibt in der kleinen Pension in Cockney keinen Zimmerservice und sie sind hungrig geworden.

Sie sind ganz alleine in dem niederen, alten Gastraum, die einzigen Gäste, das Essen ist deftig und ungewohnt, doch sie schenken ihm ohnehin kaum Aufmerksamkeit. Statt dessen sprechen sie und scheinen nie der Worte müde zu werden, und selbst wenn sie schweigen, ist das Schweigen erfüllt von Gedanken, die in ihren Blicken ausgetauscht werden.

Sie brauchen in diesen Tagen nicht mehr als Wörter und Schweigen.

Sie haben sich diese Reise selbst geschenkt, um zu feiern, dass sie fünf Jahre zusammenlebten.

Durch die hellblauen Vorhänge hindurch färbt die Spätnachmittagssonne den blauen Raum mit zitterndem Unterwasserlicht, als sie dorthin zurückkehren. Mit dem Schließen der Tür ist es, als seien sie in eine andere Welt eingetaucht.

Die letzten Kleidungsstücke gleiten von ihnen, als sie aufeinander zu gehen, gewichtslos, trunken, überflutet vom Verlangen nach einander.

Es ist wie das Versinken in einem blauen Ozean, in dem blauen Licht, als forme sich das Bett um sie. Und als sie die Augen öffnet, sieht sie Lichtmuster an der Decke, Schatten von Zweigen, verschlungener und geheimnisvoller als Träume.

Noch später.

Eine schlanke Lampe, die sie am Tag zuvor auf einem Markt gekauft haben, leuchtet golden, während sich draußen die Dunkelheit ausbreitet.

„Alles, was ich liebe, ist in diese Zimmer“, flüstert sie in das zufriedene Schweigen und hofft darauf, dass er versteht, was völlig unmöglich zu erklären ist.

Sie haben eine Flasche Wein aus der Gaststube mitgebracht.

Und die Gläser, aus denen sie trinken, sind natürlich blau. Sie verlassen das Bett und kuscheln sich auf einem alten, niedrigen Sofa vor dem Fenster aneinander. Er beugt sich vor, um ihr Glas wieder zu füllen und schattenleichte Küsse streifen ihre Schläfen und Wangen. Sie sprechen wieder, noch immer. Er küsst sie auf den Mund, sie küsst ihn auf den Mund. Und noch immer sprechen sie.

„Gehen wir wieder ins Bett?“, fragt er schließlich.

Sie lehnt sich an ihn und die Wärme seines Körpers durchdringt sie. Ihre Hände umschließen sein Gesicht, als sie in seine hellen, lachenden Augen sieht. Sie bringen eine Helligkeit in den Raum, als wären die blauen Vorhänge zur Seite gezogen worden, um das Licht der inzwischen untergegangenen Sonne herein zu lassen.

Er streckt die Hand aus, tippt mit dem Finger gegen ihre Stirn. „Ich wüsste zu gerne, was da drinnen vor sich geht.“

Goldene Lichtmuster der kleinen Lampe, die sie gemeinsam ausgesucht haben, fließen über das Bett, ihre Körper, als sie sich lieben, in dem blauen Zimmer.

Wieder sieht sie in seine Augen.

„Was siehst du?“, fragt er und die nie versiegende Neugier füllt seinen Blick.

„Dich“, antwortet sie und küsst ihn.


* * *


Als sie den Flughafen verlassen und auf ein Taxi warten, dass sie nach Hause bringt, fällt ihr auf, dass seine Hand unablässig seinen rechten Oberschenkel knetet. Sie legt ihre Finger über seine und wartet, bis er sie ansieht. „Alles okay?“

Er lacht. „Natürlich. Ich bin nur ein wenig steif nach dem langen Flug.“


* * *


Das blaue Zimmer, die Woche in Cockney, die Worte und selbst das gemeinsame Schweigen... es scheint ferner als der Mond.

Jetzt ist da nur noch kaltes Schweigen. Sein Schweigen.

Er straft sie mit seinem Schweigen. Seit er aus der Narkose aufgewacht ist und erkannte, was mit ihm geschehen war.

Vor zwei Tagen hat sie ihn aus dem Krankenhaus nach Hause gebracht. Doch in diesen beiden Tagen sind sie nie wirklich alleine gewesen. James Anwesenheit ist wie ein Puffer zwischen ihnen. Ein Puffer, für den sie beide dankbar sind. James scheint der einzige zu sein, der ihn erreicht. Vielleicht weil er nicht dabei gewesen ist, keinen unmittelbaren Anteil an den Geschehnissen hatte. Obwohl er mit ihnen beiden befreundet ist, scheint James eine Art neutrale Partei zu sein... die sich jedoch langsam auch gegen sie wendet.

James hatte ihm geholfen, sich auszuziehen und ihn ins Bett gebracht. Jetzt ist er nach Hause gefahren, nicht weil er das unbedingt will, sondern weil seine Ehe bereits auf bröckelnden Beinen steht und seine Frau sich nicht sehr verständnisvoll zeigt, dass er ihren Urlaub so abrupt abgebrochen hat. Er hat versprochen, früh am Morgen wieder zu kommen.

Sie setzt sich ins Wohnzimmer, versucht zu lesen, ohne in der Lage zu sein, sich auf die Worte zu konzentrieren. Irgendwann steht sie auf und geht zur Tür zum Schlafzimmer. Sie ist nur angelehnt, so dass er sie rufen kann. Aber sie wissen beide, er wird es nicht tun.

Sie lehnt sich gegen den Türrahmen und sieht in das abgedunkelte Zimmer; die Lampe, die sie aus England mitgebracht haben, steht auf dem Nachttisch und wirft ihren sanften Schein über das Bett.

Sie sieht ihn auf der Bettkante sitzen, den Kopf in die Hände gestützt. Er hat ihr den Rücken zugewandt und er zittert. Es ist völlig still in dem Zimmer. Und in der Stille spürt sie, dass er weint, obwohl er keinen Laut von sich gibt.

Ihre Finger pressen sich in das unnachgiebige Holz. Ihr Herz klopft vor Schmerz und Entsetzen so laut, dass sie denkt, er müsse es hören.

Zu wissen, dass sie ihm nicht helfen kann, ist schlimm. Zu wissen, dass sie nicht einmal versuchen darf, ihm zu helfen, ist unerträglich.

Sein stilles Weinen in dem dunklen Zimmer, es zerreißt sie beide.


* * *


James hilft ihr, den letzten ihrer Koffer nach draußen zu tragen, zu dem Taxi, das auf sie wartet. Sie sieht ihn an und er nickt, als er die Frage in ihren Augen liest. „Ich passe auf ihn auf“, verspricht er.

Sie umarmen sich flüchtig, dann kehren sie noch einmal zurück in die Wohnung. James lässt sie alleine mit ihm, verschwindet in die Küche und schließt die Tür hinter sich.

Zum ersten Mal, seit sie ihm gesagt hat, dass sie es nicht mehr aushält und ihn verlässt, sieht er sie an.

„Was siehst du?“, fragte er und der nie versiegende Schmerz füllt seinen Blick.

„Nur mich selbst“, antwortet sie und wendet sich ab, um zu gehen, bevor sie beide untergingen.


Ende
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