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Alle meine Freunde, alle meine Sorgen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aomine Daiki Kagami Taiga Kise Ryōta Kuroko Tetsuya Midorima Shintarō Murasakibara Atsushi
11.10.2017
05.02.2019
140
211.015
4
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
07.12.2018 1.562
 
Ich freue mich riesig darüber, dass ihr immer noch so zahlreich dabei seid! Vielen Dank für das rege Interesse und die lieben Reviews! Nun wünsche ich viel Vergnügen mit dem nächsten Kapitel.


Kapitel 126

„Ich konnte niemanden finden, der mit mir Silvester verbringen wollte, allerdings habe ich mir auch nicht richtig Mühe gegeben“, erklärte Murasakibara. „Ich hätte sehr leicht Chi-chin um ein Treffen bitten können, aber das wollte ich nicht, denn er schien doch sehr darauf bedacht zu sein, dich nicht zu brüskieren nach allem, was passiert ist...“
Aomine schwieg, denn das wusste er selbst am besten.
„Hach, aber ich habe sonst niemanden, den ich darum bitten könnte“, fuhr Murasakibara fort. „Ich musste dieses schreckliche Haus verlassen, sonst fällt mir noch die Decke auf den Kopf. Ich schätze, ich muss umziehen, aber während der Prüfungsvorbereitung ist das natürlich eher schlecht. Aus lauter Angst vor Depressionen gehe ich sogar in die Schulbibliothek und lerne dort. Ja, unglaublich, aber wahr!“
„Du lernst? Echt jetzt?“, hakte Aomine nochmals nach.
„Oi, Mine-chin, wie gemein!“, schmollte Murasakibara, aber dann lächelte er ein winziges Lächeln. „Was ist mit dir? Warum bist du nicht bei Chi-chin – oder anders herum?“
Aomine seufzte wieder.
„Hoi, mach das nicht, Aomine-san“, redete Kaburagi dazwischen. „Jedes Mal, wenn du seufzt, entfernt sich das Glück ein Stück weiter von dir!“
„Und wie erklärst du dann die Tatsache, dass man erst anfängt zu seufzen, wenn das Glück schon längst abhandengekommen ist?“, gab Aomine reichlich bissig zurück.
Darauf konnte Kaburagi nichts erwidern und er schwieg.
„Mattakku“, murmelte Aomine und fuhr sich durch sein Haar. „Entschuldige bitte. Ich bin auch nur auf der Flucht vor meinen Problemen.“
Die beiden anderen musterten ihn neugierig, was ihm natürlich nicht verborgen blieb.
„Ja, auch ich habe Probleme“, erklärte er in einem trotzigen Ton, als wäre er ein bisschen stolz darauf. „Ich zweifle an mir und frage mich, warum mich all die Menschen verlassen, auf die ich mich so immens konzentriere. Wieso lassen mich alle im Stich... Oh, das hört sich echt armselig an, nicht wahr?“
„Aber nein, ganz und gar nicht“, sagte Kaburagi und Murasakibara nickte zustimmend. „Tut mir sehr leid für dich. Wer wendet sich denn von dir ab?“
„Ach... Tetsu, Satsuki, Kiichi... also alle“, resümierte er deprimiert.
„Kiichi-senpai wendet sich von dir ab?“, hakte Kaburagi überrascht nach. „Na gut, ich kann nicht leugnen, dass auch er offensichtlich einen Durchhänger hat, aber er würde sich doch nicht freiwillig von dir entfernen! Hast du mal mit ihm darüber gesprochen?“
„Ja wie denn, wenn er immer nur unterwegs ist?“, brach es aus Aomine heraus. „Anstatt sich um meine Probleme zu kümmern, ist er vielmehr mit denen anderer Leute beschäftigt! Ah, nichts für ungut, Murasakibara.“
Der Riese winkte ab und wartete auf eine Fortsetzung dieser Beichte.
„Er... er fühlt sich so fern an, ich kann ihn überhaupt nicht mehr greifen! Es macht mir Angst, dass er immerzu bei irgendjemand anders ist, immer den anderen den Vorzug gibt statt mir. Ich wollte ihn wirklich heiraten, aber inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher...“
„Ach, das kommt nur durch die Prüfungszeit“, meinte Murasakibara beruhigend. „Du stehst unter großem Druck, doch du wirst sehen, wenn sich alles wieder beruhigt, wenn du die Prüfungen hinter dir hast, dann werdet ihr euch schon wieder zusammenraufen. Na?“
