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Alle meine Freunde, alle meine Sorgen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aomine Daiki Kagami Taiga Kise Ryōta Kuroko Tetsuya Midorima Shintarō Murasakibara Atsushi
11.10.2017
05.02.2019
140
211.015
4
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
21.12.2018 1.547
 
Ich bedanke mich von ganzem Herzen fürs Lesen dieser Geschichte, die einige von euch schon seit über einem Jahr verfolgen. Danke schön! Viel Vergnügen mit dem letzten Kapitel in diesem Jahr.


Kapitel 130

Wenn Kiichi etwas von Murasakibaras Trennung von Akashi gewusst hätte, dann hätte er genau jetzt nachempfinden können, was der Ältere damals empfunden hatte: Leere. Hilflosigkeit. Verwirrung. Trauer. Schmerz. Kiichi war unfähig, irgendetwas zu denken, und alles, was keinen Schmerz fühlte, war taub, wie abgestorben. Stundenlang hatte er in dem Familienrestaurant gesessen, alles um sich herum ignoriert und abwesend aus dem Fenster gestarrt, ohne etwas zu sehen. Wahrscheinlich hatte er nicht mal mehr seinen eigenen Namen gewusst. Dass es vorbei sein sollte, dass Aomine eben gerade mit ihm Schluss gemacht hatte, dass er niemandes Freund mehr war, das alles konnte er nicht begreifen. Er schien einen schrecklichen Alptraum zu träumen, aus dem er nicht erwachen konnte und in dem er völlig hilflos am Boden lag, nun, da er seine Kraftquelle und Stütze, seine Liebe verloren hatte.
Doch Aomine hatte gesagt, er trennte sich nicht von ihm, weil er ihn nicht mehr liebte. Worin bestand dann das Problem? Die Antwort auf diese Frage kannte er bereits: Kiichi mochte vielleicht sehr gut in der Lage sein, die Menschen in seiner Umgebung zum Positiven hin zu verändern, aber er selbst würde sich niemals ändern können, da niemand einen solchen Einfluss auf ihn ausübte wie er auf andere. Es machte Kiichi traurig und verzweifelt, andererseits wusste er genau, dass er kein schlechter Mensch war aufgrund seiner Fähigkeiten. Möglicherweise hatte Aomine eine Grenze erreicht, an der er erkannte, dass er zu schwach war, um Kiichi ändern zu können, damit ihre Beziehung bis zum bitteren Ende hielt. Sein einziger Ausweg bestand in der Trennung.
Kiichi seufzte. Wie sollte es jetzt weitergehen? Sie wohnten doch schließlich zusammen! Nun, dahingehend gab es eine vorübergehende Lösung. So richtig glauben, dass Aomine ihn jetzt plötzlich auch nicht mehr ansehen wollte, konnte Kiichi nicht, aber er hätte es durchaus verstanden. Er konnte sich davon später selbst überzeugen.

