Die Illusion brechen

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P18
Kakashi Hatake OC (Own Character)
13.10.2017
06.12.2019
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Die Illusion brechen

Wahrscheinlich Mittwoch, 26 Oktober, Tag 1

Der Wind pfiff mit Messerschärfe, je weiter sie vorwärts stapfte. Es war fast so als hätte er etwas dagegen, das sie ihr Ziel erreichte. Ein Ziel das nicht mehr weit entfernt sein konnte, aber aufgrund des Schneesturms durch den sie sich kämpfte, weder zu sehen noch zu hören war. So wie alles was weiter entfernt war als 20 Zentimeter. Es war unmöglich weiter zu sehen. Ihr Stab stieß wieder auf den harten, erdigen Boden der Strasse. Noch schien sie auf Kurs zu sein und sie hoffte sehr, dass sie die Straße niemals verlor. Es war der einzige Anhaltspunkt den sie hatte.
Folge einfach der Straße Richtung Süden, hatte es geheißen. In der Zwischenzeit ging die Straße nach Osten. Doch es hatte keine Weggabelung gegeben. Danach hatte der Schneesturm eingesetzt. Als erstes ging es noch, zwischen den großen kahlen Bäumen. Doch der Schnee türmte sich inzwischen bis zur Hüfte auf. Sie selbst war eine graue buckelige Masse aus Pelz, Rucksack und allen wärmenden Schichten Kleidung die sie besaß. Nur leider wurde es so langsam Dunkel. Doch der Schneesturm schien noch genug Kraft zu haben, lange weiter zu toben. Es wäre lebensgefährlich jetzt länger anzuhalten. Sie hatte schon einmal einen Schneesturm durchquert, aber damals war sie besser im Futter gewesen. Sie hatte Nahrung besessen und Wasser, das nicht gefroren war. Melanie schüttelte den Kopf und setzte sich wo sie gestanden hatte, um kurz auszuruhen.
´Sieht so aus, als müsste ich mich wieder auf eine lange Nacht einstellen.´ Ihre Taktik zum überstehen eines Schneesturms war einfach; Ausruhen bis der Körper kalt wurde, dann wieder weiterlaufen bis er warm geworden war, dann wieder ausruhen. Es war das Beste was ihr die ganzen Jahre über eingefallen war. Schlafen bedeutete den Tod. Selbst wenn sie noch über ein Zelt verfügen würde, kein Zelt hielt diesen Wind aus. Und kein Zelt hatte Wände das die Kälte abhielt und die Wärme speicherte. Es war der fünfte oder sechste ´wieder-aufstehen-Zyklus´ als das Geräusch, mit dem ihr Stab auf den Boden traf, sich geändert hatte. Es klang als hätte sie einen Stein getroffen. Als sie den Stab hob und etwas weiter rechts den Untergrund testete, war das Geräusch das selbe.
´Fuck´ Wenn sie die Straße verloren hatte, wäre das sehr schlecht für sie. Einen Schritt rückwärts hatte sie die Straße jedoch wieder. Vorsichtig ging sie einen Schritt seitwärts und dann einen vor, um nochmals zu prüfen wie der Untergrund beschaffen war. Doch auch hier fühlte sie den harten Widerstand von Stein. Er schien überall vor ihr zu sein und es fühlte sich nicht nach irgendwelchen Kieseln an. Das Schicksal schien es jedoch gut mit ihr zu meinen, den der Sturm ließ nach während sie prüfte. Vor sich im Dunst und Zwielicht dieser grauen Welt erkannte sie einen Schemen. Melanie ging darauf zu, niemals müde den Untergrund zu testen und fand, nur einen Meter entfernt, eine hölzerne Mauer.
Sie wollte als erstes nicht glauben was sie sah. Doch ihre Hand, eingehüllt in einen Pelzfäustling, sagte genau dasselbe wie ihre unter der Schneebrille tränenden Augen. Da war eine Mauer. Es dauerte nicht lange bis sie herausgefunden hatte, dass es sich eigentlich um ein gigantisches Tor handelte.
