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Alle meine Freunde, alle meine Sorgen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aomine Daiki Kagami Taiga Kise Ryōta Kuroko Tetsuya Midorima Shintarō Murasakibara Atsushi
11.10.2017
05.02.2019
140
211.015
4
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.01.2019 1.455
 
Wie üblich bedanke ich mich ganz herzlich fürs Dabeibleiben und die lieben Reviews. Danke schön! Ich wünsche viel Vergnügen mit dem nächsten Kapitel.


Kapitel 134

Es dauerte eine Weile, bis Murasakibara und Aomine sich an ihrer Ausbildungsstätte zurechtfanden. Obwohl er sehr viel lernen musste, noch mehr als jemals an der Schule, gefiel Aomine der Beruf eines Polizisten und er vertiefte sich in die Arbeit, die ihm Spaß machte. Mit seinen Kommilitonen kam er nach einigen Wochen hervorragend zurecht und unternahm das eine oder andere Besäufnis, bei dem er der einzige Nüchterne blieb. Die Studentinnen flogen auf ihn, manche baten ihn auch um Autogramme, denn sie erinnerten sich an seine Basketballspiele – und natürlich an seine öffentliche Verlobung. Dieses Thema kam allerdings überraschenderweise kaum zur Sprache; nur einige wenige sprachen ihn darauf an, weshalb er denn keinen Ring trüge. Doch dann fiel ihnen ein, dass er Sportler war, und lachten über ihre eigene Unaufmerksamkeit. Das kam Aomine sehr entgegen, deshalb ärgerte ihn der Fanrummel kaum. Vor allem auch deshalb nicht, weil seine männlichen Freunde ihm jedes Mal aus Dank zu Füßen lagen, wenn er einen Haufen Mädchen zu einer Date-Runde einlud, die nicht nur von seiner Fachhochschule stammten.
Abends kehrte er meist sehr spät nach Hause zurück, wo Murasakibara mit einem köstlichen Essen auf ihn wartete. Offenbar hatte der Riese seinen Lebenswillen zurückgewonnen – und all das Geld, das er nun sparte, weil er nicht mehr das große Ex-Akashi-Anwesen bezahlen musste.
Murasakibara fand sich ebenfalls reichlich schnell in die Gesellschaft seiner Fachhochschule für Konditorhandwerk ein. Neben all den Grundlagen, die er lernte, spezialisierte er sich vor allem auf die Herstellung von feinen Süßigkeiten, deren Geschmack auf einem himmlischen Level lag, sodass selbst seine Lehrer ins Staunen gerieten. Seine Kommilitonen teilten sich in zwei Gruppen: die, die ihn verherrlichten, und die, die ihn beneideten. Sein einziger echter Freund war ein kleiner, unauffälliger Junge mit hellen Haaren und großen Augen. Da er ihn augenblicklich mit Kuroko verwechselte beziehungsweise Kuroko in ihm sah, floh Murasakibara stets vor ihm, bis der Doppelgänger ihn zur Rede stellte.
„Hoi, wieso rennst du vor mir weg? Hab ich dich vielleicht verärgert?“
„N-nein, es ist nur... Du ähnelst jemandem, den ich sehr verletzt habe“, erklärte Murasakibara ausweichend. „Die Erinnerung daran ist nicht gerade angenehm, auch wenn der Vorfall geklärt und bereinigt wurde, aber dennoch...“
„Hm, das sehe ich ja ein, aber wenn du mich näher kennenlernst, wirst du merken, dass mich so schnell nichts aus den Socken haut.“
Und damit hatte er verdammt noch mal Recht, denn ein solches Schlitzohr war Murasakibara bis dahin noch nie begegnet. Genervt von den Kommilitonen, die Murasakibara entweder verfluchten oder ihn bedrängten, spielte der Kuroko-Doppelgänger ihnen die schäbigsten Streiche, ohne je erwischt zu werden. Ihm allein verdankte Murasakibara eine wundervolle Studentenzeit und er begann wieder, an das wohlige Gefühl der Freundschaft zu glauben. Das tat seiner Seele gut.
Die Wohngemeinschaft mit Aomine funktionierte entweder hervorragend oder kein Stück, denn da sie beide eher wenig Selbstdisziplin besaßen und kaum mit Haushaltsgeräten umgehen konnten, war die Wohnung nach wenigen Tagen mehr als wohnlich zu nennen. Man hätte es auch als schlampig bezeichnen können, allerdings in einem positiven Sinn, denn die beiden fühlten sich hier so wohl wie kaum zuvor, und das lag in erster Linie nicht an einem Menschen, sondern daran, dass sie endlich ein Leben lebten, wie sie es sich vorstellten und das ihnen Freude bereitete. Sie fühlten sich frei und wie neugeboren. Sicherlich lebte noch immer die Erinnerung an vergangene Vorfälle in ihnen, doch der größere Teil ihres Lebens fühlte sich einfach wunderbar an.

