Die Artefakte der Drachen - Remastered

von Kevmaster
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
04.10.2017
11.02.2019
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An der Höhle angekommen setzte Ashley sich ganz verkrümmt in eine Ecke. Ich sah mich um. Die Höhle war wie früher. Sie war klein und die Decke war nicht wirklich hoch. Mein Vater konnte darin nie stehen. Er musste gebückt durch die Höhle laufen. Ashley weinte nun richtig laut. Es war natürlich für sie ein genau so großer Schock wie für mich. Ich konnte ihre Gefühle nachvollziehen, doch es fiel mir schwer sie zu trösten. Ich war doch selbst geschockt.

Trotzdem lief ich dann zu ihr und wollte Sie umarmen. Sie gab mir einen Schubser. „Elana ich will nicht mehr leben. Ich schaffe das nicht. Papa war nicht der perfekte Vater aber erst Mama und jetzt er...“ sagte sie und in mir kamen erneut Gefühle hoch. Ich hatte langsam angefangen zu vergessen, dass es Mama noch gab. Das machte mich sehr traurig und meine fast verschwundenen Tränen kamen erneut zum Vorschein.

Papa hatte uns nie erzählt wie sie gestorben ist. Ich konnte das nicht verstehen. Damals hatte ich mitbekommen, dass mein Vater des Öfteren mit Phil über Sie reden wollte. Dieser hat dieses Gespräch aber immer abrupt abgebrochen. Er meinte immer das mein Vater Sie endlich vergessen sollte. Ich fand das damals sehr kaltherzig. Zu uns meinte Vater immer nur dass Sie nun an einem viel besseren Ort sei.

Ich erinnerte mich wieder an den Letzten Moment mit meinem Vater. Er hatte ein Lächeln im Gesicht und sagte mir, dass er uns lieben würde. In diesem Moment wurde mir klar, dass es ihn wahrscheinlich glücklich machte, im letzten Augenblick seines Lebens, mein Gesicht zu sehen. Und dass Ashley sagte, er wäre nicht der perfekte Vater, war einfach nur weil er wegen seiner Arbeit nicht sehr viel Zeit für uns hatte. Doch wenn der dann mal Zuhause war ging er seiner Arbeit als Vater sehr gewissenhaft nach. Er musste eben die Aufgaben eines Vaters und einer Mutter erledigen.

Ashley unterbrach meine Gedanken: „Er wollte uns doch immer beschützen. Er hat gesagt ihn niemals verlieren. Er hat uns belogen. Und dabei meinte er, dass er unbedingt dabei sein möchte, wenn ich mal Prinzessin werde.“

Ich schaute ihr ins Gesicht und sah wie frustriert sie war. Doch das änderte nichts, dass sich in mir Zorn entwickelte. Ich drehte mich um und lief an die andere Seite der Höhle. Dann setzte ich mich an die Wand und verkrümmte meine Beine genauso wie Ashley vorher. Wenige Sekunden später stand Sie dann aber vor mir und fragte: „Elana? Was ist den los? Habe ich etwas Falsches gesagt? Du wirst mich doch beschützen?“

Mir war nachschreien, doch als ich dann wieder ihr ängstliches und frustriertes Gesicht sehen musste, beruhigte ich mich innerlich. Es schien als hatte sie ein schlechtes Gewissen. Also antwortete ich Ihr ruhig und langsam: „Ash weißt du? Du wirst niemals Prinzessin sein. Unser Vater ist gerade gestorben und du denkst immer noch an deine rosaroten Träume und an einen Thron auf dem du nie sitzen wirst.“

Sie sah mich erschrocken an, doch ich fuhr fort: „Als erstes müssen wir gucken wo wir hingehen. Wir können nicht hierbleiben und hoffen, dass uns irgendwann jemand finden wird. Zudem wissen wir noch ob uns die Monster vielleicht sogar verfolgen.“

