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Zwei mit gleichem Schlag

Kurzbeschreibung
CrossoverAbenteuer, Freundschaft / P16 / Gen
Peter Parker / Spiderman
06.10.2017
06.11.2017
24
113.630
12
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06.10.2017 4.658
 
Oh Gott, das waren grauenhafte Kopfschmerzen. Was war nur passiert? Alles tat ihm weh. Jedes Körperteil fühlte sich zentnerschwer an. Er konnte sich gar nicht rühren. Er konnte... nein, das lag gar nicht an den Schmerzen oder der bleiernen Schwere! Sondern daran, dass seine Hand- und Fußgelenke gefesselt waren. An die harte Unterlage auf der er lag!
Ganz benommen und verwirrt blinzelte er die Augen auf und erkannte verschwommen einige Gestalten um sich herum stehen, die – so stellte er fest, nachdem sein Blick etwas klarere geworden war – so etwas wie Labor- oder Chirurgenkleidung trugen. Er wollte so gerne fragen, was hier vor sich ging. Aber er konnte nicht, denn sein Mund war mit festem Klebeband verschlossen.
„Er ist wach“, bemerkte einer der Männer und nickte in seine Richtung.
„Schon? Na macht nichts. Dann können wir ja gleich die Tests für Schmerzempfinden durchführen und sehen, wie viel er aushält und wie schnell Verletzungen heilen. Dann brauche ich noch zusätzliche Gewebeproben und mehr Blut. Die Organe entnehmen wir dann morgen oder übermorgen. Und passt mir auf den Kopf auf. Das Gehirn muss für die Untersuchungen intakt sein. Aber mit den Augen könnt ihr schon anfangen. Ich brauche auch Proben von der Netzhaut.“
Ganz entsetzt starrte er diese seltsamen Gestalten an. Besonders den, der so eiskalt davon sprach, ihn auszuweiden. Sofort versuchte er seine Kräfte zu sammeln und sich loszureißen, musste aber schnell feststellen, dass ihm das nicht möglich war. Der Redner von eben griff fest in sein Haar und schlug seinen Kopf hart auf die metallene Unterlage, auf der er fixiert war. Sein... Haar?! Nein! Peter Parker lief es eiskalt den Rücken herunter. Sie mussten ihn demaskiert haben, als er bewusstlos war! Nein, nein, nein!Das durfte nicht passieren!
Als hätte der Typ seine Gedanken erraten, packte er mit der freien Hand sein Kinn und meinte: „Es ist immer wieder interessant, dass sich hinter harten Gegnern am Ende doch nur Menschen verbergen. Zwar... nicht so ganz normale Menschen, aber eben doch Menschen. Oder in deinem Fall... nur ein Junge. Das amüsiert mich. Umso spannender wird es, dich aufzuschneiden.“ Der Typ strich jetzt an Peters Hals entlang nach unten und über seine Brust, so als wollte er mit dem Finger schon mal den Weg vorzeichnen, den er dann mit dem Skalpell ziehen wollte.
Peters Atem beschleunigte sich ungewollt und ihm wurde ganz anders zumute. Das war ein Albtraum. Er versuchte, den Kopf zu drehen, aber der Typ ließ ihn nicht.
„Keine Sorge, es wird fast ganz schnell gehen. Und dann wird jeder wissen, dass es Hydra war, die Spider-Man ein für alle Mal erledigt haben. Und dass wir im Besitz deiner DNA und all deiner kleinen physischen Geheimnisse sind, um unsere eigenen Kämpfer mit deinen Fähigkeiten züchten zu können.“
Hydra also. Natürlich. Nur Hydra hatte solche gestörten Ärzte. Er wollte hier raus! Sofort! Aber wie, wenn er sich nicht bewegen konnte?! Sie würden ihn foltern und dann umbringen und niemand wusste, wo er war. Niemand würde ihm helfen. Seine Augen fingen an zu brennen. Nicht weinen! Bloß keine Tränen! Doch da lehnte der Typ, der anscheinend der Anführer oder Leiter dieser Hydra-Ärztetruppe war, sich schon über ihn, grinste dann und zog sich seinen Mundschutz hoch.
