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Alle meine Freunde, alle meine Sorgen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aomine Daiki Kagami Taiga Kise Ryōta Kuroko Tetsuya Midorima Shintarō Murasakibara Atsushi
11.10.2017
05.02.2019
140
211.015
4
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14.12.2018 1.449
 
Ein riesengroßes Dankeschön möchte ich allen Lesern aussprechen, die immer noch dabei sind, und auch all jenen, die fleißig Reviews schreiben! Viel Vergnügen mit dem nächsten Kapitel.


Kapitel 128

„Komm schon, Aomine, das schaffst du doch wohl noch“, feuerte Sakurai seinen Klassenkameraden an.
Sie saßen nebeneinander in der vollen Bibliothek. Überall Schüler, die über schwierigen Problemen schwitzten und Bücher wälzten und an Mathe-Aufgaben verzweifelten.
„Hach, aber ich will jetzt Basketball spielen“, maulte Aomine. „Ich vermisse den Ball und den Korb und das Spielfeld...“
„Nur noch diese Seite, dann entlasse ich dich in die Freiheit“, sagte Sakurai streng und motivierend zugleich. „Du hast hervorragend gearbeitet in den letzten Tagen, da hast du dir eine großzügige Pause verdient. Komm schon, nur noch diese Seite und wir spielen ein paar Takte draußen.“
Seufzend gab Aomine nach und widmete sich den restlichen Texten auf der Seite des Buches, das einen detaillierten Überblick zur Quantenphysik gab. Dann endlich legte Aomine den Stift beiseite und streckte sich ausgiebig in alle Richtungen.
„Gehen wir, Ryou, die Mittagspause ist fast vorbei.“
Eine Viertelstunde lang tobten sie sich unten auf dem Schulhof auf dem kleinen Basketballplatz aus. Aomine dribbelte so viel wie möglich hin und her, denn er brauchte Bewegung, und Sakurai – der inzwischen einige seiner Tricks kannte – behinderte ihn wenigstens gelegentlich, bevor Aomine zum Wurf kam. Gegen Sakurais Three-Pointer war Aomine allerdings auch so gut wie machtlos, wenngleich ihn das kaum berührte. Er freute sich einfach darüber, endlich wieder mit einem Basketball unter den Händen über einen Platz zu laufen.
Er hatte alle Gedanken an irgendwelche Probleme vorläufig von sich geschoben, bis die Prüfungen endlich vorbei waren. Nur noch ein Monat und dann begannen schon die Aufnahmeprüfungen an den Universitäten, doch davor musste er noch etwas erledigen. Ihm graute davor und sicher würde ihm schlecht werden, sobald er seine Abiturprüfungen erst einmal hinter sich hatte und die Anspannung abfiel, denn er hatte sich entschieden; eine andere Lösung war einfach nicht möglich. Es stach ihn in die Brust, wenn er daran dachte, und er schien dann alles andere zu vergessen, deshalb wich er diesen Gedanken aus.
Er hatte sich für eine Fachhochschule entschieden, an der Polizeibeamte ausgebildet wurden. Eine professionelle Basketballkarriere kam für ihn offensichtlich nicht infrage, denn kein Scout hatte sich je bei ihm gemeldet und leider war Basketball nicht gerade der Sport, der die ganze Welt bewegte, auch wenn es der beste Sport der Welt war.
Ab und zu traf er Murasakibara, der häufig seiner deprimierenden Behausung entfloh und im selben Konbini einkaufen ging wie Aomine. Der Riese schien eine andere Fachhochschule anzustreben, jedenfalls äußerte er sich zu seinem beruflichen Werdegang immer nur in Bezug auf das Wort Konditor. Offenbar erwarteten nicht nur die Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung, sondern auch seine Familie, dass er diese Richtung einschlug, die Aomine übrigens für passend hielt, da er sich besser als wohl jeder andere mit Süßigkeiten auskannte und einen ganz vorzüglichen Geschmackssinn besaß.
„Mine-chin will Polizist werden?“, hakte Murasakibara verblüfft nach, als er sich nach Aomines zukünftigen Plänen erkundigte. „Nun, das überrascht mich nicht sonderlich, das steht dir sicher sehr gut. Sportlich kannst du ja fitter nicht sein, du holst ja mühelos jeden Handtaschendieb ein.“
„Hoi, das war Midorimas Verdienst“, wehrte Aomine ab. „Er hat die Eispackung geworfen und den Kerl am Kopf erwischt. Naja, und den Rest hast du ja erledigt.“
„Ja, mein schönes Eis!“, grummelte Murasakibara in Erinnerung an den Vorfall. „Dieser Bastard ist einfach draufgetreten! Da hat er es nicht besser verdient!“
„Na, na, nun tu mal nicht so, als ob du ihn verprügelt hättest!“, lachte Aomine.
Murasakibara grinste.
„Nein, das wohl nicht...“
„Hm. Sieh zu, dass du mir zukünftig keine Scherereien machst, sonst muss ich dich noch festnehmen!“, scherzte Aomine und verabschiedete sich dann.

