Die Illusion brechen

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18
13.10.2017
07.12.2018
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Tag 92, Mittwoch 25. Januar
Die erste Stunde am Mittwoch musste sich Melanie beherrschen ihren Lehrer nicht wieder breit grinsend die ganze Zeit anzusehen. ´Iruka Se~nsei, deine Zeit ist abgelaufen.´ Sie freute sich schon darauf, ihm eines der Ninjutsu vorzuführen, doch leider beschränkte sich ihr Lehrer heute nur auf theoretisches Ninjutsu. Manchen der Kinder, wie zum Beispiel Lee war das nur Recht. In Irukas zweiter Stunde kamen wieder Kampfsituationen in Waldgebieten dran. Etwas bei dem sie wieder etwas mehr aufpasste. Wenn die Shinobi von Konoha nicht wusste wie man in Wäldern kämpfte, dann wusste es niemand. Besonders interessant waren die Diskrepanzen zwischen dem was sie gedacht hätte das richtig war und dem was ihr Sensei sagte. Sie markierte sich die entsprechenden Stellen in ihrem Heft um ihr denken zu einem späteren Zeitpunkt überprüfen zu können. In Daikoku Sensei´s Unterricht mussten sie wieder in Windeseile die Barrikaden und Plattformen aufstellen. Doch dieses Mal erklärte ihnen ihr Sensei das sie während dem springen Chakra geschmiedet halten sollten.
Melanie reihte sich deshalb etwas weiter hinten in die Schlange. Sie ahnte das es bald zu einem merkbaren Unterschied kommen würde. Derjenige der dann als erstes viel zu weit Sprang war dann Neji. Er landete hinter der Barrikade. Die Kinder kicherten ziemlich, doch schon beim nächsten Sprung schaffte er es perfekt und wohldosiert und scheinbar spielend auf der Barrikade zu landen. Etwas das den anderen Kindern die vor ihm dran gekommen waren nicht gelungen war. Sie selbst brauchte einige Sprünge länger, fiel aber wenigstens nicht komplett hinunter. Am Ende der Stunde war es dann auch wieder Neji der von einer Gruppe Bewunderer begleitet wurde, obwohl sie eigentlich aufräumen sollten. Daikoku Sensei schimpfte mit ihnen auch keine zwei Sekunden später, was Nejis Fanclub jedoch nicht davon abhielt in seinem Windschatten zurück zum Klassenzimmer zu gehen.
Lee lief neben ihr und betrachtete wie sie selbst den Fanclub. „Ich wünschte, mich würde man einmal so anhimmeln.“
Melanie sah auf den Kleinen hinab. „Du willst wirklich von Hirnlosen und oberflächlichen Menschen bewundert werden?“
„Ich weiß es ist nicht erstrebenswert, aber wenigstens einmal etwas gut gemacht zu haben das die Bewunderung der anderen nach sich zieht wäre schön.“
„Du hast im letzten Test ne zwei Plus geschrieben. Das war besser als der Durchschnitt.“
„Das ist richtig. Aber denen war es egal“, sagte er und nickte auf seine Klassenkameraden. Sie verstand was er wollte. Aber er würde es nicht auf die gleiche Art bekommen.

Bei ihrem Klassenlehrer hatten sie heute etwas neues. Es ging um die Einheitenbezeichungen anderer Dörfer und ihrer typischen Erkennungsmerkmale. Viele der Kinder fragten ihren Sensei warum sie das denn wissen mussten, sie würden doch schließlich nur für Konoha kämpfen. Doch Izuya wandte ein das es ihnen das Leben retten würde zu wissen ob sie nun einem Suna-Genin oder einem Ame-Jonin gegenüberstanden und warum das eine nicht notwendigerweise eine schlechte Sache war während das andere sie in große Gefahr bringen würde. Er zeigte ihnen dann sogar auf einem Projektor einige Bilder. Die meisten waren versteckt aufgenommen und teilweise von Pflanzenteilen verdeckt. Sie hatten dann als Schüler die Aufgabe die charakteristischsten Ausrüstungs- und Kleidungsstücke zu benennen.

