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Forever and a Day

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12 Slash
Dr. Curtis Rollins Lindsay Donner Peter Axon
11.10.2017
04.12.2017
2
5.825
 
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11.10.2017 2.956
 
Also ich weiß zwar nicht, ob in dem Fandom überhaupt noch jemand liest, aber ich versuche einfach mal mein Glück und poste hier was. :)
Zur Zeit bin ich total im PSI-Factor-Fieber und bin gerade bei Folge 18 der ersten Staffel. Ich bitte daher schon mal vorab um Entschuldigung, falls in späteren Staffeln irgendwelche Infos rauskommen, die ich hier vielleicht falsch dargestellt habe.
Die Geschichte spielt gegen Ende von Staffel 1, sie wird voraussichtlich zwei Kapitel haben und das kursiv Geschriebene sind Szenen aus der Vergangenheit.

Pairing: Dr. Curtis Rollins / Peter Axon

Disclaimer: Die Charaktere gehören mir nicht und ich verdiene kein Geld mit dieser Fanfiction. (Schön wär’s! :D)

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Müde saß Curtis Rollins in seinem Büro über einer geöffneten Akte, die er Seite für Seite genau durchsah. Er hätte längst Dienstschluss gehabt und seine Augen wurden immer schwerer, aber das hier ließ ihm keine Ruhe. Er musste etwas finden. Nur einen Ansatzpunkt. Einen Hinweis. Irgendwas.

Ein plötzliches Klopfen unterbrach ihn in seiner Konzentration. „Herein!“, herrschte er die Tür an ohne aufzuschauen. Sie wurde leise geöffnet und ebenso leise wieder geschlossen.

„Du bist immer noch hier“, vernahm er Peters vertraute Stimme und schaute nun doch auf. „Was liest du?“

„Die Akte vom vorletzten Fall. Ich kann nicht fassen, dass sie den geschlossen haben und suche nach einem möglichen Beweis, den Doyle übersehen hat, der es rechtfertigen würde, den Fall noch mal aufzunehmen“, er rieb sich mit der linken Hand über den verspannten Nacken.

Peter ging um den Schreibtisch herum, legte seine Hände auf die Schultern des Jüngeren und warf einen Blick in das Dokument. „Denkst du, an der Legende um den Chupacabra ist etwas dran?“

„Ich weiß es nicht. Ich hätte es gerne herausgefunden, ich hätte den ganzen Fall gerne gehabt.“

Vorsichtig lockerte Peter ihm die Krawatte und fing an, seine Schultern zu massieren. „Ich habe auch nicht verstanden, warum Connor ihn bekommen hat. Er spricht kein einziges Wort Spanisch, während du die Sprache fließend kannst. Nicht einmal Tasha wurde ihm zugeteilt“, und die Ermittlungen führten das Team immerhin in eine teilweise spanischsprachige Siedlung in Texas direkt an der Grenze zu Mexiko.

„Unsere Führungsabteilung muss wohl ihre Gründe dafür haben“, resigniert klappte Curtis die Akte zu. Vor fünf Jahren hatte er das FBI verlassen, weil ein paar Leute in der Chefetage seine Arbeit boykottierten und offensichtlich verhindern wollten, dass er bestimmte Fälle löste. Er dachte, beim O.S.I.R. wäre es anders, dort sei man, zumal es sich um ein wissenschaftliches Institut handelte, tatsächlich an Aufklärung interessiert. Eine ganze Zeit lang schien ihm das auch so, doch seit einigen Monaten geschah es zunehmend öfter, dass Fälle ohne ersichtlichen Grund geschlossen wurden. Angeblich zu hoher Kostenaufwand, zu wenig Beweise, Zeitmangel, aber Curtis kannte dieses Verhalten, die seichten Ausreden und er wusste, dass mehr dahinter steckte. Etwas sollte vertuscht werden. Das frustrierte ihn.

„Es ist schon sehr spät und eigentlich hast du jetzt Wochenende“, erinnerte ihn Peter. „Warum fahren wir nicht zu mir nach Hause und machen es uns gemütlich?“, er schlang die Arme um den Oberkörper seines Vorgesetzten und schmiegte sich an dessen Halsbeuge.

„Ich habe dir hundertmal gesagt, dass du diese Annäherungen im Büro unterlassen sollst. Wenn jetzt die Tür aufgeht, sind wir geliefert“, versuchte der 37-Jährige halbherzig, ihn zum Aufhören zu bringen, wobei er sich relativ sicher war, dass es niemand wagen würde, ohne Ankündigung in sein Büro reinzuplatzen.

