Nur ein einziger Kuss

von katie1999
GeschichteDrama, Romanze / P12
14.10.2017
14.10.2017
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Nur ein einziger Kuss

Der Vaquero in der Taverne forderte ein weiteres Glas nachdem er schon mehrere gehabt hatte.

„Señor, Sie hatten bereits genug, Es ist besser, wenn sie jetzt gehen,“ lehnte Victoria mit fester Stimme ab.

„Warum sind sie so unfreundlich?“, fragte der Mann unhöflich, während er sie beim Arm fasste. „Warum haben wir zwei nicht ein wenig Spaß?“

„Lassen Sie mich los,“ forderte Victoria ihn auf, doch der Mann lachte nur. „Was willst du machen, wenn ich es nicht tue?“

Diego hatte sich zu ihrer Verteidigung von seinem Stuhl erhoben. „Lassen Sie sie los!“, verlangte er ärgerlich.
Der Vaquero schenkte ihm keine Beachtung, sondern holte stattdessen eine Pistole unter dem Tisch hervor, die er auf Victoria richtete.
„Kümmern sie sich besser um ihre eigenen Sachen, Señor“, wandte er sich an Diego. „Nun werden die Senorita und ich ein wenig Spaß haben.“

Er begann Victoria zur Treppen zu zerren, während er die Pistole die ganze Zeit zwischen ihre Schulterblätter gerichtet hielt. Victoria war verängstigt und sah Diego mit weiten Augen an, der ein paar Schritte vor Ihnen halt gemacht hatte. Die anderen Gäste waren wie gelähmt und sahen mit Entsetzen auf die Szene.

„Ich sagte, Sie sollen sie gehen lassen!“ wiederholte er mit tiefer drohender Stimme, aber der Vaquero ging unbeirrt weiter, was ihn näher zu Diego brachte, der neben der Treppe stand. In dem Moment als sie an Diego vorbeigingen, stellte sich Diego zwischen Victoria und die Pistole. Er war schnell, aber nicht schnell genug um den Schuss, der sich aus der Pistole löste völlig abzulenken. Er betäubte den Mann mit einem Kinnhaken seiner rechten Hand, während er den Schmerz in seinem linken Arm spürte.

Als alles vorüber war, kamen auch die andere Gäste aus ihrer Erstarrung. Mendoza kam herbei, um den Banditen zu fesseln und ins Gefängnis zu bringen, während er noch bewusstlos war.
„Das war bewundernswert, Don Diego. Ich hätte nie gedacht, dass ihr dazu in der Lage wärt“, beglückwünschte ihn Mendoza.
„Warum habt Ihr das gemacht?“ fragte ihn Victoria immer noch entsetzt, „Ihr hättet getötet werden können, wenn die Kugel Euch nicht verfehlt hätte.“ Aber dann sah sie den größer werdenden Fleck auf seinem Oberarm.
„Ihr seid verletzt!“ rief sie aus, „lasst mich Euch helfen. Zieht Euer Hemd aus und ich versorge Eure Wunde.“

Diego versuchte, den Schmerz in seinem Arm zu ignorieren, denn er wusste, wenn die anderen die Narben auf seinem Körper sahen, würde sie misstrauisch werden, woher ein zurückhaltender Mann wie er sie hatte.
„Es ist nur ein Kratzer. Ihr musst Euch nicht darum kümmern. Seid Ihr in Ordnung?“, versuchte er die Aufmerksamkeit von sich abzulenken. „Ich werde in eines Deiner Gästezimmer gehen und mich dort darum kümmern.“
„Warum seid Ihr so schüchtern, Diego?“, fragte ihn Victoria verständnislos. „Aber wenn Ihr darauf besteht, werde ich Euch Verbandsmaterial und etwas zum Säubern der Wunde bringen. Ihr könnt den Raum auf der rechten Seite der Treppe nehmen.“

Diego ging auf das Zimmer, wo er sich auf das Bett setzte, erleichtert, der Aufmerksamkeit der Gäste zu entkommen. Ein paar Minuten später erschien Victoria mit Wasser und Alkohol zum Reinigen der Wunden und Verbandsmaterial. Er sah sie an und wartete darauf, dass sie alles abstellte und wieder ging.
„Diego, seid nicht so schüchtern. Zieht Eure Jacke und Euer Hemd aus und ich werde mir die Wunde ansehen. Das ist das wenigste was ich tun kann, nachdem Ihr heute mein Leben gerettet habt. Wie wollt Ihr Euch selbst verbinden mit nur einem Arm? Ich kenne mich aus, ich habe schon meine Brüder verbunden.“
Er versuchte sich nicht zu bewegen, während er immer noch darauf wartete, dass sie ging, aber sie starrte ihn nur an. Der Schmerz in seinem Arm bewegte ihn dazu, nachzugeben und seufzend zog er seine Jacke und den linken Ärmel seines Hemdes aus, wobei er sich bemühte, sich so gut wie möglich mit dem Rest seines Hemdes zu bedecken.
„Bitte, Diego! Aber wenn Ihr darauf besteht!“ sagte sie verärgert über seine Schüchternheit.