Aomine stand, nachdem er das Restaurant verlassen hatte, vor der Eingangstür und hielt sich den Mund zu, als könnte er dadurch verhindern, dass sich die in ihm aufsteigenden Tränen ihre Bahn brachen und über sein Gesicht liefen. Verhalten schluchzend tat er ein paar Schritte, doch er wusste überhaupt nicht, wohin er jetzt gehen sollte. Es schien fast so, als hätte er ohne Kiichi an seiner Seite jegliche Orientierung für sein Leben verloren.
Mit roten Augen schlich er durch die Stadt, stundenlang, ohne zu registrieren, wo er sich befand, bis er schließlich an einem Konbini vorbeiging und abwesend in jemand Großes stieß.
„Gomen, ich hab nicht aufgepa-Murasakibara!“, sagte Aomine überrascht.
„Oya, Mine-chin!“, erwiderte Murasakibara nicht weniger erstaunt. „Are? Du siehst gar nicht gut aus. Willst du ein Stück Schokolade?“
Er suchte in dem Süßigkeitenberg danach, den er im Arm trug, doch Aomine lehnte höflich ab.
„Na gut, dann komm mit und erzähl mir, was los ist“, schlug Murasakibara vor und ging ihm voraus zum Park, der eine Viertelstunde entfernt lag.
„Hoi, Mine-chin“, rief der Riese und warf Aomine eine Coladose in den Schoß.
Der starrte sie an, als wäre sie die Wurzel allen Übels, und ließ dann die Hand, die sie umklammerte, resigniert sinken. Murasakibara setzte sich neben ihn auf die Bank und nahm einen Schluck von seinem Orangensaft. Noch war es ziemlich kalt draußen, aber die Kinder tollten laut kreischend auf dem Spielplatz herum, vor dem sie saßen.
„Also, was ist los mit dir und Chi-chin?“, fing Murasakibara an.
„Woher weißt du, dass es etwas mit ihm zu tun hat?“, wollte Aomine perplex wissen.
„Tche“, machte Murasakibara und lächelte gequält. „Ihr seid beide viel zu leicht zu durchschauen. Wenn in eurer Beziehung etwas nicht stimmt, spiegelt sich das sofort in eurer Stimmung und eurem Auftreten wider. Da seid ihr beide gleich.“
Aomine seufzte.
„Ist das nicht ein Zeichen dafür, dass ihr euch liebt?“, sagte Murasakibara weise.
„Offenbar gehört zu einer Beziehung mehr als nur die aufrichtige, gegenseitige Liebe“, entgegnete Aomine düster.
„Eh?“
„Die Liebe mag der Grundbaustein sein, aber sie ist keine Garantie für das Funktionieren einer Beziehung“, fuhr Aomine fort und fuhr sich durch sein Haar. „Wenn der Fall anders läge, hätten wir keine so hohe Scheidungsrate. Oder so viele Wieder-Singles.“
„Was ist passiert?“, fragte Murasakibara und drehte sich zu Aomine um.
„Ich... hab mit ihm Schluss gemacht.“
Murasakibara fiel sein Becher aus der Hand und der Saft verteilte sich langsam gleichmäßig zu einer kleinen Pfütze auf dem Boden vor seinen Füßen, doch das beachtete er nicht.
„WAS?“
„Ich konnte nichts tun, ich fühlte mich hilflos“, versuchte Aomine zu erklären. „Jedes Mal hat er seinen Freunden den Vorzug gegeben und ich habe eben darunter gelitten. Ich will nicht, dass ich ihn noch mehr einschränke, nur weil ich wahnsinnig eifersüchtig und anhänglich bin. Ich weiß am allerbesten, was er zum Leben braucht, aber das ist genau das, was mich am meisten stört. Irgendwann würde ich ihn zwingen, keinen Schritt mehr ohne mich zu machen, und das würde ihn verletzen und mich schuldbewusst machen. Das will ich nicht. Er soll glücklich sein. Und mit mir kann er das eben nicht sein.“
Murasakibaras Augen schimmerten gerührt.
„Du liebst ihn also tatsächlich immer noch von Herzen“, sagte er andächtig. „Das wird Chi-chin sicher glücklich machen. Zu wissen, dass du immer noch nur sein Wohlergehen im Sinn hast… Da bin ich sicher. Vielleicht sieht er es im Moment noch nicht, aber er wird es merken.“
„Natürlich liebe ich ihn immer noch, so schnell entliebt man sich schließlich nicht, aber die Situation ist unangenehm“, sagte Aomine. „Ich weiß nicht, wie ich ihm von jetzt an begegnen soll, immerhin wohnen wir zusammen. Ach, ich muss ausziehen. Aber ich habe keinen anderen Ort, wo ich hin kann...“
