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Alle meine Freunde, alle meine Sorgen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aomine Daiki Kagami Taiga Kise Ryōta Kuroko Tetsuya Midorima Shintarō Murasakibara Atsushi
11.10.2017
05.02.2019
140
211.015
4
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
22.01.2019 1.273
 
Ganz, ganz vielen Dank fürs Dabeibleiben und für die lieben Reviews. Ich wünsche viel Vergnügen beim neuen Kapitel.


Kapitel 136

Den ganzen Tag über hatte Aomine kaum an etwas anderes denken können als an diesen flüchtigen Kuss. Zwar lenkten seine Mitstudenten ihn des Öfteren ab, doch gänzlich verdrängen konnte er den Vorfall nicht. Deshalb zitterte er ein wenig vor Nervosität auf dem Rückweg.
„Ich bin zurück“, sagte er und zog seine Schuhe im Eingangsbereich aus.
„Willkommen daheim, Mine-chin“, rief Murasakibara aus der Küche.
Irrte sich Aomine oder klang er wirklich etwas zaghafter als sonst? Die Tatsache, dass alles wie immer war, besänftigte Aomines Unruhe. Es gab keinen Anlass, weswegen er derartig in Panik ausbrechen müsste, immerhin war Murasakibara sein Mitbewohner, der selbst einige Krisen zu bewältigen hatte – sicherlich mehr als Aomine.
„Mmh, was gibt es denn heute, Murasakibara?“, fragte Aomine und trat in die Küche.
„Fischsuppe, gebratenes Gemüse an Reis und als Dessert gebackene Bananen mit Sirup und Eis“, antwortete Murasakibara, ohne sich zu ihm umzudrehen, denn er werkelte am Herd herum. „Was hältst du davon, Mine-chin?“
„Du weißt doch, ich mag alles, was du kochst“, sagte Aomine. „Ich werde mich dann mal umziehen.“
„Ja“, antwortete Murasakibara.
Puh, dieses Gespräch verlief doch ganz natürlich! Murasakibara wusste nicht, weshalb er so nervös war, denn Aomine war doch auch ein verständiger Mensch, vor dem er sich nicht zu fürchten brauchte! Die Ruhe zu bewahren, nachdem ein Kuss erfolgt war, der irgendwie auf unerklärliche Weise passiert war, benötigte eine besondere Willensstärke und Konzentration.
Beim Essen schwiegen sie in seltsamer, bedrückter Atmosphäre, während sie sich hin und wieder verstohlene Blicke zuwarfen, ohne sich dabei zu treffen. Dann, beim Dessert, hielt Aomine es nicht länger aus.
„Hör mal, Murasakibara. Wir... wir sollten über den Kuss von heute Morgen reden.“
Murasakibara legte sein Besteck beiseite und hob seinen Kopf, um Aomine anzusehen.
„... Ja. Das sollten wir wohl.“
„Hm... Ich weiß nicht, wie es passiert ist“, erklärte Aomine verlegen. „Und sicherlich hat es dich durcheinandergebracht. Ich bitte vielmals um Entschuldigung.“
„A-aber nein!“, entgegnete Murasakibara. „Es... Der Kuss ging doch von mir aus, also sollte ich um Verzeihung bitten!“
„Nein, nein, ich habe mich dir genähert“, beharrte Aomine.
„Unsinn!“, sagte Murasakibara. „Ich war es doch, der-“
Murasakibara hielt inne. Dann sah er Aomine an, der ebenfalls erstarrt war, und dann – dann lachten sie frei heraus.
„Ich kann nicht glauben, dass man sich wegen einer solchen Lappalie streitet“, prustete Murasakibara.
„Wenn es von uns beiden ausging, ist ja wohl kaum etwas dagegen einzuwenden, oder?“, lachte Aomine schallend. „Nein, jetzt mal im Ernst: Es war doch wirklich nicht unangenehm, oder?“
„Nein“, schüttelte Murasakibara den Kopf. „Ich dachte nur... Ich habe mich gefragt, ob du dir vielleicht Sorgen machst, dass ich... ähm, über dich herfallen könnte. Weißt du, wegen der Sache mit Kuro-chin...“
„Huh? Nein, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich dachte, du hast vielleicht Angst bekommen, weil ich mich dir so unvorbereitet genähert habe. Ich war besorgt, ob du wieder in Trauer fällst... Entschuldige bitte.“
„Ach... Danke für deine Besorgnis, Mine-chin, aber so schlimm ist es nicht mehr, wirklich“, beruhigte Murasakibara ihn. „Die Trennung von Akashi-san ist schließlich schon acht Monate her, also mach dir darüber bitte keine Sorgen. Ich hatte aber auch Angst, dass du dich vielleicht an Chi-chin erinnerst und dir das wehtut...“
„Hm, eigentlich nicht“, gab Aomine verwundert zu. „An ihn habe ich überhaupt nicht gedacht. Unsere Trennung ist schließlich auch schon rund fünf Monate her. Manchmal sehe ich ihn und dann spielt mein Herz immer noch ein wenig verrückt, aber es hat sich schon etwas gebessert, vor allem dadurch, dass er nun anscheinend mit Ishibana zusammen ist.“