„Wenn ich es mir recht überlege, mache ich die ersten Schnitte besser selbst. Skalpell bitte. Damit wir dich von deinen unnützen Augenlidern befreien können. Du sollst doch sehen, was mit dir passiert, findest du nicht auch?“
Peter konnte nur wie hypnotisiert auf das Skalpell starren, dass dem Mann gereicht wurde und das sich nun seinem Gesicht näherte. Jetzt spürte er doch, wie ihm Tränen über die Wangen liefen und er kniff einfach ganz fest die Augen zusammen. Er wollte hier raus. Einfach nur nach Hause.
Kurz verstärkte sich der Griff in sein Haar, doch dann ließ der Zug nach und er zuckte kurz zusammen, als ihn etwas feuchtes Warmes im Gesicht traf. Im selben Moment hörte er aufgeregte Schreie, dann gab es eine Erschütterung auf der Unterlage, auf der er gefesselt war und er öffnete doch die Augen wieder. Nur um völlig irritiert festzustellen, dass breitbeinig und halb in der Hocke mit gezogenen Schwertern auf einmal Deadpool über ihm stand! Währenddessen brach rund um sie herum Panik unter den Hydra-Leuten aus und der leitende Arzt war nicht mehr zu sehen.
„Hey, Sweetheart! Schön, dich wiederzusehen! Und dann machst du dir auch noch die Mühe und lässt meine geheimen Bondagefantasien Wirklichkeit werden!“
Peter konnte ihn nur anstarren. Was tat Deadpool denn hier? Wieso... Woher wusste er...
Von den Seiten griffen jetzt die Hydra-Leute an und Deadpool schlug auf beiden Seiten mit den Schwertern nach ihnen.
„Jetzt! Nicht! Ich! Unterhalte! Mich!“ Jedes Wort wurde von einem Schwerthieb und Blutspritzern begleitet. Und jetzt wurde Peter auch klar, was da vorher sein Gesicht getroffen haben musste. Oh Gott, der Irre schlachtete einfach alle ab. Aber gerade wollte Peter einfach nur weg. Es war... ihm egal.
Schon war Deadpool direkt über ihm und lehnte sich zu ihm vor.
„So, wo waren wir stehengeblieben? Ah ja! Ich bin gekommen, um dich hier rauszuholen! Ich hoffe du freust dich!“
Unter dem Klebeband muffelte Peter automatisch eine Antwort und ruckte dann an den Fesseln, um deutlich zu machen, dass Deadpool ihn endlich befreien sollte. Deadpool hingegen schien die Stirn zu runzeln und kam seinem Gesicht noch näher.
„Awww, oh nein! Nicht weinen, Schätzchen! Jetzt bin ich ja da! Kriegst auch `nen Kuss von mir, dann ist AAALLES wieder gut!“
So ein Mist, er hatte die Tränen gesehen! Ausgerechnet. Mehr aus Reflex schüttelte Peter den Kopf.
Deadpool sah auf, denn die übrigen Männer hatten sich neu formiert und es schienen auch noch mehr Wachen aufzutauchen.
„Okay, jetzt werde ich wirklich böse! Wer von euch hat meinen Freund zum weinen gebracht?!“ Deadpool sprang mit einem Salto über Peters Kopf hinweg von dem Metalltisch auf dem Peter lag und auf den Boden und Peter konnte nur anhand der Geräusche erahnen, was danach um ihn herum vor sich ging. Kurz tauchte Deadpool wieder in seinem Blickfeld auf und schlug zwischen zwei Schlägen gegen seine Gegner die Metallfesseln an Peters Beinen los. Endlich! Aber seine Hände brauchte Peter viel mehr! Trotzdem nutzte er die Beinfreiheit und trat die Hydraagenten um, die zu nahe an die Metallbahre kamen. Auch wenn er dabei merkte, wie kraftlos er sich fühlte. Die hatten ihm sicher nicht nur ein einziges Medikament gespritzt.
Plötzlich war Deadpools Gesicht kopfüber direkt über seinem.
„Gleich bin ich voll für dich da. Noch ein Sekündchen Geduld, ja?“
Und noch bevor Peter sich dessen bewusst wurde, was gerade geschah, drückte Deadpool seinen Mund auf Peters und damit einen Kuss durch die Maske und auf das Klebeband. Gott sei Dank auf das Klebeband! Trotzdem wurde Peter knallrot und konnte sich erst mal nicht mehr rühren. Aber Deadpool war eh schon wieder damit beschäftigt, die restlichen Wachen auszuschalten.
