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Alle meine Freunde, alle meine Sorgen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aomine Daiki Kagami Taiga Kise Ryōta Kuroko Tetsuya Midorima Shintarō Murasakibara Atsushi
11.10.2017
05.02.2019
140
211.015
4
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.01.2019 1.555
 
Ich bedanke mich ganz herzlich für das anhaltende Interesse an dieser Geschichte, für die Favoriteneinträge und die lieben Reviews. Danke schön! Viel Vergnügen mit dem nächsten Kapitel.


Kapitel 133

Die Trennung Aomines von Kiichi hatte schnell die Runde gemacht. Daran war vor allem Midorima Karen schuld, die auch diesen Krisengipfel organisiert hatte. Woher sie es allerdings wusste, konnte niemand sagen. Natürlich bestand die Möglichkeit, dass Kiichi es ihr höchstpersönlich erzählt hatte, aber da Kiichi sich nicht einmal Kise anvertraut hatte, glaubte niemand daran.
Wen Karen an ihrem immensen Wissen teilhaben ließ: die gesamte Kiseki no Sedai – mit Ausnahme von Aomine und Akashi –, Kaburagi, Ishibana, Takao, Kagami, Rokuda und Furiku.
„Ich komme mir vor wie bei einer Party, die von Kiichi veranstaltet wird“, flüsterte Midorima Takao zu, obwohl er stolz auf seine kleine Schwester war.
Andererseits beunruhigte ihn ihre Unabhängigkeit und Selbstständigkeit. Sie war viel schneller erwachsen geworden als erwartet, hatte er das Gefühl, und sie schien es sehr zu genießen. Offenbar empfand sie die Tatsache, dass Midorima durch Takao weniger auf sie fixiert war, als angenehm. Als er mit Takao einmal darüber gesprochen hatte, meinte der nur:
„Sie liebt dich doch immer noch, aber sicher ist sie froh, endlich ihr eigenes Leben führen zu können, ohne Rücksicht auf dich zu nehmen, weil du dir immer solche Sorgen um sie machst. Sie ist glücklich, natürlich auch dann, wenn du mal ab und zu an sie denkst. Sie wird immer deine kleine Schwester bleiben, aber sie wird nicht ewig klein bleiben, verstehst du? Gut, wenn du das kapiert hast, halt den Mund und küss mich und denk nur noch an mich...“
Midorima rückte verlegen seine Brille zurecht. Warum musste ihm ausgerechnet jetzt einfallen, wie intensiv sie sich danach geküsst hatten?!
Sowohl Kuroko als auch Kise und Kagami fühlten sich einigermaßen unwohl. Kise bedauerte den Umstand, dass Kasamatsu nicht bei ihm war und dass er Karen kaum kannte, sich also wie ein fünftes Rad am Wagen fühlte. Kuroko und Kagami für ihren Teil waren zwar aus reiner Neugier der Einladung gefolgt, um mehr über Aomine und Kiichi zu hören, aber da es scheinbar nichts mehr Neues zu sagen gab außer dem Umstand der Trennung, hielten sie dieses Treffen für eine nutzlose Zeitverschwendung, für die ihnen blitzschnell etwas wesentlich Angenehmeres eingefallen wäre. Weshalb Rokuda und Furiku anwesend waren... Nun, das lag vor allem daran, dass sie die Stars unter Seirins Basketballspielern waren beziehungsweise wurde Furiku bereits als nachfolgender Manager gehandhabt. Ob Kiichi ihm die Leitung des Vereins übertrug, stand noch nicht fest, doch die Mannschaft wusste, dass Kiichi sich durchgesetzt und die Übertragung der Leitung auf einen professionellen Trainer hinausgezögert oder abgelehnt hatte. Sicherlich wollte er Furiku ebenfalls die Chance bieten, sich zu beweisen und zu strahlen. Gesagt hatte Kiichi nichts, aber das musste er auch nicht. Kiichi zu durchschauen gehörte mit zu den leichtesten Dingen dieser Welt.
Kaburagi benahm sich ziemlich unruhig, denn das zu besprechende Thema wirkte sich wahrscheinlich sehr stark auf Ishibana aus. Seit dem ersten Schultag im zweiten Jahr der Oberschule, der knapp eine Woche zurücklag, hing der orangehaarige Shooting Guard geradezu an Kiichi, ohne aufdringlich zu sein; vielmehr so wie ein leiser, tröstender Schatten und Kiichi ließ es zu. Oder es fiel dem Coach nicht auf. Ishibanas gesamte Aufmerksamkeit galt ausschließlich Kiichi. Er verbrachte kaum noch Zeit mit Kaburagi, weder beim Training noch in den Pausen. Und Kaburagi spürte, wie sehr er seinen besten Freund vermisste. Diese