Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Ragnars Reisetagebuch, wenn er eins schreiben würde

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16 / Gen
OC (Own Character)
04.10.2017
06.10.2019
106
194.737
6
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.10.2017 2.194
 
Die nächste Expedition startet mit zwölf Mann und Proviant für zehn bis vierzehn Tage. Wir finden verschiedene Schiffe während unserer kräftezehrenden Märsche. Immer sind sie geplündert oder verfallen. Keine Spur von den Mannschaften, hin und wieder gruselige Einträge in Logbüchern, wie zuvor. Der Kapitän ist frustriert, dass wir so langsam vorankommen. Aber sein Drängen und Treiben führt nur dazu, dass sich die Unglücke häufen. Einmal, auf einem Kontrollgang um das Lager, erwischt es mich, ich breche ein und irgendwelche giftige Spinnententakelviecher beißen mich. Innerhalb von wenigen Augenblicken bin ich komplett gelähmt. Alle meine Sinne funktionieren noch, auch den Schmerz fühle ich, aber mein kompletter Körper gehorcht mir nicht mehr. Es ist das Grauenhafteste, was ich bisher erlebt habe. Aber meine Gefährten besiegen die Tiere und bringen mich zurück. Boraco kann mich magisch heilen. Als seine Hände mich berühren, fließt ein warmer Schauer durch mich hindurch. Die Magie scheint das Gift geradezu aufzuspüren und zu vernichten. Es ist ein angenehmes Gefühl. Zum ersten Mal freue ich mich über Magie. Überhaupt fällt mir auf, als ich darüber nachdenke, dass Boraco, also der Kapitän, immer an seine Grenzen geht und alles tut um zu helfen und zu heilen. Das macht ihn deutlich netter. Aber je tiefer wir vordringen, desto grausiger sind die Tiere hier. Entartete Mischwesen, gruselig und schrecklich und in der Regel giftig. Was ist das nur für ein Ort?
An einem anderen Tag bricht Pequod in ein Spinnennest ein und geht in dem Wasserloch komplett unter. Ich versuche vergeblich ihn zu ertasten. Es bleibt nichts, ich springe gesichert mit einem Seil hinter ihm her. Ich kann ihn nicht ausmachen und die Babyspinnen haben mich schon ordentlich gebissen, als er, Efferd sei Dank, ein paar Schritt weiter wieder auftaucht.
Das nächste Unglück trifft dann Laila. Sie sieht eine Hand wie um Hilfe suchen aus dem Sargasso ragen. Ohne nachzudenken, tritt sie hinzu und greift danach. Einen Moment zu spät erkennt sie eines der geflügelten Wesenheiten, über die wir schon in den Logbüchern gelesen haben und es packt sie und zieht sie in die Höhe. Melek wirft seine Wurfdolche und der Kapitän schießt einen Flammenstrahl zu ihrer Rettung. Sie kommt mit einem Schrecken davon.
Wer hat diese Wesen nur erschaffen? Sie scheinen direkt den Niederhöllen entsprungen zu sein, wie alle Tiere hier, außer den allgegenwärtigen Ratten. Melek und Laila meinen sie sind das Werk dieser Magier, die hier vor einer Weile gestrandet sein sollen. Ich habe nie wirklich zugehört, wenn sie von den Gruselgeschichten um das Sargasso erzählt haben. Ich finde es hier schon gruselig genug. Der Kapitän hatte Melek ein Buch gegeben, in dem Vieles stand, aber er gibt keinerlei Erklärungen ab zu den Vermutungen oder zu seinen wahren Absichten hier an diesem götterverlassenen Ort.
Doch das nächste Unglück lässt nicht lange auf sich warten. Während einer Rast sichert Melek das Lager und plötzlich erschallen laute Hilferufe. Wir sehen ihn um sein Leben laufen, ein Rudel Wolfsspinnen hat ihn umzingelt. Sofort eilen Aisha, Laila und ich zur Hilfe und wir besiegen die Biester. Melek ist schwer verwundet und liegt besinnungslos am Boden. Boraco heilt ihn, sonst wäre er verblutet.
