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Alle meine Freunde, alle meine Sorgen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aomine Daiki Kagami Taiga Kise Ryōta Kuroko Tetsuya Midorima Shintarō Murasakibara Atsushi
11.10.2017
05.02.2019
140
211.015
4
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.12.2018 1.855
 
Ich bedanke mich zutiefst bei allen Lesern fürs Dabeibleiben und für die Reviews! Viel Vergnügen beim neuen Kapitel.


Kapitel 129

„Kiichi, ich muss mit dir reden“, hatte Aomine gesagt und sehr ernst dabei ausgesehen.
Einerseits beunruhigte es Kiichi, andererseits freute er sich über diesen Schritt von ihm. Schließlich kam Aomine selten genug von sich aus auf ihn zu.
„Natürlich, Daiki. Wollen wir irgendwo hingehen? Etwas zusammen essen oder so?“, schlug Kiichi vor.
„Hm, vielleicht keine schlechte Idee“, stimmte Aomine zögernd zu.
Wenn sie in der Öffentlichkeit waren, überlebte er vielleicht länger und vielleicht blieb er dann auch länger bei Bewusstsein, auf das er heute mehr denn je angewiesen war, um diesen Schritt zu wagen. Sie entschieden sich für ein abgelegenes Familienrestaurant, in dem es einigermaßen ruhig zuging, und setzten sich an einen Einzeltisch für zwei Personen. Nachdem sie ihre Getränke bestellt hatten, widmete Kiichi sich der Speisekarte.
Nun saßen sie sich also einander gegenüber und Aomine überfiel plötzlich eine unerklärliche Hilflosigkeit. Gespräche ernster Art zu führen gehörte absolut nicht zu seinen Stärken. Dass er damals Imayoshi und Sakurai zu ihrer Beziehung verholfen hatte, war in dem Fall auch eher nicht sein Verdienst gewesen. Große Worte konnte man von ihm einfach nicht erwarten.
„Ich... Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll“, eröffnete Aomine die Rede und fuhr sich verlegen durch das kurze, dunkelblaue Haar.
„Oh“, sagte Kiichi und schaute von der Speisekarte auf. Auf so einen schnellen Start war er nicht gefasst gewesen. „Nun, es heißt in solchen Fällen ja immer, dass man am besten am Anfang anfangen soll, aber das ist leichter gesagt als getan. Vielleicht probierst du es damit, dein Problem mit einem Kernwort oder auch einem ganzen Satz zu schildern und es danach in allen Einzelheiten auszubreiten?“
Aomine schaute ihn überrascht an. Was hatte er erwartet? Trotz der Distanz, die mittlerweile zwischen ihnen herrschte, war er immer noch Kiichi. Hyuuga Kiichi, der eben mit jedem Freundschaft schloss, mit jedem Kontakt halten wollte, seine Freunde und Liebsten schätzte und ganz einfach ein wunderbarer, netter, liebenswerter Mensch war. In diesen Kiichi hatte Aomine sich verliebt und mit seiner Hilfe hatte er sich verändert. Aber wieso zeigte der Jüngere sich ausgerechnet jetzt von seiner besten Seite? Ahnte er etwa, was Aomine ihm sagen wollte?
„Ich ertrage es nicht länger“, brachte Aomine schließlich heraus.
Kiichi sah ihn aufmerksam an und wartete geduldig.
„Ich ertrage diese Distanz zwischen uns einfach nicht mehr. Es tut mir leid, Kiichi, sehr, sehr leid.“
Aomine hielt seinen Blick auf den gedeckten Tisch vor sich gerichtet, denn er traute seinen Gefühlen nicht. Was passierte mit ihm, wenn er Kiichi weinen sah? Gegen dessen Tränen war er doch machtlos!
„Äh... Ähm, tut mir auch sehr leid, aber ich verstehe dich nicht, Daiki“, sagte Kiichi verwirrt. „Wie meinst du das?“
Ein Glück, er weinte nicht.
„Tja...“, sagte Aomine und überwand sich dazu, ihm in die Augen zu sehen. „Es... ist so, dass ich mich sehr vernachlässigt von dir fühle. Jedes Mal gibst du den Problemen deiner Freunde den Vorrang. Ich weiß, dass du das nur tust, weil du meinst, dass ich keine solche Last mit mir herumtrage, wie sie manch anderer schleppt. Aber es gefällt mir nicht, hinter allen anderen anzustehen.“
