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MonsterHunter: Zerbrochene Freundschaft

GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
03.10.2017
17.08.2020
43
53.713
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04.05.2019 1.317
 
Damals, als er jene Rathian gefunden hatte, oder besser gesagt sie ihn. Er war in ihr Nest gestolpert, welcher nur noch ein Haufen Schutt mitsamt der Knochen ihrer Jungen gewesen war. Und… jene roten Flaggen, welche ihn damals von klein auf begleitet hatten. Viserion schnaufte schwer. Beruhigend strich Jannik ihm zögerlich über den geschuppten Hals.  Während dessen waren ein paar Soldaten nach oben geklettert und halfen Marko herunter. Mar4ko hatte anscheinend auch noch eine  Menge ab bekommen. Zumindest zeugte das Blut davon. Panisch versorgte man ihn so gut es ging. „…n-nicht mein B-blut..“ brachte er noch hervor, ehe er vorne rüber kippte. „Marko?? Marko!!!?“  Hysterisch kreischte sie. An mehr erinnerte er sich nicht mehr. Danach folgte die Leere.  Und der Schmerz.

Lange sah er in die Dunkelheit hinein, versuchte sich daran zu gewöhnen. Doch es gelang ihm nicht. Als er sich damit schon beinahe abgefunden hatte, wurde es merklich heller. Die Umgebung schien ihn vertraut und doch fremd. Erst hörte er die Schritte bevor er sah wer auf ihn zukam. „Marko..?“  „Wer…?“ Marko richtete sich auf.  „Wer bist du…?“ Erst als die Person näher kam erkannte er langsam wer das war. Eine Rüstung, welche zu der Gilde gehörte und Sommersprossen,  welche Marko nur allzu bekannt waren. „Was ist aus dir geworden..? Woher die Rüstung?“ Marko antwortete nicht sondern stand noch immer sprachlos da im Angesicht seines Gegenübers. „M-Marcel.. wie ist das..?“ Marcel war tot. Das war klar. Doch stand er hier vor ihm,  lebendig. War  er es wirklich? Oder nur eine Einbildung? „Mensch bist du groß geworden Marko.“ „Ähm… ich…“ Weiß nicht was ich sagen könnte,  beendete er seinen Satz in Gedanken stumm. Zu groß war der Scham und die Schuld, die in ihm brannte. „Marcel..?“  Er nickte leicht und schenkte Marko ein warmes lächeln. Markos Stimme versagte als Marcel ihn in den Arm nahm und an sich drückte,  ihn, der für dessen Tod und hunderte weitere verantwortlich war. Ihn,  der die Menschen verletzte die ihm nahe standen. Während ihn all das durch den Kopf ging kämpfte er zusätzlich mit seinen Tränen. „Tut mir leid das ich mein Versprechen nicht einhalten konnte..“ „Mir auch.“ murmelte Marko. Schuldbewusst sah er Marcel an, wie damals, als er was angestellt hatte und wusste das es falsch war. Hatte er das denn überhaupt verdient. Er war schließlich gescheitert,  mit so ziemlich allem. Mit sich selbst,  Jacob und Annie… und Helix.  „Das habe ich nicht für dich gewollt…. Das du so voller Schuld bist.“ „E-es war mein eigenes Versagen. Ich war zu arrogant,  selbstsüchtig.. ich wollte zu viel..“ gestand Marko beschämt. „Unsinn. Du warst weder arrogant noch egoistisch. Du bist halt einfach ziemlich eigen.“ Ja und? Trotzdem hatte er selbst doch diese Entscheidungen getroffen.. „Weder mein Ableben noch das von Annie war deine Schuld. Und das von Jacob schon gar nicht. Mach dir nicht zu viele Vorwürfe kleiner.“ „Ich wollte das alles nicht…. Schon gar nicht das du draufgehst…“ „Ach komm, ist schon in Ordnung. War ja meine eigene Schuld,  ich hätte einfach mal nein sagen sollen.“ Erwiderte Marcel. Marko sah das anders. „Hätte ich nicht darauf bestanden…“
Seit Stunden saß Jannik schon neben Marko. Dieser war von ein paar Soldaten ins Zimmer gebracht worden. Seitdem saß er daneben und hatte genug Zeit zum Nachdenken. Nicht nur über sich selbst, Helix,  sondern auch über die Situation. Er war bisher nur ein paar Tage hier, und doch fühlte er sich verstanden. Woran liegt das? Das Marko älter war und damit mehr Erfahrung hatte? Und doch hatte es ihn auch fast erwischt. Ob er auch diese Schuld spürte,  genau wie er? Im Moment  konnte Jannik eh nicht mehr tun als zu zuschauen. Deprimiert saß er da und wartete. Wie so oft konnte er nichts anderes tun als zu warten. Damals, als seine Heimat vom Stahldrachen heimgesucht wurde, konnte er auch nur hilflos mit ansehen wie er seine Familie auseinander riss. Was sollte er auch tun? Irgendwie war Marko auch jemand besonderes,  der ihn wirklich verstand. Jemand der ihm zuhörte und nach Möglichkeit half.