Murasakibara betrachtete Aomine nachdenklich.
„Und was ist mir dir? Noch keine neue Liebschaft in Sicht?“
„Nein... Aber so nötig habe ich es auch nicht. Ich will nicht sagen, dass es jetzt ungelegen käme. Doch ich glaube, von Beziehungen habe ich erst einmal die Nase voll.“
„Nanu? Das hätte ich nicht erwartet“, sagte Murasakibara überrascht.
„Wieso?“
„Na, weil du dich bisher immer auf einen ganz speziellen Menschen festgelegt hast. Ich dachte nicht, dass dir das Single-Leben liegt. Bist du dir denn sicher, dass du diese… hm, Konzentration aufgeben kannst?“
„Naja... Immerhin habe ich es schon mal mit Kise getan, ohne mit ihm fest zusammen zu sein“, murmelte Aomine leise und starrte auf seinen Teller, als gäbe es nichts Interessanteres auf der ganzen Welt. „U-und mit Tetsu... habe ich es mir nur vorgestellt...“
Murasakibara schwieg, dann begann er zu essen.
„Ich... ich weiß nicht, ob ich es will, ich meine mit einem fremden Mann zu schlafen“, setzte Aomine sein peinliches Geständnis fort. „Im Moment bin ich vollauf damit beschäftigt, mich zurechtzufinden im Leben.“
„Aber heute hast du dich zu einem Kuss hinreißen lassen“, wandte Murasakibara weise ein. „Glaubst du nicht, dass das ein Hinweis deines Körpers war, dass du mal wieder... einen Partner brauchst?“
Aomine seufzte und widmete sich dem Dessert.
„Es ist ermüdend, nach einem willigen Partner zu suchen, von der ganzen emotionalen Ebene mal abgesehen... Das ist doch alles nur eine Last“, sagte Aomine.
Als er Murasakibara eine Sekunde später einen Blick zuwarf, hatte der Riese sein verlegenes, rotes Gesicht abgewandt und das lila Haar fiel ihm über die Augen. A-ach so! Er hatte das auf sich bezogen! Aomine verschluckte sich fast an dem Bananenstückchen, als ihm das bewusst wurde. Was sollte er jetzt tun?
„A-also... Murasakibara. Ich... ich hatte nichts gegen diesen Kuss, er hat sich gut angefühlt“, sagte er. „Und, naja, wenn du mich immer zum Abschied küssen würdest, hätte ich nichts dagegen. Vie-vielleicht können wir auf diese Weise ein bisschen mehr... hm, Gefühle zueinander aufbauen, wenn du magst.“
Murasakibara sah ihn vorsichtig an.
„Ich meine, wenn du es unbedingt mit jemandem... m-mit mir tun willst, dann... dann bin ich für dich da“, erklärte Aomine und wurde nun leuchtend rot. „A-aber bei dir möchte ich es wenigstens mit ein bisschen Liebe versuchen und nicht nur, um den Druck loszuwerden.“
Murasakibara lächelte und hätte damit die Sonne aufgehen lassen können. Er strahlte so eine Freude aus, dass Aomine geblendet seine Hand über die Augen legen musste.
„Oh, Mine-chin, das ist so lieb von dir. Es muss ja nicht unbedingt wieder eine einseitige oder komplizierte Beziehung daraus werden, aber über ein bisschen mehr Wärme und Nähe würde ich mich sehr freuen!“
Aomine erwiderte das Lächeln.
„Ja, das fände ich auch schön, Murasakibara.“
Nachdem sie den Abwasch erledigt und ihre Verlegenheit überwunden hatten, legten sie fürs Erste einen Kuss pro Tag fest, der jeweils am Morgen zum Abschied stattfand. Am Wochenende allerdings wussten sie nie genau, wann sie sich damit gegenseitig überfielen, und gerade das machte den Reiz ihres Zusammenlebens aus. Es schien so, als warteten sie den ganzen Tag nur darauf, endlich ihre Lippen aufeinander legen zu dürfen. Umso trauriger waren sie, wenn der Kuss dann aufgebraucht war. Andererseits steigerte dies die freudige Erwartung auf den nächsten Tag. Es schien fast so wie ein Adventskalenderspiel zu sein: Nur ein Türchen am Tag zu öffnen, fiel wahnsinnig schwer, und wenn man es geöffnet hatte, verging der Tag nicht schnell genug bis zu dem Moment, an dem man ein weiteres Türchen öffnen durfte, um die Schokolade dahinter probieren zu können. Zumindest für Aomine fühlte sich das so süß wie Schokolade an, denn obwohl Murasakibara kein besonders guter Küsser war, schmeckte er einfach fantastisch!
So überwanden die beiden ehemaligen Teamkollegen ihre Vergangenheit, die ihnen monatelange Niedergeschlagenheit beschert hatte, und schöpften neuen Lebensmut. Und das war wichtig, um weiterhin im Leben zu bestehen, in dem einem oft genug der Boden unter den Füßen weggezogen wurde.

Fortsetzung folgt…
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