Der Feind in meinem Bett

GeschichteKrimi, Thriller / P18
07.10.2017
26.04.2018
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Hallo, liebe Leser.


Willkommen zu meiner neuen Geschichte, basierend auf der Serie "Criminal minds". Ich hoffe, sie gefällt euch. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.


Liebe Grüße

Addison



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1. Kurzer Prozeß




Als er den Boden berührte, war er längst tot. Eine Kugel hatte ihn mitten ins Herz getroffen. Das Letzte, an das er gedacht hatte, waren seine Frau und die Zwillinge, die kleinen Mädchen, die gerade einmal drei Jahre alt waren. Würden sie sich noch an ihn erinnern, wenn er nie wieder nach hause kommen würde? In diesem Augenblick schloß er die Augen für immer.



Der Mann, der ihn erschossen hatte, hatte keine Gefühlsregung gezeigt. Es schien ihm, egal zu sein, daß er gerade ein Leben beendet hatte. Für einen Augenblick zeigte sich nur eine Art Genugtuung in seinen Gesichtszügen, bevor es wieder versteinerte.
Sekundenlang hatte er nur schweigend da gestanden und hatte überlegt, was jetzt mit dem Leichnam geschehen sollte. Die Gedanken machte er sich öfter, denn es war ihm ein Bedürfnis, daß Leichen nicht so schnell entdeckt wurden, am besten schon, wenn sie bereits verwest waren und man sie kaum oder gar nicht identifizieren konnte. Am besten war natürlich, daß man sie gar nicht finden würde.
Einer seiner Männer, groß, breitschultrig, gut durchtrainiert, genau das Gegenteil von ihm, stand neben ihm und blickte längere Zeit auf den toten Mann zu seinen Füßen. „Mußte das wirklich sein, Boss?“, fragte der Hüne.
Sein Boss schob die Waffe, mit der er eben noch regungslos einen Menschen getötet hatte, zurück unter sein schwarzes Jackett.  „Es war längst überfällig.“
Der Hüne runzelte die Stirn. „Was hat er getan?“
„Er ist ein Bulle.“ Sein Boss blickte abfällig auf den Leichnam. „Ich korrigiere: Er war ein Bulle.“
„Warum ist mir das nie aufgefallen?“
„Weil du ein Idiot bist.“ Mit diesen Worten ging sein Boss wieder hinein ins Haus, ein große geräumige Villa am Stadtrand von Washington, zu der ein großer Swimmingpool, ein Springbrunnen, ein Pavillon und eine riesige Gartenanlage zählten.
„Was soll ich jetzt mit ihm machen, Boss?“, fragte der Hüne ratlos.
Sein Boss blickte sich noch einmal um und atmete tief durch. Er wollte nicht aufbrausend wirken, aber manchmal ging es nicht anders. War er denn nur noch von Idioten umgeben? Es mußte sich dringend etwas ändern. So ging das nicht weiter. Zwei Leichen pro Woche waren eindeutig zu viel. Das würde irgendwann auffallen. Und den Bullen würde man auf jeden Fall vermissen.
„Laß ihn verschwinden.“, war seine Antwort.
Karl, der Hüne, kaute nachdenklich auf der Unterlippe herum. Seine Unsicherheit bemerkte sein Boss sofort.
„Und nicht wieder auf der Müllkippe außerhalb der Stadt.“, meinte er, seine Gedanken lesen zu können. „Such' dir dieses Mal ein anderes Versteck! Der Typ darf nicht so schnell gefunden werden.“
„Geht klar, Boss.“ Karl machte sich daran, den Leichnam des Mannes zu entsorgen, wie sein Boss es von ihm verlangte. Allerdings konnte er immer noch nicht verstehen, warum dieser das getan hatte. Sam war doch ein toller Typ gewesen, der Beste, mit dem er je zusammen gearbeitet hatte. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, daß der Mann ein Cop war. Aber wenn es doch so war, hatte sein Boss absolut recht. Sam mußte verschwinden und durfte nicht gefunden werden.