In diesem Moment unterbrach Sie mich. Sie machte das immer. Anders kannte ich sie auch nicht. An diesem Tag lies ich sie mich aber unterbrechen. „Elana. Es tut mir leid. Ich kann aber nicht mehr rennen. Mir tun die Füße weh. Und ich habe Angst. Papa hat diese Monster mal Orcs genannt. Ich habe ihn und Phil mal darüber reden gehört. Papa ist nicht mehr da und kann uns also nicht vor Ihnen beschützen. Was sollen wir nur tun?“

Sie tat mir leid, doch ich wollte sie nicht weiter verletzten und ich wusste auch nicht wirklich wie ich sie aufmuntern sollte. Ich war doch noch genauso geschockt wie sie. Ich drückte ihr ein Messer, welche ich von Phil erhalten habe, in die Hand. Danach lief ich ein Stück von ihr weg und nahm den Rucksack ab. Ich öffnete ihn und sah etwas Essen. Ich war verwundert und fragte mich wieso Vater oder Phil einen Rucksack mit Brot packten. Wussten sie vielleicht schon länger, dass etwas kommen mag.

Ich durchsuchte den Rucksack genauer. Als ich ihn schon schließen wollte sag ich ein Stück Pergament. Es musste ein Brief sein. Ich war plötzlich ganz aufgeregt. Ich stand auf mit dem Pergament und rief Ashley: „Ashley komm her und schau was ich gefunden habe“ Ich öffnete den Brief und fing an ihn laut vorzulesen.

Liebe Töchter,
wenn ihr dies liest werdet Ihr schon längst in unserem Versteck sein. Ich werde bald zu euch stoßen. Es tut mir leid, dass ich euch nicht schon früher von dieser schlimmen Sache erzählen konnte. Ich hatte Angst, dass meine zwei süßen Engel nicht mehr schlafen können oder ihr euch nicht mehr aus dem Haus trauen würdet. Die Wahrheit ist, dass böse Monster namens Orcs unser Dorf angreifen werden. Es ist hat mit einer schlimmen und bösartigen Zeit zu tun. Der Verderbnis. So nennt man eine Zeit in der das Böse einen neuen Herrscher gefunden hat. In dieser Zeit findet das Böse wieder seine Kraft und sie kommen aus Ihren Verstecken um der Welt Verderbnis zu bringen. Doch wir älteren Leute werden unser Dorf und euch mit all unserer Gewalt beschützen. Ich weiß in letzter Zeit konnten wir nicht viel gemeinsam unternehmen, da ich kaum Zuhause war. Dies war aber nötig um wichtige Besprechungen mit den anderen Bewohnern abzuhalten. Es ging dabei immer nur um den Schutz des Dorfes. Wir haben verschiedenste Verteidigungsmaßnahmen besprochen. Aber ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher ob diese genügen werden. Ich wollte nicht, dass ihr etwas von der Verderbnis mitbekommt wobei ich dies wohl nicht verhindern konnte wenn ihr diesen Brief lesen solltet. Ich hoffe ich werde bald wieder bei euch sein. Doch wichtig ist, dass wir uns nicht in unserem Versteck treffen. Wir müssen alle von hier verschwinden. Auf der Rückseite des Briefes habe ich euch eine Karte gezeichnet. Auf dieser seht ihr wie ihr zum Hafen gelangt. Von dort aus segelt ihr dann nach Kirkwall. Ein Guter Freund namens Meridus wird euch dort schon erwarten. Verschwindet so schnell wie möglich. In Kirkwall werden wir uns dann wiedersehen. Ich liebe euch beide über alles.

Euer Papa
PS: Ihr erinnert mich an eure Mutter

Ashley fing an zu schluzten und mir kamen beim Letzten Satz auch wieder die Tränen. Wieder schoss mir der Letzte Moment mit Vater vor die Augen. Warum hat er uns das nicht selbst gesagt? Wir hatten doch schon früher zusammen weggehen können. Ich war auch geschockt über das Thema Verderbnis. Was genau sollte dies bedeuten.