„Deswegen habe ich ja vorgeschlagen, dass wir heimfahren. Du fehlst mir...“, flüsterte Peter in sein Ohr und küsste ihn im nächsten Moment sinnlich auf den Mund. Curtis neigte den Kopf leicht nach hinten, um den Kuss besser erwidern zu können. Er schloss seine Augen und genoss es, obwohl sein Verstand ihm sagte, dass das hier definitiv der falsche Ort für derartigen Genuss war. Aber er konnte nicht leugnen, dass er Peter auch vermisste, nachdem sich die beiden drei Wochen am Stück nicht gesehen hatten, weil sie unterschiedlichen Fällen zugeteilt waren.

„Also gut, lass uns gehen!“, lenkte er schließlich ein und ließ sich von Peter aus dem Stuhl ziehen. Er brachte ihm seine Jacke und die beiden verließen das Büro in Richtung Tiefgarage. Es stellte kein Problem dar, falls jemand sehen würde, wie sie gemeinsam wegfuhren, denn die Freundschaft der beiden war bekannt und niemand wunderte sich, wenn sie beispielsweise sagten, dass sie sich am Wochenende zu einem Angelausflug trafen. Es war normal. Nichts, worüber sich die Kollegen Gedanken machten. Das Einzige was sich manch einer im Stillen fragte, war, wie Peter es aushielt, sich diesen Mann auch noch privat anzutun. Aber letztendlich war das seine Sache und Peter Axon gehörte eben zu den Menschen, die jeder mochte. Es war unmöglich, sich nicht mit ihm zu verstehen, selbst für einen Eisblock wie Curtis Rollins. So ähnlich jedenfalls sah man das im Büro.

Als sie das Auto des 42-Jährigen erreicht hatten, setzte sich Curtis auf den Beifahrersitz und rieb sich über die Augen. Es gelang ihm nur mühsam, ein Gähnen zu unterdrücken. Seit 4:00 Uhr morgens war er auf den Beinen und trotz dem er wenig Schlaf gewohnt war, fühlte er sich erledigt.

„Bist du sehr müde?“

„Nicht zu müde für einen netten Abend“, antwortete der Jüngere.

Peter schmunzelte. Er freute sich wahnsinnig darauf, gleich zu Hause zu sein und musste sich dazu zwingen, die ausgeschilderten Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten und auf die Straße zu schauen, anstatt rüber zu seinem Freund. Drei Wochen konnten eine entsetzlich lange Zeit sein. „Was hältst du davon, wenn wir morgen früh ausschlafen und gegen Mittag meiner Waldhütte einen Besuch abstatten?“

„Viel. Sonntagabend dann zurück?“

„Ja. Wir haben zwar wenig Zeit, aber ich denke, dass es schön wäre.“

„Das wird es bestimmt“, war sich Curtis sicher. Es fiel ihm allmählich schwerer, die Augen aufzuhalten, das gleichmäßige Fahren schläferte ihn ein und ihm kam in den Sinn, dass er die letzten Jahre öfter in Autos, Flugzeugen und Zügen geschlafen hatte, als in einem Bett. Er hatte gewissermaßen schon Routine darin erlangt. Einerseits grotesk, andererseits nichts besonderes bei seinem Job.

Plötzlich stoppte der Wagen und er blinzelte. Waren sie etwa schon da? War er eingenickt? Die Frage klärte sich von alleine, als er Peters Hand an seiner Schulter spürte, den mitfühlenden Blick in seinen Augen sah und feststellte, dass sie das Haus tatsächlich soeben erreicht hatten. „Du bist doch total erschöpft oder?“

„Es geht. Lass mich aussteigen und ein paar Minuten frische Luft schnappen, dann bin ich wach“, gab er zurück und öffnete die Autotür. Ein frostiger Wind schlug ihm entgegen, aber der tat ihm eher gut, als dass er ihn unangenehm fand. Kälte hatte ihn sowieso nie gestört. Er stieg aus und atmete tief durch, was seine Lebensgeister langsam zurückkehren ließ. Dann folgte er Peter ins Haus und noch bevor er genau wusste, was eigentlich los war, fand er sich mit dem Rücken an der Flurwand wieder, Peters Lippen hart und leidenschaftlich auf seine eigenen gepresst. Normalerweise wäre es ihm mühelos gelungen, den Spieß umzudrehen, aber er ließ den Älteren gewähren. Er, der sonst stets die Kontrolle über alles hatte, gab sie freiwillig ab, denn dieser Bereich seines Lebens war der einzige Bereich, in dem er das tun konnte. Und das konnte er nur, weil er Peter vertraute und von ihm neu gelernt hatte, wie man sich fallen ließ.

