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Alle meine Freunde, alle meine Sorgen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aomine Daiki Kagami Taiga Kise Ryōta Kuroko Tetsuya Midorima Shintarō Murasakibara Atsushi
11.10.2017
05.02.2019
140
211.015
4
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
04.12.2018 1.455
 
Ein ganz großes Dankeschön an alle Leser, die immer noch dabei sind und fleißig Reviews schreiben! Ich wünsche viel Vergnügen beim nächsten Kapitel.


Kapitel 125

Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend verließ Kiichi gegen 20 Uhr die gemeinsame Wohnung von ihm und Aomine und begab sich zum ausgemachten Treffpunkt, an dem er sich mit einigen Freunden versammelte, um Silvester zu feiern und das neue Jahr zu begrüßen. Darunter befand sich auch Moriyama, den zu sehen sich Kiichi am meisten freute neben Kise und Kasamatsu sowie seinem Bruder und Kiyoshi. Eigentlich wollte Midorima auch hinzukommen, er hatte aber in letzter Minute eine Absage per SMS eingereicht. Wie sich herausstellte, stammte der Text von Takao, der heimlich alles tat, um zu verhindern, in seiner Zweisamkeit mit Midorima gestört zu werden. Midorimas Schwester Karen war von Ishibana eingeladen worden, mit ihm, Kaburagi, Rokuda und Furiku das Feuerwerk anzusehen, was Takao natürlich befürwortete, um mit dem grünhaarigen Shooting Guard allein zu sein.
Aomine hatte (erneut) darauf verzichtet, Kiichi irgendwohin zu begleiten, um ihn mit jemand anderem zu teilen. Es hatte ihm bereits im letzten Jahr nicht gepasst, nicht die volle Aufmerksamkeit zu erhalten, die er sich wünschte, deshalb ging er diesem schlechten Gefühl vehement aus dem Weg. Dadurch wurde die Stimmung allerdings auch nicht besser.
„Nun? Wo steckt denn dein Ehemann in spe, Kiichi-san?“, wollte Moriyama neugierig wissen und sah sich in der Menschenmenge um.
„Ah, er... er ist mit Lernen beschäftigt und kommt daher nicht“, sagte Kiichi ausweichend.
Das entsprach nach Aomines Worten sogar der Wahrheit: Er hatte sich mit dem Studium seiner Schulbücher herausgeredet. Kise, der nur Augen für Kasamatsu hatte, wandte Kiichi einen Moment den Kopf zu und bedachte seinen besten Freund mit einem besorgten Blick, aber da Kiichi lächelte wie immer, schien es ihn nicht sonderlich zu treffen. Gut gelaunt machten sie sich auf den Weg in die Bar, die eine große Silvester-Party veranstaltete.

