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Die Darcys auf Pemberley Teil XXIII

von Bihi
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charles Bingley Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Jane Bennet OC (Own Character)
12.10.2017
14.01.2018
58
97.749
19
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Dieses Kapitel
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12.10.2017 1.870
 
Wer ein wenig Hintergrund haben möchte zu Sozialregeln, kann in Teil X das letzte Kapitel oder auch das erste Kapitel von Teil XI und in Teil XIV die Einleitung zum ersten Kapitel lesen. Wer mehr Hintergrund haben möchte, kann die Erläuterungen in 'Darcy - Leben in den Romanen Jane Austens ... ' nachlesen.

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Fitzwilliam hatte sich gegen halb sieben in den anderen Raum geschlichen und hatte die Wärmesteine in Elizabeths Bett gelegt. Dann schlich er sich zurück und entdeckte, dass er am Vorabend das Geschenk vergessen hatte. Nun schlüpfte er vorerst unter die Decke und hoffte, dass sein geliebtes Elfchen nicht ungebührlich spät aufwachte. Nicht, dass dann drei erkaltete Steine im Bett lagen!
Sie wachte sogar ein klein wenig früher auf als sonst. Er wartete geduldig wie fast alle anderen Morgen seit zweiundzwanzig Jahren, bis sie in der Wirklichkeit angekommen war. Dann bat er sie nach der ersten sanften Begrüßung, sich doch bitte zu überwinden und das Bett nun schon zu wechseln, bevor die Wärmesteine wieder kalt geworden waren. Sie gab seufzend nach, weil sie nun wirklich nicht gerne das warme Bett verlassen mochte. Sie war angenehm überrascht, wie kuschelig das Bett mit drei Steinen werden konnte, und fragte sich, warum sie, oder vielmehr Fitzwilliam, erst nach zweiundzwanzig Jahren auf die Idee kam. Dann übergab Fitzwilliam ihr das Geschenk, das er am vorherigen Abend vollkommen vergessen hatte: Einen Ring mit einer Doppelschiene mit einem Peridot.
„Das wird Dein Großmutterring. Für jedes Enkelkind kommt der Monatsstein hinzu. Wenn der Ring voll ist, bekommst Du einen zweiten.“
„Wenn der Ring voll ist?“
„Ja, der Juwelier sagte, von der Größe passen zwölf Steine hinein. Ich glaube, er wollte mich dazu überreden, größere zu nehmen. Aber selbst, wenn jedes unserer Kinder sich auf zwei eigene Kinder beschränken will – was ich mir nicht vorstellen kann, werden es schon achtzehn sein. Du wirst also ganz bestimmt zwei oder drei solcher Ringe bekommen müssen. Aber ich wollte keine kleineren Steine nehmen, das hätte zu geizig ausgesehen.“
Der Extra-Kuss war nur für das Geschenk an sich und nicht für die gewählte Größe der Steine, wie sie ihm anschließend versicherte.
„Sieh mal, der Ring ist ein wenig zu weit. Aber warte mal … ja, auf den Mittelfinger passt er gut.“
„So war es auch gedacht. Damit Du nicht in Versuchung gerätst, den Ehering oder den Verlobungsring abzulegen.“, scherzte er. Dabei war es unerheblich, ob er das wirklich so geplant hatte. Er wusste nie so ganz genau, was sie ernst nahm und was nicht. Elfe eben!

*

Dann kam wieder Arthur geflitzt. Sie hatten ja gedacht, dass er im Laufe der Zeit langsamer würde, aber er schien seinen Ehrgeiz daran zu setzen, immer schneller zu werden. Nichts wie rein ins Bett und Strümpfe ausgezogen.
Dann genoss er erst einmal die Wühlarbeit, bis er die letzten zwei Minuten oder so ganz still lag und schließlich fragte: „Wie ist das eigentlich mit Schülern? Dürfen die auch kuscheln? Und falls das geht: Kann es dann ein wenig früher sein, damit ich Zeit zum Anziehen hab?“
Dann schob er hoffnungsvoll nach: „Nur ein bisschen früher? Das Waschen kann ich ja ausfallen lassen!“
Da er dabei an die Decke starrte, konnten seine Eltern einen vergnügten Blick wechseln, bevor Fitzwilliam sagte: „Früher geht, aber wenn es so wenig früher ist, wie Du Dir das vorstellst, fällt nicht das Waschen aus, sondern Dein Frühstück!“
„… Nee, das ist doof, dann lieber noch früher und dann eben doch mit Waschen, aber auch mit Frühstück.“
Dann rutschte er an das Fußende, zog sich die Strümpfe wieder an und marschierte ab, nicht singend, aber doch gut gelaunt. Ja, wenn er nicht in der Schule schlief, durfte er weiter kuscheln. War das toll!
„Fitzwilliam, ich glaube, der Kuschler bleibt uns noch eine Weile erhalten.“
„Scheint mir auch so. Ist doch schön, nicht wahr? Die anderen Kinder durften doch auch selber bestimmen, ab wann sie nicht mehr kamen. Arthur wollte schon früher mitmachen und will eben später aufhören – falls er seine Meinung im nächsten Jahr nicht ändert. Schließlich waren die anderen ja auch erst nicht mehr gekommen, als sie Schüler wurden.“
„Stimmt. So, wir müssen uns jetzt fertig machen. Mit Penny, John und Jerry am Tisch können wir uns Morgenmäntel nicht leisten.“