Bei Kohana Sensei fragte ein Mädchen fatalerweise nach Hanami und wann es beginnen würde. Was dazu geführte das sie die Stunde nur dazu benutzt hatten über diese Sache zu reden. Melanie schwante übles. Bis zum Beginn der Kirschblüte waren es noch zwei Monate. Blieb nur zu hoffen das Kohana Sensei noch etwas anderes bis dahin unterrichten würde. Die letzte Stunde beinhaltete wieder Genjutsu und wie es auf andere Lebewesen wirkte. Namentlich Hunde und Katzen. Ein Mädchen schien recht entsetzt darüber zu sein ihre Hauskatze als Übungsobjekt zu verwendeten, wie ein Klassenkamerad vorgeschlagen hatte. Doch Kohana Sensei gab Entwarnung. In der Akademie wurde nicht von den Schülern verlangt bis zum Abschluss ein Genjutsu zu beherrschen. ´Wozu hat man dieses Fach dann überhaupt? Es kann doch nicht alles nur Theorie sein.´ Hoffentlich würden sie wenigstens im Zusatzunterricht ein Jutsu dazu lernen.
Nach dem Unterricht ging sie diesmal als erstes Einkaufen, sie brauchte dringend neue Lebensmittel. Ihren Kühlschrank voll zu halten war etwas das sie selbst vor ihrer Reise nur selten geschafft hatte. Vorratsplanung gelang ihr irgendwie nur dann wenn sie länger kein Dach über dem Kopf hatte. Um sich selbst noch etwas leckeres zu gönnen kaufte sie noch eine Packung Bonbons. Es waren die gleichen von denen sie Naruto eines geschenkt hatte. ´Das könnte ich eigentlich auch mal wieder machen.´ Melanie drehte sich herum und kaufte noch einen zusätzlichen Apfel. Anschließend kehrte sie heim, lud ihre eingekauften Sachen ab und marschierte gleich wieder los. Auch bei Narutos Haus stand die Eingangstüre offen und so stieg sie solange nach oben bis sie schließlich eine ihr sehr vertraute grüne Türe vorfand. ´Naruto Uzumaki´. Sie klingelte und wartete. Doch von drinnen kamen keine Geräusche. Auch nach dem zweiten klingeln tat sich nichts. Na gut. Dann musste es eben so gehen. Doch gerade als sie sich bückte hörte sie von der Seite: „Nee-chan?“
„Oh, hallo Naruto. Ich wollte dir gerade etwas da lassen. Kuck!“ Sie hielt den Apfel hoch, was dazu führte das Naruto eine Grimasse schnitt.
„Warum schenkst du mir immer einen Apfel?“
„Weil ich dir danach noch ein Bonbon schenken möchte.“ Sie hielt auch das nach oben. Das Sahne Karamell Bonbon fand zwar etwas mehr Zuspruch, konnte aber kaum über den Apfel hinweg trösten.
Naruto nahm beide Sachen an, als sie sie ihm hinstreckte. „Und ich wollte dich fragen ob du Lust hast, das wir ab und zu was zusammen unternehmen. Ich muss leider zur Zeit ziemlich viel lernen, aber einmal im Monat sollte drin sein, egal wie viel ich zutun habe. Nur wenn du willst natürlich.“
Naruto sah sie völlig sprachlos an. So sehr sogar, das sich Melanie fragte ob sie nicht irgendetwas falsch gemacht hatte. Doch dann passierte es. Naruto warf Apfel und Bonbon zur Seite und sprang auf sie zu um sie zu umarmen. „Wirklich?“, fragte er lauthals lachend un an ihrer Hüfte hängend nach.