Kiichis Augen wurden rund vor Erstaunen. Sie gefielen Aomine immer noch sehr gut, diese schwarzen, klaren Augen, die ihn immer mit Liebe ansahen, auch jetzt.
„Es ist nicht so, dass ich dich nicht mehr lieben würde, im Gegenteil! Gerade weil ich dich so liebe, muss ich mich von dir trennen. Ich würde mich immer seltsamer benehmen und von dir irgendwann verlangen, dass du deine Freundschaftsbande aufgibst, mir zuliebe. So sehr will ich dich monopolisieren. Aber du brauchst deine Freund- und Bekanntschaften. Ohne sie kannst du nicht funktionieren, jedenfalls nicht so, dass du Hyuuga Kiichi bist. Sie sind für dich die Luft zum Atmen. Grob gesprochen: Wenn ich von dir verlange, dass du deine Treffen mit ihnen einstellen sollst, bringe ich dich mit diesem egoistischen Anliegen um. Das kann und das will ich nicht verantworten, darum... trenne ich mich von dir. Hiermit löse ich die Verlobung auf und mache Schluss.“
Kiichi rührte sich nicht und schien kein Wort von dem verstanden zu haben, was Aomine gesagt hatte. Es wirkte, als wäre er versteinert. Selbst als die Bedienung kam, um ihre Bestellung entgegen zu nehmen, die Aomine jedoch hinauszögerte mit der Begründung, sie hätten sich noch nicht entschieden, starrte Kiichi ihn fassungslos an. In ihm herrschte eine entsetzliche Leere und Taubheit befiel sämtliche Körperteile. Er begriff einfach nicht, was das alles sollte. Vielleicht träumte er ja einen Alptraum.
Aomine schwieg ebenfalls, denn er wollte nicht unfair sein und seinem Freund eine Chance zur Erwiderung geben, obwohl sein eigener Entschluss feststand.
„Du willst die Trennung, weil ich zu viel Zeit mit anderen Menschen verbringe“, resümierte Kiichi schließlich tonlos.
Was sollte Aomine dazu jetzt sagen?
„Ich habe trotz deiner Worte und deiner offensichtlichen Liebe zu mir nie richtig das Gefühl, an allererster Stelle bei dir zu stehen. Es kränkt und verletzt mich“, fuhr Aomine fort. „Ich weiß, dass das auch an mir liegt, denn ich bin ein Einzelkind mit Scheuklappenblick für die Welt da draußen. Wenn ich eine Person sehe, die ich gerne um mich habe, dann fixiere ich mich ausschließlich auf sie und nehme nichts anderes mehr wahr. Das muss aufhören und das möchte ich ändern. Auch deshalb trenne ich mich von dir. Es tut mir leid, Kiichi, aber ich sehe einfach keine andere Lösung.“
Kiichi nickte knapp und wirkte eindeutig geknickt. Das war das Gefährliche an ihm: Er begriff zu schnell zu viel von dem, was Aomine ausdrücken wollte und fühlte. Jetzt hatte das Ass von Touou ein schlechtes Gewissen, obwohl es nicht nötig war…
„Das war’s also“, sagte Kiichi leise, ohne Aomine anzusehen. „Darum ging es die ganze Zeit. Und ich blöder Idiot hab überhaupt nichts gemerkt.“
Aomine hörte die Anstrengung in seiner Stimme, die Tränen zurückzuhalten.
„Ja, du... du hast schon Recht, wenn du nur noch diesen Weg als Ausweg siehst. I-ich möchte dich nicht aufgeben und ich werde sehr lange brauchen, um... Aber ich kann dir noch nicht mal versprechen, dass ich mich ändern werde. Verzeih mir...“
„Ah, ich... Nun, es war ja genau das, was mich dazu gebracht hat, mich in dich zu verlieben“, erklärte Aomine, trotz allem darum bemüht, Kiichi nicht zum Weinen zu bringen. „Du kannst stolz auf dich sein, dass du mich so sehr verändert hast, dass ich meinen Blick für die Welt weiten konnte. Das habe ich dir zu verdanken.“
„Und ich danke dir für all deine Liebe und Zärtlichkeit“, sagte Kiichi und sah ihn endlich lächelnd an. „Ohne dich wäre ich wohl nicht hier, denn du hast mir Kraft gegeben. Danke, Daiki.“
Und ohne eine klitzekleine letzte Berührung stand Aomine auf und verließ das Restaurant. Als die Bedienung erneut an ihren Tisch trat, fand sie eine lächelnde und gleichzeitig weinende junge Frau vor, die eigentlich ein Junge war und aus dem Fenster starrte und ein Gericht gegen Liebeskummer bestellte.