Dann war es ruhig und Deadpool wieder da.
„Tut mir leid, das könnte kurz wehtun. Oh man, du weißt ja gar nicht, wie sehr ich es liebe, solche Sachen zu dir zu sagen!“
Peter protestierte noch unter dem Klebeband, aber da riss Deadpool es auch schon von seinem Mund.
„AU!“
„Ich hab mich schon entschuldigt! Halt still.“ Mit weiteren Hieben zerschlug Deadpool auch noch die Fesseln an Peters Handgelenken.
Sofort wollte der sich aufsetzen, aber ihm wurde schwindlig, also sank er wieder zurück und rieb sich erst mal über die Handgelenke. Seine Handschuhe waren weg. Also keine Spinnfäden.
„Was haben die mit dir gemacht? Haben sie dir was getan?“ Tatsächlich klang Deadpool besorgt und Peter wischte sich ganz schnell übers Gesicht. Bloß die Tränenspuren wegwischen. Ganz schnell!
„Oh... äh... warte... lass... lass mich“, forderte Deadpool dann, griff nach einem Tuch, das auf einem der Tische im Raum lag und wischte Peter das Gesicht sauber. Auch wenn der ihn gleich wegschob.
„Nicht! Hör auf!“ Aber es war wohl besser so, denn da waren ja auch noch die Blutspritzer. Trotzdem wollte er nicht, dass Deadpool ihn anfasste. Und dann war da noch etwas.
„Was tust du überhaupt hier?! Wie hast du mich gefunden?!“
Jetzt wirkte Deadpool ganz verlegen.
„Och, na ja... erinnerst du dich noch an das letzte Mal im Krankenhaus? Als du ein bisschen ohnmächtig warst? Ich dachte mir, es wäre gut, ein klitzekleines Spielzeug an dir anzubringen. Damit ich immer weiß, wo du bist... also... immer... weiß...“
„Du hast mir einen Peilsender implantiert?!“, fuhr Peter sofort hoch und griff reflexartig an seinen Unterschenkel.
„Ja, ja, ich geb` es zu, ich BIN ein Stalker. Aber ohne das Teil hätten die dich auseinandergenommen! Also sei einfach nur dankbar, okay?“
Dieser Typ war einfach nicht zu fassen. Unglaublich. Aber... er hatte recht. Wie er das hasste.
„Lass... lass uns einfach... verschwinden.“ Er versuchte von der Unterlage aufzustehen, sackte aber sofort zusammen.
„Wow, langsam, Tiger!“ Deadpool griff nach seinem Arm und zog ihn sanft hoch.
„N-nicht, lass mich...“
„Vergiss es! Du hältst dich jetzt schön fest und ich bring dich hier raus.“
„Ich schaff das alleine!“, beharrte Peter, auch wenn er genau wusste, dass das nicht stimmte.
„Nein. Nein tust du nicht“, war das auch für Deadpool ganz klar. „Na los. Spring auf.“ Er deutete auf seinen Rücken.
„Oooh nein! Sicher nicht! Du trägst mich ganz bestimmt NICHT Huckepack!“
„Na schön. Deine Alternativen sind: Über meiner Schulter oder wie in Bodyguard auf den Armen“, stellte Deadpool Peter in Aussicht. Kurz sagte keiner etwas, dann murmelte Peter: „Na los, dreh dich um.“
„Na also, geht doch. Dass man dir immer erst drohen muss.“
Deadpool ging vor ihm in die Hocke und Peter legte widerwillig die Arme um seinen Nacken, um sich festzuhalten. Deadpool griff unter seine Kniekehlen und hob ihn hoch.
„Geht das mit den Schwertern?“ Sie waren zwar im Weg, aber das war Peter gerade herzlich egal. Hauptsache weg.
„Geht schon.“
Noch während Deadpool loslief, spürte Peter, wie ihm ganz anders wurde. Er konnte sich gar nicht richtig festhalten. Das merkte auch Deadpool.
„Hey! Wehe du fällst runter! Dann sag`s lieber gleich!“
„Mir... mir ist... nicht gut...“
„Kotz` mir ja nicht ins Genick!“
„Halt... den Mund.“ Aber Peter wurde gerade ganz schwummrig und schwarz vor den Augen. Er bekam nur noch mit, wie Deadpool ihn noch im Laufen hochschob und doch über seine Schulter zog, damit er ihn gut festhalten konnte. Dabei wunderte er sich noch, dass ihm gerade das erste Mal Deadpools Gürtelschnalle auffiel, die sein 'Logo' darstellte. Irgendwie ganz cool. Und dann wurde alles dunkel um ihn.

