Suddenly a new life?

von Lelema
GeschichteDrama, Familie / P12
Henry "Hank" Voight Jay Halstead OC (Own Character)
03.10.2017
29.10.2017
12
20911
 
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Jay Sicht


„Oh Gott.“, murmelte ich sprachlos, lehnte mich im Sessel zurück und fuhr mit meinen Händen hilflos durchs Gesicht. Will nahm derweil den Brief in die Hand.

„Mr. Jay Halstead besitzt in allen untersuchten DNA-Systemen die für den Vater des Kindes zu fordernden Erbmerkmale. Er kommt somit als Vater in Frage. Dabei ergab sich eine Vaterschaftswahrscheinlichkeit von über 99.9999 %. Aufgrund der vorliegenden Untersuchungsbefunde  ist es praktisch erwiesen, dass Mr. Jay Halstead der biologische Vater des Kindes ist.“, las Will den Brief laut vor.

„Glückwunsch kleiner Bruder. Du bist Vater geworden. Ich wollte schon immer Onkel werden.“, freute sich Will.

„Das kann doch nicht wahr sein.“, murmelte ich fassungslos. Einerseits freute ich mich, andererseits weiß ich nicht was ich fühlen sollte.

„Mach einfach das Beste draus. Sei für das Kind da.“, meinte Will und ich nickte fassungslos.

Am nächsten Tag telefonierte ich relativ lange mit Abby. Sie wollte, dass ich schnellstmöglich unser Kind kennen lerne und so vereinbarten wir, dass sie mich am Samstag abholen soll und wir gemeinsam in den Park, der in der Nähe von Wills Wohnung lag, gehen.

„So aufgeregt habe ich dich seit langem nicht mehr gesehen.“, grinste Will.

„Ich lerne heute mein Kind kennen.“, sagte ich.

„Ich weiß und morgenfrüh nach meiner Schicht wirst du mir alles erzählen.“, meinte Will.

„Was ist wenn das Kind kein Bedürfnis hat mich zu kennen oder wir uns nicht leiden können.“, meinte ich.

„Jay ganz ruhig. Ich glaube, dass das Kind sehnsüchtig darauf wartet dich kennenzulernen.“, meinte Will und klopfte mir auf die Schulter.

„Hast du eigentlich gefragt, ob es nun ein Junge oder ein Mädchen ist?“, fragte Will neugierig. Ich schüttelte den Kopf. In der ganzen Aufregung habe ich es ganz vergessen.

„Du packst das schon Bruder. Notfalls ist Abby doch auch da.“, meinte Will, ehe er die Wohnung verließ um zur Arbeit zu gehen.

Nervös lief ich in der Wohnung hin und her, schaute ab und zu aus dem Fenster und setzte mich mal da und mal da hin. Die Nervosität war kaum noch auszuhalten. Ich blickte auf meine Armbanduhr, anschließend auf mein Smartphone nur um sicherzugehen das die Zeigern richtig liefen. Abby meinte, sie würde zwischen 14 und 15 Uhr vorbeikommen.

Meine Gedanken spielten immer mehr verrückt. Was ist wenn ich nicht den Vorstellungen des Kindes entspreche? Was ist wenn ich doch noch nicht bereit bin Vater zu sein? Was ist wenn wir unzertrennlich werden und ich das Kind nicht mehr hergeben möchte? Was ist wenn ein Sorgerechtstreit die neu aufgebaute Beziehung kaputt macht? Wie sieht das Kind aus? Kommt es eher nach Abby oder nach mir?  

Ein Klopfen an der Tür brachte mich zurück in die Realität. Ich atmete noch dreimal tief ein und aus ehe ich die Tür öffnete. Mein Atem stockte. Vor mir stand ein fremder Mann. Latino würde ich vermuten. Er sah ein wenig zerzaust aus und kaute auf einem Kaugummi herum. Er hielt eine Reisetasche in der Hand. Daneben stand ein kleines Mädchen mit einem Kuscheltier unterm Arm.

„Mir wurde gesagt, ich soll das Kind hier abliefern.“, meinte der Mann und stellte die Tasche ab. Ich nickte nur, da mir meine Stimme fern blieb. Ich betrachtete das kleine Mädchen. Sie hatte blond-bräunliche leicht gelockte schulterlange Haare, die zu zwei Zöpfen geflochten waren, bräunliche Augen und leichte Sommersprossen.

„Sagen Sie ist die Mutter nicht mitgekommen?“, fragte ich verwirrt.

