Der Angriff der Bestien

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
05.10.2017
05.10.2017
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05.10.2017 5.581
 
Man kann diese Geschichte als Fortsetzung von „Das Tal der Schwerter“, aber auch als eigene Geschichte ansehen.

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Es regnete leicht. Die Bäume und Büsche wuchsen wild und ungezügelt auf der Ebene. Man hätte meinen können, sich mitten in einem Wald zu befinden, doch der Boden war seltsam hart. Vor fünfhundert Jahren hatte er noch aus Asphalt bestanden, doch allmählich brach der Boden auf, und Pflanzen wuchsen aus ihm. Und auf diesem Stück Waldboden, welches vor langer Zeit ein Bürgersteig oder eine Straße gewesen war, waren zwei Teenager unterwegs.
„Wir sollten Pause einlegen.“ meinte Kai.
„Noch eine. Wir haben heute doch schon eine Pause gemacht.“ erwiderte Elina.
„Ich glaube, als ausgebildete Kriegerin hast du eine viel bessere Konstitution als ich.“ sagte der Junge und setzt sich neben einem Baumstamm.
„In Ordnung, dann machen wir eine Pause. Aber nicht hier. Wir müssen noch eine Weile marschieren.“ redete das Mädchen.
„Was stimmt denn nicht mit diesem Ort?“ wollte Kai wissen.
„Gleich neben dir ist eine Höhle, die einem Fuux gehört.“ kam die Antwort.
Kai sprang sofort auf. Tatsächlich sah er einen großen Höhleneingang, durch welchen drei nebeneinander gehende Menschen mühelos durchgepasst hätten. Der Junge wusste, dass die Tiere in der Zeit nach der Katastrophe zu riesigen Kreaturen mutiert waren. Und ein Fuux, ein mutierter Fuchs, hatte ungefähr die gleiche Schulterhöhe wie ein Mensch, wenn er ausgewachsen war.
Zusammen gingen sie weiter, diesmal etwas schneller als vorher. Wenn sich der Fuux in der Nähe aufhielt, würde er ihrer Witterung folgen können. Aber vielleicht fand er ja lohnendere Beute. Kai staunte immer wieder, wie gut Elina sich mit der Natur auskannte. Andererseits war ihr das vermutlich während ihrer Ausbildung zur Kriegerin, gelehrt worden.
Der Junge war ein Techno, und kam ursprünglich aus einem alten Bunker im postapokalyptischen Hannover. Er war sechzehn Jahre alt und hatte lange, schwarze Haare und strahlend grüne Augen. Seine Statur war leicht muskulös, und er trug Leinenkleidung. Ein orangefarbenes Hemd und eine gelbe Hose, sowie einen Gürtel mit mehreren Taschen. An diesem Gürtel trug er einen hydritischen Schockstab, und auf dem Rücken hatte er eine bionetische Decke. Beides waren Geschenke, die er von seinen mendritischen Freunden bekommen hatte.
Elina war ein Mädchen von fünfzehn Jahren. Sie lange blonde Haare, welche sie zu zwei Zöpfen gebunden hatte. Sie hatte auch blaue Augen und Sommersprossen, und dazu einen athletischen Körperbau, vermutlich wegen ihres Trainings als Kriegerin. Das Mädchen trug Wollkleidung, und darüber eine dunkelgrüne Lederrüstung mit dem Wappen ihres Ordens. An jeder Hüfte trug sie eine Tasche, und auf dem Rücken hatte sie ein Schwert, ein stählernes Scimitar, mit welchem sie ausgezeichnet kämpfen konnte.
Nach einer Weile hatten sie einen Ort erreicht, den Elina als sicher erachtete, und machten dort eine kleine Rast. Sie hatten sich vor einigen Wochen kennengelernt, als sie zusammen angreifende Soldaten aus Afra bekämpften. Und seitdem hatten sie sich angefreundet und zogen gemeinsam umher.
Kai bemerkte einige Pilze neben einem Baum und deutete auf sie, als er sagte: „Sieh mal, die dort können wir doch essen.“
„Ja, aber nur wenn wir stundenlang Magenkrämpfe haben wollen.“ gab das Mädchen mit trockenem Humor zurück, „Es sind nämlich Giftpilze. Wenn du Hunger hast, dann suche ich etwas für dich.“
„Das wäre nett von dir.“ gab der Junge zurück.
Elina ging leise los. Sie wusste, wie man sich in der Natur bewegte, und wie man Früchte zum Essen fand, ohne dabei Bekanntschaft mit einem Raubtier machen zu müssen. Kai war, nach ihrer Aussage, viel zu laut und ungeschickt dafür.
Kai sah noch einmal die Pilze an. Der größte von ihnen war fast so groß wie er, und dreimal so dick wie sein Bein. Doch auch die kleineren Pilze reichten ihm fast bis zur Hüfte, und waren dicker als sein Bein. Kai dachte einen Moment lang daran, dass die Pilze zur Zeit der Alten noch viel kleiner waren. Er hatte Videomaterial im Bunker gesehen, und dort wurden Pilze gezeigt, welche man mit nur einer Hand pflücken konnte.
Die Büsche bewegten sich, und Elina kam wieder zurück. Sie sah beunruhigt aus.
„Was ist los? Hast du nichts gefunden?“ fragte Kai.
„Nichts, was wir essen können, aber etwas anderes.“ sagte sie, „Folge mir. Wenn du es auch gesehen hast, verstehst du vielleicht, warum wir von hier fliehen müssen, und zwar schnell.“