Das konnten Izuki und Mitobe nun nicht gerade behaupten, denn die Sache zwischen Koganei und Suzuki wurde immer ernster. Den beiden Männern reichte es, sie hatten die Nase gestrichen voll davon, dass ihnen beständig der dritte Mann fehlte, den sie wahrscheinlich beide mehr liebten als einander, obwohl auch diese Liebe sehr stark war. Was sie nicht wussten: Koganei und Suzuki schmiedeten einen Plan, wie Koganei seinen berechtigten Platz bei seinen beiden besten Freunden und Liebhabern zurückgewinnen konnte. Die Methode war simpel und nannte sich „Eifersucht schüren“, allerdings setzte die Vollziehung ihres Plans etwas voraus, was Koganei glücklicherweise gelungen war: Izuki und Mitobe mussten so abhängig von Koganei sein, dass sie ihn unter allen Umständen zurückerobern wollten. Soweit das Ziel und der Plan. Die Ausführung kam bereits in Gange, das zeigte sich durch Kiichis Besuch zu Weihnachten. Jetzt, kurz vor dem neuen Semester, wollte Suzuki die nächste Falle auslegen, und sie wartete nicht lange damit.
„Koganei-kun, Koganei-kun!“, rief sie fröhlich, laut und winkend und hüpfte in den Vorlesungssaal, in dem sie inzwischen bekannt war – und dadurch auch den drei Jungs zu zweifelhafter Berühmtheit verholfen hatte. „Ich muss mit dir reden, allein, unter vier Augen. Würdest du kurz mit rauskommen?“
„Hm? Das kannst du doch auch vor meinen Freunden sagen, Suzuki-san“, meinte Koganei gespielt verdutzt.
Izuki und Mitobe merkten auf. Bahnte sich da etwa die Trennung an? Aber wieso sah Suzuki dann so fröhlich aus? Und jetzt lief sie auch noch rot an!
„Hm, ach, ich trau mich nicht, das ist mir peinlich“, sagte sie und legte verlegen die Spitzen ihrer Zeigefinger aneinander.
Izuki und Mitobe erstarrten. Etwas, das Suzuki peinlich war? Dass diese Frau wusste, was eine Peinlichkeit war, fiel den beiden äußerst schwer sich vorzustellen. Es bedeutete allerdings nicht, dass eine Trennung anstand, sondern offensichtlich vielmehr das Gegenteil: Wollte sie mit Koganei schlafen? Bei Izuki und Mitobe schrillten die Alarmglocken so laut, dass sie Koganei nicht sagen hörten:
„Na gut, dann lass uns eben vor die Tür gehen.“
Auf dem Flur aber lachten sie beide nur, denn natürlich waren ihnen die Gesichtsentgleisungen bei Izuki und Mitobe aufgefallen.
„Na also, es wird doch! Der Rest liegt bei dir, Koganei-kun. Schnapp sie dir, Tiger!“, grinste Suzuki, klopfte ihm auf die Schulter und drehte sich um.
„Moment“, sagte Koganei und hielt sie an der Schulter zurück. „Macht dir das wirklich nichts aus, Suzuki-san?“
„Ach was! Ich freue mich, mit euch befreundet zu sein und dass ich Kiichi kennenlernen durfte! So viel Spaß hatte ich lange nicht mehr, also vielen Dank dafür. Oh, aber ich hoffe doch, dass ihr mich nicht wegwerft, wenn ihr alle drei wieder selig vereint seid, hm?“, hakte Suzuki mit leichter Besorgnis nach.
„Das würde mir niemals einfallen“, antwortete Koganei strikt. „Ich muss dir danken.“
„Sag das nicht zu früh, noch hast du nicht gewonnen.“
„Das kommt ganz darauf an: Eine echte Freundin habe ich definitiv gewonnen, oder?“
Suzuki grinste wie ein Honigkuchenpferd.