Währenddessen saß Aomine in der Wohnung, lustlos ein Buch vor sich aufgeschlagen, grübelnd, allerdings ohne einen richtigen Gedanken zu fassen. Er hatte auch große Lust, sich mit jemandem zu amüsieren, denn lernen lag ihm überhaupt nicht, aber Kiichi zu begleiten hätte wieder nur Quälerei bedeutet. Seit seinem Heiratsantrag war – nach der Woche voller Freude und Glück – eine spürbare Distanz zwischen ihnen beiden entstanden. Ob Kiichi sich einfach nur absolut sicher war, dass ihm nichts mehr geschehen konnte, da er im Prinzip Aomine gehörte? Oder waren diese Ausflüge sozusagen die letzte Zigarette, bevor er mit dem Rauchen aufhörte? Quasi noch einmal die Chance nutzen, alles zu tun, was man in einer Ehe nicht mehr zu tun gedachte? War es das? Das konnte Aomine sich eigentlich nicht vorstellen, denn Kiichi änderte sich nicht. Es waren die Menschen um ihn herum, die sich änderten. Auf diese Weise hatte sich auch Aomine geändert. Ob man das positiv oder negativ betrachten wollte, blieb jedem selbst überlassen, er selbst hielt diese Entwicklung definitiv für positiv.
Gleichzeitig brachte es ihn ins Grübeln. Bestand eine von Kiichis Lebensaufgaben darin, Aomine zu einem angeblich besseren Menschen zu machen, indem Kiichi ihm die Augen für die Welt öffnete? Wollte er ihn sein eigenes Glück finden lassen, damit Aomine selbstständig weiterleben konnte? Zu einem guten Leben gehörten nicht nur Glück und Freude, sondern auch Schmerz und Trauer. Kiichi hatte ihm alle Seiten des Lebens gezeigt; war seine Lehre nun beendet?
Grimmig fuhr er sich durch seine mitternachtsblauen Haare. Wie gern würde er jetzt mit jemandem darüber reden... Doch Sakurai hatte ihn bereits vor vier Tagen informiert, dass er mit Imayoshi unterwegs wäre. Genau genommen hatte er lediglich etwas von einer Verabredung gesagt, die natürlich genauso gut alles andere als nur ein Date außerhalb ihrer Wohnung umfassen konnte.
Aber eigentlich wollte Aomine jetzt auch lieber seinen alten Teamkameraden Kuroko sehen. Seine Fürsorge, die er dem vergewaltigten Kuroko angedeihen gelassen hatte, führte nachträglich zu einer emotionalen Abhängigkeit Aomines von ihm. Noch immer konnte er sich nicht vorstellen, mehr mit Kuroko anzustellen, aber seine Nähe fühlte sich gut an und tröstete ihn. Früher war es Kiichis Nähe gewesen, die ihm Schutz und Geborgenheit gab, doch diese Tage waren spätestens seit dem lächerlichen Streit, der dennoch schwer auf Aomine lastete, vorbei. Seufzend streckte Aomine seine Glieder und stand auf. Er könnte Kuroko wenigstens etwas zum Schulstoff fragen. Andererseits – war Kuroko nicht sehr streng traditionell japanisch erzogen worden? Sicherlich störte Aomine bloß dessen Ruhe inmitten seiner Familie...
„Ach, einen Blick kann ich wohl riskieren“, sprach Aomine sich Mut zu und verließ die Wohnung in angemessener Kleidung, denn draußen war es eisig kalt.

Auf dem Grundstück, auf dem Kurokos Haus stand, herrschte tiefe Stille. Nirgendwo brannte ein Licht und niemand reagierte auf sein viertes Klingeln. Danach versuchte er, etwas in der Dunkelheit in Kurokos Zimmer auszumachen, in das er durch das Fenster sah, doch die Gardinen waren zugezogen. Enttäuscht wollte Aomine sich schon abwenden, als er seltsame Geräusche hörte. Und dann Kurokos Stimme.
„... Ah... aaaah, ahhhh, Taiga... hnnh, mhnnh, ah, mehr, liebe mich mehr, Taiga! Ich liebe dich so sehr, Taiga! Taiga! Tai-GAAAHHH!“, rief Kuroko mit einer unglaublich erotischen Stimme, die Aomines Haut zum Prickeln brachte.
Wie erstarrt, unfähig sich zu rühren stand er da und lauschte ungewollt.
„Ich liebe dich, Taiga, ich liebe dich über alles! Ich liebe dich von ganzem Herzen, mehr als alles andere auf der Welt!“, schrie Kuroko gedämpft und keuchte hin und wieder.
„Ich liebe dich auch, Tetsuya“, hörte Aomine plötzlich Kagami sagen. „Ich liebe dich so unglaublich, dass es wehtut! Ich liebe dich, ich liebe dich, Tetsuya. Ich möchte es dir immer wieder und wieder sagen: Ich liebe dich!“
Es war so still auf dem Grundstück, dass Aomine Kuroko weinen hörte, aber er schien nicht unglücklich oder traurig zu sein, im Gegenteil.
„Ich liebe dich viel, viel mehr, Taiga“, sagte er und lachte ein bei ihm seltenes befreites Lachen.
Aomine hielt sich die Hand vor den Mund und verließ das Gehöft, ohne zu wissen, wo er hinging.