Zusammen gingen sie los. Sie stießen schnell auf eine Lichtung. Und auf genau dieser Lichtung lagerten mehrere Soldaten. Sie saßen an verschiedenen Feuern und reinigten ihre Waffen oder saßen zusammen und spielten irgendwelche Spiele. Kai beobachtete, wie ein Spiel zu einem Streit geriet. Ein Soldat warf dem anderen vor, betrogen zu haben, und schon zogen beide ihre Messer, gingen aufeinander los, und stachen unter freudigem Gegröle der anderen Soldaten, aufeinander ein.
Einer der Soldaten lag schließlich regungslos und aus mehreren Wunden blutend am Boden, während der andere Soldat, der ebenfalls verletzt war, freudig verkündete, dass der Gewinn nun ihm gehören würde. In diesem Moment erstach ein anderer Soldat ihn hinterrücks mit seinem Schwert, und strich den Gewinn selber ein. Die übrigen Soldaten brachen in Gelächter aus.
Nach einer Weile hatte sich die Situation etwas beruhigt. Doch zwei Soldaten amüsierten sich noch immer über das Geschehene. Dann erzählte einer von ihnen eine Anekdote, wie erst vor einigen Tagen einige ihrer Kameraden von einem Fuux zerfetzt worden waren. Und schon brachen die Soldaten wieder in Gelächter aus.
„Die sind ja furchtbar böse.“ sagte Kai angewidert und erschrocken, „Sie freuen sich sosehr über Gewalt, dass sie es sogar toll finden, wenn es die eigenen Leute trifft.“
Der junge Techno erinnerte sich an die Soldaten aus Afra. Aber diese Soldaten hier waren Doyze. Offenbar waren Soldaten eben überall Soldaten. Elina bedeutete ihm, langsam zurückzuweichen. Kai folgte ihr, doch er trat versehentlich auf einen Stock, welcher gut hörbar zerbrach. Auch die Soldaten hatten es gehört. Sie standen auf und suchten die Quelle des Geräusches.
„Was tun wir jetzt?“ fragte Kai.
„Lauf!“ erwiderte Elina.
Beide rannten los, so schnell sie konnten, und wurden bald darauf von einigen Soldaten verfolgt. Das Mädchen achtete darauf, dass sie ihren Freund nicht versehentlich zurückließ. Sie musste Rücksicht auf ihn nehmen, denn er war nicht so schnell wie sie. Und so hatten einige der Soldaten sie bald eingeholt. Zu viert kamen sie grinsend auf die beiden Teenager zu.
„Mit dem Mädchen werden wir viel Spaß haben. Und den Jungen können wir später in die Sklaverei verkaufen.“ sagte einer von ihnen.
Die beiden Freunde nickten sich zu. Kai zog seinen Schockstab hervor, und Elina zog ihr Scimitar. Ein hydritischer Schockstab ähnelte einem menschlichen Teleskopschlagstock, war allerdings gut und gerne doppelt so dick. Doch das besondere an ihm war, dass er Blitze verschießen konnte, um die Angreifer zu betäuben. Das Scimitar war hingegen ein Säbel, und es hatte eine lange, scharfe Klinge.
„Sieh nur, die beiden Halbwüchsigen wollen kämpfen.“ meinte einer der Soldaten amüsiert.
Kai schoss sofort einen Schwall Blitze auf einen der Soldaten ab. Er fiel sofort betäubt zu Boden. Zwei der anderen Soldaten griffen Elina an, doch sie standen zu dicht beieinander, als dass sie sie hätten effektiv treffen können. Das Mädchen wusste das. Sie duckte sich unter einem Schwerthieb weg und stieß ihre Klinge tief in den Körper des Soldaten. Der andere Soldat schlug ebenfalls nach ihr, doch sie wehrte den Hieb ab und sprang dann außer Reichweite seiner Waffe. Schnell stieß sie ihr Schwert in seine Seite, und zog es mit einem Ruck wieder heraus.
Der letzte, verbliebene Soldat stieß mit seinem Schwert nach Kai. Der Junge konnte stets nur knapp ausweichen, und es war eine Frage der Zeit, wann er getroffen werden würde. Doch er hatte eine Idee. Der Junge lehnte sich an einen Baum. Als der Soldat wieder zustieß, duckte er sich einfach, und der Speer traf den Baum. Der Soldat zog an dem Speer, konnte ihn jedoch nicht ohne Weiteres aus dem Baum ziehen. Diesen Moment nutzte Kai, um auch ihn mit seinem Schockstab zu betäuben. Der Soldat sackte bewusstlos zu Boden.
„Hier sind sie!“ rief ein weiterer Soldat.
Zwei von ihnen hatten ebenfalls den Ort des Kampfes erreicht. Elina zog den Speer aus dem Baum und warf ihn. Sie durchbohrte einen der Soldaten, und Kai betäubte den anderen mit seinem Schockstab. Doch sie hörten schon, wie die anderen Soldaten näherkamen.
Die beiden Freunde liefen wieder los. Doch früher oder später würden sie eingeholt werden. Kai hatte jedoch eine weitere Idee. Er packte Elina am Arm und sagte: „Mit meiner Decke können wir uns tarnen.“
Beide legten sich auf den Waldboden, und Kai breitete die Bionetikdecke über sie aus, sodass sie vollkommen verdeckt waren. Hydritische Technologie war einfach erstaunlich. Er konzentrierte sich auf die Decke, und diese nahm die Farbe des Waldbodens an, und tarnte die beiden Teenager so. Kaum waren sie getarnt, kamen auch schon die Soldaten an. Sie liefen an ihnen vorbei und grölten dabei die ganze Zeit über.
Kai und Elina warteten noch eine Weile, doch als sie keinen der Soldaten mehr hörten, verließen sie ihr Versteck.