Nur langsam wachte er wieder auf. Wozu auch wach werden? Er lag ja gut. Warm und weich. Also noch in seinem Bett. Dann war das ein grässlicher Albtraum gewesen. Natürlich. Was sonst? Er streckte sich leicht und rieb sich über die Augen. Da sagte jemand neben ihm: „Na? Wach?“
Erschrocken fuhr Peter hoch, wurde aber gleich wieder nach unten gedrückt. Und er konnte sich nicht mal richtig dagegen wehren, ihm fehlte die Kraft. Verwirrt sah er sich um. Das war gar nicht seine Wohnung! Es war viel... schäbiger, dunkler, die spärlichen Möbel standen an den falschen Stellen und dann war ihm alles klar. Die Erklärung wurde ihm aber auch gleich von dem Typ geliefert, der da bei ihm am Bett stand und ihn nach unten gedrückt hielt.
„Bleib liegen. Keine Ahnung, was die dir reingeballert haben, aber das hat dich ganz schön außer Gefecht gesetzt. Und bevor du fragst: Du bist bei mir. Sozusagen in einem meiner Safehouses. Jetzt, wo die wissen, wer du bist, fand ich es nicht sicher genug, dich zu dir nach Hause zu bringen. Ich weiß, es ist nicht das Four Seasons oder das Ritz, aber es ist sicher.“
Mit einem frustrierten Seufzer ließ Peter locker und schloss die Augen.
„Wie lange war ich weg?“
Deadpool ließ ihn los. „`N Bisschen. Nicht lang. Aber bleib noch liegen. Nicht, dass es dich gleich wieder zerlegt. Und du willst doch bestimmt nicht bewusst- und wehrlos in meinem Bett liegen, stimmt`s?“
Sofort riss Peter die Augen wieder auf und starrte Deadpool entsetzt an. „Was? Nein!“
Im nächsten Moment fiel ihm auf, dass sich noch etwas komisch anfühlte und bei einem kurzen Blick unter die Decke, mit der er zugedeckt war, wusste er auch sofort, was da nicht stimmte.
„Wade!! Hast du mich schon wieder ausgezogen?!“
Schnell hob Deadpool die Hände. „Nur den Suit! Und du hast von mir `n Shirt bekommen und deine Unterwäsche hab ich nicht angefasst! Ich schwöre! Außerdem war dein Anzug voller Blut. In dem Ding wollte ich dich nicht ins Bett legen.“
Automatisch zog Peter die Bettdecke bis zum Kinn hoch.
„Ach komm, stell dich nicht so an! Du Mädchen! Ich kuck dir schon nichts ab. Ich bin doch nicht pervers. Also... nicht... immer... Und wenn ich dich belästige, hackst du mir die Hände ab oder verpasst mir einen Tritt, der mich bis in den nächsten Bundesstaat befördert und ich darf dir nie wieder zu Nahe kommen.“
Peter rollte sich zur Seite und drehte Deadpool den Rücken zu.
„Sei einfach still!“
„Jetzt schmoll doch nicht. Am Besten ruhst du dich noch ein bisschen aus. Und dann erzählst du mir, was passiert ist und wir holen uns den Rest der Möchtegern-Nazi-Ärzte und räuchern sie aus!“
Wortlos nahm Peter nur einen Arm über den Kopf und rollte sich mehr ein. Kurz herrschte Stille, dann fragte Deadpool ganz irritiert: „Parker? Heulst du jetzt?“
„Ich heule nicht!“ widersprach Peter, konnte im nächsten Moment aber schon ein Schniefen nicht verbergen.
„Doch, tust du!“
Schon kam Peter ein Schluchzer aus. Jetzt war es auch schon egal. Auch, wenn es Deadpool war, der seiner Meinung nach der letzte Mensch auf der Welt war, der ihn weinen sehen sollte.
„Ach nein, Parker, nicht. Nicht weinen! Mit so was kann ich nicht umgehen! Du darfst mich anschreien, beleidigen, schlagen, aber bitte... nicht weinen.“
Peter vergrub das Gesicht im Kissen und zog die Decke noch höher.