Kiichi, der sich darum kümmerte, dass Aomine während dieser anstrengenden Lernphase vor allem nahrungstechnisch gut versorgt war, hatte daneben alle Hände voll damit zu tun, sein Team soweit auf Vordermann zu bringen. Bald begann das neue Schuljahr. Neue Talente mussten für die Basketballmannschaft von Seirin High rekrutiert werden und auch er selbst musste demnächst mit dem Lernen anfangen, um in die nächsthöhere Klasse zu wechseln.
Nachdem Kagami, Kuroko und Furihata sowohl äußerst festlich als auch mit einem Meer aus Tränen verabschiedet worden waren, bemühten sich die anderen Spieler mehr denn je, um sich keine Blöße vor den zu erwartenden Neulingen zu geben und vor allem den Spielgeist ihrer drei großartigen Senpais zu erhalten. Feierlich hatte Furihata sein Amt als Kapitän an den völlig überwältigten Rokuda abgetreten, den Furiku stützen musste, damit der Brillenträger nicht vor lauter Überraschung aus den Socken kippte. Kaburagi und Ishibana gratulierten ihm herzlich dazu, denn er hatte es sich klar verdient, war in den letzten Spielen die ruhige Säule oder unbeugsame Statue gewesen, an deren Seite sich das Team unnachgiebig nach vorn kämpfen konnte. Man hatte ihm deshalb einen Beinamen verpasst, der da lautete: „Unbending Statue“. Rokuda war nicht sehr glücklich darüber, aber offensichtlich hielt der Rest des Teams diesen Beinamen auch deshalb für angebracht, um Rokuda allmählich davon zu überzeugen, wie stark er geworden war, wie wichtig er für die Mannschaft war. Sein Platz war genau hier, mitten im besten Basketballteam aller japanischen Oberschulen.