*

Der Vormittag verlief sehr geruhsam. Ein Brief von Jane war nicht zu erwarten, da sie immer am Montag schrieb. Also setzte sich Elizabeth an ihr Schreibpult und verfasste die Weihnachtseinladungen. Dann machte sie eine Liste derjenigen, die sie zum Ball einladen wollten.
„Fitzwilliam, ich glaube, für die, die in den Süden fahren müssen, ist der Dienstag der bessere Termin für einen Ball. Es ist ja nicht zu erwarten, dass sie in der Londoner Gesellschaft Bälle absagen, die meist am 6. Januar wieder anfangen, nur weil wir hier auch einen haben.“
„Du hast Recht, es ist sicherer, wenn wir den 2. wählen.“

Nun fertigte sie Beileger zur Weihnachtseinladung. Nur nicht für Tobi und Timmy, denn die Crenshaws bekamen die Einladung zwar auch per Post, aber ohne Weihnachtseinladung geschickt. Sie hatte sich das inzwischen anders überlegt. Sie wollte die Damen in der Umgebung erst einladen, wenn die Zusagen kamen, wer auf der Seite der jungen Herrn mitmachen wollte. Das erklärte sie Fitzwilliam.
„… Na, ich weiß nicht recht, Elfchen. Ich finde, wir laden die Damen ein und sehen uns dann notfalls noch unter den jungen Herren der Umgebung um. In Kympton gibt es zumindest einen Sohn eines Großbauern, wenn nicht zwei, die alt genug für einen Ball sind. In Lambton müssten es auch vier oder oder so sein, teils Großbauern, teils Händlersöhne. Dann können wir sie doch einladen, oder?“
„Stimmt auch wieder. Aber mit den Einladungen warte ich lieber, bis ich mit Miss Grand gesprochen habe. Wir müssen doch erst einmal sehen, wie viele Damen wir einladen können.“
Mr. Bennet war etwas erstaunt, weil er seine Elizabeth nicht so kannte: etwas aufzuschieben, was doch dem Vergnügen dienen sollte. Aber Fitzwilliam verstand sie und gab lächelnd Mr. Bennet ein Zeichen, zu schweigen: Sie hatte jetzt so wenig zu tun, dass sie solche Tätigkeiten lieber streckte, um mehr davon zu haben. Ein durchaus legitimer Trick, wie die beiden Herren beim späteren Gespräch im Herrenzimmer meinten.

Als Elizabeth und Fitzwilliam einmal alleine waren, fragte er: „Meinst Du, dass nach dem morgendlichen Gespräch unser Faun wieder eine Frage an das Schicksal hat?“
„Glaub ich nicht. Erstens hat Du ihm doch eine plausible Antwort gegeben, und zweitens scheint die Sonne nicht. Ich habe ihm das letzte Mal gesagt, die Waldkammer käme nur, wenn die Sonne durch das Fenster scheinen kann. Wir können die Kammer also heute alleine nutzen – als Elfenkammer.“

