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Der Brief

von katie1999
GeschichteAllgemein / P12
Don Alejandro Zorro
14.10.2017
14.10.2017
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Der Brief


Don Alejandro setzte sich in seinen Ledersessel hinter seinen großen Mahagoni Schreibtisch und sah seine Post durch, die gerade heute morgen aus Monterey eingetroffen war. Unter den vielen Briefen von seinen Freunden war auch einer von seinem Anwalt in Monterey.

Er nahm das kleine Briefmesser mit dem silbernen Griff und öffnete den Brief vorsichtig. Neben einigen amtlich aussehenden dicken Dokumenten war auch ein kurzer Brief enthalten. Sobald er angefangen hatte zu lesen, begriff er seinen Fehler. Der Brief war an seinen Sohn Diego gerichtet. Er wollte den Brief zur Seite legen, aber nach den ersten Sätzen konnte er mit dem Lesen nicht aufhören.


Sehr geehrter Don Diego,

wie wir es bei Ihrem letzten Besuch vereinbart haben, habe ich die verlangten Dokumente aufgesetzt und diesem Brief beigefügt.

Neben den Adoptionsurkunden für Don Felipe enthält er die geänderte Version Ihres Testaments, so dass Ihr Sohn und Ihre Verlobte im Falle Ihres Todes gut versorgt sind.
Aufgrund Ihrer geänderten familiären Situation empfehle ich Ihnen eindringlich ihre eigene Enterbung, die ich für Sie vor fünf Jahren aufgesetzt habe, vor Ihrer Heirat wieder zurückzunehmen, auch wenn ich annehmen muss, dass die speziellen Umstände, in denen Sie sich befinden, immer noch vorhanden sind.
Ich möchte Ihnen empfehlen, mich erneut in meinem Büro aufzusuchen, damit wir die Situation im Einzelnen besprechen können.

Verbindlichst,

Luis Cristobal

Anwalt


Alejandro ließ den Brief langsam auf den Schreibtisch niedersinken, um ihn gleich darauf erneut zu lesen. Sprachlos über den Inhalt konnte er nicht glauben, was er da las. Der ganze Brief machte keinen Sinn für ihn.

Diego war nicht verlobt, das würde er seinem Vater doch erzählt haben? Nichts würde ihn mehr freuen, als die Aussicht endlich Enkelkinder zu bekommen.
Und warum rechnete Diego damit, noch vor seiner Heirat zu sterben? Aus welchem Grund hatte er sein Testament aufgesetzt, wenn er ein junger und gesunder Mann war?
Und warum hatte er sich selbst enterbt? Was waren das für besondere Umstände, von denen der Anwalt sprach?

Die Fragen drehten sich in seinem Kopf und er konnte keine Antwort auf sie finden.
Er kannte seinen Sohn und er würde niemals solche Maßnahmen treffen, ohne es seinem Vater zu erzählen. Alejandro drehte den Brief herum und prüfte erneut die Adresse. Doch die änderte sich nicht unter seinem Blick. Der Brief war eindeutig an seinen Sohn gerichtet.

Er konnte die geschriebenen Wörter nicht aus dem Brief verschwinden lassen. Wenn der Brief echt war, dann kannte er seinen Sohn nicht im geringsten. Er hatte einen Sohn, der jederzeit mit seinen Tod erwartete und heimlich verlobt war. Was sonst wusste er nicht von seinem Sohn? Was war der Grund für diese Heimlichkeiten?

Er könnte es verstehen, wenn sein Sohn ihm noch nicht von seiner Verlobung erzählt hatte, vielleicht aus Gründen, die auf Seiten der Braut zu finden waren, aber was ihn am meisten schockierte, war die Tatsache, dass sein Sohn sich selbst enterbt hatte.
Sein Sohn war ein De La Vega, sollte er nicht stolz darauf sein? Es gab keinen Grund, das zu verleugnen. Was konnte einen Mann zu einer solchen Aktion treiben? War es Beschämung oder Verzweiflung?
Warum konnte Diego ihm nicht vertrauen? War er ein so schlechter Vater, dass er seinen einzigen Sohn überhaupt nicht kannte?
Er musste den Brief wohl mehr als hundert mal gelesen haben und jedes mal wurden die Fragen mehr.
Er ging zu Diegos Zimmer, um mit ihm zu reden, aber sein Bett war unbenutzt. Er musste die ganze Nacht außer Haus gewesen sein. Hatte er die Nacht mit dieser Frau verbracht? Wer war sie, dass sein Sohn seine Verlobung nicht öffentlich machen konnte?

Nachdem er in Wohnzimmer zurückgekehrt war, hörte er ein Klopfen an der Tür und Juan Perez, einer seiner Landarbeiter betrat den Gang.

“Hola Juan, was ist der Grund für deinen Besuch?”

“Don Alejandro, ich wollte Ihnen nur von den Ereignissen im Pueblo berichten.”

“Hat der Alcalde wieder neue Steuern erlassen?”

“Nein, diesmal nicht. Einige Banditen haben in der Taverne für Aufruhr gesorgt und einer von ihnen hat versucht, Senorita Escalante zu erschießen.”

“Wie geht es ihr? Wurde sie verletzt?”

“Die Senorita blieb unverletzt, aber nur weil es Zorro gelang, den Pistolenlauf abzuwenden. Er hat die Banditen die ganze Nacht verfolgt und sie am morgen ins Gefängnis gebracht. Ich habe ihn noch nie so wütend gesehen, er war nah dran, den Mann umzubringen. Als der Alcalde darüber einen schlechten Scherz gemacht hat, musste er feststellen, dass heute kein guter Tag ist, sich mit Zorro anzulegen, denn sofort hatte er Zorros Schwert an seiner Kehle.”

“Das sollte der Alcalde sich gut merken. Kein Mann, der seine Sinne beisammen hat, würde sich freiwillig Zorros Zorn aussetzen. Jeder weiß, wie wichtig ihm Victoria ist. Danke, dass du vorbei gekommen bist, Juan. Hast du Don Diego heute gesehen?”

“Nein, er war nicht im Pueblo.”

Alejandro brachte Juan zur Tür und als er anschließend zurück ins Wohnzimmer ging, sah er Diego aus der Bibliothek kommen. Endlich war er zurück. Die Fragen in seinem Kopf duldeten keine Aufschub und er rief ihm zu.
“Diego, ich muss mit Dir reden.”

Diego kam zum Schreibtisch seine Vaters. Er trug den gleichen Anzug wie am Vortag und mit seinem wirren Haar sah er müde aus.

“Vater, bitte nicht jetzt. Ich fühle mich nicht wohl und muss schlafen gehen. Lass uns später reden.”

“Nein, Diego. Ich habe den ganzen Morgen auf Dich gewartet und ich möchte wissen, wo du die ganze Nacht gesteckt hast.”

“Ich denke nicht, dass dich das etwas angeht und ich muss jetzt wirklich schlafen gehen.”

“Es geht mich nichts an?” Alejandro wurde ungeduldig. “Vielleicht geht es mich doch etwas an, wenn mein Sohn die Nacht mit einer Hure verbringt, die er heiraten will.”

“Wage es nicht, die Frau, die ich liebe eine Hure zu nennen. Du wirst das nicht noch einmal sagen!” grollte Diego drohend mit einer viel tieferen Stimme.

Diego war so aufgebracht, wie Alejandro ihn niemals zuvor gesehen hatte. Diego stand aufrecht vor ihm und blickte auf seine Vater herunter. Dies war nicht der brave Diego, den er kannte, sondern ein sehr gefährlicher Mann, der kurz vor einem Angriff stand. Alejandro fühlte sich, als hätte er eine Schwertspitze an seiner Kehle. Die Wut in den Augen seines Sohnes schnürte ihm die Kehle zu.

Plötzlich begriff Alejandro, wem er gegenüberstand und er erinnerte sich an die vorherige Unterhaltung mit Juan. 'Kein Mann, der seine Sinne beisammen hat, würde sich freiwillig Zorros Zorn aussetzen.' Und er nun tat genau das. Er hatte den Alcalden gesehen, wenn er Zorro ausgeliefert war und jetzt wusste er, wie es sich anfühlte. Er hatte nun die Antworten, die er gesucht hatte, aber es war mehr als er erwartet hatte. Langsam machte er einen Rückzieher.

“Es tut mir leid, Diego. Ich habe es so nicht gemeint. Vielleicht sollten wir besser später reden, wenn Du dich besser fühlst.”

Diego beruhigt sich ein wenig und sagte in seiner normalen sanften Stimme: „Nein, es tut mir leid. Du bist mein Vater und ich sollte so nicht mit dir reden. Aber bitte entschuldige mich jetzt.“

Diego drehte sich herum und ging zu seinem Zimmer, während er seinen geschockten Vater zurück ließ. Alejandro ließ sich schwer in seinen Stuhl fallen und nahm erneut den Brief in die Hand, dessen Inhalt so plötzlich einen Sinn ergab, nun da er wusste, dass sein Sohn Zorro war.
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