Afterlife

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
08.10.2017
04.03.2018
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Temari wurde vom Klingeln ihres Handys aus dem Schlaf gerissen.
Mit erneuten Kopfschmerzen suchte sie nach dem lärmenden Gegenstand und fand diesen neben sich auf dem Fußboden wieder. Es steckte noch in ihrer Hosentasche, welche sie gestern Nacht anscheinend unachtsam neben sich geworfen hatte.
Und warum lag sie überhaupt hier auf dem Fußboden? Kein Wunder, dass ihr der Rücken weh tat.
Egal, zuerst musste sie den Anruf beantworten.
„Ja. Sabakuno Temari hier?“
„Sag mal Temari. Wo zur Hölle steckst du?! Wir waren schon seit einer Stunde zum Sport verabredet?“
„Sorry. Wer ist dran?“
„....dein Ernst? Ich bin es! Sakura! Ich hab bei dir jede Woche Dauertermine. Du trainierst mich doch schon seit einer Ewigkeit. Klingelts' bei dir?“.
„Ach du Scheiße! Wie spät ist es überhaupt?“, fragte sich die Blonde und sah sich im Raum um, wo sie doch tatsächlich eine Uhr erblickte.
Es war bereits kurz nach zehn! Das war ihr noch nie passiert, dass sie einen beruflich relevanten Termin vergessen hatte. Dafür war sie zu zuverlässig!
„Scheiße. Sakura. Tut mir so leid. Ich beeil mich und komm gleich zu dir“
„Temari...egal. Du hörst dich irgendwie krank an. Miss doch bitte mal deine Temperatur und sieh nach ob du Fieber hast.“
>Nein, ich hab einen fetzen Kater, aber das kann ich dir nicht sagen<, antwortete Temari in Gedanken.
„Lassen wir es für heute gut sein. Wir treffen uns einfach nächste Woche wieder. Wie üblich, ja?“.
„Ähm..ja ok. Danke“, antwortete die Blonde mit immer noch kratzender Stimme.
„Kein Problem. Gute Besserung“. Und damit hatte die Pinkhaarige auch schon aufgelegt.

Schmerzhaft stöhnend setzte Temari sich auf. Ihr Rücken fühlte sich so gerädert an und ihr Schädel brummte noch vom Alkohol den sie gestern Nacht kopflos weggekippt hatte.
„Naa? Hats dir auch so gefallen wie mir gestern Nacht?“
Temari erschrack schon fast, als sie diese säuselnde Stimme neben sich hörte. Ihr war erst nicht aufgefallen, dass noch jemand neben ihr am Fußboden gelegen hatte.
„Äh ja, klar“, antwortete die Blonde nicht wahrheitsgemäß, denn wenn sie ehrlich war, konnte sie sich eigentlich an den Sex gar nicht mehr erinnern. Geschweige denn, wie sie überhaupt hierher gekommen war.
Sie betrachtete die Frau neben sich. Sie war etwas älter als sie selbst, aber nicht unattraktiv. Sie hatte langes, gelocktes, schwarzes Haar und dunkelblaue Augen.
Aber irgendwie war Temari dennoch nicht zufrieden damit, wie der gestrige Abend ausgegangen war. Sie erinnerte sich wieder daran, wie TenTen sie abgewiesen hatte und war bereits wieder etwas genervt.
„Hey. Ich würde schnell duschen gehen und wenn du willst, kannst du ja noch etwas bleiben und auf mich warten. Dann könnten wir mit Runde fünf weiter machen. Meinst du nicht auch?“, wurde sie von der etwas Älteren mit einem Zwinkern gefragt.
Was?! Hatten sie es gestern Nacht so oft miteinander getrieben?
Zu schade, dass sich Temari an nichts mehr erinnern konnte.

Die Schwarzhaarige erhob sich vom Boden und wankte, noch etwas benommen, in Richtung Badezimmer. Wenige Sekunden später, konnte Temari auch schon den Wasserstrahl einer Dusche hören.
Nichts wie weg hier.

Während sie sich ihr weißes Top wieder anzog und im Raum nach ihrer Lederjacke suchte, hörte sie erneut ihr Handy klingeln.
