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Ragnars Reisetagebuch, wenn er eins schreiben würde

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16 / Gen
OC (Own Character)
04.10.2017
06.10.2019
106
194.737
6
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04.10.2017 593
 
Es ist Zeit für mich zu gehen. Erans Begräbnis war für mich ziemlich schlimm, immerhin war er so etwas wie ein Vater für mich. Zumindest mehr ein Vater als der Mann meiner Mutter. Ich werde sie nicht besuchen, bevor ich aufbreche. Das gibt nur Streit und davon hatte ich genug. Nachdem mich Eran Sohn nach der Beisetzung wortwörtlich aus dem Haus gejagt hat, werde ich nach Gareth gehen. In einem Mond sind dort die jährlichen Iman Festspiele. Mal sehen, was sich mir da so bietet. Eins ist sicher: hier hält mich nichts mehr. Also packe ich meine spärliche Habe, ein paar Kleidungsstücke, Schwert, Armbrust und Helm, ebenso wie die angesparten Dukaten. Mit gemischten Gefühlen werfe ich noch einen letzten Blick zurück auf das kleine Haus, was so lang mein Heim war und mache mich auf den Weg. Die Luft ist klar, der Himmel blau, ich sollte es trotz der späten Stunde bis zum Einbruch der Nacht nach Salza schaffen.

Am nächsten Tag lasse ich die Küste hinter mir und wende mich nach Südosten, ins Inland. Das Wetter ist gut, der Marsch strengt mich kaum an und meine Gedanken kommen zur Ruhe. Erans letzte Tage waren schlimm. Es ging ihm sehr schlecht. So sollte ein Mann wie er nicht sterben. Nicht vor Schmerzen stöhnend und in seinem Bett. Er hätte mit dem Schwert in der Hand, besudelt vom Blut seiner Feinde im Kampf fallen müssen. Er wird nun hoffentlich, nachdem Boron endlich Gnade hat walten lassen, lachend an der Seite des Mantikors über das Schlachtfeld schreiten. Dieser Gedanke spendet mir Trost.
Ohne Probleme unterwegs im überfüllten Gareth angekommen lasse ich mich ein paar Tage treiben. Es fließen eindeutig zu viel Bier und Schnaps meine Kehle hinunter in diesen Tagen, aber ich habe mich noch nie so ziellos gefühlt. Ich weiß, ich muss irgendwo Arbeit finden, aber ich kann mich nicht aufraffen und ein paar Dukaten habe ich angespart, das reicht für eine Weile. Ich weiß nicht, was ich will. Also eigentlich schon. Das was man so will mit zwanzig, Reisen, Abenteuer, Mädchen und Schnaps, also saufe und spiele ich und reiße willige Schankmädchen auf. Das Fest ist aufregend, überall wird gefeiert und es ist leicht nicht an die Zukunft zu denken.

Doch nach den rauschhaften Tagen folgt ein ernüchterndes Erwachen. Als ich anfange nach Arbeit zu suchen, weil mein Beutel nun merklich leerer geworden ist, muss ich leider feststellen, dass ich zu spät dran bin. Eine Festanstellung in Gareth oder Umgebung möchte ich nicht, ich will in die Ferne reisen, aber es ist nichts mehr zu bekommen als Begleitschutz der unzähligen Karawanen, die Gareth in alle Himmelsrichtungen verlassen. Nach ein wenig Sucherei ist Phex mir holt und ich kann mich einer Karawane nach Khunchom anschließen. Der Händler stellt mir in Aussicht eventuell zum Ende als Söldner angestellt zu werden, da eine der Wachen nicht die komplette Strecke dabei sein wird. Die Wochen ziehen dahin, unterschiedlichste Landschaften an mir vorbei und die Eintönigkeit des alltags lässt einen das Gefühl für Zeit und Entfernung verlieren. Dem eher nassen Frühling und dem Schlamm folgt ein milder Sommer und der Staub der Reichstraße ist unser ewiger Begleiter. Durch die Anstellung während des zweiten Teil des Weges, kann ich meine Reise ohne finanziellen Verlust beenden. Froh endlich eine Aufgabe zu haben, die Monotonie der Reise mit sinnvollen Aufgaben durchbrochen, packe ich fleißig mit an. Ich lerne ein paar Brocken Tulamidia, aber die meiste Zeit verstehe ich meine Mitreisenden und Kollegen nur, wenn sie Garethi mit mir sprechen. Mein erstes eigenes Abenteuer stellt sich also als eher langweilig heraus.
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