Sie starrte ihn an, nachdem sie seinen Arm bandagiert hatte und konnte sich nicht erklären, warum sie sich plötzlich so zu ihm hingezogen fühlte. Unfähig ihre Augen abzuwenden, wollte sie seine nackte Haut spüren und sie legte ihre Hände auf seine Schultern unter dem Hemd. Als sie ihn küsste explodierte die Welt um sie herum. Diego erwiderte ihren Kuss mit einer Leidenschaft, die sie nie von ihm erwartet hatte. Zorro hatte sich immer zurückgehalten und ihre Küsse kurz und zärtlich gehalten, aber Diego war zu überrascht, um sich zu beherrschend gab ihr den leidenschaftlichsten Kuss, den sie jemals erhalten hatte. Seine Muskeln fühlten sich gut unter ihrer Berührung an und die Art wie er ihren Mund erforschte, brachte sie außer Atem.
Als sie sich voneinander lösten, war sie sprachlos von seiner Leidenschaft und seiner plötzlich enthüllten Liebe.
„Oh Diego, warum habt Ihr niemals etwa gesagt?“ flüsterte sie. Sie wollte sagen, dass sie es nicht gewollte hatte, aber das wäre eine Lüge.
Aber sie liebte doch Zorro, wie konnte sie dann zur gleichen Zeit Diego begehren? Verwirrt durch ihre widersprüchlichen Gefühle drehte sie sich um,lief hinaus in ihr Zimmer und verschloss die Tür hinter sich.
Ein paar Minuten später hörte sie Diego leicht an die Tür klopfen, aber sie ignorierte es und öffnete auch nicht auf sein wiederholtes Klopfen.


Wie erwartet, kam Zorro sie am Abend besuchen, aber wie konnte sie ihm in die Augen sehen, nachdem sie ihn betrogen hatte und einen anderen Mann geküsst hatte? Sie liebte ihn, aber sie konnte auch ihre Gefühle für Diego nicht ignorieren. Sie liebte Zorro, aber gleichzeitig wollte sie auch Diego. Als er die Hand nach ihr ausstreckte, eilte sie nicht wie gewohnt in seine Arme, sondern wandte sich von ihm ab.
„Bitte Zorro, geh wieder. Ich muss heute allein sein.“

Zorro war geschockt. Es war das erste mal, dass sie ihn fortschickte.
„Gibt es ein Problem, Querida? Bist Du ärgerlich auf mich, weil ich nicht da war, als Du angegriffen wurdest? Sag mir, was Dich beunruhigt!“
„Nein, Zorro ich bin nicht ärgerlich auf Dich und ich will nicht darüber reden. Bitte lass mich allein. Es war ein aufregender Tag und ich muss mich ausruhen“, sagte sie ungeduldig.
Zorro kannte sie gut genug, um zu wissen, dass sie ihre Meinung nicht ändern würde, wenn sie zum Reden nicht in der Stimmung war.
„Dann schlaf gut!“ Seine Verletzung war in seiner Stimme zu hören, als er sich umdrehte und so leise verschwand, wie er gekommen war.
Statt zu schlafen, warf sie sich auf ihr Bett und vergrub ihr Gesicht weinend im Kissen. Warum hatte sie nur ein solches Chaos aus ihrem Leben gemacht? Es war doch nur ein einziger Kuss gewesen, der alles auf den Kopf gestellt hatte. Sie hatte nicht gewusst, dass Diego so für sie empfand. Wer hätte gedacht, dass er sie so leidenschaftlich küssen würde und ihr zeigte, wie sehr er sie begehrte und sie begehrte ihn auch. Nun wusste sie, wer die Frau war, die er schon so lange liebte und die in einen anderen Mann verliebt war.

Kapitel 2

Als sie Diego am nächsten Tag in der Taverne sah, spürte sie die Spannung zwischen ihnen. Die gute Freundschaft, die sie als gegeben hingenommen hatte, war verschwunden,, da sie jetzt wusste, was er all die Jahre vor ihr verheimlicht hatte. Diego versuchte unter vier Augen mit ihr zu reden, aber sie wich ihm aus so gut es ging und sorgte dafür, dass sie keinen Augenblick mit ihm allein war, bis er die Botschaft verstanden hatte und seine Bemühungen aufgab.
Alejandro begriff schnell, dass etwas zwischen ihnen nicht in Ordnung war und fragte Diego, ob sie einen Streit gehabt hätten.
„Nein, Vater, wir hatten keinen Streit.“ Es war die Wahrheit, denn Küssen konnte man nicht als Streiten bezeichnen.
„Was ist dann passiert?“ forschte Alejandro. „Erst rettest Du ihr Leben mit dieser leichtsinnigen Tat und jetzt redet sie nicht mehr mit Dir?“
„Vater, ich möchte nicht darüber reden.“ Diego fuhr fort, langsam seine Limonade zu trinken und machte deutlich, dass er nicht gewillt war, weitere Auskünfte zu geben.