Melanie versuchte den Eingang zu finden. Und nach einigen Metern, entdeckte sie einen Spalt von der Breite eines Menschen, der offen stand. Vorsichtig spähte sie hinein. Bäume und einige Gebäude waren undeutlich zu erkennen. Auch hier schien alles eingeschneit in meterdicke Wehen zu sein, doch der Schneesturm schien seine Kraft an der Mauer zu brechen. Drinnen war es nahe der Mauer verhältnismäßig windstill. Mehr brauchte es nicht sie zu überzeugen, dass drinnen besser war als draußen. Sie drückte sich durch den Spalt und hielt sich für einige Sekunden an der inneren Wand des Tores fest. Es tat unglaublich gut nicht mehr gegen den Wind ankämpfen zu müssen. Die breite Straße auf der sie stand war noch für einen Moment Menschenleer. Doch dann lösten sich zwei Schemen von einem Gebäude in der Nähe um auf sie zuzukommen.
´Hoffentlich ist dies hier wirklich…´
Ihre Erfahrungen mit dem uneingeladenen Eindringen in Siedlungen waren nicht immer positiv gewesen. Langsam ging sie den Schemen entgegen. Jedoch nicht ohne vorher unauffällig geprüft zu haben ob sich ihre Waffe noch immer aus der Scheide ziehen ließ.
Die Schemen waren wie sie dick in Umhänge gehüllt. Ihr Atem hinterließ dicke Wolken aus Dampf in der kalten Luft und als sie näher traten konnte sie erkennen, dass es sich bei ihnen um zwei Männer handelte.
„Wer ist da?“, fragte eine junge Stimme laut genug das sie ihn verstehen konnte.
„Mein Name ist Melanie. Ich erbitte eine Unterkunft für einige Nächte“, rief sie mit rauer Stimme.
Die Männer kamen langsam näher und als sie in den fahlen Schein einer der nahen Lampen traten wusste sie, dass sie es geschafft hatte. Sie war in Konoha. Vor ihr stand Izumo. Es war als hätte sie einen Schlag mit dem Hammer erhalten. Ihre Knie gaben nach und sie stürzte vornüber wo sie kaum das Gewicht ihres Rucksacks gegen wirken konnte. Sie versank bis zu den Ellbogen im Schnee.
„Oi!“, rief Izumo aus und nur einige Herzschläge später spürte sie seinen festen aber vorsichtigen Griff an ihrem Oberarm.
„Tut mir leid…“, hauchte sie. „Ich kann nicht mehr.“
„Kotetsu, hol Hilfe schnell!“, rief er über seine Schulter und sein Kollege nickte stumm und rannte in Windeseile davon, um schon bald vom wirbelnden Schnee verschluckt zu werden.
„Keine Sorge, Melanie-san. Du bist in Sicherheit. Nicht mehr lange dann ist dir wieder warm“, sprach Izumo wärmer als es ein Feuer je sein konnte.
Melanie nickte und versuchte den Rest ihrer Kraft dazu zu nutzen nicht völlig zusammen zu brechen. Izumo änderte seinen Halt um sie und seine Arme nahmen nun einen Teil des Gewichtes von ihr.
„Komm, lass uns deinen Rucksack ausziehen. Er muss schwer sein. Wollen wir?“ Sie war sich im Klaren das er sie mit ein wenig Smalltalk bei Bewusstsein halten wollte. Aber die Idee war vernünftig, also nickte sie und versuchte sich hochzustemmen um die Riemen abzustreifen. Mithilfe des Ninjas gelang es ihr, erst den einen, dann den anderen Trageriemen zu lösen. Der Rucksack kippte wie ein gefällter Baum nach hinten in den Schnee. „Besser, nicht wahr?“
Melanie nickte keuchend. Das Atmen fiel ihr schwerer als noch vor einigen Minuten und als sie das Gefühl hatte nicht mehr genug Luft zu bekommen, löste sie den Fellkragen der Mund und Nase bedeckt hatte und holte tief und erleichtert Luft.