„Hilfe! Ja, wirklich. Ich weiß zwar noch nicht was, aber irgendwas wird uns schon einfallen, nicht wahr?“
Er lachte lauthals und ließ sie dann los um einen Luftsprung zu vollführen: „Jeih! Das wird toll. Nee-chan wann treffen wir uns, wann treffen wir uns? Hä?“
Oh, wei, da hatte sie was angerichtet, dachte sie sich schmunzeln. „Nächsten Sonntag?“
Wieder hüpfte Naruto auf und ab. „Und was machen wir dann? Was machen wir dann?“
Gute Frage.
„Wie wäre es wenn wir wieder Schlittenfahren gehen?“ Sie hatte ja befürchtet gehabt, das so einem quirligen Kerlchen wie Naruto zweimal das gleiche zu machen zu langweilig war, aber dieser Vorschlag stieß auf völlige Zustimmung. Melanie gebot ihm, sie abzuholen, aber erst ab zehn Uhr, da sie vor hatte diesen Samstag Ichiro wieder ein klein wenig zu helfen. Und Naruto hatte heftig mit dem Kopf genickt, war einmal um sie herum gesprungen und erst dann war es möglich gewesen sich zu verabschieden. Seine Freude über diese Einladung half ihr etwas das schlechte Gewissen zu bekämpfen. So ganz uneigennützig war ihr Angebot nämlich nicht. Auch wenn Naruto noch weit entfernt von dem Jungen war, der er einmal sein würde, so wollte sie doch etwas Zeit mit ihm verbringen.
In Ihren Kalender, den sie sich auf dem Rückweg besorgt hatte, trug sie deshalb sobald sie daheim war ein: ~Naruto 29. Januar Schlittenfahren~
´So, jetzt muss ich aber loslegen´. Nur noch zwei Tage, dann hatte sie wieder Zusatzunterricht. Also übte sie die drei E-rang Ninjutsu eine Stunde lang und danach je 10 Minuten die vier Kategorien der Chakrakontrolle. Derart vorbereitet fühlte sie sich bereit es mit dem Kage Bunshin aufzunehmen. Zumindest vier Stunden lang. Ihr eigenes Chakra mochte reichen um noch länger dieses Jutsu zu versuchen, aber es war doch etwas frustrierend wenn sich so gar nichts tat. Denn außer schnell verpuffende Klone die ihr auch nur entfernt  ähnlich sahen hatte sie auch diesmal nichts geschafft.
´Ich könnte noch ne Stunde weiter machen.´ Es war erst acht Uhr. Doch sie entschied sich dagegen und nahm sich statt dessen eine gute Nacht Geschichte der anderen Art. ´ Hi Bunshin no Jutsu -  Von Amaki Uchiha Sama´. Irgendwann jedoch legte sie dieses Buch zur Seite. Es war recht interessant, aber Fräulein Amaki hatte ein etwas langatmige Art zu Schreiben. Sie sah Katon als eine Art Lebensphilosophie und so auch den Hi Bunshin nicht als ziemlich heiße Überraschung für den Gegner, sondern als Ausdruck der Persönlichkeit. In der Nacht träumte Melanie dann von Kohana Sensei die buchstäblich in einer Feuerwalze explodierte als man eine Papierkugel an ihren Kopf warf.