„Ich kann... nnn... das nicht mehr... ich will das nicht mehr... Das ist alles zu viel für mich!“, brach es aus ihm hervor. „Ich will gar kein Held sein! Ich will einfach nur normal sein! Ich... ich hab gar kein Leben mehr! Alle denken, es ist supercool, ein Held zu sein, aber das ist es nicht! Für Leute wie dich vielleicht, du hast schon dein normales Leben vorher gehabt! Aber ich nicht! Ich gehe zur Schule! Zur Uni! Ich kann nicht mal eine Freundin haben, weil alle Leute, mit denen ich mich anfreunde, sterben!“ Jetzt konnte er gar nicht mehr an sich halten und weinte so richtig. „Und... und... und jetzt... wenn die wissen, wer ich bin... die... die töten alle, die mit mir zu tun haben! Und ich will auch nicht mehr ständig angegriffen werden! Ich will nicht, dass... das jemand wie DU das weiß, aber... aber... ich habe Angst! Jedes Mal, wenn ich angegriffen werde, habe ich Angst, dass ich dabei sterbe! Ich will aber noch nicht sterben! Ich bin doch noch nicht mal alt genug, um legal Alkohol zu trinken!“
Die nächsten Sekunden wurde er wieder von heftigen Schluchzern geschüttelt. Bis er eine Hand an seiner Schulter spürte.
„Wow... hey... Parker... das... ich wusste nicht, dass das so hart für dich ist. Du bist doch sonst immer so cool.“
„Was soll ich denn sonst machen?! Natürlich ist das cool, wenn du plötzlich Superkräfte hast, aber... aber nicht... zu dem Preis! Mein Leben ist doch jetzt vorbei! Ich wünschte, mir wäre das nie passiert! Lieber wäre ich noch der Nerd von früher, würde mein lahmes Leben leben, würde irgendwann heiraten, Kinder kriegen und über Helden nur im Fernsehen oder in der Zeitung hören!“
Deadpool drückte seine Schulter leicht. „Das wäre aber dumm.“
Peter schniefte wieder ein paar mal. „W-wieso?“
„Weil du dann nicht mein Vorbild geworden wärst. Und wen sollte ich denn sonst stalken und anbaggern, wenn ich keinen Spider-Man dafür hätte? Und vom wem würde ich sonst Moral und Anstand lernen? Sicher nicht vom Captain oder Logan.“ Nochmal drückte er Peters Schulter. „Na komm, beruhig dich wieder. Schlaf noch ein bisschen und ich überleg mir was. Erstmal pass ich auf dich auf, du kannst dich sammeln und ich versprech dir, es wird alles wieder gut. Zur Not kann ich wenigstens bei einem Punkt Abhilfe schaffen und wir betrinken uns später mal so richtig zusammen!“
Wieder schluchzte Peter kurz auf, dann sagte er leise: „Du bist ein Idiot...“
„Na also, geht doch! Ich weck dich später. Jetzt schlaf und beruhig dich. Ich kümmere mich jetzt um... ein paar Dinge.“
Peter wollte gar nicht nachfragen, gerade war ihm alles egal, Jetzt war alles gelaufen. Er hatte sich vor Deadpool nicht zusammenreißen können. Sich vor ihm ausgeheult, ihm seine schlimmsten Ängste offen gelegt. Aber er hatte ihn nicht ausgelacht. Vielleicht hatte er doch einen falschen Eindruck von Deadpool. Vielleicht war er doch ein besserer Freund als all die Freunde, die er sonst hatte. Tatsächlich übermannte ihn dann aber doch nochmal die Müdigkeit, denn er bekam gar nicht mit, wie Deadpool ihn allein ließ.

Erst als er ein paarmal angestubst wurde, öffnete Peter die Augen wieder. Das Licht im Zimmer war viel spärlicher geworden, es war beinahe dunkel. Er musste wohl doch etwas länger geschlafen haben. Wenigstens fühlte er sich jetzt ausgeruhter und nicht mehr ganz so zerschlagen.
„Hey. Hey, Parker. Wach auf, ich hab was für dich.“
Ja, richtig. Er war ja immer noch bei dem Verrückten zuhause. Und lag in dessen Bett. Kurz wurde Peter rot, aber es war egal. Er lag zum Glück noch mit dem Rücken zum Zimmer.