Er klammerte sich an den Mantel seines Freundes, als er dessen Zunge tief in seinem Mund spürte und eine Hitzewelle durch seinen Körper ging. Da war es wieder, dieses besondere Gefühl für das er nie die richtigen Worte fand, um es zu beschreiben, aber Peter wusste was er meinte, denn er kannte es selbst. Diese Mischung aus Hitze, Kälte, Schwindel, Liebe, Verzweiflung, Begehren, Unendlichkeit. Perfektion. Nichts anderes als Perfektion war es. Nach Minuten erreichten sie das Schlafzimmer und mit den Kleidungsstücken fielen auch sämtliche Hemmungen. Sie gaben sich einander hin und keiner hätte sagen können wie lange, es geschah einfach bis sie nicht mehr konnten. Und erst danach bekam Curtis Rollins seine geliebte Kontrolle zurück, als Peter sich wie ein vom Spielen ausgelaugtes Kätzchen an seine Brust kuschelte und einschlief. Kaum zu glauben, was dieses liebe brave Kätzchen zuvor alles getan hatte...

Es dauerte nicht lange bis auch der 37-Jährige schlafen konnte und im Gegensatz zu Peter träumte er sogar. Er träumte von einem sehr speziellen Samstagmorgen, vor exakt genau zehn Monaten...

~~~

Viel zu grelle Lichtstrahlen schienen durch den halboffenen Vorhang hinein, als Curtis aufwachte. Zumindest waren sie an diesem Morgen viel zu grell, denn sein Kopf schmerzte teuflisch. Die Nachwirkungen von gestern. Ihm fiel wieder ein, wie er mit Peter in dieser Bar gesessen hatte, wie er sich betrunken und ihm sein Herz ausgeschüttet hatte über die gescheiterte Ehe mit Tracy. Die Scheidung war seit zwei Wochen durch. Eine Härtefallscheidung, weil sie ihn mehrfach betrogen hatte. Er stellte fest, dass er in seiner Wohnung auf der Couch unter einer leichten Decke lag und er trug noch seine Sachen vom Vortag. Peter musste ihn irgendwann heimgebracht haben. Als er versuchte, sich aufzusetzen, wurde das Hämmern in seinem Kopf stärker. Er setzte sich trotzdem, vergrub das Gesicht in den Händen und dachte einen Moment nach. Verschwommene Bilder geisterten zwischen den Folterinstrumenten herum, die seinen Schädel von innen traktierten. Auf einmal stieg ihm ein wohlbekannter Geruch in die Nase.

„Ich habe uns Kaffee gemacht, schwarz und stark, genau wie du ihn magst. Oder verträgst du keinen Kaffee auf einen Kater?“, fragte Peter besorgt, als er seinen Vorgesetzten so verkrümmt auf der Couch sitzen sah.

„Doch, doch, den kann ich jetzt gut gebrauchen, danke“, er nahm einige Schlucke und die Bilder vor seinem inneren Auge wurden klarer. Peter setzte sich ihm gegenüber in einen Sessel und trank ebenfalls eine Tasse Kaffee. Er wirkte leicht verunsichert. Nervös.

Curtis wühlte tiefer in dem Puzzle aus Bildern, das sein Gedächtnis mühevoll zusammenzufügen versuchte und allmählich kam die Erinnerung an letzte Nacht zurück. Er war zwar betrunken, aber nicht so betrunken, dass er einen Blackout hatte.

„Möchtest du frühstücken? Ich könnte was vom Bäcker holen?“, riss ihn der Ältere plötzlich aus seinen Gedanken und sprang auf, um zur Tür zu gehen.

„Warte mal!“, Curtis hielt ihn auf, denn eine ganz bestimmte Erinnerung drängte sich mit aller Macht aus seinem Unterbewusstsein hoch. „Ich will jetzt nichts essen.“

Peter kam zurück und setzte sich wieder hin. Angespannt malte er mit dem Daumen kleine Kreise auf den Sessel.

„Ich habe dich ziemlich vollgequatscht gestern Abend. Hab dir meine Lebensgeschichte erzählt und du hast das brav über dich ergehen lassen. Ich wollte dich nicht so in Beschlag nehmen.“

Sein Gegenüber winkte ab. „Hast du nicht. Es war ein schöner Abend und es hat mir nichts ausgemacht, dir zuzuhören, im Gegenteil“, antwortete er wahrheitsgemäß. Seine rechte Hand krallte sich auffällig verkrampft in die Sessellehne.