Oh je. Hatte sie heute noch jemanden vergessen?
„Hallo. Sabakuno hier“
„Mensch Temari. Endlich gehst du mal an dein Handy. Was meinst du, wie lange ich schon versuche dich zu erreichen?“
Es war Lee.
Temari war erleichtert eine bekannte Stimme zu hören.
„Sag schon, Maus. Wo bist du gerade? Ich hohl dich ab, ja?“
„Ich...weiß selber nicht so genau wo ich bin. Bin gerade erst aufgestanden“
„Dann guck aus dem Fenster und sag mir was du erkennst“
Temari trat nun näher an die Fensterscheibe heran und warf einen Blick nach draußen. Dort draußen erblickte sie viele Kinder, welche an mehreren Schaukeln und verschiedenen Rutschen spielten. Sie konnte sie fast schon lachen hören, so laut waren sie.
„Ich glaub...da ist ein Kindergarten“
„Sehr gut. Erkennst du Rutschen in der Form verschiedener Tiere? Einen Elefanten und eine Schlange und so?“
„Woher weißt du das so genau?“, wunderte sich die Blonde.
„In den Kindergarten bin ich früher gegangen“, konnte sie Lee von der anderen Seite des Telefons aus lachen hören. „Komm einfach nach draußen. Ich weiß wo du bist. Bin gleich da, ok?“
„ok. Danke Lee“
„Kein Problem“ Und so hatten sie auch schon aufgelegt.
In solchen Momenten konnte Temari nicht genug Göttern danken, dass sie solch ein Glück mit ihren Freunden hatte.
Ihr war augenblicklich ein Gewicht von den Schultern genommen worden.

Nun etwas ruhiger, klaubte sie ihre Jeans vom Boden auf, kontrollierte ob sie noch alles dabei hatte und besaß auch damit Glück. Geldbeutel und Haustürschlüssel waren noch in den Hosentaschen.
Schnell hatte sie sich komplett angezogen und war ohne zu zögern aus der fremden Wohnung verschwunden.
Sie fuhr mit dem Aufzug nach unten in das Erdgeschoss und verließ erleichtert das Gebäude. Draußen konnte sie nun tatsächlich die Kinder lachen und spielen hören.
Gerade als sie näher zum Kindergarten gehen wollte, damit ihr bester Freund sie besser finden konnte, blieb sein Auto auch schon neben ihr stehen und lies das Fenster auf der Beifahrerseite herunter.
„Guten Morgen, meine Schönheit. Bitte einsteigen“, witzelte er wie immer gut gelaunt wartete darauf, dass sie sich neben ihn auf den Beifahrersitz fallen lies, was sich Temari nicht zweimal sagen lies.
Sobald sie es sich auf dem Platz gemütlich gemacht hatte, vernahm sie den angenehm, herben Geruch frisch gebrühten Kaffees und etwas Süßem.
Sofort machte sich auch schon ihr Bauch bemerkbar und grummelte leise.
„Frühstück, mein Schatz?“, fragte Lee sofort und lachte, als er das leise Grummeln ihres Magens vernommen hatte.
„Ich war gerade beim Bäcker. Ist Latte Macciato und Blaubeer-Muffin in Ordnung?“, fügte er noch hinzu und reichte Temari einen großen Thermobecher mit der warmen, versprochenen Flüssigkeit und einer kleinen braunen Tüte, in der sich das süße Gebäck befand.
„Wow Lee. Wenn ich nicht lesbisch wäre, würde ich dich auf der Stelle heiraten“, bedankte sich die Blonde und erntete ein erneutes Lachen auf Seiten des Fahrers.
„Das will ich ja mal schwer hoffen“, antwortete dieser und setzte den Wagen wieder in Bewegung.
„Ich fahr gleich zu dir. Passt dir das Temari?“
„Klar. Danke fürs Abholen. Hättest du wirklich nicht machen müssen, nachdem ich gestern so eklig zu dir war. Tut mir echt leid, Lee“, entschuldigte sich Temari, nachdem sie einen großen Schluck des warmen Kaffees getrunken hatte.