„Ich sollte sie zum Flughafen bringen, aber sie hat mir ein Brief mitgeben“, antwortete dieser. Ich nickte, nahm den Brief entgegen und der Taxifahrer eilte davon.

Ich bückte mich auf die Höhe meines Kindes hinunter.

„Ich bin Jay und du?“, fragte ich sanft.

„Lucy.“, flüsterte sie kaum hörbar.

„Lucy. Möchtest du rein kommen?“, fragte ich.

Sie zuckte mit den Schultern. Ich nahm die Reisetasche und führte meine Tochter ins Wohnzimmer. Schüchtern umklammerte sie ihr Kuscheltier und vergrub ihr Gesicht darin. Es war wohl für uns beide nicht einfach mit der neuen Situation umzugehen.

„Magst du vielleicht was trinken?“, fragte ich überfordert nachdem ich die vollgepackte Reisetasche abstellte. Sie schüttelte ihren Kopf.

„Du kannst dich auch hinsetzen. Fühl dich ganz wie zu hause.“, meinte ich.

Die Reisetasche erweckte mir den Eindruck, dass das Kind wohl länger hierbleiben würde und natürlich allein die Tatsache das Abby am Flughafen war.

Sie setzte sich auf die Couch hin, während ich mich gegenüber in den Sessel setzte. Neugierig öffnete ich den Brief, den mir der Taxifahrer  übergab.

> Lieber Jay,
es tut mir leid, dass du von dem Dasein deines Kindes überrumpelt wurdest. Ich bin zuversichtlich, dass es unserer Tochter bei dir gut geht. Du warst vielleicht überrascht, dass ich Lucy alleine mit einem Taxi zu dir schickte. Und ja du hast recht, es war kein Zufall warum jetzt. Ich wurde von der Army gefragt, ob ich noch einmal zurück fliege. Ich stimmte zu und dadurch brauchte sie eine neue Bleibe und du kamst als Vater als einziger in Frage. Bitte sorge dich gut um sie! Lass dich nicht von ihrer Schüchternheit verwirren. Wenn sie dich erstmal kennt, dann ist sie ein aufgedrehtes Mädchen.
Ps: in der äußeren Seitentasche findest du alle wichtigen Unterlagen.
In Liebe Abby  <

Nein nein nein. Das kann doch nicht ihr Ernst sein. Sie kann mich doch nicht mit meiner Tochter, die ich seit eben kenne, allein lassen… Ich schloss meine Augen für einen kurzen Moment, Atmete tief ein und aus und betrachtete das Mädchen vor mir.

„Ist das dein Kuscheltier?“, fragte ich, um mit ihr ins Gespräch zu kommen. Sie nickte. Ich versuchte mit ihr Augenkontakt zu halten, was alles andere als leicht war, da sie ihren Kopf stets gesenkt hielt.

„Findest du Pinguine toll?“, fragte ich, da ihr Kuscheltier einer war. Wieder nickte sie leicht.

„Wir können gerne in den Zoo gehen.“, meinte ich. In dem Moment fing Lucy an in ihren Pinguin zu schniefen.

„Hey. Was ist denn?“, fragte ich sanft.  

„Ich will nachhause.“, flüsterte sie: „Ich will zu meiner Mummy.“

Na super. Das kann ja was werden.

„Ich weiß, aber so wie es aussieht müssen wir beide eine Weile miteinander auskommen.“, meinte ich und hockte mich vor ihr hin. Sie weinte und wich meine Blicke aus. Vorsichtig bewegte ich meine Hand zu ihr und legte diese auf ihre kleine Schulter ab.

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir eine Menge Spaß haben werden.“, meinte ich und lächelte sie an. Ich blieb eine Weile in der gehockten Haltung ehe ich auf stand und in die Küche lief.  Ich tippte Will eine kurze SMS um ihn zu informieren, dass Lucy wohl länger bleiben würde. Danach kehrte ich mit einem Glas Saft für sie zurück ins Wohnzimmer.

„Wollen wir etwas spielen?“, fragte ich. Sie schüttelte ihren Kopf.

„Oder in den Park gehen?“, fragte ich. Sie schüttelte erneut den Kopf.

„Was möchtest du denn machen?“, fragte ich. Sie  zuckte mit den Schultern.

„Okay. Dann überlege dir was.“, meinte ich.

Nach einer Weile stand sie auf und öffnete die große Reisetasche.

„Können wir das hier spielen?“, fragte sie und hielt ein Gesellschaftsspiel hoch.