Wieso fühlte er sich plötzlich so allein? Ihm war doch schon lange klar gewesen, dass Kuroko niemand anderen als Kagami abgöttisch liebte und dass zu dieser Liebe auch die Dinge gehörten, die Aomine mit Kiichi getan hatte, das war ja völlig normal. Aber weshalb warf es ihn so dermaßen aus der Bahn, nun, da er diese Tatsache ganz direkt erlebt hatte?
Niedergeschlagen sank er auf einem niedrigen Mäuerchen irgendwo in der Stadt nieder. Er wusste es doch, hatte es immer gewusst: Da war mehr. Aomine empfand mehr für Kuroko, mehr Gefühle als nur für einen guten Freund. Aber das durfte er nicht, denn Kuroko hatte sich für Kagami entschieden. Für Kagami, der Aomine geschlagen hatte, der alles in allem sehr viel besser war als Aomine. Kagami war eben der, der Kurokos Herz erobert hatte. Und Aomine, dem jetzt erst auffiel, wie wichtig Kuroko für ihn zu sein schien, kam deutlich zu spät. Kurokos Vorzug würde stets und ständig Kagami gelten.
Wieso verließen ihn all die Menschen, die wichtig für ihn waren? Zuerst war es Kuroko, der sich bereits zu Mittelschulzeiten von Aomine abgewandt hatte, weil Aomine sich unerträglich egoistisch und arrogant aufgeführt hatte. Auf diese Weise verstieß er Kuroko. Und dann hatte Momoi sich von ihm abgewandt – Momoi, seine geliebte Sandkastenfreundin. Sie liebte Kuroko, aber sie liebte auch Aomine, allerdings in einem ganz anderen Verständnis. Sie war wie eine teure Schwester für ihn.
Doch als Aomine Kiichi kennenlernte, verschob sich sein Weltbild und alle seine Gedanken, sein ganzes Dasein drehte sich nur noch um den Mittelpunkt seines Lebens: Hyuuga Kiichi. Alles könnte so perfekt sein, denn Kuroko hatte Kagami und Momoi hatte, nachdem es ihr gelungen war, Kuroko aufzugeben, einen anderen Mann gefunden, dem sie ihre Zeit opfern wollte, und glaubte Aomine in Kiichis Händen wohl bestens versorgt. Jeder war glücklich mit seinem Lebenspartner.
Und nun wandte sich dieser Junge – die Liebe seines Lebens, der Aomine einen öffentlichen Heiratsantrag gemacht hatte – allmählich auch von ihm ab. Wieso hatte er das nicht kommen sehen? Warum fixierte er sich immer wieder so stark ausschließlich auf einen einzigen Menschen? So durfte es nicht weitergehen!
Er seufzte tief, doch das Geräusch, das er hörte, klang dreimal so laut, wie es sollte. Verwirrt schaute er sich um – und entdeckte neben sich Kaburagi und ein Stück weiter noch Murasakibara sitzen. Die beiden anderen hoben ebenfalls die Köpfe.
„A-Aomine-san!“, rief Kaburagi erschrocken aus.
„Mine-chin! Oh, und... äh, ein Seirin-Neuling...“, nuschelte Murasakibara verlegen.
„Kaburagi Yuuki ist mein Name“, sagte Kaburagi und drehte sich zu Murasakibara um, leicht verärgert.
„Was macht ihr hier?“, fragte Aomine.
„Tja, das wüsste ich auch gern“, murmelten die anderen beiden synchron und richteten ihre Blicke wieder auf den Gehweg, auf dem leichter Frost glitzerte.
„Ah, Probleme, huh?“, seufzte Aomine und tat es ihnen gleich. „Willkommen im Club...“

Fortsetzung folgt…
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