„Bin wach...“, murmelte er leise und streckte sich erst mal aus. Dabei merkte er erst, dass ihm doch noch ganz schön alles wehtat. Aber er wollte nicht an den Kampf denken, bei dem er Hydra in die Hände gefallen war. Langsam setzte er sich auf und fuhr sich durch die Haare.
„Awww, du bist so niedlich! Hier! Iss! Und dann hab ich eine Überraschung für dich! Dafür wirst du mich lieben!“
Ganz irritiert nahm Peter die Tüte eines Fast Food Restaurants entgegen, die Deadpool ihm hinhielt.
„Ich weiß nicht, ob ich... die Überraschung sehen will...“
Mehr automatisch packte er die Tüte aus und nahm ein paar Bissen. Er hatte wirklich Hunger, das merkte er jetzt beim Essen.
„Doch! Doch, doch, willst du! Ich bin schon wieder genial! Aber diesmal ohne, dass es dich tötet! Versprochen! Und ohne schwere Verletzungen! Sonst denkst du am Ende noch, ich bin ein Sadist. Bin ich nämlich nicht. Eher andersrum. Aber das... gehört nicht hierher. Obwooohl du ja immerhin schon in meinem Bett liegst... Oh verdammt! Ich wollte doch ein Selfie mit dir machen, solange du schläfst! Mist!“
Peter verschluckte sich kurz, hustete, fing sich aber gleich wieder.
„Okay, das reicht! Gib mir meine Sachen, dann verschwinde ich hier! Ganz ehrlich, ich fühl mich alles andere als sicher, solange du näher als fünf Meter an mir dran bist. Was stimmt bloß nicht mit dir?!“
Wortlos hielt Deadpool ihm einen Becher Cola entgegen, den Peter nach kurzem Zögern auch noch entgegen nahm. Dann zog Deadpool sich einen Stuhl zum Bett heran, setzte sich verkehrt herum darauf und stützte Arme und Kinn auf die Rückenlehne, wobei er Peter keine Sekunde aus den Augen ließ. Zumindest soweit Peter das beurteilen konnte, da Deadpool noch immer in voller Montur war. Bis auf die Waffen, soweit er sah.
„Ich bin Kanadier.“
Fragend sah Peter ihn an und zog dabei eine Augenbraue hoch. „Was?“
„Ich bin Kanadier. Wir sind alle ein bisschen... anders. Frag Wolverine. Das gehört sich so.“
Was für eine bescheuerte Erklärung dafür, dass er einfach ein bisschen oder auch ein bisschen sehr geisteskrank war.
„Schaust du mir jetzt beim Essen zu? Muss das sein?“, beschwerte Peter sich dann aber lieber, anstatt weiter auf das Thema 'gestörte Nationen' einzugehen.
„Wieso? Hast du ein Problem damit? Ich will doch nur sehen, ob`s dir gutgeht. Dir geht`s doch gut, oder? Ich hab`s oberflächlich gecheckt, aber...“
Schon wurde Peter wieder rot.
„Es reicht ja wohl, dass du mich ständig ausziehst, wenn ich bewusstlos bin! Dann begrapsch mich wenigstens nicht auch noch!“
Deadpool wirkte sichtlich amüsiert.
„Aber Herzchen, ohne dein Okay tatsch ich doch nicht an dir rum. Ich sagte 'oberflächlich'. Das heißt, ich hab gezählt, ob du noch alle Finger und Zehen hast und nachgeschaut, ob du irgendwo Blut an dir hast, das von dir selber stammt. Das ist alles. Nein, Mann, ganz ehrlich, Bro-Ehrencodex.“ Jetzt hob er die rechte Hand. „Ich schwöre feierlich, dass ich dir nicht auf die Pelle rücke, bis du 21 bist! Oder bis du mir verliebt ins Ohr säuselst 'Wade, ich brauch dich! Jetzt!'“
Sofort verzog Peter angewidert das Gesicht.
„Bevor ich das sage, beiße ich mir lieber die Zunge ab!“ Damit drückte er mit dem Fuß gegen den Stuhl auf dem Deadpool saß und schob ihn weiter vom Bett weg. „Geh weg von mir!“
„Oouuh, komm schon, du tust ja gerade so, als wäre ich ansteckend. Los, iss auf und dann geh dich frisch machen. Sachen für dich liegen im Bad.“ Deadpool deutete hinter sich in die Richtung, in der wohl das Bad lag. Na hoffentlich hatte er ihm etwas Gescheites besorgt. Ein bisschen Sorgen machte Peter sich ja schon, wenn er Deadpool so ausgeliefert war. Na zumindest hatte er das Gefühl, seine Kräfte waren wieder da. Also konnte er sich auch wieder wehren. Falls Deadpool auf dumme Ideen kam. Noch dümmere als sonst.