Am nächsten Tag waren sie weiter durch den Wald gekommen, und hatten inzwischen beinahe den Waldrand erreicht. Schließlich waren sie auf einen scheinbar viel benutzten Wanderweg gestoßen, und waren diesem gefolgt. Aus der Ferne sahen sie einen Karren, der von zwei Tieren gezogen wurde. Kai erinnerte der Karren entfernt an die Wagenzüge, die man in Wild-West-Filmen häufig sah. Allerdings wurde er angegriffen. Vier in schmutzige Felle gehüllte Gestalten schlugen mit Schwertern und Äxten nach demjenigen, der vorne auf dem Karren saß. Dieser versuchte mehr schlecht als recht, sich zu verteidigen.
Kai und Elina nickten sich zu, und rannten mit gezogenen Waffen auf die Räuber zu. Es waren zwei Männer und zwei Frauen, und sie sahen wild und schmutzig aus. Als sie bemerkten, dass die beiden Freunde näherkamen, wandten sie sich ihnen zu. Die beiden Männer wandten sich Kai zu. Mit gezogenen Schwertern griffen sie ihn an, doch der Junge ließ seinen Schockstab ausfahren und schoss Blitze auf sie ab. Beide Männer sackten betäubt zu Boden.
Die beiden Frauen griffen Elina an, doch das Mädchen wehrte sich, und trieb sie mit mehreren Schwerthieben zurück. Eine der Frauen sprang vor, und Elina wich ihr aus und rammte ihr Schwert in ihren Körper. Die andere Frau bedrängte sie mit ihren rostigen Messer, doch auch diesmal dauerte es nicht lange, sie die Kriegerin sie niedergestreckt hatte.
„War es nötig sie zu töten?“ fragte Kai.
„Sie haben mich angegriffen, und sind im Kampf getötet worden.“ entgegnete das Mädchen nur.
„Ich danke euch für meine Rettung.“ sagte der Junge, und stieg von seinem Karren, „Ohne euch hätten sie mich wahrscheinlich ausgeraubt und getötet. Aber wo bleiben meine Manieren? Ich heiße Emilio.“
Auch Kai und Elina stellten sich vor.
„Ich habe gerade Praaha verlassen und bin auf dem Weg nach Doyzland.“ sagte er, „Möchtet ihr, dass ich euch mitnehme?“ fragte er.
„Nein, wir kommen gerade aus Doyzland.“ erwiderte Kai.
Er wusste, dass Praaha der neue Name von Prag war.
„Lasst mich euch wenigstens ein Stück weit mitnehmen. Diese Gegend hier ist nicht sicher. Ich fahre auch nicht direkt nach Doyzland, sondern halte unterwegs immer wieder in verschiedenen Städten an, um meine Ware dort zu verkaufen. Jetzt gerade bin ich eher etwas südlich unterwegs.“ redete er.
Er und Elina warfen sich Blicke zu, die Kai zwar bekannt vorkamen, die er jedoch nicht deuten konnte.
„Ich finde, dass nichts dagegen spricht.“ meinte die Kriegerin.
„Dann fahren wir eben eine Weile.“ stimmte auch Kai zu.
Sie stiegen zu Emilio auf den Wagen und fuhren los. Kai sah Emilio an, und bemerkte, dass er kaum älter als er und Elina war. Er trug einfache, dunkelbraune Kleidung, sah allerdings deutlich ordentlicher aus als ein Barbar. Emilio und Elina unterhielten sich angeregt, doch Kai, der sonst eher neugierig und redselig war, blieb diesmal schweigsam.

