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MonsterHunter: Zerbrochene Freundschaft

GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
03.10.2017
17.08.2020
43
53.713
2
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31.07.2019 1.190
 
Seit diesem Augenblick hatte sich wie in so vielen Leben etwas geändert.
„Bert… wenn du mich jetzt sehen könntest.“ Betrübt blickte Reiner hinab auf den Platz unter ihm. Hin und wieder konnte er sein vergangenes Ich umherlaufen sehen.  Mal an dem Stand und mal an den anderen.  Hin und wieder lehrte ihn auch der gute Hinkelbein etwas. Wie viele Stunden er wohl bei ihm verbracht hatte. Und jetzt saß er hier und konnte nichts tun. So oft war er das Vorbild, der Typ auf den Verlass ist, der große Bruder. Er war es für Jacob gewesen und für Marko. Und das nur weil…. Weil ihm die Augen geöffnet wurden. Ihm wurde gezeigt auf was es wirklich in dieser Welt an kam. „Bert wenn du nicht gewesen wärst.“ „Reiner, das ist es. In dieser Welt kannst du gegen das schlechte ankämpfen indem du den Menschen das gute zeigst.“ Das war es was er ihm noch gesagt hatte. Entschlossen stand er auf. Er atmete tief durch und wieder aus. Dann machte er sich auf den Weg nach unten zu den Schiffen. Unterwegs begegnete ihn der Karawanenführer, welcher ihn verwundert fragte wohin er wollte. „Zu den Schiffen.“ Statt zu den Schiffen bog er zu den Höhlen ab, Höhlen welche einen Großteil der Wyvern und Donnerwölfe beherbergte. Beinahe jeder der in Vall Habber lebte besaß einen. Nein, nicht besaß. Diese Tiere waren nichts was man besitzen konnte. Man sollte wohl eher sagen jedes Tier hatte einen der Bewohner ausgewählt. Ja,  das klang gut. So auch Reiner. Die meisten hatten sich für die Freiheit am Himmel entschieden, doch er bevorzugte lieber die Sicherheit des festen Bodens. Wahrscheinlich verstand er sich deswegen so gut mit dem Donnerwolf. Donnerwölfe,  auch Zinogre genannt, waren ca 9 Meter lange und etwa 4 Meter hoch. Dazu goldene Panzerung mit Türkisen Schuppen welche dank dem weißem Fell elektrisch geladen waren. Der Schweif glich einem Feger,  welcher trotzdem mit der Stärke eines Stahlhammers geschwungen werden konnte. Seine Klauen durchtrennten fast alles. Aber am markantesten war das wolfartige Heulen. Dank seiner Größe hatte er nur sehr wenige natürliche Feinde. Dafür aber sehr viele Freunde. Schneller als Reiner überhaupt reagieren konnte überwältigte der Zinogre ihn und warf ihn durch sein Gewicht zu Boden. Am Boden begann er sogleich Reiner abzuschlecken und sich an ihn zu drängen. „Mensch du tust so als wäre ich nen Monat nicht mehr hier gewesen. Kleine Dramaqueen du.“ Erwiderte Reiner scherzhaft. Seinem Partner schien das nicht zu stören, dafür aber Reiner umso mehr. „Na komm lass mich mal auf die Beine kommen du. Ich hab auch ne Überraschung für dich.“ Ob's was bringt? Der Donnerwolf freute sich jedenfalls. Genau genommen ist der Donnerwolf ja entfernt mit den Eiswölfen verwandt, welche im Schneegebirge um Poke zuhause waren.