Er tat so gut. Es fühlte sich fast so an, als würde sich das Kratzen in ihrer Stimme geradezu in Luft aufzulösen.
„Entschuldigung angenommen. Was war denn gestern los? Du warst überhaupt nicht du selbst?“
Auf diese Frage hin schwieg Temari erst einmal und nahm einen großen Bissen vom Muffin. Als sie diesen fertig gekaut und geschluckt hatte war sie sich immer noch nicht so sicher, wie sie antworten sollte.
„Ganz ehrlich? Ich weiß selbst nicht so genau. War wohl einfach nicht mein Tag gestern“, gab sie schließlich zur Antwort und gab eher sich selbst damit zufrieden, als ihren Gesprächspartner, der dies zu merken schien.
„Sag. Ist was passiert?“
„Ich hab gestern jemanden kennen gelernt … und dachte mir eigentlich, dass ich mit ihr die Nacht verbringe. Aber ich hab einen fetten Korb gekriegt“, antwortete Temari dann doch ehrlich und bekam das Verblüffen ihres Sitznachbarn nur allzu deutlich mit.
„Du?! Einen Korb?!“
„Ja! Hab ich doch schon gesagt“, bestätigte die Blonde diese Tatsache nur ungern und biss nun etwas schmollend ein weiteres Mal vom Muffin ab.
Gütig überhörte sie das Lachen des Schwarzhaarigen.
„Das ich das auch mal erleben darf. Wie sah sie denn aus? War sie denn sehr hübsch?“
„Nun übertreib mal nicht. Und ja, sie war ganz nett“
„Ganz nett?!“, kam es von Lee, der die ganze Sache wohl sehr amüsierend fand.
„Ich verzeih dir, dass du mich hier auslachst, weil du mich gerade kutschierst und mich fütterst, aber ewig lange ist mein Geduldsfaden nun auch nicht“, mahnte ihn Temari, was ihrem Fahrer mehr als nur Wurst war.
„Na komm schon. Erzähl weiter. Ich will alles wissen“, hackte Lee weiter nach, komplett die vorherige Warnung ignorierend.
„Na ja. Ich hab eigentlich geflirtet wie sonst auch, aber die war so prüde, dass sie gleich aufgestanden und gegangen ist! Diese TenTen hat mir sogar noch an den Kopf geworfen, dass ich ihr 'Vom Leib bleiben' soll! … oder so ähnlich. Kannst du dir das vorstellen?!“, brabbelte Temari weiter und redete sich dabei wieder völlig in Rage, sodass sie das ausbleibende Lachen ihres Freundes gar nicht bemerkte.
Schmollend wie ein Kleinkind biss sie groß von ihrem Gebäckstück ab und kaute dieses beleidigt über die Erinnerungen.
„Was hast du gesagt?“, fragte Lee noch einmal ungläubig nach. Er lachte nicht mehr. Er grinste nicht einmal mehr.
„Na, dass ich ihr vom Leib bleiben soll“, wiederholte Temari noch einmal undeutlich, da sie immer noch Muffin im Mund hatte.
„Nein. Das mein ich nicht. Ihren Namen. Sag mir den noch mal, bitte“
„TenTen. Warum? Kennst du sie?“, fragte Temari ungläubig nach und registrierte jetzt erst, wie ruhig der neben ihr Sitzende geworden war.
„Nein. Aber darum ging es mir gar nicht. Mir geht es eher darum, dass du dich an ihren Namen erinnern kannst. Ich hab das noch nie mit erlebt, dass du dich jemals an jemandes Namen erinnern hättest können, mit dem du im Bett gewesen warst. Sag bloß die Hübsche hat dich gestern so traumatisiert, dass du ihn dir deswegen gemerkt hast?“
Temari überlegte.
Das war ihr gar nicht so recht aufgefallen.
Hatte sie sich bis jetzt wirklich an niemanden erinnert? Machte TenTen deswegen einen Unterschied, weil sie von dieser ihren ersten Korb bekommen hatte?
„Hmm“, gab Temari nur als Antwort, da sie nun selbst nicht mehr so genau wusste, was sie antworten sollte.