Izumo sah sich unbehaglich nach seinem Kameraden um. Diese Frau brauchte Hilfe. Sie war blass wie der Schnee um sie herum und das Haar klebte in feuchten Strähnen in ihrem Gesicht. Doch wenige Minuten später hörte er schon die raschen Schritte aus Richtung der Dorfmitte. Kotetsu kam angerannt und hielt neben ihnen an.
„Wie geht es ihr?“, fragte er als er die keuchende Frau besah.
„Nicht gut. Ich denke sie hat Fieber.“
„Die Medics sind direkt hinter mir“, erwiderte er und tatsächlich; aus dem Grau des wirbelnden Schneesturms kamen drei weiß gekleidete und ebenfalls in dicke Umhänge gehüllte Männer. Jeder von ihnen trug ein Bündel in den Armen. Der Erste hielt direkt neben Melanie inne und kniete sich in den tiefen Schnee.

„Melanie-san ist dein Name, nicht wahr?“, fragte der Medic-nin. Er war ungefähr Mitte zwanzig und hatte in dieser höllischen Nacht Bereitschaftsdienst. Seine durch kreisrunde Brillengläser bedeckte, geübten Augen hatten trotz der schlechten Lichtverhältnisse, alleine innerhalb diesen Augenblicks, bereits eine gute Erstdiagnose gestellt. „Mein Name ist Mogusa. Was hältst du davon wenn wir dich ins Warme bringen?“

Melanie lächelte etwas als sie antwortete: „Klingt fantastisch.“ Sie versuchte sich aufzurichten und Izumo war bereit ihr dabei zu helfen. Die anderen beiden, ein Medic-nin und ein normaler Sanitäter breiteten sofort die mitgebrachte Trage auf dem verschneiten Boden aus. Mogusa und Izumo halfen der geschwächten Frau aufzustehen und sich diese wenige Zentimeter zu bewegen. Es war Melanie beinahe unmöglich sich nicht sofort fallen zu lassen als sie die dünne Polsterung der Trage unter sich spürte. Eine angewärmte Decke wurde über ihr ausgebreitet und bis unter ihr Kinn gezogen, als sie schwer zum liegen gekommen war und an der Trage festgesteckt. Nach einigen Augenblicken zog sie sich wieder den Fellkragen über das Gesicht und schloss die Augen. Der Schnee wirbelte nun direkt von oben und brannte kalt auf ihrer Haut.
„Warte, das haben wir gleich“, sagte der Sanitäter und zog die Decke etwas höher und ihre Kapuze tiefer in ihr Gesicht. „Besser?“, fragte er nach und Melanie nickte dankbar. „Wenn etwas ist, sag es uns, ja?“
Wieder nickte sie und informierte sie keuchend: „Ich denke nicht….das ich noch lange wach bleiben kann. Ich kann nicht mehr.“

Mogusa und der andere Medic wechselten einen Blick und sein Kollege wandte sich etwas ab um in das Funkgerät das er am Kragen trug, einige Worte zu sprechen. Mogusa lugte unter den Rand der Kapuze.
„Versuche noch etwas wach zu bleiben, Melanie-san. Wir sind in wenigen Minuten im Warmen, ja?“
Wieder nickte sie, aber der Medic sah dass sie dafür viel zu erschöpft war. „Beeilen wir uns“, sagte er seinen Kollegen und sie hoben vorsichtig die Trage an. So schnell es ging liefen sie durch die verschneiten und menschenleeren Straßen in Richtung Hospital von Konoha. Mogusa lief an der Seite mit und hielt einen wachsamen Blick auf die Frau. „Melanie-san hast du außer dem Fieber noch weitere Beschwerden?“

Melanie nickte, sie wollte ihm erzählen das sie dieses Fieber schon seit Tagen hatte, wo sie Schmerzen verspürte und noch vieles mehr, aber dieses seltsame Gefühl in ihr verstärkte sich und sorgte dafür das aus dem weiß, langsam grauer Schnee und Dunkelheit wurde.
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