Aomine zog die Stirn kraus, als bezweifelte er Murasakibaras Worte.
„Danke, aber ich fürchte, daran liegt es nicht ganz“, sagte er leise.
„Er liebt dich, Aomine-san“, sagte Kaburagi überzeugt. „Und er wird niemals damit aufhören können.“
„Ts“, machte Aomine geringschätzig. „Woher willst du das wissen, Kleiner?“
„Ich weiß es eben“, antwortete Kaburagi fest und hielt Aomines verachtendem Blick stand.
Daraufhin wandte sich das Touou-Ass seufzend wieder der Straße zu, bis ihm etwas anderes einfiel.
„Moment mal! Was machst du eigentlich hier?“
Kaburagi wurde rot.
„I-ich... ich war nur auf einer kleinen Party...“, druckste er herum.
„Jetzt rück schon raus mit der Sprache“, forderte Murasakibara und rückte näher.
„A-also... Ishibana hat ein Treffen zwischen mir und Karen-san, der Schwester von Midorima, arrangiert“, erzählte Kaburagi zögernd. „Sie ist wirklich ein tolles Mädchen – wenn ich ihr nur genug Aufmerksamkeit widmen würde. Sie ist total verknallt in mich und scheint mich schon unheimlich gut zu kennen, denn sie weiß, dass ich einseitig in Ishibana verliebt bin.“
Aomines Augen wurden tellergroß vor Staunen und Murasakibara stand ihm darin nicht nach.
„Hai?“
„Ist halt so“, sagte Kaburagi mit feuerrotem Gesicht. „Man kann sich nicht aussuchen, in wen man sich verliebt.“
„Wie wahr“, murmelten die anderen beiden und dann seufzten sie alle drei.
„Jedenfalls“, durchbrach Kaburagi nach einer Weile die Stille, „hab ich mich davon geschlichen, als wir zufällig auf Kiichi-senpai und seine Freunde stießen. Das war für mich eine günstige Gelegenheit zu verschwinden, denn ich wollte den Abend nicht mit Karen-san allein verbringen, aber noch weniger wollte ich sehen, wie Ishibana sich verzweifelt an Kiichi-“
Er stockte und warf Aomine einen ängstlichen Blick zu, den dieser recht neutral erwiderte.
„Was denn, der Möhrenkopf steht auf meinen Freund? Na, das war mir ja klar“, tat Aomine diese Neuigkeit ab, als ginge es ihn überhaupt nichts an.
Möglicherweise war ihm heute alles egal.
„Tja...“, sagte Kaburagi und hielt verlegen einen Arm hinter seinen Kopf.
Schweigend saßen sie zu dritt nebeneinander. Ihr Atem hing ihnen in weißen Nebelschwaden vor den Gesichtern und dann platzten am Himmel die ersten Raketen, gefolgt von einem grellen Farbenspiel. Das alte Jahr war vergangen und das neue begann. Aber das hieß nicht, dass es besser werden würde. Probleme mussten weiterhin gelöst werden, eine sehr unbehagliche Aufgabe.
„Nun denn“, sagte Aomine und erhob sich als erster. „Ich werde mal zurückgehen, bevor Kiichi nach Hause kommt. Was ist mit euch?“
„Ich würde am liebsten nicht nach Hause gehen“, murmelte Murasakibara bedrückt. „Aber ich bin müde und kann heute Nacht vielleicht mal gut schlafen...“
„Willst du mit zu mir kommen, Murasakibara-san?“, fragte Kaburagi freundlich.
„Äh, nein“, antwortete Murasakibara sofort. „Nein, das möchte ich nicht und du solltest mich so etwas nie wieder fragen, verstanden?“
Erschrocken zuckte Kaburagi zusammen ob dieser entschiedenen Aussage.
„N-na gut, kein Problem...“, sagte er leise und tauschte einen verwirrten Blick mit Aomine, der aber nur die Achseln zuckte.
„Lass uns mal wieder was trinken gehen, Kleiner“, sagte Aomine zum Abschied zu Kaburagi und zerzauste ihm das Haar.
„Hoi! Ich bin nicht klein!“, schimpfte er und strich sich das Haar wieder zurecht.
Aomine lachte.
„Aber du führst dich auf wie ein kleines Kind. Süß. Schlaft gut, ihr zwei, und bis bald! Ich wünsche euch ein schönes neues Jahr, auf dass es besser werde als das vergangene.“
„Gleichfalls“, riefen Murasakibara und Kaburagi im Chor.
Und so gingen die drei ein wenig zuversichtlicher ihrer eigenen Wege.