„Oh je. Das muss ich heute gleich Konan und Karin erzählen. Sowas Spannendes passiert so schnell nicht nochmal“, freute sich Lee schon voreilig, wurde aber dann sofort wieder aus dem Triumph-Gedanken gerissen, als sofort eine Frage kam, die ihn so gar nicht schmeckte.
„Ist gestern eigentlich noch was zwischen dir und Shino passiert? Irgendwas....Spannendes?“
Temari musste sogleich grinsen, als sie das bestätigende, errötete Gesicht ihres Freundes erblickte. Er konnte nicht einmal lügen, wenn er es wollte.
„Nichts...Besonderes“, kam nur als unbefriedigende Antwort, woraufhin Temari noch einmal nachhaken musste. „Sag doch. Ich hab dir von gestern auch alles wahrheitsgemäß erzählt“
„Wir...haben uns geküsst“, stammelte Lee so leise in sein Lenkrad hinein, dass ihn nicht einmal dieses verstehen hätte können. Doch Temari hatte nur allzu gut verstanden.
Freudig kreischte sie auf und klatschte in die Hände.
„Ihr habt geknutscht! Lee und Shino haben geknuuutscht~!“. Sie war absichtlich so theatralisch und kindisch, um den Anderen ein klein wenig zu ärgern. Dieser wurde knallrot im Gesicht bis hinter beide Ohren, dass man hätte meinen können, er wolle das Stoppschild klonen.
„Aber ich freue mich wirklich so für dich. Seid ihr denn jetzt offiziell zusammen?“, fragte sie weiter mit aufkeimender Neugierde.
Lee nickte nur. Konnte anscheinend nicht mehr reden. Aber man konnte ihm deutlich ansehen, dass ihn diese Tatsache mehr als nur glücklich machte. Er war ja schon so lange in seinen Shino verliebt gewesen. Seitdem sie das erste Mal im Afterlife gewesen waren und er sich ein paar mal bei diesem etwas zu Trinken bestellt hatte.
- Mit eines der Gründe, warum das Afterlife ihre Stamm-Gay-Bar geworden war -

„Nein, aber ehrlich Lee. Ich freue mich wirklich für dich“, versicherte ihn Temari noch einmal und umarmte den Fahrenden vorsichtig von der Seite, sodass dieser nicht bei seinem Tun gestört wurde.
„Danke“, antworte dieser knapp, aber war nicht minder glücklich.
Dann hatte der gestrige Abend wenigstens für einen ein tolles Ende genommen.
„Das müssen wir feiern! Wann hast du Zeit, Lee? Und sieh gefälligst zu, dass es ein Tag ist, an dem Shino nicht arbeiten muss, dann können wir deinen Freund gleich mitnehmen zum Party machen“.
Bei dem Wort wurde die Röte in Lees Gesicht noch etwas dunkler. Das dies überhaupt noch möglich war....
„Ok. Wie wärs denn mit Freitag?“, erkundigte sich Lee bei der neben ihm Sitzenden.
„Klar. Bin dabei“, grinste die Blonde und freute sich schon darauf.
„Ich schreib gleich den anderen Zweien, dass sie sich den Freitag gefälligst frei halten sollen. Willst du es ihnen selber sagen, dass du mit Shino zusammen bist, oder soll ich es ihnen schreiben?“, fragte Temari und zückte bereits ihr Handy.
„Nein. Bitte schreib du ihnen. Ich bring das nicht noch mal fertig, jemanden davon zu erzählen.“
„Alles klar“, bestätigte Temari mit einem Grinsen und schrieb sogleich Konan und Karin, woraufhin sie fast augenblicklich freudige Antworten zurück bekam.
„Lee. Ich soll dir von beiden ausrichten, dass sie am Freitag auf jeden Fall kommen werden und du dich auf viele dicke Knutscher bereit machen sollst“
„Ha. Das hört sich doch toll an. Ich liebe Knutscher von schönen Frauen. Von den drei schönsten Frauen auf der Welt“.
„Alter Schleimer“, triezte ihn Temari, war aber froh zu hören, dass er nun wieder er selbst war.
Der Freitag konnte ihrer Meinung nach gar nicht schnell genug kommen.
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