„Dann hast du mich nach Hause gebracht. Wann war das, gegen eins?“, die Frage klang wie Smalltalk, wie belangloses Vorgeplänkel zu etwas viel Wichtigerem.

„Kurz nach eins“, bestätigte Peter und sein Herzschlag beschleunigte sich. Curtis sah ihn forschend an, als ob er sich Hoffnung machte, sich seine nächste Frage dadurch selber beantworten zu können, doch das konnte er nicht. Er zögerte, so als suche er die richtigen Worte, dabei war es nur eine simple Frage.

„Warum hast du mich gestern Nacht geküsst?“

Peter zuckte zusammen. Er hatte offenbar angenommen, dass Curtis sich nicht daran erinnern konnte und dass er ihn jetzt damit konfrontierte, brachte ihn ins Schwitzen.

„Ich war nicht betrunken genug um das zu vergessen, also warum?“, er klang harscher und ungeduldiger als beabsichtigt.

„Weil... weil... ich verliebt in dich bin“, stammelte Peter. Der Kuss war im Affekt passiert und ein Teil von ihm hatte tatsächlich gehofft, dass Curtis ihn vergessen würde, damit zwischen ihnen alles so blieb wie es war. Unkompliziert. Angenehm. Vertraut. Der wesentlich größere Teil jedoch betete, dass er sich erinnerte und ihn genau in die Situation brachte, in der sie sich gerade befanden. So sehr er seine Freundschaft mit Curtis genoss, so sehr trieb sie ihn gleichermaßen in den Wahnsinn. Er war ihm stets nah und dennoch nie nah genug. Der Mann, den er vergötterte, war verheiratet, was Peter gar keine andere Wahl ließ, als seine Liebe zu verdrängen und obwohl ihm das nicht gelang, hätte er keinen Versuch gewagt, sich in die Ehe einzumischen. Dazu war er zu anständig, zu ehrlich, zu schüchtern und die Gefahr, damit Curtis’ Vertrauen in ihn zu zerstören, war viel zu groß. Das Letzte, was Peter wollte, war ihn zu verletzen oder zu verlieren, also hielt er sich zurück, aber nun hatten sich die Vorzeichen geändert. Er wusste, er würde nicht glücklich werden, wenn er sich niemals traute, ihm die Wahrheit zu sagen, wenn er es nicht wenigstens versuchte, doch er fürchtete sich vor den Konsequenzen. Davor, dass alles zerbrechen könnte. Er hatte im Laufe der Jahre zwar herausgefunden, dass Curtis tolerant Homosexuellen gegenüber war, aber tolerant hieß ja noch lange nicht, dass man persönlich etwas damit anfangen konnte. Ob er das konnte, würde Peter bald erfahren, denn es gab kein Zurück mehr und seine Stimme festigte sich, als er das begriff. „Nachdem ich dich nach Hause gebracht hatte, saßen wir auf der Couch und du hast mir davon erzählt, wie eigenartig es ist, nach all den Jahren Ehe wieder alleine zu sein. Ich hatte meinen Arm um dich gelegt und du hast dich an meine Schulter gelehnt und auf einmal kamen diese ganzen unterdrückten Gefühle hoch. Ich konnte sie nicht zurückhalten und...“

„Moment!“, unterbrach ihn der Jüngere, hob den rechten Zeigefinger und rieb sich mit der anderen Hand die Schläfe, als habe der letzte Satz sein System soeben komplett überlastet und er müsste sämtliche Informationen erst einmal neu ordnen. „Von wie lange unterdrückten Gefühlen sprechen wir hier? Seit wann geht das?“

„Seitdem du beim O.S.I.R. angefangen hast.“

„Mein Gott, Peter! Ich habe vor fünf Jahren beim O.S.I.R. angefangen!