An einem Abend ziehen schwere Wolken auf und ein Sturm kündigt sich an. Schnell errichten wir ein Lager und machen ein Feuer um zu essen bevor der Himmel seine Schleusen öffnet. Nach dem Essen biete ich Laila an, mit unter meinen Umhang zu kommen, da ihrer nicht wasserdicht ist. Sie nimmt mein Angebot an und kuschelt sich an meine Seite. Wir unterhalten uns fast die ganze Nacht, da an Schlaf eh nicht zu denken ist. Sie erzählt mir von einem verflossenen Liebhaber, den sie beinahe geheiratet hat und von ihren bisherigen Abenteuern. Sie teilt mir ihre Sorge um ihr Pferd mit, welches sie in der Obhut von Hahmad gelassen hat. Ein weißes Shadif, welches sie als Belohnung von einem Auftraggeber bekommen hat. Solche Pferde sind etwas ganz Besonderes und hunderte von Dukaten wert. Ich erzähle ihr die Geschichte, wie ich zu Eran gekommen bin und was ich bisher erlebt habe. Es ist schön mal an etwas anderes als das Sargasso und dessen Gefahren zu denken. Während um uns herum der Sturm tobt, spüre ich ihre Wärme, nehme den Duft ihres Haares unter dem allgegenwärtigen Salzgeruch wahr und ich muss zugeben, mein Herz schlägt schneller in meiner Brust. Was spielt die Schöne Göttin doch für ein grausames Spiel mit mir. Erzähle ich nicht gerade, dass ich mich noch nie in eines der Mädchen verliebt habe, die in meinen Armen lagen und jetzt soll es mich an diesem verfluchten Ort voller Tod und Verderben treffen? Gegen Morgen fallen wir in unruhigen Schlaf.
Der Tag beginnt direkt mit mehreren schlechten Nachrichten. Die Boote rufen um Hilfe und mitten aus unserem Lager ist Lughaid verschwunden. Niemand hat etwas bemerkt und es ist keine Spur von ihm zu finden. Wir machen uns auf den Weg zu den Booten. Der Sturm hat sie tief in den festeren Tang getrieben und es verlangt uns alles ab sie zu befreien. Dennoch rasten wir nicht, da wir Sorge haben die Perle habe es ebenso ins Sargasso getrieben. Wir kommen auf einen Abschnitt, der fast völlig fest ist und auf dem wir ohne Schwierigkeiten schnell vorankommen. In der Ferne sehen wir Raluf auf uns zu kommen. Wie hat er es hierhergeschafft, er ist doch auf der Perle geblieben? Er kommt mit den ersten guten Nachrichten seit Tagen. Die Perle hat den Sturm unbeschadet überstanden, freies Wasser unter dem Kiel und einen Kanal tief ins Sargasso hineingefunden. Wir teilen uns auf, um Zeit zu sparen. Ich mache mich mit vier Mann auf den Weg zu den Booten. Laila begleitet Raluf zur Perle und der Rest bleibt an Land und wartet. Wir wollen uns am nächsten Tag wieder hier treffen und von hier aus weitergehen, während die Boote zur Perle rudern. Boraco ist zunehmend unruhig und treibt uns unablässig vorwärts. Ich frage mich, was genau er hier wirklich will und ich bin nicht der einzige, vor allem da die Schrecknisse sich häufen.