„Mach dir nicht so viele Vorwürfe, wenn dann sollte ich mir welche machen.“ „Und wofür… dafür das du mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen hast und täglich für mich da warst?“ Marcel teilte diese Meinung anscheinend nicht. „Dafür das ich damals einmal die Fassung verloren habe. Als wir beide alleine waren.“ „Ich war aber doch total….“ Er suchte nach Worten. „Total bockig und uneinsichtig.“  „Trotzdem hätte ich mit dir Reden sollen anstatt meine Hand zu erheben.“ Marko horchte auf. „Wahrscheinlich weil ich so sehr dagegen war hat das auf dich etwas abgefärbt kleiner.“ „Ich hatte halt ein super Vorbild.“  Erwiderte Marko grinsend. Das entlockte Marcel ein leichtes Grinsen, welches aber wieder verschwand. „Aber Jacob sowas zu sagen war unter aller Sau Marko. Sowas habe ich dir nicht beigebracht, ich denke das ich da ziemlich enttäuscht  von dir bin kannst du dir denken.“ Man kann sich sicherlich vorstellen wie geschockt Marko aussah,  mit was für einer Angst er Marcel da ansah. Dieser sah ihn mit einem passenden Blick an,  der das eben gesagte ziemlich gut rüber brachte.  „Du weißt…!? Woher…?“ Marcel antwortete ihm diesmal nicht sofort,  sondern ließ seinen kleineren Bruder ein wenig warten. „Das ist also das erste was du fragst? Nicht es tut mir leid, oder ich weis es war falsch? Wirklich, du enttäuschst mich.“  Das zu hören war unerträglich, vor allem da es von jemanden kam zu dem Marko aufsah. Hatte er was anderes erwartet? „Was weißt du schon davon… du warst schließlich nicht mal da! Wahrscheinlich denke ich mir das alles eh nur aus..“ „Sag mal spinnst du jetzt komplett? Ich glaub du hast sie wohl nicht mehr alle!“ Fauchte Marcel gereizt. Das alleine genügte für gewöhnlich Marko zur Vernunft zu bringen, er war es nicht wirklich gewohnt gewesen von Marcel Ärger zu bekommen. „Wie oft kam es vor das du richtig ärger von mir bekommen hast?“ „Selten..? Jetzt?“ Marcel seufzte. „Es tut mir leid… wenn ich könnte würde ich mich dafür bei Jacob entschuldigen…“ „Das letzte mal als du nicht essen wolltest.“ Marko erinnerte sich daran.  „Ich war wirklich kurz davor dich übers Knie zu legen. Gottseidank hab ich's nicht getan.“ „Wahrscheinlich hätte ich es verdient gehabt.“ Gab Marko deprimiert zurück. „Nein hättest du nicht. Was hätte das denn gebracht? Du hättest wahrscheinlich für ein paar Minuten nicht sitzen können und hättest nur gelernt,  das man seine Probleme mit Gewalt lösen kann.“ „Hast ja selbst  bemerkt zu was das führt..“ Marcel stand eine Weile da,  und bedachte ihn mit einem lächeln. „Zu einem liebenswerten kleinen Bruder,  der manchmal seinen eigenen Kopf hatte und der mich jeden Morgen zum lächeln gebracht hat.“ Was er dazu sagen sollte wusste Marko nicht. „Hör mal, danach wärst du wohl richtig bockig gewesen, von deinem Weinen mal abgesehen. Außerdem weißt du doch genau wie sich sowas auf ein Kind auswirkt. Hast es ja bei Helix bemerkt.“ Mit einem Mal sah er nicht mehr so erfahren aus wie er immer tat. Mit den zerzausten Haaren und seinen rosa Wangen samt Tränchen in den Augenwinkeln sah er eher aus wie früher,  als er noch die Welt erkundete. Energisch wischte er sich die Augen trocken. Marcel übernahm ohne was zu sagen, wie vorher schon wischte er ihm die letzten Tränchen weg. „So besser?“ Marcels Umrisse schwanden plötzlich ein wenig.

Marko begann sich zu rühren,  zwar nur sehr schwach und unregelmäßig aber dennoch besser als wenn er noch länger still da gelegen hätte ohne auch nur ein Lebenszeichen von sich zu geben. Was Jannik in diesem Moment nicht auffiel,  war die kleine Träne,  die sich da aus dessen Augenwinkel stahl. Was Helix wohl gerade machte. Ging es ihm gut?
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