Dann endlich kam der große Tag: der Tag der Abschlussprüfungen. Nicht nur die Mitglieder der Kiseki no Sedai waren unheimlich nervös, sondern unter anderem auch Sakurai. Wenn er jetzt im Nachhinein nüchtern zurückblickte, dann fragte er sich, woher er das ganze Selbstvertrauen genommen hatte, das ihn hatte denken lassen, er könnte einigermaßen problemlos ein gesamtes Schul- plus ein Studienjahr überspringen. Wie konnte er nur jemals annehmen, als Bester aus allen Prüfungen hervorzugehen? Das war doch vollkommen absurd!
Erst mit dem Eintreffen von Imayoshis SMS kurz vor Beginn der Prüfung konnte Sakurai seinen Puls herunterfahren.
/Vor einem wichtigen Spiel sagt man oft, man soll möglichst viel Spaß dabei haben/, schrieb Imayoshi und Sakurai konnte direkt sein Gesicht vor sich sehen. /Aber das bei einer Prüfung zu sagen, ist wohl eher nicht angebracht. Ich wünsche dir trotzdem viel Glück, Ryou. Ich freue mich schon darauf, wenn wir uns endlich wiedersehen. Ich liebe dich./
Glücklich und selig lächelnd drückte Sakurai seinen heutigen Glücksbringer – das Handy mit Imayoshis Nachricht – an seine Brust und fühlte die Anspannung davonfliegen. Wovor hatte er Angst? Selbst wenn er weder den Schulabschluss noch die Aufnahmeprüfung an der Universität der Touou-Akademie schaffte, seine Liebe zu Imayoshi und dessen Liebe zu ihm stand unerschütterlich fest. Von diesem guten Gefühl musste er dringend etwas abgeben oder weiterreichen, sonst platzte er noch.
„Viel Erfolg, Aomine“, sagte er fröhlich und schlug seinem Klassenkameraden aufbauend auf die Schulter.
„Selber viel Erfolg, Ryou“, antwortete Aomine nervös.
„Keine Sorge“, beruhigte Sakurai ihn. „Es wird schon alles gut gehen. Du hast dich hervorragend darauf vorbereitet, deshalb wird dich auch nichts überraschen können. Außer einem Black-Out natürlich, aber davon gehen wir ja erstmal nicht aus, ne?“
Sakurai strahlte, als verlebte er gerade die beste Zeit seines Lebens. Währenddessen überlegte Aomine für einen kurzen gefährlichen Moment, ob Sakurai seine Worte nicht ausschließlich auf die anstehenden Prüfungen bezog, sondern andeuten wollte, dass er ahnte, was Aomine nach den Prüfungen vorhatte. Das war eigentlich Blödsinn, aber wer wusste schon, was Imayoshi herausgefunden und brühwarm an seinen Liebsten weitergetratscht hatte? Nicht, dass es Aomine überraschen würde.
Was Aomine wiederum für denkbar hielt, war, dass Kiichis Reaktion ihn überraschen könnte, ganz gleich wie intensiv er sich auf alles Mögliche vorbereitet haben mochte. Und wenn ihn ein Black-Out traf? Das wäre das Schlimmste, denn so, wie es jetzt war, konnte das alles einfach nicht mehr weitergehen!
Doch zuerst musste er die Prüfungen bestehen, für alles andere war später noch Zeit.

„Daiki!“, rief Kiichi und winkte, um ihn auf sich aufmerksam zu machen. „Hallo Daiki, hallo Sakurai-san. Wie liefen die Prüfungen?“
„Ach, ging so“, meinte Aomine, während Sakurai immer noch glücklich lächelte und sich augenblicklich hastig verabschiedete, ohne unhöflich zu wirken. „Mal sehen, ob es reicht, die Schule verlassen zu dürfen – mit einem Abschluss natürlich.“
„Ach, mach dir keine Sorgen. Du hast fleißig gelernt, das wird sich auszahlen, ganz bestimmt“, ermutigte Kiichi ihn enthusiastisch.
Für eine Weile ruhte Aomines zärtlicher Blick auf ihm und einen winzigen Augenblick lang bezweifelte er die Richtigkeit seiner Entscheidung, schließlich war Kiichi nun hier bei ihm, um einzig und allein Aomine zu treffen, weil er Kiichis Gedanken und Gefühle dominierte. Jedenfalls dachte er das.
„Ich habe mich schon bei den anderen von der Kiseki no Sedai erkundigt“, berichtete Kiichi aufgeregt. „Shin-chan, Ryouta und At-chan scheinen ganz gut zurechtgekommen zu sein. Kuroko-senpai und Kagami-senpai konnte ich natürlich auch direkt abfangen und sie meinten, dass-“
„Kiichi“, unterbrach Aomine seinen Redeschwall. „Ich muss mit dir reden. Allein. Jetzt. Geht das?“

Fortsetzung folgt…
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