Nach einigen Stunden Fahrt blieb der Karren stehen, und Emilio stieg ab. Er sah nach den beiden Tieren die ihn zogen, und ging dann zu den beiden Freunden zurück.
„Meine beiden Doonkeys brauchen eine Pause. Sie sind zwar manchmal ein bisschen störrisch, aber dafür auch klüger als Horsays.“ sagte er.
Kai und Elina stiegen ab. Kai sah sich die mutierten Esel genauer an. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass sie sich nicht besonders von den Eseln vor der Kometenkatastrophe unterschieden. Doch als einer von ihnen nach Kai schnappte, erkannte der Junge, dass die mutierten Esel Reißzähne hatten. Auch ihre Füße endeten nicht in Hufen sondern in Krallen.
„Sie mögen es nicht, wenn jemand sie anfasst, den sie kennen. Aber sie tun niemandem etwas.“ erklärte Emilio, „An der nächsten Wegkreuzung müssen wir uns trennen, wenn ihr nicht nach Doyzland wollt. Aber vorher möchte ich euch etwas schenken, denn ihr habt mich gerettet.“
„Das ist nicht nötig.“ sagte Kai.
„Doch, das ist es. In meinem Volk ist es üblich, seinen Retter zu beschenken.“ meinte der Junge.
„Dann nehme ich dein Geschenk gerne an.“ erwiderte der junge Techno.
„Ich komme aus einer Familie von Kaufmännern und habe zuletzt Geschäfte mit einem Retrologen gemacht. Von den Waren in meinem Karren kannst du dir zwei Dinge nehmen, die dir gefallen.“ sagte er zu Kai und wandte sich dann an Elina, „Dir möchte ich gerne ein anderes Geschenk machen.“
„Ich werde es mit Freuden annehmen.“ erwiderte das Mädchen leicht errötet.
Während Kai auf den Karren stieg und ins Innere ging, gingen die beiden ein Stück weit in den Wald hinein. Sie liefen so weit in den Wald, dass sie Kai nicht mehr hören konnten. Elina sah sich kurz um, ob gefährliche Raubtiere in der Gegend waren, doch als sie keine bemerkte, zog sie ihre leichte Rüstung aus. Ihre restliche Kleidung folgte danach. Auch Emilio zog seine Kleidung aus. Der Junge und das Mädchen traten näher zueinander.

Kai besah sich die Sachen auf dem Karren. Es waren mehrere Tonkrüge, in denen sich verschiedene Flüssigkeiten befanden, von denen die meisten nach Alkohol rochen. Dann fand er weitere Krüge mit Nahrung vor. Offenbar war die Nahrung in anderen Teilen von Euree eine Delikatesse. Erst in dem letzten Krug befanden sich einige Gegenstände, die Retrologen benutzten und verkauften.
Elina hatte ihm erklärt, dass Retrologen die Technologien der Alten fanden, und versuchten herauszufinden, wie diese funktioniert hatte. Gelang ihnen das, verkauften sie sie in verschiedenen Dörfern und Städten. Kai fand ein Binokular, ein Fernglas, wie es von Technos verwendet wurde. Vielleicht hatte Emilio nicht bloß mit einem Retrologen gehandelt, sondern auch mit einem Techno.
Der Junge schaute durch das Binokular... und sah Emilias nackten Rücken. Schnell ließ er es wieder sinken. Kai hatte schnell gemerkt, dass die Menschen auf der Oberfläche eine deutlich lockerere Haltung dazu hatten, dass beide Geschlechter sich gegenseitig Freude bereiten konnten, als die Bunkerleute oder die Menschen vor der Kometenkatastrophe. Natürlich hatten er und die anderen Jungs sich damals gefragt, wie die Mädchen nackig aussehen würden, als sie alt genug waren. Die Mädchen waren da sogar noch deutlich wilder, wenn die Jungs zusammen badeten, musste einer von ihnen stets Wache stehen, damit die Mädchen nicht spannen konnten. Doch sein erstes, echtes Erlebnis in diesem Punkt, war an dem Tag gewesen, an dem er seine Insel verlassen hatte.
Damals hatte er ein junges Mädchen davor gerettet, von mutierten Tieren gefressen zu werden. Sie war mit ihrer älteren Schwester, einer Kleiderhändlerin, unterwegs gewesen. Und sie war so dankbar für die Rettung ihrer jüngeren Schwester, dass sie Kai neue Kleidung geschenkt hatte... und nackt zu ihm gekommen war.
Kai legte das Binokular zurück und suchte nach weiteren Gegenständen. Und schließlich wurde er auch fündig.

Nach einer Weile kamen die beiden wieder zurück. Kai sprang von Karren und ging auf sie zu.
„Ich habe zwei Dinge gefunden, die ich für nützlich halte.“ sagte er.
„Das freut mich.“ entgegnete Emilio.
Sie verabschiedeten sich, und der junge Händler fuhr weiter. Kaum war er außer Sichtweite, holte Kai die beiden Sachen heraus, die er sich nehmen durfte.
„Sieh mal, ein Kleinbrenner und ein Bumerang.“ sagte er.
„Sind das wertvolle Dinge?“ fragte Elina.
„Nein, aber nützliche. Sieh mal.“ sagte er und aktivierte den Kleinbrenner, und eine Stichflamme schoss heraus.
„Was für Magie ist das?“ wunderte sich die Kriegerin.
„Es ist keine Magie, es ist Technik.“ erklärte der Junge, jetzt können wir uns abends ein Lagerfeuer machen.
Ein Kleinbrenner war eine Art weiterentwickeltes Feuerzeug, welches von Technos benutzt wurde. Kai war froh, so eines gefunden zu haben. Das andere Ding war ein Bumerang. Es bestand aus Leichtmetall und hatte scharf geschnittene Ränder.
„Sieh mal, das hier ist wie der Schockstab, sowohl ein Werkzeug, als auch eine Waffe.“ erklärte er, „Und jetzt werde ich uns ein paar leckere Früchte besorgen.“
Kai zielte auf einige im Baum hängende Früchte und warf den Bumerang. Doch dieser flog nur in den Baumstamm, und blieb dort stecken.
Elina prustete los, und auch Kai fiel mit ein. Schließlich sagte er: „Da werde ich wohl noch ein bisschen üben müssen.“