Peter verdrückte schnell das Essen, zögerte kurz, stand dann aber doch auf und verschwand ohne ein weiteres Wort im schäbigen, kleinen Bad. Dabei war er sich hundert Prozent sicher, dass Deadpool ihm auf den Hintern starrte. Schnell verriegelte er die Tür und spritzte sich erst mal kaltes Wasser ins Gesicht. Er sah furchtbar aus. Das stellte er nach einem Blick in den fast blinden Spiegel über dem Waschbecken fest. Noch ganz verheult und verstrubbelt. Wunderbar. Schnell wusch er sich richtig aus und schaute sich dann nach den Sachen um, von denen Deadpool gesprochen hatte. Zu seiner Überraschung lag da ein frischer Spider-Man-Anzug mit allem, was dazugehörte. Peter überlegte nicht lange und zog ihn an, behielt nur die Maske noch in der Hand, als er das Bad wieder verließ.
„Na jetzt siehst du wieder hübsch aus! Geht`s dir ein bisschen besser? Bereit für meinen Plan?“
Etwas böse funkelte Peter Deadpool an.
„Bist du bei mir eingebrochen? Schon wieder?!“
Schuldbewusst kratzte Deadpool sich am Kopf.
„Ich hab die Sachen holen müssen! Und du brauchst deinen Anzug für das, was wir vorhaben!“
Zweifelnd sah Peter ihn an. „Ah ja? Als ob das noch eine Rolle spielt! Jetzt, wo meine Identität gelüftet ist!“ Schon spürte er, wie seine Augen wieder zu brennen anfangen wollten. „Ich muss meine Tante in Sicherheit bringen! Und meine Freunde! Die sind jetzt alle in Gefahr!“ Das wurde ihm in den Moment so richtig bewusst, als er es laut aussprach. Deshalb machte er auch gleich zwei Schritte auf das Fenster zu, aber Deadpool verstellte ihm den Weg.
„Warte! Warte, warte! Bevor du dich jetzt selbstmörderisch deinen Feinden auslieferst, hör dir doch erst mal an, was ich geplant habe!“
„Geh mir aus dem Weg! Ich hab keine Zeit für deine verrückten Ideen!“ Peter wollte ihn wegschieben, aber Deadpool packte ihn an den Schultern und drückte ihn gegen die Wand.
„Hör mir doch mal fünf Minuten zu! Ich habe einen Plan, der dafür sorgt, dass alles so wie früher ist! Bevor irgendwer wusste, wer du bist. Also... bis auf mich und deine S.H.I.E.L.D. Kumpel.“
Verwirrt sah Peter ihn an. „Wovon zum Teufel sprichst du?“
Deadpool tippte an seine Gürtelschnalle. „Ganz was Feines. `N Teleporter. Eigentlich darf ich den nicht benutzen. Also nicht für Zeitreisen. Außer, davon hängt das Ende der Welt ab. Aber, hey, wenn du draufgehst ist das das Ende MEINER Welt. Also... finde ich, das rechtfertigt alles.“
„Willst du mich verarschen?! Ich hab keine Zeit für so einen Blödsinn!“, fuhr Peter ihn an.
„Das ist kein Blödsinn! Ich meine das Ernst! Sag mir, wo sie dich erwischt haben, ich bring uns da hin und wir verhindern es!“
Einen langen Moment sah Peter Deadpool nur an, versuchte herauszufinden, ob er irgendein Anzeichen dafür entdecken konnte, dass er ihn auf den Arm nahm. Aber er fand keines. Und so, wie er Deadpool kannte...
„Das IST dein Ernst“, stellte er fest und Deadpool ließ ihn endlich los.
„Natürlich!“
„Na schön, okay, du kriegst deine fünf Minuten. Erklär`s mir“, gestand Peter ihm zu.