Sean hatte alles mit angesehen, und er hatte nichts machen können. Sein Freund und Partner war regelrecht hingerichtet worden. Brian O'Hare hatte nicht einmal mehr eine Erklärung abgeben können, bevor die Kugel ihn tödlich getroffen hatte.
Sean fragte sich, was passiert war und wie Ian Doyle herausgefunden hatte, daß Brian ein Agent war. Er war doch so vorsichtig gewesen. Sie alle waren vorsichtig, um ihre Tarnung nicht zu gefährden. Und er selbst hatte Brian O' Hare für einen der fähigsten Agenten gehalten, die Interpol jemals hatte.  
Er kannte Kayla, Brians Frau sehr gut. Sie hatte sich immer Sorgen gemacht, daß ihr Mann eines Tages nicht mehr nach hause kommen würde, weil es ihn im Einsatz erwischt hatte. Und dieser Einsatz dauerte schon viel zu lange.
Er, Sean, hatte die Leitung dieses Einsatzes, der jetzt schon ein halbes Jahr andauerte. Und im Grunde genommen waren sie noch nicht einen Schritt weiter gekommen. So sehr sie sich auch bemühten, Ian Doyle war, nicht leicht zu täuschen und ihnen immer einen Schritt voraus. Und witterte er auch nur einen Hauch davon, hintergangen zu werden, gab es für denjenigen keine Gnade. Eingeschleuste Agents in seinem Umfeld wurden gnadenlos ausgeschaltet.