Amira schlich durch den Wald. Sie war ein gutes Stück außerhalb der Barbarensiedlung. Die Barbarensiedlung, in welcher sie und ihre Schwester ohnehin nur am Rande wohnten. Das junge Mädchen wurde von den Barbaren gemieden, man warf ihr höchstens die Essensreste zu. Ebenso wie ihre Schwester. Denn sie beide waren von den Göttern gezeichnete. Und man würde sie überall meiden, denn die Menschen hassten solche wie sie. Dabei wollte das Mädchen so gerne auf Reisen gehen und die Welt sehen.
Das Mädchen kniete sich an einem Bach, und schaute in das Wasser, in welchem sie sich spiegelte. Sie hatte vierzehn Winter gesehen, und hatte kurze, schwarze Haare, braune Augen, und eine dunkle Haut. Das war nicht unüblich für eine Arab. Etwas anderes aber schon. Denn ihre Arme und Beine waren von schwarzer Reptilienhaut bedeckt, und ihre Finger und Zehen endeten in Krallen. Außerdem hatte sie auch große Ohren, welche denen einer Batera ähnelten. Sie trug einen hellgrünen Rock, und darüber ein hellblaues Hemd.
Plötzlich hörte sie ein Geräusch. Mit ihren großen Ohren konnte sie sehr gut hören. Und so wusste sie schnell, dass sich ihr ein großes Tier näherte. Das Mädchen stand auf zu zog zwei kupferne Dolche hervor. Eigentlich waren es Wulfanenwaffen, doch sie hatte sie vor einer ganzen Weile gefunden, und kämpfte nun selber mit ihnen. Doch das war nicht ihre einzige Waffe. Nicht, als eine von den Göttern gezeichnete.
Durch das Gebüsch brach ein riesiges Tier und stürzte sich auf sie. Amira erschrak und schrie auf. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass es ein solches Tier auf sie abgesehen haben könnte. Es war ein Daaks.

Kai und Elina rannten schneller, als sie die Schreie eines Mädchen hörten. Jemand war in Gefahr. Diesmal rannte das Mädchen deutlich schneller als er. Ein junges Mädchen stand mit zwei gezogenen Wulfanendolchen vor einen Daaks, welcher sie anknurrte und offenbar fressen wollte.
„Unfassbar. Das sieht ja aus wie ein mutierter Dachs.“ sagte Kai.
Daakse waren mutierte Dachse. Allerdings waren sie viel größer, eher so groß wie Elefanten. Über ihre Rücken und den Oberseiten der Beine zog sich ein Panzer, der an dem eines Gürteltieres erinnerte.
„Gegen diese Bestie können wir nichts ausrichten.“ sagte Elina traurig, „Ich würde dem Mädchen gerne helfen, aber Schwerter und Pfeile können nicht die Haut von Daaksen durchdringen.“
„Ich lasse das Mädchen nicht im Stich!“ sagte Kai und rannte los.
Er zog den hydritischen Schockstab und schoss einen Schwall Blitze auf das Tier ab. Der Daaks reagierte darauf nur ein wenig. Kai verstärkte die Ladung, und schoss weitere Blitze ab. Diesmal knurrte der Daaks zornig und wandte sich dem Jungen zu. Kai erhöhte die Ladung noch weiter und schoss ein weiteres Mal Blitze ab. Diesmal taumelte die Kreatur ein wenig, und fiel schließlich zu Boden.
„Ist dir etwas passiert?“ fragte Kai das Mädchen.
„Nein, du bist gerade rechtzeitig gekommen.“ erwiderte sie.
Kai war froh, dass sie auch die Sprache der Wandernden Völker sprach. Offenbar konnte man sich mit ihr in ganz Euree verständigen.
Und plötzlich bemerkte er, dass sie nicht ganz menschlich aussah. Das Mädchen hatte große Fledermausohren, und ihre Arme und Beine waren von schwarzer Reptilienhaut bedeckt.
Amira wich zurück und sah zu Boden. Gleich würde er sagen, wie furchtbar abstoßend sie war. Sie hatte das schon sooft gehört.
„Du siehst interessant aus.“ sagte er schließlich.
Sie schaute ihn an und fragte: „Du findest mich... interessant. Nicht abstoßend oder hässlich?“
„Überhaupt nicht. Du siehst so aus wie ein Tiefling, oder ein Hexenwesen.“ erwiderte er und grinste.
Amira sah ihn verwirrt an.
„Er sagt gelegentlich solche Sachen. Das ist in seiner Heimat wohl eine Art Sitte.“ sagte das Mädchen.
„Nein, ist es nicht. Dort galt ich auch schon als ungewöhnlich.“ meinte Kai.
„Die Art von Technik die du benutzt, habe ich noch nie gesehen.“ sagte das Mädchen und deutete auf den Schockstab.
„Ich habe sie von zwei Freunden bekommen.“ erwiderte Kai „Moment mal, Technik? Du hast es als Technik erkannt, und hältst es nicht für Magie?“
„Nein. Meine Schwester ist eine Retrologin. Sie beschäftigt sich mit den Hinterlassenschaften der Alten.“ sagte sie, „Folgt mir, dann bringe ich euch zu dem Barbarenclan, bei dem wir wohnen.“
„Sind sie auch von den Göttern Gezeichnete?“ fragte Elina.
„Nein, es sind bloß Barbaren. Sie haben mich und meine Schwester aufgenommen, und versorgen uns mit Nahrung. Meine Schwester hat ihnen... diese Magie versprochen.“ redete sie.
Kai hatte schon von den Mutanten gehört. Sie meisten von ihnen sahen so aus wie verschiedene Mischungen aus Menschen und Tieren. Unter den menschlichen Völkern waren sie häufig geächtet. Außerdem war ihre DNS auch dominant. Wenn ein Mensch und ein Mutant ein Kind bekamen, war dieses fast immer auch ein Mutant.
„Dann lasst uns gehen.“ meinte Elina.