*

Am Ende ihrer Zeit in der Kammer, Fitzwilliam wollte gerade die Tür öffnen, hörten sie draußen Schritte. Sie lauschten.
„Mist! Mama hat recht, wenn Wolken sind, kommt die Kammer nicht. Oder ist sie noch nicht da, weil ich zu früh bin? Ich muss noch mal auf die Uhr gucken.“
Offenbar war dem Faun auf dem dunklen Dachboden nicht geheuer, weshalb er ein wenig lauter sprach als es sich für ein Geheimnis gehörte. Vielleicht wusste er hier sein Geheimnis ja auch sicher und konnte nur besser denken, wenn er seine Gedanken hörte. Dann hörten die in der Kammer noch etwas anderes: er ging die Treppe hinunter. Fitzwilliam schlich hinaus zur hinteren Treppe. Elizabeth wollte ihm gerade folgen, da brach die Sonne durch und von einer Etage tiefer – nicht ganz, wohl nur vom Treppenabsatz – kam der Jubelruf: „Die Sonne ist da!“ Der Faun hatte sich wohl den Gang zur Uhr gespart.
Elizabeth stieß schnell die Tür ein wenig weiter auf und zog sich auf ihren Platz unter dem Fenster zurück. Da sah auch schon der Faun herein.
Sie ließ ihn nicht bis zu seinem begehrten Ziel kommen.
„Faun, mach bitte erst die Tür zu, damit dies ein Geheimnis bleiben kann.“
Oh, ja, wie hatte er das auch nur vergessen können.
Dann ging er zu 'seinem Laubhaufen' und genoss es so richtig. Bei Mama und Papa hätte er jetzt vor Wonne gewühlt, aber das ging hier ja nicht. Ein Faun kuschelte, der wühlte nicht, fand er.
Nach knapp zehn Minuten schoben sich wieder Wolken vor die Sonne. Elizabeth hielt die Luft an.  Würde der Faun jetzt merken, dass die Kammer auch ohne Sonnenschein da war?
Nein, Arthur stand auf, sah bedauernd auf die Decke und ging zur Tür.
„Mama, Du musst jetzt auch gehen. Die Kammer kann sonst nicht gehen und hat jetzt keine Lust mehr!“
„Sofort! Erst gehst Du und ich komme gleich nach. Das wäre doch zu auffällig, wenn wir zu zweit die Treppe hinunter gehen, nicht wahr?“
„Stimmt!“
Fort war er: schnell zur Tür hinaus und dann vorsichtig umgesehen. Elizabeth schüttelte nur den Kopf: Wenn er so laute Selbstgespräche auf dem Dachboden führte, brauchte er sich doch nicht mehr vorzusehen, wenn er aus der Kammer kam. Aber das waren eben seine Faun Regeln.

*

„Na? Was wollte der Faun denn heute von der Vorsehung in Gestalt der Waldkammer wissen?“
„Das weiß ich nicht. Er hat nichts erkennen lassen. Als die Wolken wiederkamen, ermahnte er mich nur, jetzt auch zu gehen, damit die Kammer sich zurückziehen kann. Und ich dachte, er wird jetzt groß und vernünftig!“
„Wird er ja auch, wenn er Dich ermahnt, der Kammer Ruhe zu gönnen“, schmunzelte Fitzwilliam.
Zur Enttäuschung der Eltern hatte der Faun seine Gedanken so weit geordnet, dass er keine weitere Hilfe in einer Extra-Zeit mit Papa brauchte.

*

Abends:
„Elfchen, für Arthur ist die Kammer eine große Heimlichkeit. Eigentlich ja nicht nur für ihn. Als ich heute darüber nachdachte, fiel mir wieder ein, dass Du auf der ersten Fahrt nach Pemberley auch gesagt hattest, Du hättest etwas heimlich gemacht. Kannst Du Dich darauf besinnen, was das war?“
„Das soll ich mir zweiundzwanzig Jahre gemerkt haben, nur weil Du vielleicht danach fragen könntest?“, fragte sie mit leichtem Vorwurf. „Das hättest Du mir damals aber sagen müssen, geliebter Fitzwilliam.“
Dieses 'Fitzwilliam' klang so liebevoll, dass ihnen beinahe zeitgleich eine vage Erinnerung kam.
„Hattest Du nicht meinen Namen geübt? Nein, das war es wohl nicht. Warum solltest Du wohl heimlich üben, nachdem wir offen darüber gesprochen hatten?“
„Doch, ich glaub, das war 's. Und warum? Ich weiß nicht … vielleicht wollte ich Dich nicht verletzen, indem ich 'Darcy ähm Fitzwilliam' sagte. Das ist heute meine Meinung. Wie ich es damals gemeint habe, weiß ich wirklich nicht mehr. ('Vielleicht hatte ich es ja als Anordnung meines zukünftigen Gatten gesehen. Aber das mag ich nicht sagen – jedenfalls nicht, wenn es nur eine Vermutung ist.') Laut üben ging jedenfalls nicht, egal aus welchem Grund. Wie da meine Familie reagiert hätte! Jane wohl liebevoll nachsichtig – weil ich es war, aber Mutter und Mary wären empört gewesen, Kitty hätte es Tante Philips erzählt und die hätte es mit Mrs. Longs Hilfe in fast ganz Südengland verbreitet. Damit wäre die Doppelhochzeit sicherlich ein offenes Geheimnis gewesen – Collins hätte es auf der Stelle Lady Catherine geschrieben, um schneller zu sein als der Tratsch – und wir hätten nicht bereits den zweiundzwanzigsten Hochzeitstag feiern können.“
„Das klingt logisch. Ich danke Dir also gleich doppelt: einmal dafür, dass Du geübt hast, um mich nicht zu verletzen, und einmal dafür, dass Du das so heimlich gemacht hast, dass es niemand entdecken konnte. So, und nun rutsch in meine Arme.“
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