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Alle meine Freunde, alle meine Sorgen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aomine Daiki Kagami Taiga Kise Ryōta Kuroko Tetsuya Midorima Shintarō Murasakibara Atsushi
11.10.2017
05.02.2019
140
211.015
4
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
13.11.2018 1.234
 
Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Lesern fürs Dabeibleiben und die lieben Reviews und wünsche viel Vergnügen mit dem nächsten Kapitel.


Kapitel 120

Er konnte es nicht leugnen: Er war darauf gefasst gewesen, hatte mit ihrem Erscheinen gerechnet, allerdings waren bei genauerer Betrachtung doch mehr Tage ins Land gegangen als erwartet. Und noch viel erstaunlicher fand Murasakibara die Tatsache, dass die beiden nicht sehr verärgert aussahen. War sein Vergehen vielleicht verjährt? Oder gehörte das zu einem diplomatischen Schachzug?
Wie lange hatte er mit einem völlig leeren Kopf unter dem Küchentisch gelegen? Wie lange nicht geschlafen, nicht gegessen, sich nicht gerührt? Dass er noch lebte, kam einem Wunder gleich – oder einem Alptraum. Murasakibara hielt es nach seinem unkontrollierten Ausbruch und Überfall auf Kuroko einfach nicht mehr in diesem gottverdammten Haus aus, in das Akashi niemals wieder zurückkehren würde. Er musste dieser Umgebung entfliehen, aber einen anderen Platz hatte er nicht. Er konnte den Anblick der gesamten Einrichtung nicht ertragen, doch was nützte es ihm, sie zu zerstören oder wegzuwerfen. Alles tat ihm weh, sein ganzer Körper, der sich offensichtlich zurückbildete, doch der Ursprung schien in seinem Herzen zu sitzen, das blutete und blutete und schmerzte... Er konnte praktisch vor seinen Augen sehen, wie es sich vor Quälerei wand. Mit diesem dumpf pochenden Gefühl wusste Murasakibara nicht, wohin er sich wenden, was er tun sollte. Wen hätte er damit auch belasten können, wenn er selbst keinen Durchblick hatte! Es war plötzlich alles so leer und unwichtig geworden.
Doch nun hatte es endlich mal wieder an der Tür geklingelt. Ganz egal, wer es gewesen wäre, Murasakibara freute sich unbändig. Selbst wenn Aomine und Kagami, die davor standen, ihn zu Tode geprügelt hätten. Endlich wurde er dazu gezwungen, sein Leben weiter zu leben, so sinnlos es auch geworden sein mochte!
Er schwieg bei ihrem Anblick, konnte sich den Grund ihres Besuches sehr gut denken. Und er wusste, dass sie das wussten.
„Hast du Kuroko vergewaltigt?“, fragte Kagami geradeheraus, nachdem sie satte drei Minuten wortlos voreinander gestanden hatten.
Murasakibara trat beiseite, um sie herein zu bitten, doch Kagami weigerte sich und hielt Aomine zurück.
„Hast du ihm das angetan?“, zischte er unheilvoll.
„Ja“, bestätigte Murasakibara schlicht.
„Wir werden darüber kein Wort verlieren, wenn du dich bei Tetsu entschuldigst“, sagte Aomine, den vor Wut zitternden Kagami am Kragen gepackt.
„Das hätte ich längst getan, wenn ich wüsste, ob er mich überhaupt empfängt“, erklärte Murasakibara und fuhr durch seine lila Haarmähne. „Außerdem musste er sich wieder davon erholen, was sicher nicht einfacher wird, wenn man seinem Peiniger hilflos ausgeliefert ist, der zu Besuch kommt, um sich zu entschuldigen. Kuro-chin hält sich nämlich selbst in so einer Situation an das Protokoll!“
„Du verd-“
Aomine hielt Kagami schnell den Mund zu.
„Ich verstehe“, sagte er ungerührt. „Das ist natürlich logisch. Aber Tetsu geht es besser, also wäre ein förmlicher Besuch angebracht.“
„Hai. Wenn ihr wollt, gehe ich sofort zu ihm“, antwortete Murasakibara beflissen.
Also machten die drei sich auf den Weg, Kagami wutschnaubend, Aomine mit beiden Armen hinter seinem Kopf, als wäre er von all dem gelangweilt, Murasakibara ohne seinen üblichen Süßigkeitenberg in den Armen. Doch bei Kuroko, bei dem er sich in vollendeter Form der Höflichkeit entschuldigte, zog er ein Pocky-Stäbchen aus seiner Hosentasche und bot es Kuroko freundschaftlich an. Der lächelte versöhnlich und begann auf der anderen Seite, teilte sich das süße, mit Schokolade überzogene Gebäck mit Murasakibara und traf in der Mitte auf Murasakibaras Lippen. Das löste allerdings nur bei Kagami ein schlechtes Gefühl aus. So endete also dieser bedauernswerte Zwischenfall in Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung, aber so einfach war es doch nicht, den Anlass dafür zu verdrängen. Murasakibara stand noch eine sehr lange Zeit seines Leidens bevor, das war nicht nur ihm bewusst.