Zu dritt verließen sie den Wald nach einer ganzen Weile wieder. Sie erreichten eine große Lichtung, auf welcher mehrere Lagerfeuer brannten, denn schließlich wurde es auch ganz allmählich Abend.
„Endlich haben wir die Lichtung erreicht.“ sagte Kai, „Den Marsch hätte ich nicht viel länger durchgehalten.“
„Kommst du aus einem Volk, welches nicht daran gewöhnt ist, größere Strecken zu gehen?“ fragte Amira neugierig.
„Ja, genauso ist es.“ erwiderte Kai.
„Wir haben das Lager fast erreicht. Ihr wisst doch noch, was ich euch gesagt habe, oder?“ fragte das junge Mädchen nach.
„Natürlich wissen wir das noch.“ sagte Elina.
Mehrere Barbaren traten vor. Die meisten von ihnen waren Männer, doch auch einige Frauen waren unter ihnen. Jeder sah wild und brutal aus, und sie waren bestenfalls dürftig mit Fellen bekleidet. Kai hatte den Eindruck, dass sie sich gleich auf ihn und Elina stürzen würden.
„Das sind zwei Zauberer. Ich habe sie mithilfe meiner Magie gefunden. Sie werden meiner Schwester helfen, wenn ihr es ihnen gestattet, das Lager zu betreten.“ sagte Amira und trat vor.
„Dann sollen sie zeigen, welche Magie sie haben.“ meinte einer der Barbaren. Es war ein Junge, und er schien kaum älter als sie zu sein.
Kai trat vor und hob den hydritischen Schockstab. Und plötzlich leuchtete er an der Spitze auf. Die Mendriten hatten ihm erzählt, dass man mit diesem Gerät auch Licht erzeugen konnte. Amira hatte erklärt, dass diese Barbaren zu den vielen Menschen gehörten, welche Technologie nicht von Magie unterscheiden konnten.
Einen Moment später trat Elina vor. Sie hatte die bionetische Decke von Kai, welche ihre Farbe ändern konnte. Sie trug die Decke wie einen Umhang, und wies sie darauf an, ihre Farbe zu ändern. Das tat die Decke auch.
„Sie dürfen zu deiner Schwester.“ sagte der Barbarenjunge.
Die Barbaren gingen wieder, und die drei Teenager gingen ebenfalls weiter. Am anderen Ende der Lichtung stand ein rostiger Wagen. Kai erkannte, dass es ein rostiger Wohnwagen war. Die Fahrzeuge von damals hatten sich eben bis in diese Zeit gehalten. Doch es schien so, als sei dieser bewohnt. Tatsächlich, kaum hatten sie ihn erreicht, kam ein anderes Mädchen aus der Hütte.

Laila wartete auf ihre Schwester. Eigentlich hätte sie schon lange wieder zurück sein müssen. Die Mutantin legte die Geräte an denen sie arbeitete, zur Seite, und sah wieder aus dem Fenster. Ihre Schwester war noch immer nicht da.
In dem Wohnwagen standen zwei Betten. Einer für sie, und einer für ihre Schwester. Sie hatte diesen Wohnwagen gefunden, und ihn für sie beide bewohnbar gemacht. Damals waren sie noch auf der Flucht gewesen. Sie waren Mutanten. Die Barbaren bezeichneten sie als von den Göttern in den Kristallen gezeichnete. Diese Kristalle waren nun schon seit einer ganzen Weile erloschen, sodass die heutigen Mutanten fast immer die Nachkommen anderer Mutanten waren. So war es auch im Fall von Laila und Amira. Ihre Mutter war auch eine Mutantin gewesen, ihr Vater jedoch ein Mensch.
Laila kannte sich deshalb so gut mit der alten Technik aus, weil ihr Vater ein Retrologe war, und ihr vieles beigebracht hatte. Er war auch ein Arab, weshalb sie und ihre Schwester ihre dunkle Haut hatten. Aus ihrer Heimat hatten sie fliehen müssen, denn die Kristianer sagten, dass Technik für sie nur das Werk des Orguudoo sein konnte. Und sie hassten und verfolgten auch Mutanten, denn diese galten für sie auch als Kreaturen des Orguudoo. Besonders,wenn diese die Mondgöttin Loona anbeteten.
Laila hatte achtzehn Winter gesehen, und hatte lange, schwarze Haare und braune Augen. Sie trug einen weiten, langen Rock aus hellbraunen Leinen, und darüber einen schwarzen Kapuzenmantel. Außerdem trug sie auch lederne Handschuhe. Die Götter hatten wohl ein Einsehen mit ihr gehabt, denn im Gegensatz zu ihrer Schwester, zeigte Laila nur wenige Merkmale der Mutanten. Lediglich ihre Ohren waren etwas spitz.
Amira war schon immer eine Abenteurerin gewesen. Sie war sehr neugierig, und wollte die Welt sehen. Natürlich konnte Laila ihre Schwester nicht einfach so gehen lassen. Überall woanders würde man sie hassen und jagen, oder sogar töten. Dabei würde sie ihrer Schwester das Reisen nur zu gerne gestatten. Sie beide waren überaus neugierig, doch Laila wollte im Gegensatz zu Amira mehr über die Technik und die Alten wissen.
Auch sie würde gerne fortgehen, doch die Barbaren ließen sie nicht gehen. Laila hatte zugestimmt, ihnen mit Technik zu helfen, solange sie sie beide vor den Kristianern beschützten. Doch Laila wusste, dass dieses Bündnis nicht von Dauer sein konnte. Sobald die Barbaren mächtig genug waren, würden sie sie und ihre Schwester töten, und die wenige Technik die sie verstanden, einfach weiterhin benutzen.
Und es störte Laila auch, dass diese Barbaren regelmäßig Dörfer überfielen. Sie töteten die Bewohner dort, und stahlen die Nahrung, fielen über die Frauen her, oder über die Männer. Seit Jahren schon, genoss sie den Schutz von Barbaren, die wirklich furchtbare Dinge taten.
Und es gab noch etwas, was sie vermisste. Die Berührungen eines Jungen, der ihr Freude bereitete. Keiner der Barbaren käme je auf die Idee, sich ihr zu nähern, und sie hatte auch an keinem von ihnen Interesse. Allerdings, seitdem sie hier war, konnte sie leider auch keinen anderen Jungen finden, mit welchem sie das Lager teilen konnte.
Laila stand wieder auf. Vielleicht sollte sie ihre Schwester suchen gehen. Doch als sie durch das Fenster sah, dass sie wieder zurückkam, zusammen mit zwei anderen Halbwüchsigen, freute sie sich und trat aus der Tür.

„Dann seid ihr also nur hier, weil die Barbaren eure Technik benutzen und sie als Magie bezeichnen?“ fragte Kai nach.
„Genauso ist es.“ erklärte Laila, „Sobald wir ihnen nicht mehr nützlich sind, werden sie uns beide töten.“
„Ihr beide seid nur deshalb unbeschadet hineingekommen, weil sie euch auch für Zauberer halten.“ fügte Amira hinzu.
„Ist es wirklich kein Problem für euch, dass wir beide keine Menschen sind?“ fragte Laila erstaunt nach.
„Es ist nicht eure Schuld, dass diese grünen Kristalle euch haben mutieren lassen.“ erwiderte Kai.
„Wir behandeln euch so, wie wir auch Menschen behandeln würden.“ fügte Elina hinzu.
„Hörst du das, Amira? Du wolltest doch schon immer um die Welt reisen. Nun hast du Leute gefunden, die dich so mögen wie du bist.“ sagte die ältere Mutantin.
„Wir können sie doch nicht einfach so mitnehmen.“ sagte Elina, „Unsere Reise kann durchaus viele Strapazen haben.“
„Und ohne mich wärst du alleine.“ fügte Amira hinzu.
„Es sieht hier ziemlich interessant aus.“ bemerkte Kai, „Du kennst dich ziemlich gut mit Technik aus.“
„Vielen Dank. Immer wenn ich etwas neues an Technik sehe, möchte ich sofort herausfinden, wie sie funktioniert.“ erwiderte Laila.
„Dann sieh dir mal das hier an.“ meinte Kai und zog den hydritischen Schockstab hervor.
„Das ist echt erstaunlich. Soetwas habe ich noch nie zuvor gesehen. Wozu ist das gut?“ fragte sie neugierig.
„Hauptsächlich, um Angreifer abzuwehren. Mit dieser Waffe kann man sie betäuben, und hat dann die Gelegenheit zur Flucht.“ erklärte der Junge.
„Das habe ich gesehen.“ stimmte Amira zu, „Er hat damit einen riesigen Daaks besiegt, der mich angegriffen hatte.“
„Zeigst du mir bitte, wie es funktioniert?“ fragte Laila aufgeregt.
„Sieh genau hin.“ sagte der Junge.
Er richtete den Schockstab auf eine Wand und schoss ihn ab. Schon war ein kleines Loch in der Wand zu sehen.
„Einfach erstaunlich.“ meinte Laila aufgeregt.
Eine Weile lang sagte niemand etwas, alle genossen nur den Abend.
Schließlich meinte Laila: „Es wird langsam spät. Vielleicht sollten wir nun schlafen gehen.“
Amira und Elina stimmten zu, doch Kai wollte noch nicht schlafen.
„Irgendwie habe ich gehofft, dass du das sagen würdest.“ redete das Mädchen, „Ich möchte dir gerne draußen noch etwas zeigen.“
Sie gingen nach draußen. Sie ging vor, und er folgte ihr. Schließlich waren sie ein gutes Stück weit von dem alten, verfallenen Wohnwagen entfernt. Allerdings waren sie auch nicht auf der Lichtung, auf der die Barbaren waren.
„Ist das Mädchen in deiner Begleitung deine Gefährtin?“ fragte die Mutantin plötzlich.
„Nein, wir sind bloß Freunde.“ erwiderte der junge Techno.
„Ich möchte, dass ihr Amira mitnehmt.“ sagte sie, „Ihr könnt sie beschützen. Du hast eine mächtige Waffe, und Elina sieht wie eine mächtige Kriegerin aus. Ich könnte meine Schwester nicht beschützen.“
„Sie hat sich mutig einem Daaks entgegengestellt. So hilflos wie du glaubst, ist sie bestimmt nicht.“ redete der Junge.
„Es gibt noch einen weiteren Grund. Ich sehe beinahe wie ein Mensch aus. Wenn ich meine Haare so käme, dass sie meine Ohren verdecken, sieht niemand, dass ich eine von den Göttern gezeichnete bin.“ erklärte sie, „Ich kann als Retrologin von Ort zu Ort ziehen, ohne dass man mich mit Verachtung und Hass behandelt. Mit meiner Schwester könnte ich das nicht. Vielleicht werden wir beide auf diese Weise glücklicher.“
„Ich werde Amira morgen einfach fragen. Wenn sie uns begleiten möchte, und Elina nichts dagegen hat, kann sie gerne mitkommen.“ redete Kai.
Einen Moment lang sagte keiner von beiden etwas. Sie standen nur da, und sahen in die Nacht.
„Was wolltest du mir eigentlich zeigen?“ fragte der Junge schließlich.
„Das hier.“ erwiderte das Mädchen.
Kai drehte sich zu ihr um... und sah, dass sie sich nackig ausgezogen hatte. Sie ging auf ihn zu und küsste ihn.
„Deute ich deine Absichten richtig?“ fragte er schließlich.
„Du sagtest doch, dass das andere Mädchen nicht deine Gefährtin sei. Außerdem bist du der erste Junge, den ich seit einer ganzen Zeit sehe, der kein Barbar ist. Möchtest du mich denn nicht?“ redete sie.
Als Antwort küsste er sie ebenfalls und zog seine Kleidung aus.