Als Kiichi in die Wohnung zurückkehrte, wartete Aomine bereits auf ihn. Ein wenig besorgt sah er ihn an, als er seine Schuhe auszog, während der Ältere an der Flurwand lehnte und ihn beobachtete.
„T-tadaima“, sagte Kiichi leise.
„Okaeri, Kiichi“, sagte Aomine und lächelte.
Es war nicht das hundertprozentige Aomine-Lächeln, das Kiichi kannte, das wusste Aomine selbst auch, aber immerhin schien sich kein Streit anzubahnen, sondern vielmehr so etwas wie eine Versöhnung, denn Aomine breitete seine Arme aus, um Kiichi darin einzuschließen. Als sie sich küssten, spürte Kiichi die Kälte, die von Aomine ausging, kein bisschen. Er war froh darüber, dass er seinen Freund endlich wieder spüren durfte, weil dieser es wollte. Nur zu gern ließ Kiichi sich von ihm verführen, der sich auf seinem Körper austobte, nachdem er sie beide ins Schlafzimmer gelotst hatte.
Doch in Aomine waren die Gedanken und Sorgen längst nicht zur Ruhe gekommen, vor allem die Sache mit Kuroko beschäftigte ihn nach wie vor. Dessen Name hallte in seinem Kopf wider: Kuroko, Kuroko... Kuroko...
„Tetsu... Tetsu...“, murmelte er leise, während er Kiichis Körper liebkoste.
„Daiki?“, sagte Kiichi ein wenig benommen durch die Erregung.
„... Tetsu... Tetsu...“, kam die Antwort. „Tetsu.“
„Daiki! Halt! Stopp! Nicht!“, rief Kiichi und versuchte, Aomine Einhalt zu gebieten, was ihm nicht gelang.
Immer wieder und wieder sagte Aomine Kurokos Namen wie in Trance, doch mit jedem Mal fühlte Kiichi sich mehr beschmutzt und unwohl.
„Daiki, bitte hör auf! Bitte! Bitte lass das, Daiki!“, flehte er ihn an.
Plötzlich schrak Aomine zusammen.
„... Was?“, fragte er.
„Das würde ich gern wissen“, sagte Kiichi ängstlich und zog sich von ihm zurück. „Wieso sagst du andauernd ‚Tetsu, Tetsu‘? St-stellst du dir etwa immer Kuroko-senpai vor, wenn du es mit mir tust? Ist es das, was dich beschäftigt? Willst du statt meiner eigentlich Kuroko-sen-“
Aomine hielt ihm den Mund zu.
„Sag... sag das nicht so!“, knurrte Aomine und schaute Kiichi mit einem wilden Blick an, den er noch nie an ihm gesehen hatte. „Sag nichts mehr dazu. Es stimmt auch gar nicht, dass ich ihn mir dabei vorstelle, ganz und gar nicht. Aber es... Ach, lass uns ein anderes Mal darüber reden, heute mag ich nicht mehr.“
Mit diesen Worten rollte er sich auf seine Seite des Bettes, zog die Decke über seinen Körper und wandte Kiichi den Rücken zu, der perplex dasaß und nicht wusste, was er davon halten sollte. Aomine indes bemühte sich mit aller Macht, seine Gedanken, die er gerade hatte, und dieses Kopfkino, das vor seinen Augen abgelaufen war, zu vergraben, zu verdrängen, aufzulösen, was ihm lediglich mittelmäßig gelang. Eins aber stand fest: Das mit Kiichi, das konnte so nicht weitergehen.

Fortsetzung folgt…
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