Tag 93, Donnerstag 26. Januar
Dies war der Tag an dem sie wieder wunde Hand und Fußgelenke bekommen würden. Die Rede war natürlich von Nawanuke, dem Schrecken der Fingernägel und Feind der heilen Haut. Melanie lag fluchend und schimpfend auf dem Boden. Fest verschnürt von ihren Klassenkameraden und versuchte, genauso wie einige andere, sich mit Geschick von diesem vermaledeiten Seil zu befreien. Es lag nicht an mangelnder Geschicklichkeit, da war sie überzeugt davon. Das Problem war... ihr gingen so langsam die Ideen aus an was es sonst liegen mochte. „So ein verdammter…“, fluchte sie in ihrer Muttersprache.
„Streng dich an, Melanie“, meinte Daichi Sensei und kassierte sich daraufhin einen fragenden Blick. Was glaubte der eigentlich was sie hier tat? Rumliegen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen? Doch sie schaffte es nicht, sich trotz größter Anstrengung zu befreien. Zum Glück hatten sie in der nächsten Stunde wieder Theorie. Nämlich erneut eine Stunde mit den Verpflichtungen die ein Shinobi gegenüber seinem Auftraggeber hatte. Und danach…danach verkündete Iruka Sensei das sie sich Schere, Klebstoff und Papier holen sollten und basteln auf dem Plan für diese Stunde stand. Melanie fielen fast die Augen aus dem Kopf. Sie sollte basteln?? Wozu? Warum? Zu welchem Zweck? Da alle Kinder bereits aufgestanden waren, ging sie nach vorne zu ihrem Sensei.
„Iruka Sensei?“, fragte sie flehend.
„Ja, Melanie? Was ist?“
„Darf ich bitte irgendwo anders hingehen und statt dessen Chakrakontrolle üben?“ Sie musste hoffentlich nicht sagen warum sie den Klassenraum verlassen wollte.
„...Na gut. Ausnahmsweise. Aber sei pünktlich wieder zum nächsten Unterricht hier.“
„Mach ich.“ Erleichtert verließ sie das Klassenzimmer und setzte sich in die Cafeteria. Wenn Unterricht war, befand sich kaum einer in dieser Halle. Und dort fing sie dann an, sich darauf zu konzentrieren ihr Chakra besser auszubalancieren. Als sie dann die große Pause zu Ende war und sie wieder in den Klassenraum kam, wünschte sie sich ganz schnell doch wieder weg zu sein. Kohana Sensei versuchte ihnen ein Lied beizubringen und dazu mussten natürlich auch alle singen. Das war das erste Mal das Melanie komplette Arbeitsverweigerung betrieb. Trotz mehrmaliger auffordernder Blicke ihrer Sensei blieb sie hartnäckig stumm und versuchte auch die schrägen Töne aus den verschiedensten Richtungen zu ignorieren. ´Ein Ninja ist jemand der aushält, aber das ist hart an der Schmerzgrenze.´ Erst wieder bei ihrem Klassenlehrer wagte es Melanie aufzuatmen. Dort kam endlich wieder etwas vernünftiges dran. Nämlich die Einheitenbezeichnung der anderen Shinobidörfer und nachdem sie bei Sensei Iruka wieder verschiedene Szenarien von Kämpfe in Wäldern hatte, war Melanie wieder ganz entspannt. Es gab doch nichts besseres als potenzielle Hinterhalte, die einem den Kragen kosten konnten, um sich wieder wohl zu fühlen.
Bei Daikoku und nach dessen schreiben Unterricht, bekamen sie erklärt das nicht immer sofort die Gelegenheit bestand den Verband anzulegen. Mitten in einem Kampf musste sich um den Gegner gekümmert werden und erst dann um den Verletzten. Was dann zu einer Diskussionsrunde wurde, ab wann man seine Leute retten konnte und durfte und ab wann man sie besser verbluten ließ um die Mission nicht zu gefährden. Viele Kinder verstanden es nicht. Gerade Kinder die bereits Freunde in der Klasse gefunden hatten, dachten nicht im Traum daran diese zu opfern, nur um eine Mission nicht zu gefährden.
Melanie saß im Klassenzimmer und hörte den Ausführungen von Daikoku Sensei und den Beschwerden der Kinder sehr aufmerksam zu. Schlussendlich war es eine Ermessensfrage, Wenn etwas wichtig genug wurde, dann würden irgendwann die Zweifel aufkommen. Was mache ich dann? Soll ich es tun? Oder eben nicht? Sie hoffte das sie niemals in diese Lage kommen würde, war aber nicht so blind wirklich daran zu glauben. Irgendwann kam der Tag, an dem sie sich entscheiden musste, ob Leute die sie mochte, sterben mussten für ne Mission die wichtig war oder nicht. Und leider konnte man solche Fälle weder üben noch voraussehen.