„Nun, was wollte sie mit dir besprechen?“, wollte Izuki sofort wissen.
„Ach...“, druckste Koganei herum und wurde rot.
„Also doch! Sie will mit dir schlafen, oder? Wirst du es tun?“
„Was meinst du?“
Izuki wurde nun auch rot, ebenso wie Mitobe.
„N-nun ja... A-also, ich... ich und Mitobe, wir... wir würden es nicht gutheißen, wenn du das tätest, Shinji“, stammelte Izuki verlegen. „Mag ja sein, dass ihr zusammen seid und alles, aber... sei ehrlich: Liebst du sie wirklich?“
„Eh?“
„Naja, sieh mal... Mitobe und ich, wir lieben dich unheimlich. Und du fehlst uns ganz einfach, nicht nur beim... du weißt schon. Bitte, gib dich uns zuliebe nicht jemand anderem hin!“
„Was soll das denn?“, regte Koganei sich auf. „Für euch war ich doch nur ein Spielzeug, um euch geil zu machen, mehr steckte doch nicht dahinter! Also tut jetzt nicht so, als wäre ich euch wichtig!“
Izuki klappte der Mund auf, während Mitobe nach seinem kurzen Schockmoment ungeachtet der Öffentlichkeit, in der sie sich befanden, Koganei fest umarmte und ihn an sich presste. Unterdrückte Entsetzensschreie hinter ihnen verrieten, dass die begeisterten Mädchen, die immer mehr in ihre Nähe vorgerückt waren, alles gesehen und vielleicht sogar gehört hatten, doch das war ihnen im Augenblick herzlich egal.
„Du bist kein Spielzeug, niemals! Du bist der wichtigste Mensch in unserem Leben, noch viel wichtiger als wir uns selber sind!“, rief zur Überraschung aller plötzlich Mitobe.
Ausgerechnet Mitobe, der nie ein Wort sagte und stumm wie ein Fisch war, seit Koganei denken konnte, machte nun den Mund auf. Seine Stimme klang unheimlich bezaubernd, als spränge eine funkelnde Sternschnuppe aus seinem Mund heraus, wenn er sprach. Sowohl Izuki als auch Koganei überlief eine dramatische Gänsehaut.
„Ich liebe dich so sehr, Shinji, so sehr liebe ich dich, dass ich es nicht in Worte fassen kann! Bitte! Bitte verlass mich nicht! Ich möchte niemand anderen als dich spüren!“, erklärte Mitobe.
Koganei tauschte einen verwirrten Blick mit Izuki, der ihn auf dieselbe Weise erwiderte. Dann umarmte auch das Adlerauge Koganei und Mitobe ganz innig, schwieg aber an Mitobes Stelle. Hilflos sah Koganei den Dozenten an, der sprachlos dastand, die drei rührseligen Studenten fassungslos anstarrte und fast eine Minute brauchte, bis er räuspernd seinem Lehrauftrag nachkam.

Fortsetzung folgt…
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