Ashley nahm mich in den Arm. Sie war nun noch trauriger als vorher. Was sollte ich tun? Ich überlegte kurz und kam zu dem Entschluss, dass uns nichts anderes übrigblieb als an diesen Hafen zu gehen. Ich drehte den Brief um an sah die aufgemalte Karte. Die Karte zeigte, dass wir von hier aus zu dem Hause meiner Großmutter mussten. Das Problem war, dass ich sie nie besuchen war, schon gar nicht nach Ihrem Tod vor zwei Jahren. Ich drehte mich zu Ashley und fragte sie: „Ashley, Vater hat uns doch eine Karte gezeigt. Als erstes müssten wir zu Omas alter Hütte. Ein wenig weiter müsste der Hafen liegen.“. Sie Antwortete: „Elana, ich weiß wo der Hafen ist ich war öfters mit Oma dort. Wir haben damals immer den Fischen beim Schwimmen zugeschaut.“ Ich fühlte mich erlöst. Nicht nur weil Ashley den Weg kannte, sondern weil sie sich endlich wieder normal unterhalten konnte.

Ich schaute sie und fing an zu reden: „Ashley wir sollten uns auf den Weg machen. Vater wollte, dass wir sicher sind und für das Erste würde mir nichts einfallen wo wir jetzt sicher wären. Du wirst uns jetzt an den Hafen führen. Sollte dich ein Monster berühren drehe dich sofort um und benutze das Messer das ich dir gegeben habe. Ramm es dem Monster dann in den Kopf“ Sie sah mich erschrocken an und antwortete: „Elana ich kann das nicht. Ich werde dies nicht schaffen. Können wir nicht einfach hierbleiben.“ „Du musst aber Ashley. Oder möchtest du sterben. Wenn etwas passieren sollte bin ich ja auch noch da und ich werde dich mit allem was mir zur Verfügung steht beschützen. Wenn wir uns beeilen wird und schon nichts passieren.“

Mit diesem Satz machte ich einen Schritt Richtung Ausgang der Höhle. Ich fühlte mich auf einmal anders. Ich werde sie beschützen? Es hat sich gut angefühlt ihr das zu sagen. Ich merkte, dass Ashley nun wirklich an meiner ersten Position stehen muss. Sie ist noch nicht soweit wie ich. Ich habe nun die Verantwortung über ihr Leben. Ich packte Ashley an der Hand, schaute ihr ins Gesicht und sagte ihr mit einem Lächeln: „Ashley. Wir schaffen das. Wenn wir immer Acht auf uns Geben werden wir gemeinsam alles schaffen.“ Sie schaute mich an und fing an zu grinsen. Ich habe es geschafft auch ihr etwas Hoffnung zu geben. Aber was für eine Hoffnung ich wusste selbst nicht was uns nun erwarten würde.

Wir verließen die Höhle und schauten uns um. Es war ruhig. Doch diese Ruhe war eher angsteinflößend. Ich sah Ashley an und gab ihr das Zeichen zum Laufen. Ashley fing an los zu rennen. Ich rannte hinterher, verringerte aber mein Tempo sodass ich immer einen guten Blick um uns herumhatte. Wir rannten und rannten. Es war nicht mehr zu sehen als unzählige Bäume. Nach etwa zwanzig Minuten rief Ashley: „Elana! Wir haben es gleich geschafft.“

Ich schaute nach vorne und sah endlich ein Ende. Der Wald schien einige Meter vor uns zu enden.  Wir liefen weiter und verließen den Wald. Vor unser war ein Meer, dass sich über den Horizont erstreckte. Ich sah den Hafen. Vor dem Hafen stand eine alleinstehende kleine Hütte. Ashley rannte auf den Holzsteg nach der Hütte und legte sich auf den Boden und schnappte nach Luft. Ich lief ihr hinterher und fragte: „Ashley, alle okay bei dir?“ Das erste Mal in meinem Leben machte ich mir richtig Gedanken um meine Schwester. Ich habe mir vorher nie Gedanken darüber gemacht ob wir sicher sind oder nicht. Ich hielt ihr meine Hand entgegen und half ihr wieder auf die Beine. Ashley war immer noch außer Puste. „Danke Elana. Mir geht es gut. Du hast ja Acht auf mich gegeben.“ Diese Worte fühlte sich extrem gut an. Mir wurde warm ums Herz.