Als der Unterricht endete ging sie nicht sofort aus dem Gebäude. Sie wollte erst noch etwas darüber nachdenken. Also ließ sie sich Zeit und kam mit einem recht nachdenklichen Gesichtsausdruck am Haupteingang der Akademie an, lange nachdem die Kinder bereits nach Hause gerannt waren.
„Ohh, da bist du ja.“
Melanie sah auf. Zu ihrer Überraschung stieß sich Kakashi vom Baum mit der Schaukel ab und kam näher.
„Kakashi-san! Was machst du denn hier?“ Sie betrachtete seine heutige Aufmachung. Er trug die Kleidung eines Jonin und verwundert stellte sie fest, das er ihr so schon beinahe fremd vorkam.
Als er vor ihr stand kratzte sich Kakashi mit der Rechten verlegen am Hinterkopf. „Ich wollte fragen ob du mir verraten möchtest wo du wohnst. Es ist ja so, das du bereits weißt wo ich zuhause bin, da wäre es nur fair wenn du es verrätst. Leider habe ich vergessen das letzte Mal danach zu fragen.“
Er wollte wissen wo sie wohnte? Das verlegene Lächeln von ihm brachte auch sie zum schmunzeln. „Wenn du willst, dann kannst du mich einfach begleiten. Ich wollte jetzt nach hause gehen“, schlug sie vor.
„Gerne“, meinte Kakashi und deutete nach einigen Sekunden mit seiner Hand an sie solle doch vorgehen. „Du hast einen ziemlich nachdenklichen Gesichtsausdruck gemacht, als du aus dem Gebäude gekommen bist. Ist alles in Ordnung?“, fragte er nach.
Sie nickte. „Ich habe nur über die letzte Unterrichtseinheit nachgedacht. Es kam etwas neues dran und das hat den meisten von uns nicht gefallen. Ich selbst finde es auch schwer abzuschätzen was richtig wäre und was nicht.“
„Darf ich fragen was behandelt wurde?“
„Offiziell stand im heutigen Unterrichtsplan das wir Schnittverletzungen behandeln, aber es driftete irgendwann dazu ab wann man einer Mission den Vorrang gibt und das es unter bestimmten Voraussetzungen auch akzeptabel ist, eigene Leute zu verlieren. Die wenigsten fanden das gut.“
„Ah, ja. Die Schattenseite des Shinobi Daseins.“
„Jepp, genau die.“ ´Ich wünschte ich wäre wie Naruto. Dann könnte ich sagen: Ich lasse niemals meine Leute sterben und schaffe es dennoch das die Konsequenzen nicht vielmehr Tote fordern.´ Gleichzeitig erinnerte sie sich an eine andere Lehrerin. ´Ausrede´, klang ihre Stimme in ihren Gedanken. Aber es stimmte. Sie war nicht Naruto. ´Was nur von Vorteil sein kann. Ich benutze meinen Kopf.´ Aber sie hatte Angst vor den Konsequenzen und das hielt sie auf. Nicht mangelndes Talent, nicht zu wenig Wissen. Sie hatte schiss. Schiss nicht mit den Konsequenzen zurecht zu kommen und in diesem speziellen Fall, Schiss Freunde auf dem Gewissen zu haben.
Es würde nicht an ihr liegen, dass ihre Leute drauf gingen, beschloss sie in dieser Minute. Sie würde alles nutzen, alles durchdenken, alle Möglichkeiten ausschöpfen. Es musste eine Möglichkeit geben und eine einzige reichte völlig das Blatt zu wenden!

„Und? Wie würdest du handeln?“, fragte Kakashi und beobachte ihre Reaktion.

Doch Melanie schnaubte nur auf. Woher sollte sie das wissen? „Wird sich zeigen. Aber hoffentlich so das ich mir morgens noch ins Gesicht sehen kann.“
„Diese Antwort wäre wahrscheinlich nicht die Gleiche wie die deiner Lehrer.“
„Theorie und Praxis. Keiner kann mir weismachen das diese saudummen Shinobi Benimmregeln jederzeit von jedem eingehalten werden. Das ist nicht möglich. Wenn man das tut, verliert man sein Menschsein. Man wird zu einer Sache degradiert!“
„Nach den Statuten der Shinobiwelt ist ein Ninja ein Werkzeug für sein Dorf“, gab er zu bedenken und Melanie fühlte die Wut in sich aufwallen. Sie wusste das, aber...
„Ein Werkzeug ohne Emotion? Ohne Leidenschaft? Ohne das brennende Verlangen Schaden von denen fernzuhalten die einem etwas bedeuten?“
„Im Idealfall eines das stets die Mission an erster Stelle stellt, niemals persönliche Gründe dazwischen kommen lässt und stets für die Sicherheit seines Landes und Dorfes alles gibt. Ungeachtet der Umstände“, stellte er richtig.
Melanie überlegte einige Herzschläge. „Das kann man aber auch machen ohne zu nem Werkzeug zu werden. Ein bissel Disziplin und man kann sich zusammen reißen. Dazu muss man nicht seine Gefühle begraben. Man kann sie sammeln, oder aus der Distanz betrachten. Oder von mir aus auch austauschen mit einem Gefühl das weniger fatal ist.“
„Wenige bringen eine derartige Disziplin auf. Es ist leichter die Gefühle abzulegen während man auf Mission ist und tatsächlich kalt eine Aufgabe zu erledigen.“
Mürrisch starrte sie auf den mit Eis und Splitt bedeckten Boden. Sie kannte nur ein Gefühl bei dem sie sehr gut aufpassen musste das es nicht entkam und das war blanker, kalter Hass. Mit allem anderen kam sie zurecht. Auch wenn Angst bisweilen sehr ablenkend sein mochte. „Was macht man dann wenn man wieder zuhause ist? Den Schalter umlegen und dann? Schlägt dann alles über einem zusammen oder spielt es dann keine Rolle, weil es ja sowieso der Vergangenheit angehört?“
„So was hängt von der Person ab.“
Aha und zu welcher Sorte Person gehörte er? Sie wusste noch welchen Spitznamen er als Junge gehabt hatte, aber sie konnte im Moment nicht abschätzen ob das wirklich der Vergangenheit angehörte, oder nur in Teilen.
„Was machst du?“, fragte sie ihn direkt.

