Ein halbes Jahr

von Geiger
CrossoverAbenteuer, Drama / P18 Slash
Corvo Attano
13.10.2017
26.12.2018
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‚Ganz schön viel Licht…‘ Garrett neigte sich vorsichtig zur Seite und spähte an der Mauer vorbei auf die hell erleuchtete Gasse vor ihm. Noch lag der steinige Asphalt in tiefer nächtlicher Stille, doch der Dieb wusste, wie schnell sich das ändern konnte.

Eine der Straßenlaternen flackerte, sodass ein Teil des Bodens und der dicken Mauern in verbündetem Schatten verschwand. Viel zu kurz, wie es Garrett bevorzugen würde. Er musste sich etwas überlegen. Sich einen versteckteren Weg suchend blickte der vorsichtige Langfinger nach oben. Vielleicht waren die Dächer ihm wohler gesonnen. Mit einem geschickten Sprung beförderte er seinen drahtigen Körper leise und gekonnt auf zwei herum stehende Holzkisten. Schnell ging er in die Hocke und sah um sich. Keine Menschenseele schien seine elegante Federung bemerkt zu haben. 'eigentlich schade‘, dachte der Meisterdieb bei sich. ''Ich bin ja nicht eingebildet aber…so ein bisschen Anerkennung hat ja noch keinem geschadet…‘.

Gekonnt sprang er noch einmal nach oben, bekam eines der Holzbretter zu fassen, die an den Hauswänden hafteten und zog sich leise wie eine Katze hinauf. 'Diese Feuerfluchtwege sind wahrlich ein Segen. Nunja, ob Feuer oder nicht. Zumindest mir erleichtern sie die Arbeit.‘ Ein spöttisches Grinsen legte sich auf Garretts Lippen, während er auf leisen Sohlen die verwitterten Bretter entlang schlich.


Vor einigen Tagen war ein Brief in seine Hände geflattert, der seine Aufmerksamkeit geweckt hatte. Die gute Lady Ellswood hatte angeblich ihren Ehemann mit einem ihrer treuen Wachen…verwechselt…und hatte sich beim Vertuschen der ganzen Sache wohl nicht gerade geschickt angestellt. Jedenfalls hatte der Lord Wind bekommen und wollte nun seine untreue Gattin strafen. Mit ihrem Tod wäre dieses Vergehen jedoch noch lange nicht gesühnt. Eine andere Lösung musste her. Garrett hatte zwar wenig Ahnung von der Liebe, doch im Strafen einer Adeligen…darauf verstand er sich blendend. Die Lady dürfte also kein Problem für den geschickten Dieb darstellen. Zudem bot der Lord auch noch eine große Summe, was den Auftrag umso verlockender machte. Es stand außer Frage, dass Garrett sich der leichten Dame annahm, und sie dabei noch um einige Dinge mehr…erleichterte. Schließlich waren die Ellswoods vornehme, gut betuchte Leute. Es wäre eine Schande, wenn er da nicht zugreifen würde.


Als Garrett das Anwesen erreichte waren die Lichter im Innern bereits zum Großteil gelöscht. Nur einige wenige Kerzen brannten noch, sodass die Möbel lange, geisterhafte Schatten an die Wand warfen. Er hatte Glück. Ein Fenster stand offen und lud ihn geradezu ein sich zu bedienen. Ein wertvoller Becher stand bereits direkt unter dem Fenster auf einem kleinen Tischchen. Schnell griff er danach und drehte das teure Stück im Kerzenschein. Erfreute sich daran, wie das Silber lupenrein glitzerte, bevor er es in seiner Tasche verschwinden ließ. Dann suchte er das Wohnzimmer, hoffte, die Lady darin zu finden. Wie erwartet saß die gute Frau vor dem Kamin. Sie rührte sich nicht, war wohl eingeschlafen. Gut für ihn, denn er hatte auf einer Kommode in ihrer Nähe bereits ein weiteres Kleinod entdeckt, das seiner Aufmerksamkeit bedurfte.

Leise schloss er die Tür hinter sich um keinen Verdacht zu erregen und schlich vorsichtig zu besagtem Schränkchen und ließ die Brosche ebenfalls locker in seinen Beutel gleiten. Schon hatte ein weiterer wertvoller Gegenstand seinen Blick auf sich gezogen. Ein leises Zischen lenkte ihn jedoch ab und ließ ihn erstarrt aufhören. Einige Sekunden stand er regungslos in der großen Kammer und lauschte, sah sich um. Doch der Dieb konnte nichts entdecken. Weder den Rauch einer Rauchbombe noch eine Person, die diese gezündet haben könnte. War es am Ende ein defektes Rohr gewesen, das das Geräusch verursacht haben könnte?

Einige Augenblicke blieb er noch stehen, ehe er sich vorsichtig auf den Weg zum nächsten Schubladenschrank machte, wo er etwas glitzerndes gesehen hatte. Es war mit einem mal sehr dunkel. Garrett musste sich anstrengen etwas zu erkennen, kniff die Augen zusammen. Als er eine der Schubladen öffnen wollte, griff er daneben. Erschreckt blickte er auf seine langen, schlanken Finger. Alles schien gut bis er den Blick vorsichtig abwand und diese kleine Bewegung schon reichte um Schwindel auszulösen. Herrje, er musste dringend schauen, dass er verschwand. Irgendetwas war in diesem Raum, irgend ein Gas, und… Garrett stolperte fast bei dem Versuch sich schnell zur Tür zu bewegen, rief sich dann jedoch zur Ordnung und setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen. 'Ganz ruhig, Garrett.‘ Ermahnte er sich selbst. 'Hast wird dir nicht helfen.‘ Er schwankte stark als er die Tür erreichte. Der Dieb wollte sie mit einem Ruck aufziehen. Sie war verschlossen. Um Himmels Willen! Wieso war diese Tür verschlossen? Es musste eine weitere Person im Haus sein!

Seine Finger zitterten bereits als er seine Dietriche aus einem der vielen Riemen an seiner Hose zog. Hastig setzte er einen von ihnen ins Schloss. Als der zweite folgte, fiel der erste auf den Boden. Garrett atmete schwer. Er versuchte das Gerät wieder aufzuheben, doch erst beim vierten Anlauf bekam er es zu fassen. Schwarze Flecken tanzten vor seinen Augen, die Lider flatterten bedrohlich. Einer der Stifte sprang auf. Garrett versuchte ruhig zu bleiben. Er fing sich ab als er fast nach Hinten gekippt wäre. Ein weiterer Stift klackte. Doch ein zweites Mal könnte der Langfinger sein Gewicht nicht mehr halten. Wie ein Käfer lag er auf dem Rücken und versuchte sich aufzurichten. Alles drehte sich. Garrett schaffte es sich zur Seite zu Rollen und übergab sich. Dann wurde er bewusstlos.

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Ich bedanke mich an jeden Leser, der zu diesen Tiefen meines Prologes gelangt ist.

Ich verspreche hiermit direkt dass diese Geschichte vollständig ihren Weg in dieses Forum finden wird. Ein Versprechen, das ich halten kann, da sie bereits vollendet wurde und nur noch hochgeladen werden muss.

Dieses Unterfangen werde ich demnächst wie ich Zeit finde in Angriff nehmen.

Die Geschichte umfasst 32 Wordseiten, es könnten ein paar Kapitelchen bei rumkommen.

Wünsche angenehme Zeilen und Gedankenflüsse,

Geiger
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