Der Zug ratterte ungeheuer laut dahin und Kiichi konnte Murasakibaras Stimme kaum verstehen.
„At-chan? Ah, wir haben uns eine Weile nicht gesehen! ... Wie? Weihnachten? Tut mir leid, ich bin schon auf dem Weg nach Fukuoka, um Izuki-senpai, Koganei-senpai und Mitobe-senpai zu besuchen... Was? ... Nein, nein, sie haben kein Problem, sie haben mich nur eingeladen, ihnen mal einen Freundschaftsbesuch abzustatten. Koganei-senpai hat eine Freundin und Izuki-senpai und Mitobe-senpai wollen meine Meinung dazu wissen. Es hat sich unheimlich viel bei ihnen getan, wie es scheint. Ich bringe dir aber ein Souvenir mit, versprochen, und dann treffen wir uns, wenn ich wieder zurück bin, ja? ... Okay! Gut, bis dann, At-chan, und frohe Weihnachten!“
Kiichi seufzte. Eigentlich wollte er über Weihnachten genau aus diesen Gründen zu Hause bleiben: Zwischen ihm und Aomine bahnte sich spürbar etwas Unangenehmes an. Und seine ganzen Freunde waren in Tokyo und amüsierten sich. Trotzdem freute Kiichi sich auf seine Senpais, mit denen er genau genommen nicht viel zu tun hatte, aber offensichtlich war er ihnen wichtig.
Aomine hatte es abgelehnt, ihn zu begleiten.
„Ich kenne die drei doch überhaupt nicht, außerdem haben sie dich eingeladen!“, hatte er erklärt. „Und ich muss langsam mal für die Prüfungen lernen. Wie du ja weißt, bin ich nicht gerade der Hellste!“
Kiichi hatte ihn auf den Nacken geküsst und gelächelt und gemeint:
„Das merkt man aber nicht.“
Aomine lächelte kurz zurück und wandte sich wieder dem Buch zu, das er vor sich aufgeschlagen hatte.
Was Kiichi nicht wusste: Aomine stattete in letzter Zeit noch öfter als vorher Kuroko einen Besuch ab, denn er half Aomine beim Lernen, sozusagen als kleine Gegenleistung für die Hilfe, die Aomine ihm bei der Genesung von der Vergewaltigung angedeihen gelassen hatte. Kagami regte sich zwar immer mal wieder über ihre Zweisamkeit auf, denn diese Zeit der Nachhilfe bedeutete für das Ass von Seirin High, keine Zeit mit seinem Liebsten verbringen zu können. Das freundliche Angebot, sich dazuzusetzen, lehnte er kategorisch ab, obwohl auch er – ähnlich wie Aomine – kein besonders intelligenter Mann war, wenn es um Schulaufgaben ging.
Aomine genoss die Zeit mit Kuroko, auch wenn er gelegentlich an Kiichi dachte. Doch es ärgerte ihn, dass dieser schon wieder unterwegs zu irgendwelchen Freunden war, anstatt das Fest der Liebe mit ihm, seinem Verlobten, zu verbringen! Kuroko schien zu ahnen, was in Aomine vorging, aber er brachte das Thema nie zur Sprache. Wahrscheinlich wollte er den Dunkelblauhaarigen nicht an etwas Unangenehmen erinnern. Außerdem schob Aomine jeden gefährlich depressiven Gedanken in eine Untiefe seines Gehirns, wo es ihn während der Prüfungs- und Vorbereitungszeit nicht störte, sonst musste er nämlich Konsequenzen immensen Ausmaßes ziehen und dazu hatte er momentan keine Zeit. Als Aomine Kuroko erzählte, wohin Kiichi unterwegs war, reagierte der allerdings auch ziemlich besorgt oder wenigstens überrascht.
„Zu Izuki-senpai, Koganei-senpai und Mitobe-senpai nach Fukuoka? Ich wusste gar nicht, dass Kiichi-san eine so tiefe Beziehung zu ihnen geführt hat!“, meinte Kuroko nachdenklich.
Aomine stutzte.
„So? Nun, er wird schon einen Grund gefunden haben, um von hier wegzulaufen...“
Daraufhin warf Kuroko seinem ehemaligen Teamkameraden hin und wieder einen besorgten Blick zu und Aomine genoss diese kleine Aufmerksamkeit. Von wegen er hätte keine Freunde, pah! Er hatte sogar sehr gute Freunde, auf die er sich wesentlich öfter verlassen konnte als in letzter Zeit auf Kiichi. Es wurmte ihn, diese Distanz zwischen ihnen beiden, aber er fühlte sich völlig hilflos, wenn er darüber nachdachte, wie er diese Lücke schließen könnte, während Kiichi selbst überhaupt nichts davon zu bemerken schien. Sie wussten beide nicht, woran es lag, dass es ihnen vorkam, als läge ein bedrohliches Unheil vor ihnen, das unausweichlich auf sie zusteuerte.

Fortsetzung folgt…
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