In meiner Gruppe läuft alles ruhig. Die Landmannschaft berichtet am nächsten Tag von einer ruhigen Rast, aber Laila erzählt, dass sie und Raluf von einer riesigen Hummerchimäre angegriffen wurden, kurz bevor sie die Perle erreichten. Raluf wurde im Kampf schwer verletzt und wankte schon, aber Laila schaffte es, das Tier zu besiegen. Muss sie denn ständig das Ziel der Angriffe sein? Ich bemerke zu meiner eigenen Verwunderung, dass ich mir vermehrt Sorgen um sie mache und darüber nachdenke, wie ihre Lippen wohl schmecken. Eher unkonzentriert, mit frischem Proviant von der Perle, mache ich mich mit den anderen wieder auf dem Weg. Wir kommen gut voran und die tägliche Laufroutine hat sich wiedereingestellt, als Laila plötzlich aufschreit. Sie stürzt in ein Loch und aus dem erschreckten Laut wird ein wildes Gekreische. Ich lege mich an den Rand des Loches und sehe sie in einem Haufen verwesender Leichen und aasfressendem Getier und Gewürm liegen. Ein niederhöllischer Gestank steigt auf und ich versuche nicht zu atmen, während ich ihr den Arm hinhalte und sie anbrülle sie soll meine Hand nehmen. Sie zappelt wild, kreischt weiter und nur mit Mühe ziehe ich sie heraus. Dabei muss ich mich auf den Rücken drehen und sie über mich hinweg ziehen. Es ist widerlich. Sofort beginnt meine Kleidung zu leben, die Würmer und Käfer krabbeln in die Ärmel und in den Hosenbund und unbeschreibliche Dinge kleben an uns. Schnell laufen wir zu einem größeren Wasserloch und ziehen uns aus, um all das Getier und den Moder loszuwerden. Boraco schickt die anderen beiseite. Während ich noch mit dem Brechreiz kämpfe, komme ich nicht umhin zu bemerken, welch rahjagefällige Gestalt Laila doch hat. Ich kann mir den Kommentar, dass ich mir eine andere Situation vorgestellt habe, sie so zu sehen, nicht verkneifen. Dafür bekomme ich von ihr einen bösen Blick und einen Tadel. Ich bin zu weit gegangen, aber ich bedaure es nicht. Nachdem wir wieder einigermaßen sauber sind, laufen wir weiter und plötzlich trete ich in ein Loch. Ich gehe komplett unter, und schaffe es gerade noch einmal Luft zu holen, als mich etwas am Fuß packt und in die Tiefe des Meeres zieht. Mit aller Kraft wehre ich mich. Ein schwaches Leuchten kommt aus dem Dunkel und der Tentakel windet sich enger um meinen Fuß. Ich dränge weiter Richtung Oberfläche und verhindere nach unten gezogen zu werden, aber ich komme nicht an die Oberfläche. Mit dem Dolch versuche ich das Tier abzuschneiden. Ich sehe schon Sternchen vor den Augen und bin kurz davor ohnmächtig zu werden, als Melek mir hilft, wir gemeinsam mein Bein befreien und zurück an die Oberfläche schwimmen. Das war wirklich knapp, aber Efferd sei Dank ist es gut ausgegangen. Boraco macht eine bissige Bemerkung über meine Badegewohnheiten und treibt uns dann weiter vorwärts. Einige Tage haben wir noch Zeit bis die Boote bei der Perle sind.
Nachts während Melek Wache hält, bemerkt er ein Licht. Es ist der Geist eines Mädchens, welches davon spricht, dass ES sie geholt hat, dass ES uns auch holt, dass ES alle holen wird und uns wird bang ums Herz. Die Angriffe auf uns werden häufiger und heftiger. Wer auch immer hier haust, will uns hier nicht haben. Das wird uns zunehmend klarer.