Laila trug den schlafenden Kai in den Wohnwagen. Sie war für ein junges Mädchen recht kräftig, und so bereitete es ihr keine Mühe, ihn zu tragen. Sie sah, dass Amira und das andere Mädchen auch schon schliefen, und legte den Jungen vorsichtig auf den Boden.
Laila wusste, dass sie niemals wieder eine so gute Chance bekommen würde. Leise, ohne die anderen aufzuwecken, packte sie ihre wenigen Sachen in einen großen Rucksack, und verließ den Wohnwagen wieder. Sie schloss die Tür und verrammelte sie von außen. Früher oder später würden sie sich befreien können, doch sie würden solange gefangen sein, bis die Sache vorbei war. Zumindest hoffte Laila das.
Schnell ging sie mitten auf die Lichtung. Die Sonne ging bereits auf, und die Barbaren, die auf dem Boden geschlafen hatten, wachten nun auf. Laila musste sich beeilen. Sie stellte sich mitten auf die Lichtung und breitete ihre Arme aus. Sie hatte eine besondere Fähigkeit, die ihr von den Göttern verliehen worden war. Sie konnte Pheromone erzeugen, welche wilde Tiere beeinflussten.
Der Wind wehte günstig, er würde den Geruch über große Strecken hinweg in den Wald hineintragen. Laila erzeugte die Pheromone, die den Geruch von Blut und schwacher Beute signalisierten.
„Was für eine Magie ist das, Hexe?“ fragte einer der Barbaren.
„Eine, welche den Menschen in dieser Umgebung Schutz bringen wird.“ erwiderte sie.
Ein lautes Knacken ertönte, und plötzlich brach ein riesiger Eluu durch die Bäume und stürzte sich auf die Barbaren. Kurz darauf kamen auch ein Fuux und zwei Daakse. Und nicht bloß sie, viele Raubtiere brachen aus den Wäldern und stürzten sich auf die Barbaren. Als Laila sah, dass das Chaos komplett war, strömte sie keine Pheromone mehr aus und wandte sich zur Flucht.

Einige Stunden später waren auch Kai, Elina und Amira aufgewacht. Sie merkten schnell, dass sie eingesperrt waren, konnten sich aber schnell befreien. Und die Lichtung war ein Bild des Grauens. Überall lagen die zerfetzten und teilweise aufgefressenen Körper der Barbaren herum. Doch Laila war nicht da.
„Was ist hier nur passiert?“ fragte Elina.
„Ich glaube, dass mehrere wilde Tiere diese Lichtung hier angegriffen haben.“ meinte Kai, „Aber ich weiß nicht, aus welchem Grund.“
„Meine Schwester kann Pheromone erzeugen. Und mit ihnen kann sie auch Tiere anlocken.“ erklärte Amira, „Viele Mutanten haben besondere Kräfte.“
Kai erzählte den beiden Mädchen, was sie ihm in der Nacht zuvor erzählt hatte.
„Vielleicht treffen wir deine Schwester ja einmal wieder.“ meinte Kai, „Wenn du uns begleiten möchtest, natürlich. Du kannst auch alleine nach ihr suchen.“
„Wenn sie wirklich mitkommen möchte, habe ich nichts dagegen.“ meinte Elina, „Dann ist sie wenigstens unter Menschen, die sie nicht hassen und verachten.“
„Ich komme gerne mit euch mit.“ sagte Amira grinsend.
Und zu dritt verließen sie die Lichtung.

ENDE
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