Einsamkeit trübte seine Stimmung mit jedem Tag mehr und Karens überfallartigen Überraschungsbesuche an der Schule besserten sie keineswegs. Das Mädchen schien es sich in den Kopf gesetzt zu haben, Kaburagi davon zu überzeugen, dass er weder einsam war noch dass es ihr etwas ausmachte, wenn er in seinem tiefsten Inneren jemand anderen begehrte. Tag für Tag gingen sie gemeinsam nach Hause, das hieß, Kaburagi kam seiner Pflicht als aufmerksamer Gentleman nach und brachte die Dame nach Hause. Auf dem Weg dorthin erzählte meistens Karen irgendetwas Belangloses und brachte Kaburagi dazu, sich in das Gespräch einzubinden. Dabei musste er wohl oder übel geistig anwesend sein und vergaß seine Sorgen und Trauer über die anwachsende Distanz zwischen ihm und Ishibana für eine Weile. Zwar kehrten all diese Gedanken mit Macht zurück, sobald er wieder allein war, doch er kam nicht umhin festzustellen, dass die Zeit, die er mit Karen verbrachte, ihn ab und an ebenfalls beschäftigte. Es war nicht das Schlechteste, jemanden zu haben, der sich so aufopferungsvoll und dennoch sanftmütig und unaufdringlich um jemanden kümmerte und dabei ganz allmählich negative Gefühle verblassen ließ.
„Also, ihr wisst ja nun alle, dass Aomine-san sich von Kiichi-san getrennt hat. Weiß der Geier warum, denn er liebt ihn immer noch! Sie lieben sich beide! Ich bin ja der Ansicht, dass Aomine-san unter Prüfungsdruck litt und sich deshalb diesen unsagbaren Fehler geleistet hat. Hier nun mein Plan: Wir haben so viel von Kiichi-san bekommen, alles hat er für uns gegeben. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir ihm auch mal unter die Arme greifen“, meinte Karen entschlossen. „Also lasst uns Kiichi-san und Aomine-san wieder zusammenbringen – oder einen neuen Freund für ihn finden! Einen, der noch besser ist als Aomine Daiki!“
Der erwartete Enthusiasmus blieb aus oder zumindest kam nur eine spärliche Reaktion von ihrem Publikum.
„Warte mal“, gebot Ishibana ihr Einhalt. „Ich bin strikt dagegen. Kiichi-san möchte leiden, er möchte seinen Liebeskummer verarbeiten und ihn selbst, mit eigenen Händen begraben. Ich kann ihn verstehen. Ich denke, dass dies ein völlig falscher Zeitpunkt ist, um ihm eine neue Liebschaft aufzubürden. Lassen wir ihn erst mal ein wenig in Ruhe und versuchen ihm so viele Sorgen wie möglich abzunehmen, okay?"
„Der Meinung bin ich auch“, stimmte Kise ihm zu. „Das Leiden gehört nun mal zu einer Liebe dazu und bei einer so tiefen Liebe wird das sicherlich noch eine ganze Weile dauern, bis er sich davon erholt hat.“
„Mir scheint jedoch, dass er unvergleichliche Fortschritte macht“, warf Rokuda ein. „Wenn man nur den Tag von heute und den ersten Schultag des neuen Schuljahrs bedenkt, dann ist das bereits ein Unterschied wie Tag und Nacht!“
„Auch Mine-chin geht es allmählich besser“, sagte Murasakibara träge wie immer.
„Ja, diesen Eindruck hatte ich auch“, pflichtete Kaburagi ihm bei. „Ich habe ihn nach seiner Aufnahmeprüfung für die Polizei-Fachhochschule getroffen und ein wenig mit ihm geplaudert. Und dann habe ich ihn noch einmal getroffen vor... ja, vor ungefähr neun Tagen. Man könnte sagen, er wird es überleben. Nein, ehrlich, er sah nicht allzu schlecht aus!“
Karen schmollte. Dass ausgerechnet Kaburagi gegen ihren Vorschlag stimmte, passte ihr nicht recht. Andererseits – war das vielleicht seine Reaktion darauf, sich vorzubereiten, wenn Ishibana mit Kiichi zusammen kam?
„Da siehst du es, Imouto-chan“, sagte Midorima und erhob sich. „Menschen sind wahnsinnig stark und solcher Schmerz macht sie nur stärker. Ich bin sicher, dass sie sich beide von diesem Vorfall erholen werden, auch wenn es eine Schande ist, denn sie waren ein hübsches Paar.“
Murmelnd brachen auch die anderen auf, darunter Kise, der als erstes die Bar verließ, denn heute wollte er sich mit Kasamatsu nach einer geeigneten Wohnung umsehen. Die Vorlesungen an der Universität hatten noch nicht begonnen, deshalb wollten sie die Zeit dazu nutzen, alles für den Umzug vorzubereiten. Doch sie waren nicht die einzigen.