Unser Gespräch wurde aber plötzlich unterbrochen, weil ich hinter uns Schritte auf dem Holzsteg hören konnte. Ich drehte mich blitzartig um und zog mein Messer. Einige Meter stand ein mittelgroßer älterer Mann vor uns. Er hatte lange schwarze, lockige Haare. Er schien uns näher zu betrachten. Dann lief er noch einen Schritt nach vorne. Ich war wie versteinert. Ich konnte mich nicht bewegen. Der Mann fing an zu sprechen: „Ihr Mädchen habt echt eine verdammte Ähnlichkeit mit Tidus. Ihr sucht bestimmt nach mir.“ Ich stellte mich ruckartig vor Ashley. „Wer bist du und woher kennst du meinen Vater?“ sagte ich ihm mit leicht aggressiver Stimme. Der Mann fing an zu Lachen. „Du dürftest wohl Elana sein. Hat euch euer Vater nicht von mir erzählt. Ich bin einer seiner besten Freunde. Mein Name ist Meridus. Ich habe diesen Hafen und das Haus eurer Großmutter geerbt. Ich kannte sie sehr gut. Sie war ein liebenswürdiger Mensch. Möge sie in Frieden ruhen.“ Für mich hörte sich das alles Plausible an, doch ich traute ihm noch nicht wirklich. Er sprach weiter „Wo ist euer Vater? Will er nachreisen? Dann könnten wir ja direkt lossegeln.“ Ashley sank in diesem Moment zu Boden und brach abermals in Tränen aus. Meridus beobachtete sie geschockt. Sein Blick wanderte zu mir. Sein Gesicht wurde immer bleicher und er sah mich fragend an. Er sagte nicht obwohl er wohl zu wissen schien was jetzt kam.

Ich ging auf die Knie und nahm Ashley in den Arm. Dann drehte ich meinen Kopf zu Meridus und fing langsam an zu sprechen. „Kannst du uns bitte nach Kirkwall bringen. Vater wird nicht nachreisen. Er wurde ermordet...“ Es tat weh diese Worte auszusprechen. Meridus ließ sein Kopf sacken. Ich könnte erkennen wie seine Augen wässrig worden. „Tidus...Tidus...Wie konnte das passieren? Ich werde die Dunkle Brut dafür Bluten lassen. Sie werden dafür bezahlen.“ Sprach er leise. „Wir müssen nach Kirkwall. Ich werde mit meinen ganzen Kontakten reden. Die Verderbnis ist nun mein persönliches Problem. Sie werden nicht ungeschoren davonkommen.“ Fuhr er fort.

Sein Gesicht zeigte nur Leere. Er wirkte sehr sauer, vielleicht aber auch verletzt. Er bewegte sich auf mich zu und zog aus einem Tiermantel zwei Dolche heraus. Meridus drückte mir die Dolche in die Hand und sagte: „Sie gehörten mal deinem Vater. Pass gut auf sie auf. Lasst uns von hier verschwinden. Ich weiß nicht wie lange es dauert bis die Dunkle Brut auch diesen Hafen erreichen wird. „Er stellte sich zwischen mich und Ashley und nahm uns beide in dem Arm. Ich merkte, dass er in diesem Moment denselben Schmerz wie wir fühlten. Er lief mit uns über den Holzsteg. Vor uns stand ein kleines Schiff mit einem schwarzen Segel. Kurz vor dem Schiff blieb er nochmal stehen.