Völlig fertig ließ Aomine seinen Kopf in seine Hände sinken. Schweigend kramte Murasakibara ein Maiubou aus seinem Süßigkeitenberg hervor und biss abwesend hinein. Dann kaute er langsam und wandte dabei den Blick keinen Moment von Aomine. Der schien wirklich am Ende zu sein... Murasakibara fürchtete sich vor dem, was in seinem eigenen Kopf gerade vor sich ging, denn da schmiedete jemand einen gefährlichen Plan, aber das musste gründlich bedacht werden, bevor man es ungesehen aussprach...!
„Wollen wir beide nicht zusammenziehen, Mine-chin?“
Oh. Hatte er das jetzt tatsächlich laut gesagt?
Aomine verharrte still. Vielleicht hatte Murasakibara gar nichts gesagt.
„... Hai?“
„Naja, ich muss auch aus diesem Haus ausziehen, weißt du?“, erklärte Murasakibara mit träger Stimme. „Ich habe dann selbst keinen Platz, wo ich hin kann. Und wenn du magst, können wir uns eine Wohnung teilen. Dann sparen wir auch bei der Miete und so. Jeder hätte sein eigenes Zimmer, ganz und gar seine Ruhe... Was hältst du davon, nur mal so oberflächlich betrachtet?“
Aomine hob sein Gesicht aus seinen Händen.
„Ist das dein Ernst?“, hakte er misstrauisch nach. „Warum hast du Kaburagi an Neujahr gesagt, dass er dich nie wieder fragen soll, ob du mit zu ihm gehen willst? Dabei ging es doch auch darum, dass du nach dem Vorfall mit Tetsu lieber keine menschliche Nähe zulässt, oder?“
„Ach komm schon, Mine-chin! Du weißt selbst ganz genau, dass man völlig ohne menschlichen Kontakt nicht auskommen kann“, schnappte Murasakibara verärgert und stopfte sich den Rest des Maiubou in den Mund. „Aber du bist viel stärker als Kuro-chin, du kannst dich viel mehr wehren und mich aufhalten, falls ich es wirklich wagen sollte... Ich will nicht andeuten, dass die Gefahr gebannt zu sein scheint, denn ich muss noch sehr daran arbeiten, die Trennung von Akashi-san zu verdauen, aber... ich schätze, ich bin auf einem guten Weg. Nun, ich will nichts überstürzen und vor allem will ich dich nicht damit überfordern. Du kannst ganz in Ruhe darüber nachdenken.“
Murasakibara stand auf und streckte sich genüsslich dem Himmel entgegen.
„Tja, wo das geklärt ist, werde ich gehen. Auf bald, Mine-chin!“
„Hoi, Murasakibara, das ist dein ganzer Trost?“, rief Aomine ihm wütend hinterher. „Mehr hast du mir nicht zu sagen?“
Murasakibara drehte sich noch einmal um und zeigte ein schwaches Grinsen.
„Willst du etwa behaupten, du fühlst dich nicht besser?“
Überrascht musste Aomine feststellen, dass es ihm tatsächlich besserging. Murasakibara stolzierte winkend von dannen.
„Ts, dieser Vielfraß!“, murmelte Aomine auf der Parkbank vor sich hin. „Er und ich in einer Wohnung? Das kann ich mir einfach nicht vorstellen...“
In Wirklichkeit aber hatte er in dem Moment, da Murasakibara davon sprach, ein ganz bestimmtes Bild vor Augen gehabt, das ihn seltsam glücklich machte. Hastig schüttelte er den Kopf, um diese Bilder zu vertreiben. Das waren doch alles nur Hirngespinste! Die Trennung von Kiichi lag ihm wohl noch viel zu schwer auf der Seele.

Fortsetzung folgt…
Und zwar am 04. Januar 2019. Ich möchte mich ganz herzlich bei allen Lesern für eure Treue bedanken, deshalb gibt es auch in diesem Jahr eine Weihnachtsgeschichte von mir für euch. Diese spielt im Yowamushi-Pedal-Universum. Am 24. Dezember findet ihr also eine Fanfiction von mir unter dem Titel „Willst du mit mir gehen?“. Ich freue mich aufrichtig, wenn ich den einen oder anderen Leser dort begrüßen darf. Bitte bleibt mir auch weiterhin gewogen und kehrt im Januar an diese Stelle zurück. Ich wünsche allen Lesern einen schönen vierten Advent, ein frohes Weihnachtsfest und einen gelungenen Jahreswechsel.
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