Ein wenig unbehaglich schlug Aomine die Tür mit dem Fuß hinter sich zu.
„... So. Da wären wir also“, sagte er verlegen. „Das ist der letzte Karton.“
„Gut“, sagte Murasakibara, der in der leeren Küche hockte und einige seiner eigenen Kisten auspackte. „Willkommen daheim, Mine-chin.“
„Auch dir ein herzliches Willkommen, Murasakibara“, antwortete Aomine und brachte ein kleines Lächeln zustande.
Vor und nach der Aufnahmeprüfung an ihren Fachhochschulen hatten Murasakibara und Aomine beinahe 20 Wohnungen angeschaut. Kaum eine kam für sie infrage. Entweder waren sie zu klein, zu teuer oder lagen in einem unzugänglichen Gebäudekomplex, der ohnehin demnächst abgerissen werden sollte. Auf diese Weise erfuhren sie eine Menge Ärger. Während Aomine noch immer die alte Wohnung, die er mit Kiichi geteilt hatte, als Behausung nutzte, kehrte Murasakibara immer öfter bei ihm statt bei sich ein. Offenbar lag ein entsetzlicher Druck auf seinen breiten Schultern. Verdenken konnte Aomine ihm diese Flucht nicht, denn auch er spürte, dass er diese Wohnung verlassen wollte, weil ihn vieles an Kiichi erinnerte und das wollte er tunlichst vermeiden.
Dann, als sie es praktisch schon aufgegeben hatten, eine geeignete Wohnung zu finden, und mit dem Gedanken gespielt hatten, in Aomines Wohnung zusammen zu ziehen, da eröffnete sich ihnen ein unscheinbares Angebot, denn eine Wohngemeinschaft löste sich auf. Als die beiden Männer die Wohnung besichtigten, gefiel sie ihnen auf Anhieb, denn sie war hell und freundlich und gerade klein oder groß genug, dass sie sich darin sogleich wohlfühlten. Die Mädchen, die vor ihnen dort lebten, kicherten und flirteten mit ihnen, als sie ihnen die Räumlichkeiten zeigten, und hielten sie fast einen halben Tag lang dort fest. Trotzdem entschieden Murasakibara und Aomine sich dazu, die Wohnung zu nehmen. Sie lag günstig, um sowohl in kurzer Zeit zu Murasakibaras als auch Aomines Hochschule zu gelangen, die glücklicherweise nicht gerade in entgegengesetzten Richtungen lagen.
Nun lebten die beiden ehemaligen Teamkameraden, die wohl die wenigste Zeit in der Vergangenheit zusammen verbracht hatten, unter einem Dach, jeder in seinem eigenen Zimmer mit seinem eigenen Leben, seinen eigenen Problemen und seiner eigenen Flucht vor überwältigenden negativen Emotionen.

Fortsetzung folgt…
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