„Was meinst du, solln wir uns mal ein wenig weiter umschauen?“ Aber natürlich. Das besondere war, das Reiner hier ohne einen Sattel aufstieg,  da der Sattel sonst verhindern würde, das die Schuppen auf den Nacken samt Rückgrat sich nicht aufrichten können um so die Energie frei zu setzen. Kurze Zeit später waren beide schon auf den Weg der Ferne entgegen. Vorbei an Gräsern,  Lichtungen, Ruinen und Erinnerungen der Sonne entgegen. Er sah sich selbst wieder jenem Glavenus gegenüber, ohne eine Waffe oder einen Plan. Der Boden unter ihm war mit Ruß,  Splittern und Schutt bestreut. Starr vor Angst stand er ganz alleine vor ihm, wissend das er das einzige war, was noch zwischen den Menschen und den Glavenus stand. In diesem Moment fühle er alles, Angst, Trauer.. Wut. Wut das er nichts tun konnte, das er wieder der schutzbedürftige war. Aber in dieser Situation?  Ging das überhaupt noch? Neben ihm lagen neben den Schutt auch noch ein Schild. Daneben eine kleine Klinge und ein Eisenhammer. Er sah erst zu den Waffen, dann nach hinten zu den Menschen die sich ängstlich an die Ruinen hinter ihnen pressten, dann zum Glavenus, welcher sich die Zähne leckte. Langsam kam er näher. Die Erde bebte unter seinen Schritten. Es war ungewohnt eine Waffe in den Händen zu halten, noch dazu so eine schwere. Vom Glavenus kam ein verächtliches Schnauben. „Mama ich hab Angst…“, „Ich will nicht sterben..“ „Reiner, ich bin doch nicht deshalb mutig weil ich mich oft in Gefahr begebe. Das tue ich nur wenn ich mich sorge.“ Das hatte Bert ihn gesagt. „Weißt du, ich denke es geht in Ordnung für das zu kämpfen was man liebt. Also schreck nicht davor zurück mit allen Mitteln zu kämpfen.“ Das hatte ihn Marcel empfohlen. „Ich bin doch der schwächste..“ „Vielleicht äußerlich, aber nicht hier drinnen.“  Dabei deutete er auf sein Herz. „Da drinnen bist du einer der größten und mutigsten Menschen die ich kenne.“ Mutig war er als er dem Glavenus die Stirn geboten hatte. Zum ersten Mal in seinem Leben kämpfte er gegen eines der Monster seiner Welt. Ob es toll war, nein. Ob es Spaß machte, nicht wirklich. Ob er es wollte? Nein aber es gab keinen anderen Weg. In dieser Nacht veränderte sich nicht nur sein eigenes Leben für immer, sondern auch das von Marcel. Selbst als er alleine mit seinem Bruder ums Überleben kämpfte,  zeigte er keine Schwäche. Nicht mal ansatzweise. Berts Beispiel folgend kümmerte er sich noch weiter um die Verwundeten und jene ohne Heimat. In diesem Moment verstand Reiner etwas. Auch wenn man noch so schwach ist, es gibt immer etwas, was man bewirken kann. Und sei es nur eine kleine Freude.

Ob Marcel wohl daran gedacht hatte als er seinen Schützling die unzähligen Male seine Geschichten erzählt hatte, oder bei ihrem letzten Mal? Inmitten all der grünen Blätter und Gräser um ihn fiel es ihm zunehmend schwer an so etwas zu denken. Er konnte sich ja nicht mal richtig verabschieden, weder von Marcel, noch von Jacob oder Marko. Aber am schlimmsten traf es wahrscheinlich eher Helix. Zum Glück war er nicht allein gewesen. Die Wiesen um ihn herum wichen langsam der grauen Asche verbrannter Bäume und Gräser. Auch der Himmel war nicht mehr so freundlich wie vorher. „Was zum…. Was ist hier passiert..“ Der Zinogre schnaubte nur. Helix hatte doch von etwas ähnlichen berichtet. Verbrannte Gebäude.. Ruinen. Zwischen den Ruinen erstreckte sich kalt gewordene Lava. Vorsichtig schlich sich der Zinogre zwischen den Ruinen hindurch, versuchte dabei etwas zu erschnüffeln. Der Einzig Geruch hier weit und breit war der von Steinen und Asche. Wohin Reiner sich auch drehte, er sah nichts anderes als Steine, Ruinen, Schlamm und Asche.  Das Dorf war überrascht geworden, ohne jede Chance zu reagieren. Während dessen war Marko auch wieder auf den Beinen. Mehrere Stunden lang war er außer Gefecht. In dieser Zeit durchlebte er einige der schlimmsten aber auch schönsten Erinnerungen noch einmal. Die unzähligen Male die Marcel ihn durch die Straßen  getragen hatte, Jacob der ihn wieder versicherte was für ein toller Mensch er war, Helix der ihm gebannt zuhörte und Annie…. Damals wusste er nicht weshalb er sich gerade zu Annie so hingezogen  fühlte, aber ihm wurde ganz anders wenn sie mal zu zweit unterwegs waren. Er hätte ihr jeden Wunsch erfüllt,  zumindest hätte er es versucht.
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