„Klar.“, antwortete ich.

Wir spielten am Esstisch ‚Make n Break‘. Man muss ehrlich zugeben, dass sie sehr flink in dem Spiel war.

„Hey die Zeit ist schon abgelaufen.“, sagte ich, aber Lucy baute trotzdem noch weiter.

„Ne erst jetzt.“, grinste sie nachdem sie zu Ende gebaut hatte. Es war das erste Mal das ich meine Tochter lächeln sah. Das Spiel scheint sie auf andere Gedanken zu bringen.

„Sag mal, was ist den dein Lieblingsessen?“, fragte ich. Die Uhr zeigte schon nach sechs an und bislang hatten wir beide nicht viel gegessen.

„Nudeln.“, sagte sie.

„Mit welcher Soße?“, fragte ich.

„Ketchup.“, antwortete sie.  

Ich stand auf um nachzusehen, ob ich Nudeln mit Ketchup anbieten konnte, aber leider war keines von beiden in einem Männerhaushalt vorhanden.

„Wie wäre es, wenn wir beide Einkaufen fahren und anschließend Nudeln mit Ketchup machen?“, fragte ich und sie nickte leicht.

Als ich die Tür zur Rückbank meines Wagens öffnete bemerkte ich, dass ich auch keinen Kindersitz besitze. Ich beschloss langsam und vorsichtig zum nächsten Supermarkt zu fahren. Irgendwann standen wir mit einem Einkaufswagen voller Kekse, Eis, Gummibären, aber auch Nudeln, eine Flasche Ketchup, Apfelsaft und vieles weitere was Kinder mögen an der Kasse.

„Jo Halstead. Was geht?“, begrüßte mich Antonio, der ebenfalls einkaufte.

„Hey Antonio.“, begrüßte ich ihn. Ich habe ihn schon lange nicht mehr gesehen, schließlich arbeitete er nicht mehr für die Intelligence. Bei dem Wort Intelligence stoppte ich gedanklich. Meine Kollegen wissen gar nichts von meiner Tochter. Wie soll er es Erin bloß sagen, dass er Vater ist?

„Oha und wer bist du?“, fragte Antonio meine Tochter.

„Lucy.“, antwortete sie knapp.

„Ich wusste gar nicht, dass du Kindersitten anbietest.“, lachte Antonio.

„Ehrlich gesagt biete ich es nicht an.“, sagte ich.

Antonio schaute zwischen mir und Lucy hin und her.

„Oh man. Natürlich. Glückwunsch. Und wie fühlt man sich so als frischgebackener Vater?“, sagte er. Antonios
Ermittlerinstinkt funktionierte also noch ausgezeichnet.

„Erstaunlicherweise ganz gut.“, sagte ich.

„Lucy. Wenn dein Daddy dich mal zu viel ärgert, dann kommst du zu mir und ich bringe dir boxen bei.“, sagte Antonio und sie nickte nur leicht.

Zurück zuhause kochten wir gemeinsam Nudeln. Mir war es ein Rätsel wie man Nudeln mit Ketchup essen konnte. Das Essen war viel zu süß, aber ihr scheint es zu schmecken.

Später am Abend stellte ich ein weiteres Problem fest. Die Wohnung hatte zwar 2 Schlafzimmer, aber das eine gehörte Will. Lucy würde also mein Zimmer bekommen und ich nehme die Couch im Wohnzimmer.

„Jay?“, fragte sie. Sie war im Bad und sollte sich waschen, Zähne putzen und allgemein Bettfertig machen.

„Ja?“, antwortete ich.

„Ich habe kein Schlafanzug.“, sagte Lucy.

„Ähm ja. Bist du dir sicher?“, fragte ich und sie nickte. Ich wühlte noch einmal selbst in der Tasche herum. Jeans, Sweatshirt, Sweatjacke, Unterwäsche, T-Shirts, aber keine einzige Jogginghose oder Leggings. Und auch sonst war die Tasche sehr sparsam gepackt. Es war nur das nötigste bis außer dem Schlafanzug vorhanden.

„Warte kurz.“, meinte ich und ging in meinen Schlafzimmer. Aus der Kommode kramte ich ein älteres T-Shirt hervor. Zurück im Bad zog sie sich das Shirt über. Es war ihr definitiv zu groß, aber als Nachthemd ideal.  

„Zähne geputzt?“, fragte ich sicherheitshalber nach.

