100 Worte für die Ewigkeit

von Kiamara
DrabbleAllgemein / P16
Abraham "Abe" Morgan Adam Detective Jo Martinez Dr. Henry Morgan
06.10.2017
14.08.2018
4
2516
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Hallo! Schön, dass ihr hier seid!

Wie ihr seht, ist dieses Kapitel länger als nur ein Drabble. Nicht jedes Kapitel wird gleich viele Drabbles enthalten, aber die Drabbles innerhalb eines Kapitels erzählen jeweils eine fortlaufende Geschichte.

Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld.

Viel Spaß beim Lesen!


~

Henry erstarrte zur Salzsäule. Er kannte das Gesicht, das dort an der Ecke aufgeblitzt war. Oder zumindest glaubte er es. Es war eigentlich unmöglich. Doch ein Henry Morgan glaubte nicht mehr an unmöglich. Er musste sichergehen. Er drängte sich durch die Menschenmassen in der U-Bahn-Station, in die Richtung, in der er diese harten Gesichtszüge erblickt hatte. Zum Glück waren Abe und Jo nicht hier, sie hätten ihn niemals alleine gehen lassen. Sie hätten ihn entweder aufgehalten, oder darauf bestanden, mitzukommen. Doch er wollte sie nicht dabeihaben. Das hier ging nur ihn etwas an. Und alleine brachte er niemanden in Gefahr.

~

Eine der Türen in die muffigen Wartungstunnel stand einen Spalt offen. Henry zögerte nicht lange und schlüpfte hindurch. Dabei verdrängte er entschlossen die Erinnerung an das letzte Mal, als er in einem dieser Tunnel gestorben war – durch eine Kugel aus exakt der Pistole, die ihn das erste Mal getötet hatte. Und ebenso die Erinnerung daran, was er Adam damals angetan hatte. Ihm war klar, dass ihm statt einem weiteren Tod genau das diesmal blühen könnte, doch er konnte nicht umkehren. Es würde ihn wahnsinnig machen, die Wahrheit nicht zu wissen, ganz egal, wie die Folgen für ihn selbst aussehen könnten.

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„Ah. Henry. Ich wusste, dass du kommen würdest.“
Henrys Herz pochte auf einmal doppelt so schnell. Aufregung, oder Angst? Nun, Todesangst zumindest nicht. Die wurde tatsächlich fast jeden Tag spürbar weniger. Langsam konnte er teilweise nachvollziehen, wie man sich selbst so einfach umbringen konnte, um schnell von einem Ort zu verschwinden. Doch das war jetzt nicht wichtig. Langsam trat sein Gegenüber aus den Schatten. Es war tatsächlich Adam, so quicklebendig wie immer, mit Schiebermütze, dunklem, teurem Mantel, Krawatte und schwarzen Lederhandschuhen. Seine schmalen Lippen umspielte ein Kräuseln, doch es drang nicht bis in seine Augen hinauf. Henry atmete tief durch.

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Was wollte er Adam eigentlich sagen? Er öffnete den Mund, die Augen weit aufgerissen und jedes möglicherweise wichtige Detail aufsaugend, stockte, schloss ihn wieder – und sagte dann das Dümmste und Unwichtigste, auf das er hätte kommen können.
„Ich habe Ihnen nicht gestattet, mich zu duzen.“
Adam schnaubte lautlos und zog einen Mundwinkel leicht nach oben. Anscheinend amüsierte er sich köstlich.
„Was willst du dagegen tun?“
Henry knirschte unwillkürlich mit den Zähnen. Er hatte sich geschworen, sich nie wieder von Adam überrumpeln zu lassen – und jetzt stand er dort und machte sich über Henrys immer noch viel zu offensichtliche Überforderung lustig.

~

Mit einem Schlag wurde Adams Miene wieder ernst. Im Gegensatz zu seinem harten Blick schien er fast zu gelassen auf Henry zu zu schlendern, doch Henry beruhigte das nicht. Auf Adams Körper und dessen Sprache war kein Verlass. Auf seine Augen sehr wohl.
„Also, Henry. Wir haben genau drei Möglichkeiten, wie es mit uns beiden weitergehen soll. Möchtest du sie hören?“
Henry versuchte fast krampfhaft, seinen Körper und dessen Aufregung ebenso gut unter Kontrolle zu bringen, wie Adam das tat, doch er hatte den Eindruck, dass ihm das eher schlecht als Recht gelang.
„Habe ich eine Wahl?“, fragte er gepresst.

~

Adam zog eine Augenbraue hoch.
„Nein, die hast du nicht. Nun, du könntest dich umbringen und unser Treffen verschieben, aber ich weiß genau, dass es dich wahnsinnig macht, nicht zu wissen, was ich tue.“
Henry schnitt eine Grimasse. Wieso versuchte er es überhaupt?
„Na schön. Erleuchte mich“, entgegnete er trocken.
Etwas in Adams Blick blitzte auf, als Henry ebenfalls auf Duzen umstieg, und er war sich nicht sicher, ob er es mochte. Es war kein gutes Gefühl, Adam das zu geben, was er wollte. Andererseits wäre es lächerlich geworden, hätte er auf der förmlichen Anrede bestanden. Manchmal hasste Henry Kleinigkeiten.

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„Erstens. Ich tue dir das an, was du mir angetan hast – ich verbanne dich für unbestimmte Zeit in deinen Körper, unfähig, einen Finger zu rühren, ein Wort zu sagen oder dich umzubringen.“
Henry schluckte. Nun, er hatte gewusst, dass das eine Möglichkeit war. Überrascht war er nicht, auch wenn er diese Aussicht fürchtete.
„Zweitens. Ich räche mich an dir, in dem ich den Menschen weh tue, die du liebst.“
Diese Aussicht jagte Henry deutlich mehr Angst ein. Dennoch, es gab eine Sache, an die er sich klammerte, eine Sache, die ihn irritierte.
„Aber du hast beides noch nicht getan. Warum?“

~

Adam seufzte fast theatralisch und legte offensichtlich enttäuscht den Kopf schief. Henry war sich nicht sicher, wie viel davon echt war.
„Henry, Henry… Ich dachte wirklich, du würdest mich besser kennen.“
Henry runzelte leicht die Stirn. Nun, da gab es noch eine dritte Möglichkeit, eine, die er nie in Betracht gezogen hatte, nachdem Adam so offensichtlich rachsüchtig war. Er hatte diesen Kunsthändler nicht vergessen…
„Ernsthaft?“
Adam machte einen Schritt zurück.
„Denk darüber nach. Kein Kontakt ist keine Alternative.“
Und bevor Henry antworten konnte, blitzte ein Messer, spritzte dunkles Blut mit einem ekelhaften Glucksen aus Adams Kehle, und er war verschwunden.
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