„YUKIO!“, schrie Kise wie von Sinnen und sprang Kasamatsu in die Arme, woraufhin sie beide zu Boden gingen.
Kise gab ein überdrehtes Lachen von sich und umarmte Kasamatsu überschwänglich.
„Yukio! Ich habe meinen Schulabschluss! Siehst du? Siehst du?“
Ungeduldig wedelte er mit der Rolle, in der offenbar besagtes Dokument steckte, vor seiner Nase herum.
„Und sie haben mir ein Empfehlungsschreiben ausgestellt für deine Uni! Das heißt, unser gemeinsames Studentenleben steht so gut wie fest! Was sagst du dazu?“
„Ich sage: Geh runter von mir!“, schnauzte Kasamatsu und schob Kise von sich.
Kise hatte seinen Freund mitten auf dem Weg von der Universität nach Hause überfallen und sämtliche Passanten auf sie beide aufmerksam gemacht mit seiner spontanen Aktion. Kasamatsu lief unter diesen neugierigen Blicken bereits rot an, wovon Kise sich allerdings überhaupt nicht beeindrucken ließ, denn wieder fiel er Kasamatsu um den Hals.
„Ich bin so glücklich, Yukio“, flüsterte er. „Wieso kannst du das nicht auch sein? Ich freue mich so sehr, dass wir noch mehr Zeit zusammen verbringen können.“
„Natürlich bin ich auch glücklich darüber, Ryouta“, wandte Kasamatsu ein. „Aber wir sind hier in der Öffentlichkeit, vergiss das bitte nicht! Du bist ein erfolgreiches Model und vor allem Frauen liegen dir zu Füßen. Die werden nicht gerade begeistert sein, wenn sie dich hier mit einem Mann zweideutig herumliegen sehen...“
Kise richtete sich auf und strich liebevoll über Kasamatsus Gesicht.
„Ich tu einfach mal so, als ob da ausschließlich deine Sorgen um meinen Ruf herausklingen, ja? Sonst ärgere ich mich vielleicht noch...“, sagte Kise, dem das Lächeln gefror und der sich daraufhin von Kasamatsu zurückzog.
Doch weit kam Kise nicht, bevor Kasamatsu ihn an sich drückte.
„Verzeih mir“, wisperte er. „Ich war nur so überrascht. Ich freue mich für dich, Ryouta. Ich gratuliere zum Schulabschluss. Wo wollen wir das Ereignis gebührend feiern?“
Kichernd klammerte Kise sich an Kasamatsu fest.
„Du brauchst immer erst eine kleine Überredung, bevor du dich richtig freust, oder? Du ziehst erst einmal alles in Zweifel, bevor du dir sicher sein kannst, dass du glücklich sein darfst“, meinte Kise leise. „Was mache ich nur mit dir? Spontane Aktionen gehen bei dir immer daneben, dabei bereiten sie mir so viel Freude...“
„Entschuldige“, antwortete Kasamatsu und erwiderte Kises Klammergriff. „Ich muss mir bei dir immer erst ganz sicher sein. Ich habe Angst, dich zu verlieren. Dafür reicht schon eine kleine unangemessene Reaktion meinerseits aus und du willst mich nicht mehr sehen. Das könnte ich nicht ertragen!“
Erschrocken sah Kise Kasamatsu ins Gesicht.
„Was denn! Du bist dir immer noch nicht meiner Liebe zu dir sicher? Was soll ich denn noch tun, um es dir zu beweisen?“, wollte er wissen.
„Doch, ich bin mir deiner Liebe absolut sicher“, lächelte Kasamatsu. „Aber ich bin mir nicht sicher, wie ich mich in Zukunft verhalte. Vielleicht benehme ich mich ganz einfach unerträglich, wenn wir noch mehr Zeit zusammen verbringen, weil ich dich immer mehr nur für mich haben will! Auf der Uni gibt es viele interessante Leute...“
Kise unterbrach ihn mit einem Kuss.
„Ich habe nicht jahrelang meinen Körper irgendwelchen Menschen hingegeben, um schlussendlich einen zweifelnden Liebhaber an meiner Seite zu haben, der einfach alles an mir akzeptiert, aber sich selbst nicht leiden kann!“, erklärte Kise geradeheraus. „Hör mal: Ich LIEBE dich. Und daran kannst du vorerst nichts ändern, mein Schatz.“
Kasamatsu zwinkerte erfolgreich eine Träne aus seinem Auge zurück, während Kise sich verlegen durch sein blondes Haar fuhr.
„Du... Ich habe lange darüber nachgedacht und möchte dich nun fragen: Willst... Willst du mit mir zusammenziehen, Yukio?“
Kasamatsu riss erstaunt die Augen auf.
„Du... Du willst, dass wir beide zusammenwohnen?“, hakte er nach. „Also so richtig zusammenwohnen? In einer Wohnung? Mit einem Bett? Und einem Kühlschrank?“
Kise zog die Augenbrauen hoch ob dieser merkwürdigen Aufzählung.
„Ähm... Ja, ich möchte alles mit dir teilen, dich an meinem Leben teilhaben lassen, aber auch an deinem Leben teilnehmen“, erklärte er. „Was sagst du dazu, Yukio?“
Kasamatsu sagte dazu nichts, sondern umarmte Kise bebend vor lauter Freude. Das Model kicherte plötzlich wieder sehr fröhlich.
„Na wer sagt’s denn! Du kannst dich ja doch spontan freuen!“, sagte Kise und grinste zufrieden, während Kasamatsu heiße Tränen über Kises hübschen Blazer vergoss.

Fortsetzung folgt…
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