Verärgert ging Alejandro in die Küche, um mit Victoria zu reden. Victoria war tief in Gedanken versunken und hörte ihn nicht eintreten. Überrascht ließ sie das Geschirr fallen, dass sie in der Hand gehabt hatte, als er sie ansprach.
„Victoria, es tut mir leid, dass ich Euch erschreckt habe. Ich wollte wissen, was zwischen Euch und Diego nicht stimmt. Hat er sich Euch gegenüber ungehörig verhalten?“
„Nein, Alejandro, es ist nicht Diegos Schuld. Er nichts Falsches getan. Aber wenn Ihr mich jetzt entschuldigt, ich muss das hier aufräumen und meine Gäste warten auf ihre Bestellung.“

Frustriert durch die unzureichende Antwort zog sich Alejandro in den Gastraum zurück.
Nicht nur Alejandro war durch Victorias Verhalten frustriert. Diego wusste, dass er mit Victoria reden musste, aber solange sie ihm auswich, hatte er keine Möglichkeit dazu.

Das nächste Mal, als Zorro in das Pueblo kam, wendete sie sich ab, um einen Augenkontakt mit ihm zu vermeiden, und zog sich in die Taverne zurück, bis er wieder weg war. Sie schämte sich immer noch zu sehr, um ihm gegenüber zu treten.
Das war willkommenes Futter für die lokale Gerüchteküche. Die Tavernenbesitzerin hatte nicht nur Streit mit ihrem besten Freund Diego, sie war auch auf Zorro ärgerlich.

Diego wusste nicht, was er tun sollte. Victorias Verhalten war ihm ein Rätsel. Er konnte verstehen, dass ihre Freundschaft sich nun geändert hatte, wo sie seine wahren Gefühle kannte, aber sie sprach auch nicht mehr mit Zorro.
Oder hatte sie herausgefunden, dass er Zorro war und war auf seine beiden Seiten wütend, weil er sie getäuscht hatte? Als er sie am Abend nach dem Angriff besucht hatte, hatte er vorgehabt, seine Maske abzunehmen und ihr seine Identität zu enthüllen, aber ihre Ablehnung, mit ihm zu reden, hatte es unmöglich gemacht.
Seine Laune verschlechterte sich mit jedem Tag, bis Alejandro es nicht länger ertragen konnte. Sein Sohn, der normalerweise ruhig und ausgeglichen war, zeigte seine Launen, indem er entweder sehr reizbar war oder vor sich hin brütete.
„Diego, ich weiß nicht, was Du und Victoria für ein Problem habt, aber ihr solltet es klären, indem ihr miteinander redet. Victoria fährt ihre Gäste an und wird schon bald keine mehr haben, wenn sie so weiter macht und Deine Launen sind auch kaum noch auszuhalten. Ich habe sie heute Abend zum Essen eingeladen. Sie wollte zuerst nicht kommen und erst als ich ihr gesagt habe, dass Du nicht da wärst, hat sie der Einladung zugestimmt. Sag mir Diego, was hast Du ihr getan, dass sie Dich plötzlich unter allen Umständen vermeidet?“
Als Diego weiter schwieg, wurde er wieder ärgerlich.
„Ach, behalte Deine Geheimnisse für Dich, aber kläre es heute Abend.“ Genervt wedelte er mit seinen Handschuhen und verließ den Raum in aufgeregter Stimmung.

Z Z Z

Victoria war überrascht, als sie bei ihrer Ankunft Diego in der Bibliothek stehen sah.