„Also gut. Geht an Deck. Wir werden noch einen kleinen Zwischenstopp in Ostagar machen. Ich nehme weitere Flüchtlinge mit nach Kirkwall. In Ostagar ist die Verderbnis noch schlimmer als hier. Ganze Armeen der Dunkeln Brut sollen dort über das Land ziehen und nur Feuer und Asche zurücklassen. Das einzige was ich tun kann ist einigen Menschen das Leben zu retten. Wir werden eine Woche auf See. Ich hoffe das geht okay für euch?“ sagte er und ich nickte einfach nur. Ich wusste nicht mehr was ich fühlen sollte. Erst fühlte ich Angst und Hass, dann entwickelte sich ein Beschützerinstinkt für Ashley. Und dann fühlte ich mich doch wieder nur deprimiert.

Wir gingen zusammen mit Meridus an Bord. Er schickte uns unter Deck. Dort unten war es sehr dunkel und kühl.  In diesem kleinen Raum standen ein paar Betten und einige Kerzen waren aufgestellt. Die erhellten den Raum aber nicht wirklich. Ich setzte mich in eine Ecke und kauerte so vor mich hin. Ashley folgte mir. Sie setzte sich genau neben mich mit dem Rücken zur Wand. Es verging etwas Zeit und es wurde immer kühler. Durch den Holzboden nach oben konnte ich erkennen, dass es draußen langsam dunkel wurde. Ashley legten in der Zeit ihren Kopf in meinen Schoss und schlief ein. Das Schiff bewegte sich manchmal etwas. Es fühlte sich sehr unangenehm an. Ich hatte komplett mein Zeitgefühl verloren. Plötzlich öffnete sich die Öffnung für aufs obere Deck.

Meridus kam langsam die Treppe runter und näherte sich uns. Er drückte mir wortlos zwei Felldecken in die Hand und verließ wortlos wieder das untere Deck. Sein Gesicht sah immer noch leer aus. Von ihm konnte man keine Emotionen erkennen. Ich beobachtete wie sich die Öffnung nach oben wieder verschloss. Ich griff in den Rucksack den ich neben mich gestellt hatte, griff nach einem Brot und biss einmal ab. Ich hatte Hunger doch konnte nicht wirklich kauen. Einige Minuten später schlief auch ich ein.
Nach einiger Zeit schreckte ich durch ein Wackeln des Schiffes aus. Etwas war anders. Wir waren nicht mehr alleine unter Deck. Ich schaute mich um und konnte einige Schatten erkennen. Wie lange hatte ich wohl geschlafen? Es waren sehr leise Stimmen zu hören. Ziemlich nah bei uns konnte ich eine weibliche Stimme hören und verstehen: „Aveline. Ich wollte mich eigentlich persönlich bei Sir Wesley für das Gebet ab Carver bedanken.“ Eine andere weibliche Stimme die sich älter anhörte antwortete darauf:“ So ist das Schicksaal. Es tu mir sehr leid, dass ihr so etwas sehen musstet. Wir haben alle sehr wichtige Männer verloren. Hoffen wir, dass es uns in Kirkwall besser ergehen wird. Redet doch mal mit eurer Mutter. Sie sieht wirklich sehr niedergeschlagen aus.“ In diesem Moment wackelte das Schiff wieder und eine Frau fiel auf mich. Durch einen leisen Schrei konnte ich raushören, dass sie die Frau sein musste die zuerst redete. Ich konnte sie erkennen.

Sie war eine wunderschöne junge Frau mit schneeweißem langem Haar. Sie schaute mich
erschrocken an und sagte „Entschuldigung. Ich wollte euch nicht erschrecken, Kinder.“ Sie stand auf und streifte ihre Hand langsam über meinen Kopf. Danach lief sie wieder weg. Von ihr ging eine positive Energie aus. Etwas an ihr war anders. Als sie mir über den Kopf strich fühlte ich mich geborgen. Durch diesen Gedanken wich mein Blick direkt zu Ashley die wohl durch den Aufprall ebenfalls wachgeworden sein muss.