Lucy nickte und ich zeigte ihr wo sie schlafen konnte. Ich blieb bei der Tür stehen, während sie sich im Bett bequem machte.  Ich war mir unsicher, ob ich ihr vielleicht eine Geschichte vorlesen sollte andererseits kann sie sicherlich schon selber lesen. Ich überlegte noch einen kurzen Moment, ob ich ihr nicht mindestens ein gute Nacht Kuss geben sollte, aber da wir uns noch nicht lange kannten ließ ich es sein.

„Wo schläfst du?“, fragte sie.

„Auf der Couch im Wohnzimmer.“, antwortete ich und sie nickte.

„Gute Nacht Lucy.“, sagte ich.

„Jay. Kann die Tür auf bleiben?“, fragte Lucy.

„Sicher doch.“, meinte ich und lehnte diese beim Herausgehen nur an.

Ich recherchierte noch ein bisschen in Lucys Unterlagen und versuchte Abby telefonisch zu erreichen - jedoch ohne Erfolg, ehe ich mich selbst hinlegte.

Früh am Morgen wachte ich durch das zuknallen der Wohnungstür auf. Ich blickte von der Couch auf und erkannte Will.

„Morgen.“, nuschelte ich verschlafen.

„Guten Morgen.“, grinste Will. Ich folgte ihm in die Küche, wo ich mir Kaffee und Will sich Pfannkuchen machte. Wir saßen am Esstisch und unterhielten uns.

„So also es ist ein Mädchen geworden und sie wird hier wohnen bleiben? Wie lange?“, sagte Will und ich nickte.

„Abby hat sie noch nicht einmal selbst vorbeigebracht. Ich weiß nicht wie lange, aber sie ist wieder in der Army. Also wird sie bestimmt einige Monate hier bleiben.“, meinte ich.

„Verstehe. Wie fühlst du dich bei der ganzen Sache?“, fragte Will.

„Ich weiß es nicht. Sie ist noch sehr schüchtern und es fühlt sich ungewohnt an ein Kind um sich zu haben.“, meinte ich.

„Es braucht Zeit.“, meinte Will.

„Ich werde die nächsten Tage versuchen eine Schule und eine Nanny aufzutreiben.“, sagte ich.

„Eine Nanny ernsthaft? Sie sollte sich erstmal einleben, oder nicht?“, sagte Will.

„Ich muss arbeiten. Ich kann kein Kind mitnehmen.“, sagte ich.

„Ich kann auf sie aufpassen bis meine Schicht beginnt.“, bat Will mir an.

„Und danach?“, fragte ich.

„Nimmst du das Kind mit zum Distrikt oder hattest du vor es zu verheimlichen?“, sagte Will.

„Nein natürlich nicht, aber auf Dauer auch keine Lösung.“, meinte ich.

Wir brachen unsere Unterhaltung aufgrund dem Geräusch von kleinen Fußschritten ab.  

„Guten Morgen Lucy. Hast du schön geschlafen?“, fragte ich sie. Am Türrahmen zur Küche machte sie halt. Sie hielt ihren Pinguin vor sich und versenkte ihr Gesicht darin als sie Will entdeckte.

„Lucy, das ist mein Bruder Will, von dem ich dir erzählt habe.“, sagte ich.

„Hallo Lucy.“, lächelte Will.

„Hallo.“, flüsterte sie leise.

„Möchtest du auch ein Pfannkuchen?”, fragte Will und sie nickte. Sie setzte sich ohne weiteres zwischen uns.

„Wie alt bist du?“, fragte Will.

„Bald Sieben.“, antwortete sie leise.

„So alt schon.“, grinste Will.

„Wie alt bist du denn?“, fragte sie.

„Knapp Fünf mal älter.“, antwortete Will.

Lucy versuchte mithilfe ihrer kleinen Finger das Ergebnis auszurechnen. „Also bist du Fünfundvierzig?“, fragte Lucy im niedlichen Ton. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen.

„Und jetzt Minus 12.“, antwortete Will ruhig. Erneut versuchte sie mithilfe der Finger es auszurechnen.

„Dreiunddreißig.“, stellte Lucy fest und Will nickte zufrieden.

„Wie alt bist du?“, fragte sie nun mich.

„Ein Jahr jünger als Will.“, antwortete ich.

„Zweiunddreißig.“, sagte sie.

„Jip. Hast du denn eine Idee was wir heute machen wollen?“, fragte ich, aber Lucy zuckte mit den Schultern. Ich wäre ja ausnahmsweise Shoppen gegangen, aber an einem Sonntag haben die Geschäfte meist zu…
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