„Ihr müsst mir meine kleine Lüge verzeihen, Victoria“, sagte Alejandro. Es war meine Idee, Euch hierher zu locken, indem ich Euch sagte, dass Diego heute nicht hier wäre. Er wusste nichts davon, bis ich es ihm vor einer Stunde erzählte. Was immer ihr für Probleme habt, ihr solltet darüber reden. Warum geht ihr nicht in den Garten, da wird keiner euer Geschrei“, er schielte zu Victoria, die leicht errötete, „oder euer Reden oder was immer ihr auch vorhabt, hören. Aber braucht nicht zu lange, das Essen ist bald fertig.“
Nervös vermied Victoria Diegos Augen, als sie ihn in den Garten führte, bis sie außer Hörweite waren.
„Mein Vater hat recht, Victoria, wir müssen über letzte Woche miteinander reden.“

„Bitte, Diego, können wir nicht einfach vergessen, was passiert ist? Es war doch nur ein Kuss und ich weiß nicht, was über mich gekommen ist, dass ich Dich geküsst habe. Ich habe es nie gewollt.“
„Lüge mich und Dich nicht an, Victoria. Du kannst nicht leugnen, dass wir beide es wollten.“

„Aber kannst Du nicht verstehen, Diego, Ich liebe Zorro und ich kann ihn nicht mit Dir betrügen. Ich fühle mich so schlecht dabei.“ Victoria begann zu weinen.
„Nicht weinen, Victoria. Alles wird gut, vertrau mir!“
„Wie kannst Du das sagen, Diego. Ich will Zorro Deinetwegen nicht verlieren und Dich auch nicht.“
„Schließe bitte Deine Augen, Victoria,“ sagte er mit einer leisen Stimme, die jetzt viel tiefer klang.

Unfähig sich ihm zu widersetzen, tat sie wie gebeten. Langsam nahm er sie in die Arme, hielt sie fest wie er es so oft als Zorro getan hatte und gab ihr einen der zärtlichen Küsse, wie er sie sonst als Zorro gegeben hatte. Sie erkannte sofort die vertraute Berührung und schlang in Erwiderung ihre Arme um seinen Hals. Langsam intensivierte er seinen Kuss, bis sie sich so leidenschaftlich küssten, wie an dem Tag, als er sie als Diego küsste. Erst da begriff sie, was passierte. Überrascht öffnete sie ihre Augen und sah Diego an.

„Du bist Zorro! Und ich dachte, ich werde verrückt, weil ich mich so zu Dir hingezogen fühlte, Diego, aber ihr seid ein und derselbe! Warum hast Du es mir nicht gesagt?“

„Ich wollte Dir an dem Abend die Wahrheit sagen, als ich Dich als Zorro besucht habe, aber Du hast mir keine Gelegenheit gegeben, mit Dir zu reden.“

„Es tut mir leid Diego, aber ich war so durcheinander. Ich wollte Zorros Liebe, aber zur gleichen Zeit wollte ich die Leidenschaft, die Du mir als Diego gabst und ich wusste nicht was ich tun sollte.“
„Es ist alles gut, Victoria. Ich liebe und begehre Dich. Ich werde Dir jede Art von Küssen geben, die Du willst, wenn Du mich noch immer heiraten willst?“ Sie brauchte keine weitere Einladung, um sich mit vollem Herzen in seine Arme zu werfen.
Sie waren beide außer Atem, als sie wieder auseinander traten. Sie wollten gerade wieder von vorn anfangen, wurden aber von Alejandro unterbrochen, der sie zum Essen rief.
Alejandro hatte erwartet, sie bei einem Streit zu stören, aber nicht sie so leidenschaftlich umschlungen zu sehen.
„Ähem“, räusperte er sich laut hörbar, um auf sich aufmerksam zu machen. „Könnt ihr mir bitte erklären, was hier vor sich geht? Diego? Victoria?“
„Vater, I denke Du kannst uns gratulieren. Victoria hat eingewilligt, mich zu heiraten.“ Er legte seinen Arm um Victorias Taille, die ihn glücklich anlächelte.

„Und was ist mit Zorro?“

„Welche Erklärung willst Du hören? Die für den Alcalden oder die richtige?“ fragte Diego.

„Warum gibt es da Unterschiede?“ fragte Alejandro verständnislos.

„Die wahre Erklärung ist die, dass ich Zorro bin und die offizielle wird sein..“ Diego beendete seinen Satz nicht.
„Dass ich es leid bin auf Zorro zu warten und dass ich herausgefunden habe, wie viel mir Diego bedeutet, nachdem er mir letzte Woche das Leben gerettet hat, was die Wahrheit ist.“ Victoria lächelte weiter.
Alejandro brauchte eine Weile, den Schock dieser unerwarteten Erkenntnis zu überwinden. Danach erfuhr er eine Menge über seinen Sohn, der an diesem Abend eine Menge Fragen von seinem Vater und Victoria zu beantworten hatte.
Als er nach dem Grund fragte, warum die beiden plötzlich ihre Meinung geändert hatten, was ihre Beziehung anging, sagte ihm Victoria, dass es nur ein Kuss war, der alles änderte. Er verstand die Erklärung nicht, weil Diego und Victoria einander ansahen und versunken in einer Welt waren, in der nur ihre Liebe zählte und ihre Heirat drei Wochen später war nicht zu früh für sie.
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