„Ich versuche das richtige zutun.“ Und manchmal gelang es und manchmal nicht.

Melanie schwieg daraufhin eine Weile und dachte darüber nach. Es war unmöglich zu sagen, was das richtige war. Es hing von so vielem ab.
„…Verstehe. Danke für die Diskussionsrunde.“
„Keine Ursache. Wenn sich der Unterricht nicht zu sehr geändert hat, seit ich auf die Akademie gegangen bin, dann werdet ihr noch einige Gelegenheiten haben über derlei Dinge zu reden.“
„Tss, das glaube ich dir aufs Wort.“ Sie hatten schon jetzt Themen bei denen sie sich in einer derart breiten Grauzone bewegten das es schwer war die Extremen zu sehen. Und trotzdem war es nicht einfach für sich den Punkt festzulegen wo man sagen konnte: Wenn ich so handle dann bin ich sicher. Wahrscheinlich gab es so etwas wie ´Sicherheit´ für einen Shinobi nicht. Sie bogen dann in die breite Straße ein, in der Ichiros Bar lag und nach kurzer Zeit meinte Melanie: „Tja, also hier wohne ich. Besser gesagt eher hinten.“
Kakashi betrachtete die Bar und sah lächelnd zur Seite. „Danke. Wenn du wiedereinmal mit mir diskutieren willst, kannst du gerne vorbei kommen. Also dann“, er hob die Hand zum Gruß. „Bis dann.“
„Bis dann“, verabschiedete sie sich verblüfft und sah ihm nach wie er die Straße entlang ging. Sie hatte gewusst das er Hilfsbereit war, aber…er hatte in der Serie nicht den Eindruck gemacht als wäre er großartig an Sozialkontakten interessiert. Gai hatte er immer abgelehnt obwohl sich dies eher als Masche entpuppte und die tiefe Freundschaft zu seinem unfreiwilligen Rivalen verbarg. Melanie lächelte und drehte sich um, um die Bar zu betreten. ´Wäre schon nett ihn öfters zu sehen. Ich kann ihn ja irgendwann mal fragen ob er Lust hat ins Kino zu gehen, oder so was.´

Zuhause angekommen gab es erst wieder etwas zu essen bevor sie sich zum letzten Mal daran machte die E-rang Ninjutsu zu üben. Diesmal versuchte sie jedoch die Jutsu gezielt auszubalancieren, was wie sie wusste nur sehr schwer gelang. Sie versuchte es bei jedem eine gute Stunde lang bequem auf dem Bett sitzend, bevor der Kage Bunshin wieder mit seiner Schwere lockte. Die Schriftrolle aus der sie die Fingerzeichen hatte lag halb aufgerollt auf ihrem Tisch und sie betrachtete sie misstrauisch, so als ob sie sich plötzlich verwandeln könnte. Plötzlich sprang sie auf, hechtete zu der Rolle und sprang wieder ins Bett. `Dieses vermaledeite, dämlich Ninjutsu! Es muss doch möglich sein dafür zu sorgen das diese beschissenen Schattenklone länger als zwei Sekunden bestehen!´ „Ne (Ratte) , Mi (Schlange), Tora (Tiger), U (Hase), Tatsu (Drache), Mi (Schlange), Hitsuji (Schaf), Saru (Affe), Tori (Hahn), Inu (Hund), Kage Bunshin no Jutsu!“ POFF…Poff. „AHHHH, noch mal!“ Viereinhalb Stunden später ging ihr Atem heftig und die Hitze in ihrem Inneren nahm wieder zu. ´Verdammt.´ Doch auch diesmal entschied sie sich vernünftig zu sein und Schluss zu machen, obwohl sie noch weiter machen wollte. Erst dann sah sie auf ihren Wecker. „Oh Shit. Mitternacht! Ich muss morgen zur Akademie“, lachte sie etwas. Sie hatte gar nicht gemerkt das es so spät geworden war. Selbst der Lärm aus der Bar unten war vergleichsweise wenig. Normalerweise ging um diese Uhrzeit die Post ab. Schnell richtete sich dann um ins Bett zu hüpfen und rasch hinzulegen.
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