Sie sah mir ins Gesicht und flüsterte: „Elana? Sag mir, dass das alles nicht wahr ist und ich einfach nur schlecht geträumt habe.“ Ich sah ihr ins Gesicht und schüttelte langsam meinen Kopf. Darauf sank ihr Kopf wieder nach unten und sie kuschelte sich näher an mich. „Wir sind nicht mehr alleine. Das heißt wir dürften wohl den Zwischenstopp in Ostagar hinter uns haben. Ich hoffe wir können in Kirkwall wieder neuanfangen. Ich werde mein Bestes tun um uns ein schönes Leben zu ermöglichen.“ Wieder fühlte ich, dass ich mich um Ashley kümmern muss. Ich meinte diese Worte wirklich ernst. Doch was würde uns in Kirkwall erwarten. Kann ich solche Versprechen überhaupt machen. Die nächsten Tage verliefen alle gleich. Wir schliefen, aßen Brot von dem uns nicht mehr viel übrigblieb und dann schliefen wir wieder. Ich fühlte wie die junge Frau mit den weißen Haaren uns des Öfteren beobachtete.

Einige Tage später wackelte das Schiff wieder enorm. Doch diesmal war es anders. Ich fühlte, dass das Schiff sich nicht mehr bewegte. Die Öffnung nach oben öffnete sich und Meridus rief herunter: „Willkommen in Kirkwall. Ich hoffe ihr könnt dort euren Frieden finden. Die anderen Leute die mit uns an Bord waren verließen das Schiff und schienen sich auch bei Meridus zu bedanken. Als letztes verließen wir das untere Deck und kamen mal wieder an Tageslicht. Meridus sah uns an. Er hatte mehr Farbe im Gesicht und er schien sich etwas beruhigt zu haben.

„So Mädels. Wir werden euch jetzt mal eine Unterkunft besorgen. Momentan sind wir in der Galgenburg von Kirkwall. Ich weiß es ist kein schöner Ort, aber ich schaue was ich für euch tun kann.“ sagte Meridus. Ich schaute mich um. Wir standen auf einem großen Steinsteg und vor uns stand eine riesige Mauer mit einem riesigen Tor. Wir folgten Meridus der schonmal über diesen Steinsteg vorwärts lief. Ich konnte hinter dem Tor leider noch nichts erkennen. Kurz vor dem Tor standen drei Männer in einer Silbernen Rüstung.

Meridus machte kurz Halt und drehte sich zu uns. „Wartet hier kurz“ sagte er. Die Rüstungen der Männer waren sehr edel und sauber. Sie hatten auch keine Kampfspuren. War das ein Zeichen, dass es hier in Kirkwall sicher war? „Meridus mein alter Freund.“ sagte der Krieger der in der Mitte stand. So wie er es aber sagte hörte es sich eher ironisch an. „Mein Name ist Sir Cullen und ich bin Templer. Ich habe dir doch erst letzte Woche gesagt, dass du uns keine Flüchtlinge mehr aus Ferelden oder Ostagar bringen sollst und doch stehst du wieder vor uns und hast Flüchtlinge dabei. Habe ich mich falsch ausgedrückt oder ist das so schwer zu verstehen?“ Meridus antwortete: „Wenn ich Menschenleben retten kann dann stelle ich mich jedes Mal vor einen Vollpfosten, der meint er wäre mit seiner Rüstung was Besonderes.“

Der Ritter schien leicht böse zu werden. Doch dann entglich ihm ein leichtes Lächeln. „Wachen nehmt in mit zur Kommandantin.“ Sagte er. Die Zwei anderen Wachen bewegten sich auf Meridus zu und packten ihn. Ich konnte nichts tun. Ich stand wie angewurzelt da. Ich wollte einen Schritt nach vorne machen, doch Meridus der versuchte sich zu wehren schüttelte mit dem Kopf in meine Richtung. Er konnte nichts gegen diese übermächtigen Gegner tun. Der Wächter namens Cullen lief auf uns zu und sagte: „Ihr werdet hier kein schönes Leben haben. Nun geht mir aus dem Weg.“ Er drehte sich zu den anderen Wachen, die mit Meridus verschwanden und er verfolgte diese.

