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Eine tränenreiche Nacht [Die Chefin]

von Rosalie18
Kurzbeschreibung
OneshotSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Het
Kriminalhauptkommissar Paul Böhmer Kriminalhauptkommissarin Vera Lanz
14.10.2017
14.10.2017
1
1.610
5
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Dieses Kapitel
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14.10.2017 1.610
 
A/N: Willkommen zu meinem OS zu Folge 8/5 - Endspiel, die gleichzeitig das Staffelfinale war. Die Ergebnisse in der Folge haben mich zu diesem OS inspiriert.

Viel Spaß beim Lesen.

Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an den vorkommenden Charakteren oder an sonst irgendwas, in Bezug auf das Original. Ich  verdiene mit meinem Geschriebenen auch kein Geld.





Eine tränenreiche Nacht

Trompeter ist tot. Die Nachricht hat mich schwer erschüttert. Ich kann es einfach nicht glauben. Es kommt mir so unwirklich vor. Es darf einfach nicht sein. Tränen laufen unaufhörlich meine Wangen hinab. Ich schäme mich ihrer nicht, unterdrücke sie auch nicht, sondern lasse sie einfach zu. Mir ist gerade alles egal. Mein Blick geht zu Paul. Er weint. Ich kann mich nicht erinnern ihn jemals weinen gesehen zu haben. Wieso musste er ihn erschießen? Trompeters Tod ist so sinnlos.

Paul und ich steigen ins Auto ein und fahren zurück zum Präsidium. Die Fahrt verläuft schweigend. Jeder hängt seinen eigenen traurigen Gedanken nach. Ich gebe mir die Schuld an seinem Tod. Wieso habe ich ihn nur alleine ermitteln lassen? Warum habe ich ihm Paul nicht mitgeschickt? Wenn er nicht alleine gegangen wäre, dann würde er heute höchstwahrscheinlich noch leben. Ich wusste doch, wie gefährlich Fechter ist. Ich bin schuld. Ich allein bin schuld. Erneut bahnen sich neue Tränen ihren Weg aus meinen Augen und rinnen meine Wangen hinab.

Paul legt seine Hand auf meine und drückt sie kurz. „Es ist nicht deine Schuld, Vera.“

„Danke.“ Unsere Blicke treffen sich kurz. Ihn nimmt Trompeters Tod genauso mit wie mich.

Wir haben uns Beide an unsere Schreibtische zurückgezogen, doch an arbeiten ist nicht zu denken. Ich kann mich einfach nicht konzentrieren, alles hier erinnert an Trompeter. Zu meiner Trauer gesellt sich Wut. Verdammt… Ich schließe meine Augen und sehe den blutüberströmten Körper von Trompeter. Es hat keinen Sinn. Ich muss hier raus. Länger halte ich es nicht mehr aus. Ich nehme meine Sachen und verlasse mein Büro. Im Vorbeigehen lege ich Paul kurz eine Hand auf die Schulter, für den Hauch eines Momentes legt er seine Hand auf meine. Unsere Blicke treffen sich. Ich verabschiede mich wortlos. Er versteht mich auch so. Paul und ich kennen uns schon solange und daher bedarf es oftmals keiner Worte.

Meine Gedanken drehen sich im Kreis. In meinem Kopf schwirrt nur eine Frage. Warum? Ich verstehe es nicht. Er hätte Trompeter nicht töten müssen. Er hätte ihn lediglich bewusstlos schlagen können und so daran hindern können ihn festzunehmen oder zu flüchten. So wäre er keine Gefahr mehr für Fechter gewesen, aber er musste ihn ja töten.

„Wieso dieser Alleingang? Das war nicht abgemacht! Warum hast du nicht auf uns gewartet?“, flüstere ich und sofort schießen Tränen in meinen Augen. Binnen weniger Sekunden ist meine Sicht tränenverschleiert.

Mit einem Mal fühle ich mich einsam. Ich will nicht alleine mit meiner Trauer sein und sehne mich nach Wärme und Nähe.

Ich stehe auf, nehme meinen Autoschlüssel und mein Smartphone und verlasse meine Wohnung. Mit Tränen in den Augen steige ich in meinen Wagen und fahre los. Mein Herz schmerzt bei jedem Gedanken an meinen verstorbenen Kollegen. Die unterschiedlichsten Situationen und Erlebnisse – unter anderem unsere durchfeierte Nacht und unser Kuss – kommen mir ins Gedächtnis. Er hatte doch sein ganzes Leben noch vor sich. Es ist so ungerecht.

Da die Fahrt nicht sonderlich lange gewesen ist, ich habe mein Ziel bereits erreicht. Ich habe Glück und ergattere einen Parkplatz direkt vor meinem Ziel. Nachdem ich den Motor abgestellt habe, bleibe ich noch einen kurzen Moment sitzen. Ich steige aus, gehe zu dem Wohnhaus, vor dem ich geparkt habe und betätige die Klingel. Doch nichts passiert. Mein Blick geht zum dritten Stock. Es brennt Licht. Er ist also da. Ich greife in die Tasche meiner schwarzen Lederjacke, hole mein Smartphone heraus und wähle seine Nummer. Er nimmt das Gespräch direkt an.

„Hallo Vera.“

„Mach auf.“ Kaum habe ich mein Smartphone wieder in meiner Jacke verstaut, ertönt schon der Summer. Ich trete ein und nehme die Treppe. Die Anstrengung spüre ich kaum, der Schmerz lähmt mich. Ich bin kaum außer Atem, als ich im dritten Stock ankomme.

Paul lehnt in der offenen Tür und scheint überrascht über mein Auftauchen. „Was ist los?“ Ich kann seine Stimmlage nicht deuten. Komme ich ungelegen? Ist er nicht alleine? Hat er sich eine Eroberung aufgerissen, um nicht alleine zu sein?

„Ich verstehe. Tut mir leid, wenn ich bei…was auch immer gestört habe“, murmele ich schnell und drehe mich um, um wieder zugehen. Doch Paul ist schneller, bekommt noch meine Hand zufassen und hält mich fest.

„Du störst nicht, Vera. Außer ein paar Flaschen Gerstensaft leistet mir keiner Gesellschaft.“ Ich nicke und folge ihm in seine Wohnung. Er hält immer noch meine Hand. Es hat sich nichts verändert. Oft bin ich zwar nicht hier gewesen. Wir gehen ins Wohnzimmer und nehmen auf seiner Couch Platz. Auf dem Tisch davor steht eine volle Flasche Bier. Immer noch hält Paul meine Hand. Unsere Blicke treffen sich. In seinen blauen Augen, die gerötet sind, erkenne ich dieselbe Trauer, die ich auch spüre. Immer noch hält er meine Hand und es fühlt sich gut an.

„Du hast mir meine Frage noch nicht beantwortet“, sagt er leise.

„Ich habe es Zuhause nicht mehr ausgehalten. Der Schmerz ist so übermächtig. Ich habe mich einsam gefühlt und wollte nicht alleine sein“, flüstere ich. Eine Träne rollt meine Wange hinab. Paul wischt sie mir weg. Wo sein Daumen meine Haut berührt hat, kribbelt es und hinterlässt eine brennende Spur. Mein Herzschlag erhöht sich merklich. Ich lehne meinen Kopf an Pauls Schulter.

Wir sagen kein Wort. Doch die Stille ist keineswegs unangenehm. Er greift nach seiner Bierflasche und nimmt einen Schluck.

„Trompeters Tod war so sinnlos“, kommt es nach einer Weile von ihm.

„Ich hätte ihn nicht alleine ermitteln lassen sollen. Ich bin Schuld…“, murmele ich und kämpfe mit meinen aufkommenden Tränen.

„Du bist nicht schuld. Warum hat er nicht auf uns gewartet…“, Paul bricht ab, seine Tränen sind schuld daran.

„Er könnte noch leben…“.

„Vera, es bringt nichts. Trompeter hat aber nicht gewartet… Er war zur falschen Zeit am falschen Ort. Es hätte uns ebenso treffen können, es kann uns jeder Zeit genauso ergehen.“ Meine Tränen haben Pauls Hemd mittlerweile durchweicht. Doch das stört ihn nicht. Es entsteht eine kurze Pause. „Pass bitte auf dich auf.“

„Ich versuche es. Du aber auch auf dich, Paul.“ Er schenkt mir ein kleines Lächeln.

„Ich versuche es.“ Ich nehme ihm die Flasche aus der Hand, ignoriere seinen Gesichtsausdruck und trinke einen Schluck. Auch wenn es mir nicht sonderlich schmeckt, spüre ich nach dem Schluck bereits die betäubende Wirkung.

Wir teilen uns die Flasche Bier. Ich fühle mich leicht benebelt. Es bleibt nicht bei der einen Flasche. Der Alkohol lindert den Schmerz. Eigentlich betäubt er ihn nur.

Paul unterdrückt ein Gähnen. „Es wird Zeit für mich zu schlafen. Bett oder Couch? Wo willst du schlafen? Nach Hause fahren kannst du nicht mehr.“ Ich überlege kurz.

„Ich nehme das Bett.“ Paul bedenkt mich mit einem Ich-habe-nichts-anderes-erwartet-Blick an.

„Gut, dann bleibt für mich nur die Couch.“ Er seufzt. Ein müdes Lächeln huscht über mein Gesicht.

„Ich will nicht alleine schlafen“, sage ich leise und blicke Paul in die Augen. Mit dieser Aussage hat er nicht gerechnet. Ich befinde mich in einem emotionalen Ausnahmezustand, da ist meine Rationalität hinfällig. Er erwidert mein Lächeln.

Wir stehen auf und begeben uns ins Bad. Er kramt in seinem Badezimmerschrank und findet nach kurzer Suche eine neue noch eingepackte Zahnbürste und reicht mir diese. „Ich lasse dich dann mal alleine.“

„Danke Paul.“

Ich putze meine Zähne und blicke in den Spiegel. Meine Augen sind rot und verquollen. Ich habe schon mal besser ausgesehen, doch Paul ist mein Aussehen egal. Er versteht, wie es in mir aussieht und wie es mir geht. Ihm geht es genauso. Bei ihm muss ich mich nicht verstellen. Nachdem ich fertig bin, gehe ich in Pauls Schlafzimmer. In der Tür bleibe ich stehen.

„Die Bettwäsche ist frisch und es hat schon länger keine Frau hier übernachtet“, erklärt er mir, als er meinen fragenden Blick sieht.

„Danke für die Info, aber das wollte ich jetzt eigentlich nicht wissen, aber dennoch gut zu wissen.“

„Gut, was wolltest du denn?“ In seiner Stimme schwingt ein belustigter Unterton mit.

„Zum Schlafen etwas Bequemes zum Anziehen, aber bitte keines deiner Hemden.“

Paul zieht eine Augenbraue hoch. „Gefallen sie dir etwa nicht?“

„Nein, sie sind einfach scheußlich.“

„Jetzt hast du mich aber gekränkt.“

„Du überlebst das schon.“ Der kurze gelöste Moment ist mit meiner unüberlegten Aussage schnell wieder vorbei. Wie taktlos von mir. In jeder anderen Situation wäre es nichts als eine kleine harmlose Aussage gewesen, aber nicht in dieser verhängnisvollen Nacht. „Tut mir leid.“

„Mach dir keinen Kopf.“ Paul reicht mir ein einfaches weißes Shirt und geht ins Bad. Ich ziehe meine Kleidung aus und das Shirt an und lege mich in Pauls Bett. Es fühlt sich seltsam, aber auch gut an. Ich in Pauls Bett, damit habe ich im Leben nicht gerechnet.

Mir fallen die Augen zu, der Alkohol fordert seinen Tribut, ebenso wie die vergossenen Tränen. Ich bin kurz vorm wegdämmern, als ich spüre, wie die Matratze sich senkt. Ich öffne meine Augen. Paul liegt ein stückweit von mir weg. Unsere Blicke treffen sich. Er zieht mich in seine Arme. Unsere Gesichter sind ganz nah beieinander. Meine Müdigkeit ist wie weggeblaßen. Wie von selbst finden unsere Lippen zueinander. Zu Anfang ist der Kuss sanft und eher zurückhaltend, doch mit der Dauer wird er immer fordernder. Ich schalte mein Gehirn aus und lasse mich fallen. Nicht mehr denken. Gedanken über mögliche Konsequenzen kann ich mir morgen immer noch machen.



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