Immer wenn sie einen Schuß hörte, wurde sie nervös. Das verhieß nichts Gutes. Es bedeutete meistens, daß jemand sein Leben verloren hatte. Und sie betete jedes Mal, daß niemand von ihrem Team enttarnt und daraufhin hingerichtet worden war. Denn in dieser Hinsicht war Ian Doyle gnadenlos. Undichte Stellen stopfte er sofort. Schlampigkeit konnte er sich nicht leisten. Daß er immer überaus strategisch vorging, war das Geheimnis seines Erfolges. Wer nicht für ihn und seine Überzeugungen war, war gegen sie und wurde beseitigt. Daß bei ihm US-Agenten herum schnüffelten, konnte er sich schon gar nicht leisten. Bei wo was war er immer übervorsichtig.
Mit zittrigen Händen deckte sie eine Memory - Karte auf und bemerkte gar nicht, daß es die Falsche war. Erst als der kleine Junge neben ihr vor Freude jauchzte, daß sie nicht die Katze sondern den kleinen Vogel gefunden hatte, wurde sie aus ihren Gedanken gerissen.
„Das war nicht die Katze.“, erkannte der kleine vierjährige Junge mit dem hellblondem Haar begeistert. „Die Katze ist hier.“ Er griff blitzschnell über den Tisch und brachte seinerseits die beiden gleichen Katzen auf seinem schon ziemlich hohen, im Gegensatz zu ihrem, Kartenstapel in Sicherheit.
Sie reagierte nicht, Deshalb wiederholte er seine Äußerung noch einmal auf Französisch.
Sie sah ihn nachdenklich an. Dann nickte sie, während sie sich ein Lächeln abrang.
„Jetzt darf ich noch mal.“ Der Junge deckte eine weitere Karte auf. Erst den kleinen Vogel, dann den Hund, schließlich das Eichhörnchen und zu guter letzt noch die Eule.
Doch sie war mit ihren Gedanken ganz woanders. Sie blickte durch das Fenster in den Vorgarten. Aber von dort aus, schien das Geräusch, was sie vernommen hatte, nicht gekommen zu sein. Aber es war ganz sicher ein Schuß gewesen. Sie hatte sich bestimmt nicht getäuscht.
„Der Kleine zockt dich aber ganz schön ab.“, vernahm sie dann die dunkle rauchige Stimme des alten Mannes, der in einem Rollstuhl neben dem Wohnzimmertisch saß und in einer Tageszeitung las.
Er musterte sie eindringlich über die Zeitung und seine Lesebrille hinweg. Sein Blick ging ihr immer durch Mark und Bein. Es kam ihr manchmal so vor, als wenn dieser alte Lüstling, der bereits über 80 war, mit zerzaustem grauem Haar und stinkigem Atem, sie mit seinen Blicken ausziehen würde. Aber den Gedanken verwarf sie gleich wieder. Denn so ein alter kranker Mann konnte ihr sicher nicht gefährlich werden. Er war im Grunde genommen, nur zu bedauern.
„Lauren?“ Sie vernahm die Stimme des alten Mannes erneut.
Sie blickte ihn an. „Entschuldige, was sagtest du, George?“, fragte sie ihn auf französisch.
Er faltete die Zeitung akkurat zusammen und legte sie auf den Tisch. „Woran denkst du?“, entgegnete er jetzt auch in französisch.
Sie seufzte und fuhr sich nachdenklich mit der Hand durch ihr schwarzes halblanges Haar. „Ich mache mir Sorgen.“
„Um Ian?“
Sie nickte.
George grinste. „Das mußt du nicht. Er hat alles im Griff.“
„Ich weiß.“ Sie hielt inne. Sie wußte nicht genau, ob sie ihm gegenüber ihre Bedenken äußern sollte. Doch sie entschied sich dafür. „Aber hast du das Geräusch eben nicht gehört?“
Der Alte schüttelte den Kopf. „Nein, habe ich nicht. Was glaubst du denn, gehört zu haben?“
„Es klang wie ein Schuß.“
Der Alte verzog grinsend den Mund. „Wahrscheinlich hat wieder so ein Idiot versucht, seine Waffe zu reinigen, und dabei hat sich aus Versehen ein Schuß gelöst. Ist mir auch schon passiert.“ Er hustete, während er sich eine Zigarette anzündete und schließlich genüßlich den Rauch durch seine Lippen entweichen ließ. „Ich hab' mir mal beim Reinigen einer Waffe in den Fuß geschossen und konnte drei Monate nicht richtig laufen.“
„Wirklich, Grandpa?“ Der kleine Junge grinste ihn schelmisch an.
Der Alte nickte. „Ja,... dein Grandpa war nicht immer so ein alter Kauz, wie er es jetzt ist.“
„Erzählst du mir eine Geschichte?“, fragte der Junge aufgeregt in Französisch. Seine Frage war noch etwas holprig, aber man merkte, daß er bei Lauren schon einiges gelernt hatte. Und er hatte auch das Gespräch zwischen Lauren und seinem Großvater verstanden.
„Worüber?“
Der Junge überlegte, während sie die Karten zusammensammelte und alle auf einen Stapel legte. Die Aufmerksamkeit für das Spiel hatte sein Großvater dem Kleinen genommen.
„Von Dumbo, dem Elefanten, der fliegen kann.“, erwiderte der Junge begeistert.
Der Alte hustete etwas. „Nein, das ist doch langweilig. Du bist doch schon ein großer Junge, nicht wahr, Declan?“
Der Junge nickte wild.
„Dann werde ich dir jetzt mal die Geschichte erzählen, wie dein Dad und ich unseren ersten großen Coup geplant haben, damals, als wir noch in Nordirland lebten. Dein Dad und ich gehörten nämlich der IRA an.“, erzählte George begeistert.
Lauren sprang auf. „Ich denke nicht, daß die IRA das richtige Thema für eine Kindergeschichte ist.“
Der Alte grinste, denn er sah das Entsetzen im Gesicht der jungen Frau. „Es ist nie zu früh, ihm etwas über unsere Ziele und unsere Ideale zu berichten. Er muß doch schließlich wissen, was wir für Helden sind.“ Sein Französisch war bereits etwas eingerostet, aber sie verstand jedes Wort.
Sie sah ihn perplex an. „Egal, ob Helden oder nicht. Er ist noch zu jung für solche Geschichten.“ Sie ergriff die Hand des Jungen. „Komm' mit, Declan. Ich lese dir die Geschichte von Rotkäppchen und dem Wolf vor.“