Nach einigen Minuten war es totenstill. Nur noch Ashley und ich standen vor dem Tor. Ohne zu wissen wie es weiter gehen soll. Ashley packte meinen Arm und zog mich in Ihre Richtung. Ich schaute ihr ins Gesicht und sah wieder ihren frustrierten Blick. Dies zog mich runter. Ich wusste nicht wie ich mit der Situation umgehen sollte.

„Elana? Was machen wir jetzt? Wir sind wohl auf uns alleine gestellt. Können wir nicht einfach hier warten?“ fragte Ashley. Ich wusste immer noch nicht wie ich damit umgehen sollte und sagte dann trocken und ohne nachzudenken: „Nein Ashley. Papa wir mit keinem Schiff nachkommen. Wir können hier nicht warten. Eine Übernachtungsmöglichkeit brauchen wir auch. Und diese Templer sind uns nicht wirklich wohlgesinnt:“

Ashley schaut mich an und fing an zu weinen. Erst dann dachte ich über meine Worte nach. Wenn ich so darüber nachdachte verletzten mich diese Worte selbst auch sehr. Ich konnte nachvollziehen wie Ashley sich in diesem Moment fühlen musste. Also nahm ich Sie in den Arm und wartete einige Minuten. Danach sagte ich zu ihr: „Ashley wir müssen jetzt aber echt schauen wie es mit uns weitergehen soll. Wir können nicht ewig trauern. Vater hätte das nicht gewollt. Nur was hätte gewollt? Lass uns erst mal eine Behausung suchen und dann schauen wir weiter. Ich bin da für dich.“

Ich wusste nicht ob dies besser war, aber ich hatte das Gefühl, dass Ashley sich nun besser fühlte. Wir liefen dann in dieselbe Richtung in die auch die Templer gelaufen sind. Ich hatte keine Ahnung wo uns dieser Weg hinführen würde. Das einzige was ich wusste war, dass ich meine Schwester beschützen würde, egal was auch noch kommen mag.

Als wir am Tor ankamen konnte ich es besser beachten. Das Tor war riesig und die Rahmen des Tores waren zwei großen Steinstaturen die mit dem Kopf nach unten hingen. Ich fing an mich zu fragen was den die Galgenburg von Kirkwall überhaupt war. Der Name hörte sich schon echt gruselig an. In Gedanken getrieben liefen wir durch das Tor und sahen einen riesigen Platz. An den Seiten des Platzes waren kleine Zelte aufgebaut. Auf den Zelten war das Zeichen der Templer. Zudem sahen wir eine riesen Masse an Menschen.

So viele Menschen hatte ich noch nie an einem Ort gesehen. Mifune hatte nicht viele Einwohner. Untereinander kannte sich jeder. Doch nun standen wir so vielen fremden Menschen auf einmal gegenüber. Als ich genauer hinschaute schlich sich ein Kalter Schauer über meinen Rücken. Die Menschen sagen alle erschöpft, traurig und innerlich zerstört aus. Hatte Sie alle dasselbe Schicksaal wie wir erleiden müssen? Mussten sie durch diese sogenannte Verderbnis auch so viel Leid ertragen.

Immer mehr fragte ich mich ob man an einem Ort wie diesen überhaupt glücklich werden konnte. Ashley ließ nun etwas von mir ab und lief mir langsam hinterher. Als wir fast die Mitte des Platzes erreicht hatten hörten wir Schreie. „Hey! Warum lasst ihr uns nicht nach Kirkwall. Wir haben so viel Geld in die Reise nach Kirkwall gesteckt und jetzt wollt ihr, dass wir wieder abreisen? Ich begab mich in die Richtung der Schreie und sah eine Mauer zu der eine riesige Treppe hinauf führte. Dies musste wohl der Eingang nach Kirkwall sein. Vor der Treppe standen einige Leute die ich durch meine Bücher als Piraten identifizieren konnte. Ich hatte früher immer Bücher über Piraten und Ihre Abenteuer gelesen. Vor ihnen stand ein Templer.