“, er hielt sich die Hand vor den Mund, als ihm bewusst wurde, welche Ausmaße das Geständnis seines Kollegen hatte. Wenn er nicht sowieso schon sitzen würde, hätte er sich jetzt setzen müssen. Nun wurde ihm einiges klar, unter anderem warum sich Peter von Anfang an so herzlich und aufgeschlossen ihm gegenüber verhalten hatte. Das erlebte er selten, normalerweise hielten ihn seine Mitmenschen beim ersten Eindruck für arrogant und gingen auf Abstand. Nicht so Peter Axon. Er bemühte sich darum, ihn näher kennenzulernen, was bald dazu führte, dass er der Einzige beim O.S.I.R. war, den Curtis als guten Freund bezeichnete. Er war auch der Einzige, der ihm damals vor zwei Jahren seine Beförderung gönnte und das obwohl ausgerechnet er selbst damit übergangen wurde. Curtis erinnerte sich noch gut an die verständnislosen, missgünstigen, feindseligen Blicke von Doyle, Donner, Davison und vielen anderen, weil sie Peter die Beförderung deutlich mehr gegönnt hätten. Er konnte auch selbst nicht nachvollziehen, wieso Elsinger einen Mann überging, der dreimal so lange für das O.S.I.R. arbeitete und ein wirklich hervorragender Ermittler war. Die bösen Blicke belasteten Curtis nicht, aber sein eigener Gerechtigkeitssinn und er hätte den Posten fast abgelehnt, wenn ihn nicht Peter persönlich dazu überredet hätte, ihn anzunehmen. Er freute sich für ihn und neidete ihm die Stelle nicht, er beklagte sich nicht über die Unfairness, sondern stand hinter ihm. Er hatte zu der Zeit ja keine Ahnung, dass so viel mehr hinter seinem Verhalten steckte. Wie konnte er diese ganzen Anzeichen übersehen?

„Ich fand dich umwerfend, seit ich dich zum ersten Mal getroffen und mit dir gesprochen habe, aber bitte denk deswegen nicht, dass meine Freundschaft nicht aufrichtig war, denn das war sie“, Peter sah sich verpflichtet, das klarzustellen, denn da er aufgrund der Tatsache, dass Curtis verheiratet war, frühzeitig davon Abstand genommen hatte, ihn je bekommen zu können, war ihm die Freundschaft umso wichtiger. Sein Herz bekam das mit dem Abstand nehmen allerdings nicht hin, was dazu führte, dass er sich von seinem damaligen Lebensgefährten trennte und es ihm in all den Jahren nicht gelang, eine neue Beziehung aufzubauen. Curtis Rollins füllte unablässlich seine Gedanken und Wünsche aus und er war dagegen machtlos. „Gestern Nacht, da... ich konnte mich nicht mehr beherrschen, ich wollte bloß für dich da sein, aber als wir dort saßen und... ich konnt’s nicht mehr“, resümierte er angeschlagen und fühlte sich auf einmal furchtbar schlecht, weil er den angetrunkenen Zustand seines Freundes ausgenutzt hatte. „Es tut mir leid, dass...“

„Oh nein!“, unterbrach ihn Curtis erneut, denn er ahnte worauf das ansonsten hinauslaufen würde und er hatte etwas ganz anderes im Sinn. „Diesen Stein hast du ins Rollen gebracht und so leicht kommst du mir jetzt nicht davon. Du hast mich zwar geküsst, als ich betrunken war, aber soweit ich mich erinnern kann, hat sich das durchaus gut angefühlt. Nun würde ich gerne mal wissen wie es ist, wenn wir nüchtern sind.“  

Peter traute seinen Ohren nicht. Die vielen Worte der Entschuldigung, Rechtfertigung und Besänftigung, die er sich zurechtgelegt hatte, zerfielen in seinem Kopf wie ein Kartenhaus. „Meinst du das ernst?“, fragte er perplex. Sein Herz raste.

„Komm her!“

Mit weichen Knien kam er der Aufforderung nach und er war froh, als er wieder auf der Couch saß. Schon tausendmal hatte er in die schönen tiefdunklen Augen seines Gegenübers geschaut, aber jetzt wagte er kaum den Blick zu heben. Schließlich tat er es doch und auch wenn er wusste, was geschehen würde, überwältigte ihn das schmerzhafte Verlangen so sehr, dass es fast zu viel für ihn war. Seine ganze unterdrückte Liebe legte er in den Kuss, in diesen einen Moment, der die Erfüllung seiner Träume der letzten fünf Jahre darstellte. Er hätte am liebsten niemals aufhören wollen. Er hätte ihn küssen wollen bis er ohnmächtig wurde – vor Atemlosigkeit oder Glück, das war egal.

Doch bald realisierte er, dass er das gar nicht musste, denn es sollte nur der erste von vielen Küssen sein...


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Fortsetzung folgt bald... :)
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