„Du hast recht, Lauren. Die Geschichte ist natürlich viel spannender.“, feixte der Alte.
Declan blickte sie mit seinen strahlend blauen Augen, die er eindeutig von seinem Vater hatte, etwas enttäuscht an. „Aber ich wollte lieber die Geschichte von Grandpa hören.“
„Später.“ Sie zog ihn mit sich und schloß die Tür.
Draußen auf dem Flur hörte sie den Alten immer noch husten. Er würde irgendwann noch mal an seiner Nikotinsucht sterben.
„Wann ist später?“, fragte Declan.
„Wenn du alt genug bist.“
„Wann bin ich alt genug?“, bohrte er weiter, als sie ihn die Treppe hinauf führte und zu seinem Zimmer brachte.
„Wenn du erwachsen bist.“
„Das ist noch viel zu lange hin.“ Der Kleine schien sichtlich enttäuscht.
Sie mußte seine Frage korrigieren, da sie auf französisch grammatikalisch nicht korrekt war. Sie wollte gerade die Tür zu seinem Kinderzimmer öffnen, als diese bereits von innen geöffnet wurde und eine junge dunkelhaarige schlanke Frau mit einem Staubwedel in der Hand aus dem Zimmer kam.
Diese erschrak für einen Moment, als sie die beiden entdeckte, denn sie hatte wohl nicht erwartet oder eher gehofft, daß ihr niemand begegnen würde.
„Oh, Lauren.“ Die junge Frau atmete erleichtert auf. Man sah ihr an, daß sie etwas zu Tode erschreckt haben mußte.
„Was ist, Shannon?“, fragte Lauren besorgt.
„Ich muß dich sofort sprechen.“, zischte Shannon auf Französisch. Ihr Blick fiel auf Declan. Sie machte eine entsprechende Bewegung mit dem Kopf, die Lauren signalisierte, daß sie den Jungen ins Zimmer schicken sollte.
„Geh' doch schon mal vor, Declan und schau' in deinem Märchenbuch nach, welche Geschichte ich dir vorlesen soll. Ich komme sofort wieder.“
Der Junge enterte sofort sein Zimmer, als Shannon hinter ihm die Tür zu zog. Dann packte sie Lauren am Oberarm und zog sie in eine kleine Nische auf dem Flur.
„Was ist denn los?“, fragte Lauren leise, dieses Mal auf englisch.
„Hast du den Schuß vorhin gehört?“, flüsterte Shannon ebenfalls auf englisch.
Lauren nickte.
„Das macht mich nervös.“
„Mich auch.“, erwiderte Lauren. „Kannst du dir vorstellen, was passiert sein könnte?“
„Ich hab' vorhin mitbekommen, daß Doyle ziemlich wütend war, weil er glaubte, ein Cop hätte sich in seine Organisation eingeschleust.“, erzählte Shannon.
„Das kann doch nicht sein. Wir sind doch alle so vorsichtig gewesen.“
„Und was ist, wenn er doch jemanden von uns enttarnt hat?“ Shannon sah sie besorgt an.
Lauren strich sich eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht. „Doyle weiß nichts, glaub' mir.“, versuchte sie, sie zu beruhigen.
Shannon schüttelte den Kopf. „Wir müssen unbedingt Clyde kontaktieren. Unsere Mission verselbständigt sich. Wir verlieren die Kontrolle, Emily.“
„Beruhige dich, Tsia.“ Lauren, die eigentlich Emily hieß, strich ihr angespannt über die Schulter. „Alles ist okay. Niemand wurde enttarnt.“
„Ich hab' da so ein ungutes Gefühl. Jeremy hat vorhin angedeutet, daß Brian versucht hat, mit Clyde Kontakt aufzunehmen. Wenn Doyle ihn erwischt hat, befürchte ich das Schlimmste.“
„Brian ist ein erfahrener Agent.“, wisperte Emily. „Er wird sich schon zu wehren wissen.“
„Und was ist, wenn Doyle ihn hat hinrichten lassen?“ Tsia sah sie zweifelnd an. „Erinnere dich doch mal an die Typen vom FBI vor drei Monaten, die versucht hatten, Doyle etwas Illegales zu beweisen. Die hat er auch einfach so verschwinden lassen. Bis heute wissen wir nicht, was mit denen passiert ist.“ Sie atmete schneller als sonst.
„Wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren.“  
„Ich verstehe nicht, wie du dabei so ruhig bleiben kannst.“, entgegnete Tsia. „Wir müssen endlich einen Weg finden, um mit Clyde Kontakt aufzunehmen, sonst sind wir geliefert. Wir brauchen dringend Hilfe von außerhalb. Lange halte ich das hier nicht mehr aus. Jeden Tag muß man Angst haben, daß Doyle die Nerven verliert und uns eine Kugel in den Kopf jagt.“
„Nun übertreib' mal nicht.“, erwiderte Emily. „Er hat doch keine Ahnung, wie unterwandert er ist. Du siehst wieder einmal Wolken, wo gar keine sind. Er weiß gar nichts, glaub' mir.“
„Ach, ja?“ Tsia sah sie etwas abwertend an. „Was erzählt er dir denn, wenn du neben ihm im Bett liegst?“
„Glaubst du etwa, mir macht es Spaß, mich Doyle an den Hals zu werfen?“, bemerkte Emily leicht genervt.
„Manchmal kommt es mir so vor, als wärst du die perfekte Gangsterbraut.“
Emily atmete tief durch. „Ich weiß auch, daß die Mission schon viel zu lange dauert. Und dennoch bin ich mir sicher, daß Doyle etwas vor hat, etwas ganz Großes. Und wenn wir nicht dahinter kommen, was genau er plant, wird das sicher Auswirkungen haben.“
Tsia mußte sich erst einmal selbst beruhigen. Manchmal fiel das sehr schwer. „Entschuldige, Em, ich hab's nicht so gemeint.“
„Ich versteh' schon. Diese Situation ist belastend für uns alle. Wir dürfen nur nicht zulassen, daß sie unerträglich wird. Brian wird sicher nichts passiert sein.“
„Du hast ja recht. Ich übertreibe wie immer.“, erkannte Tsia. „Aber lange halte ich das nicht mehr durch. Ich muß endlich hier raus. Sonst werde ich noch verrückt.“
Emily nickte. „Ich denke nicht, daß das hier noch länger als einen Monat dauert. Denkst du, du hältst das noch so lange durch?“
„Sicher,... ich bin doch kein Anfänger.“
Emily griente. „Nein, du bist ein Profi.“
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