Die Piraten waren in blauer Tracht gekleidet und hatten einen ziemlich aggressiven Gesichtsausdruck. Ein Pirat mit einem besonders geformten Hut trat hervor und sprach: „Ihr Templer seid doch nicht mehr als eingebildet. Ihr habt eine tolle Rüstung. Doch wenn ihr es mit echten Piraten aufnehmen müsstest würdet ihr verlieren und eurer Leben lassen.“ Ich spürte das die Lage nun richtig angespannt war.

Der Templer antwortete: „Mir ist es nicht erlaubt weitere Flüchtlinge aus Ferelden oder Ostagar nach Kirkwall zu lassen. Wir werden ein Schiff besorgen das euch alle zurück bringt. Doch solange müsst ihr euch hier in der Galgenburg die Zeit vertreiben.“ Weiter konnte er nicht reden da er von einer mir bekannten Stimme unterbrochen wurde: „Ich bitte um Einlass!“

Ich drehte mich um und sah hinter mir einige Personen. Die Frau aus dem Schiff mit den weißen Haaren stand vor der Gruppe. Sie war mit zwei Dolchen bewaffnet und schien sich auch nicht damit zu beschäftigen diese zu verstecken. Links neben ihr stand eine Person die sehr viele Ähnlichkeiten mit der ersten Frau hat. Doch sieht diese viel älter aus. Mein Gefühl sagte mir, dass dies Ihre Mutter sein müsste.

Rechts neben der hübschen Frau stand eine weitere Frau mit Roten Haaren. Sie trug eine stabile Rüstung und einen Schild der, der Templer ähnelte. Sie sah irgendwie sehr bedrohlich aus. Eine weitere Frau stand hinter Ihnen. Sie hatte braune Haare. Aber von den Gesichtszügen ähnelte sie sehr den ersten Zwei.

Die Älteste trat auch ein Stück weiter nach vorne und sprach: „Wir genießen hohes Ansehen in Kirkwall. Mein Name ist Leandra Hawke. Früher war mein Nachname Amell und der Onkel diese Kinder besitzt ein Anwesen in der Oberstadt von Kirkwall. Sein Name ist Gamlen.“ In diesem Moment erinnerte ich mich, dass unsere Dorfältesten sich damals auch viel über Kirkwall unterhalten haben. Ich erinnerte mich an Begriffe wie Unterstadt, Oberstadt und Dunkelstadt. Kirkwall schien in verschiedene Stadtviertel eingeteilt zu sein. Die Oberstadt war etwas für die Reichen und die Unterstadt war heruntergekommen und für die Armen Einwohner von Kirkwall. Von der Dunkelstadt konnte ich nichts erfahren.

Der Templer wand sich der Frauen Gruppe zu und antwortete: „Gamlen? Der Name kommt mir sehr bekannt vor. Aber den Gamlen den ich kenne ist eine riesen Ratte aus der Unterstadt. Der ein ziemlich großes Mundwerk hat. Aber ich schulde ihm noch einen Gefallen. Nach meiner Schicht werde ich ihn rauskommen lassen.“

In diesem Moment schrie ein Pirat: „Was? Ihnen gebt ihr das Recht nach Kirkwall einzutreten. Die sind doch gerade erst hier angekommen. Wir sind schon seit einer Woche hier und werden wie Hunde behandelt. Es reicht. Jungs! Zu den Waffen.“ Der Chef der Piraten zog ein Schwert. Zwei weitere Piraten zogen auch ihre Schwerter und zwei andere zückten einen Bogen. Ich war wie erstarrt. Ich blickte zu Ashley und sah, dass sie genauso Angst hatte.

Ein Pirat mit einem Schwert rief: „Nehmt die kleinen als Geiseln!“ Ich war geschockt und konnte mich nicht bewegen. Beide Piraten, die mit den Schwertern bewaffnet waren, stürmten auf mich und Ashley zu. Ich konnte mich nicht bewegen und sah ängstlich in Richtung der Frauen. Ich sah wie die hübsche Frau auch auf uns zu rannte.
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