„Yey, super! Okay, ehrlich gesagt, hab ich keine Ahnung, wie genau es funktioniert, aber... du sagst mir, wann und wo genau die bösen Jungs dich erwischt haben, ich bring uns hin und sobald wir dich – also dein unwissendes, großmäuliges, teenie-cooles Ich, das nicht vor mir geweint hat – gerettet haben, hüpfen wir zurück und aaalles ist gut“, zählte Deadpool an seinen Fingern ab und fing sich dafür einen genervten Blick von Peter ein.
„Ich wäre dir sehr dankbar dafür, wenn wir über diese 'Sache' nicht mehr reden. Funktioniert das auch sicher? Ich meine... wo hast du so was her? Einen Teleporter? Wer gibt dir so was?! Ernsthaft. Wer gibt DIR so ein Ding??“
Wenn man so darüber nachdachte, war das wirklich mehr als fahrlässig.
„Ah, das... kann ich dir leider nicht verraten, sorry. Sonst kommt er und tritt mir in den Hintern. Aber so richtig. Und da leg ich keinen Wert drauf. Außerdem muss ich mein süßes Spielzeug sonst wieder hergeben. Also pssst! Wir haben das hier nie gemacht!“
Noch immer war Peter alles andere als überzeugt. Andererseits hatte er nichts mehr zu verlieren. Und wenn das, was Deadpool sagte, der Wahrheit entsprach...
„Na schön, Wade, okay... ich... glaube dir. Und ich...“ Wow, das Nächste war richtig schwer. „...ich vertraue dir, dass du es hinkriegst und mir helfen kannst.“
Deadpool griff sich ans Herz und wankte ein paar Schritte rückwärts.
„OMG! Parker, du machst mich so glücklich! Das ist das Schönste, was du je zu mir gesagt hast!“
Völlig entnervt fuhr Peter sich übers Gesicht.
„Jetzt hör auf mit dem Scheiß und schmeiß den Teleporter an! Wie funktioniert der Spaß denn? Damit wir das hinter uns bringen können!“
„Ort und Zeit“, forderte Deadpool.
„Dienstag Abend. Also... gestern? So gegen zehn. Upper East Side. Kennst du die flacheren Gebäude drei Querstraßen von der großen Hauptstraße weg?“
„Logo! Gerade die Straße runter ist einer der besten Stripclubs von ganz New York!“, war Deadpool sofort begeistert. „Die haben da die knusprigsten Nachos der Gegend! Auf die lade ich dich ein, wenn wir hier fertig... oh... wenn du ein paar mal Geburtstag hattest und auch rein darfst. Versprochen!“
Peter verzog keine Miene.
„Passe. Und jetzt? Augen zu und sich hin wünschen? Öffnet das Teil einen geheimen Kaninchenbau? Lässt es einen Zauber-Zeit-Tornado erscheinen? Komm in die Gänge, Wade!“
„Gemach, gemach! Immer sachte! Hetz mich nicht!“ Deadpool machte eine beschwichtigende Geste mit den Händen. Dann fummelte er an seiner Gürtelschnalle herum. „Das muss alles ganz genau eingestellt werden. Sonst landen wir am Ende noch im Hudson. Oder in Alaska.“
Na das waren ja tolle Aussichten.
„Uuund... fertig! So, dann komm mal schön in meine Arme und es kann losgehen!“, verkündete Deadpool dann freudestrahlend und hielt die Arme weit auf. Peter starrte ihn nur an, dann schüttelte er den Kopf.
„Vergiss es!“
„Was denn? Wie willst du sonst mitkommen? Du hast keinen Teleporter! Also halt dich gefälligst an mir fest!“
Verflucht, Peter hatte keine Ahnung, ob das wirklich sein musste, aber er hatte tatsächlich keine andere Wahl, er musste Deadpool vertrauen. So ein Mist. Schnell zog er die Maske über und grummelte: „Wehe, das klappt nicht. Und WEHE, du fasst mich komisch an!“
„IIICH?! Mais non! Niemals!“, tat Deadpool ganz entrüstet, griff nach Peters Handgelenk und zog ihn zu sich, schlang einen Arm fest um ihn und drückte ihn gegen sich. Dann betätigte er mit der anderen Hand irgendeinen Mechanismus an seiner Gürtelschnalle. Und dann wurde es erst gleißend hell um sie, in Peters Kopf drehte sich alles, er versuchte noch, selbst nach Deadpool zu greifen, dann spürte er einen heftigen Ruck und dann wurde alles dunkel.
 
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