In einer anderen Nacht ist es wieder Melek, der Feuerschein in der Nähe bemerkt. Er erkennt mit seinem Fernrohr, das dort Menschen sind. Er weckt uns und wir schleichen dorthin. Es scheint, als würde jemand dort irgendwelche Pfähle aufstellen, aber wir erkennen es in dem flackernden Lichtschein kaum. Hämmern und Klopfen dringt unnatürlich laut durch die Nacht. Geräusche, die hier nicht hingehören. Als wir schon fast da sind, ich lasse mich von den merkwürdig abgehackten Bewegungen der Menschen ablenken, trete ich auf einen Ast, der lautstark unter meinem Fuß zerbricht. Die Menschen, ich muss wohl eher Wesen sagen, zerfließen zu Schlamm und sinken in sich zusammen. Beim Gnadenlosen, was ist das schon wieder? Wir nähern uns jetzt rascher und sehen, dass es Kreuze sind, die dort im Boden stecken und an ihnen hängen unsere vier vermissten Crewmitglieder. Welch ein Übelkeit erregendes Grauen bietet sich uns. Würgend wenden sich einige ab. Ilissa und Holtraute sind kaum noch zu erkennen, so weit ist die Verwesung vorangeschritten. Aber sie verschleiert nicht, welche Qualen ihnen vor ihrem Tod widerfahren sind. Auch Ismene hängt dort, der Körper zerschunden von Folter und Pein. Ich beiße fest die Zähne aufeinander, bemüht mich nicht zu übergeben. Laufe zum vierten Kreuz, Lughaid hängt dort. Er lebt! Schwach ist sein Atem und Herzschlag, aber er lebt. Sofort beginnen wir gemeinsam ihn vom Kreuz zu holen. Es ist ein waghalsiger Kraftakt, der uns alle bis zur Grenze der Belastbarkeit bringt. Wir sind gezwungen das Kreuz umlegen, da wir ihn sonst nicht herunternehmen können. Mit Seilen versuchen wir es zu sichern, während die ersten schon am Fuß graben. Niemand sieht mehr zu den Frauen. Alle konzentrieren sich darauf, Lughaid zu retten und wir schaffen es. Boraco heilt ihn augenblicklich. Danach nehmen wir die Leichen der armen Frauen ab und verbrennen sie. Völlig am Ende schleppen wir uns ins Lager zurück. Ich gebe es nicht gern zu, aber mir hat der Anblick der Gekreuzigten sehr zugesetzt und mir gehen die Nerven durch. Ich fahre Boraco an, was das hier alles soll und er uns gefälligst mal sagen soll, was hier gespielt wird. Immerhin würden hier so langsam alle drauf gehen nur für ein bisschen Reis, Schnaps und Wein. Ich weiß kaum wohin mit meiner Wut und Angst, meine Stimme gepresst und rau bricht es aus mir raus, während sich mir gleichzeitig die Kehle zuschnürt. Und ich gebe noch viel weniger gern zu, dass er mich zu Recht in meine Schranken weist. Ebenso wütend funkelt er mich an, aber seine Stimme ist ruhig und beherrscht. Ich entgegne nichts mehr und halte weiter Wache.
Den ganzen nächsten Tag koche ich vor Wut und laufe einfach nur vor mich hin. Am Abend, als der Schock überwunden und mein Zorn verraucht ist, gehe ich zu Boraco und entschuldige mich mit allem Respekt für meinen Ausbruch. Er ist sehr nett und sagt, er versteht meine Frustration, ihm gehe es nicht anders. Zum ersten Mal kommt er mir wie ein normaler Mensch vor.
Trotz der geglückten Rettung Lughaids ist die Stimmung an Bord mies. Pequod hält einen Gottesdienst ab, um von den Verstorbenen Abschied zu nehmen. Anschließend zahlen Boraco und Melek Sold aus, aber auch das hilft nicht wirklich die Lage zu entspannen. Zu viele schlimme Dinge sind passiert. Vor allem zu viel widernatürliche Dinge. Mit den normalen Gefahren einer langen Seereise kommen diese hartgesottenen Matrosen zurecht, aber mit Monstern, Mörder-Tang, Golems und dämonischem Nebel nicht. Und ich verstehe sie nur zu gut. Es kostet mich einiges an Selbstbeherrschung und Mut, aber ich vertraue auf die Gunst meines Gottes, erbitte die nötige Stärke dies hier durchzustehen. Und vorsichtshalber richte ich mein Wort auch an Efferd, Phex und Rondra. So viel gebetet wie auf dem Sargasso habe ich noch nie, aber in vielen Situationen haben uns die Götter schon beigestanden. Im Anschluss an die Messe lässt uns Boraco direkt zu einer erneuten Lagebesprechung kommen. Er wird immer ungehaltener und nervöser, ja wirkt geradezu getrieben. Sofort planen wir die nächste Expedition.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast