Fortschritt

GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Conan Edogawa Kaito Kid / Kaito Kuroba
02.10.2017
30.10.2017
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Kaito seufzte hörbar.

Sehnsüchtig sah der junge Magier/meistgesuchtester Dieb in Japan/Schüler/gelangweilteste Person auf dem ganzen, weiten Planeten, aus dem Fenster. Er konnte den blauen Himmel durch das Geäst des Baumes vor dem Fenster perfekt sehen und alles in ihm sehnte sich danach, endlich aus diesem Raum zu entweichen.

„Koruba, wenn du nur einmal meinen Unterricht mit der gleichen Hingabe betrachten würdest wie das Fenster, dann würde ich mich sehr geehrt fühlen!“ Aber zwischen ihm und seiner, wohlverdienten wie er bemerken wollte, er hatte alle Hausaufgaben gemacht, war pünktlich gewesen und hatte noch keinen einzigen Streich gespielt, Freiheit, stand eine gestandene Englischlehrerin von 45 Jahren, die wirklich nicht sehr davon begeistert war, wenn ihre Schüler versuchten dem Versuch ihnen Grammatik und Vokabeln einzubläuen, zu entkommen.

Der Junge sah sie gelangweilt an. Es war nicht so, dass er Englisch aus dem tiefsten seines Herzens verachtete oder dergleichen. Er mochte sogar die Lehrerin, obwohl sie wohl lautstark etwas anders im Lehrerzimmer verbreitete, er hatte seiner Erinnerung nach im letzten Monat nur einen größeren Streich in ihrer Stunde vollzogen, und das war gönnerhaft. Nach seinem Ermessen.

Jetzt im Moment kribbelten seine Fingerspitzen vor unterdrückter Energie. Ihm war einfach nur furchtbar langweilig. Ihm war in letzter Zeit einfach immer furchtbar langweilig. Und das einzige Gegenmittel war nun mal 7, klein und unfassbar asozial. Und nicht hier. Also, er könnte rein theoretisch hier sein. Immerhin hatte er Kaito angedeutet, dass er eigentlich in etwa im Alter von dem Dieb war, wenn nicht sogar ein bisschen älter. Aber das war ein Thema, dass Kaito nur sehr vorsichtig anschnitt.

Er hatte sogar kaum Nachforschungen angestellt. Sein Schnüffeln war geringfügig. Nicht der Rede wert. Er hatte nur ein bisschen das Internet durchstöbert und war in das örtliche Krankenhaus eingebrochen, um die Geburtsurkunden durchzusehen.

Aber das war davor gewesen. Bevor Conan sich entschlossen hatte, vielleicht doch mehr zu werden, als ein unterkühlter Detektiv. Es war ein ziemlich zerbrechliches Ding, was sie da bauten, Kaito würde es eher mit einem Spinnenfaden vergleichen, als mit einem Band, was sie verband. Aber es waren kleine Schritte und Kaito spürte eine Vorfreude in sich brodeln, die er fast ganz verloren hatte.

„Aber mir ist langweilig,“ quengelte er lautstark und er konnte fühlen, wie sich die ganze Klasse versteifte. Er fühlte sich persönlich angegriffen. Was hatte er jemals getan um so eine Reaktion heraufzubeschwören?

Hakuba neben ihm warf ihm einen Blick zu, der ihm subtil andeuten sollte, es ja nicht zu wagen, seine Langeweile an dem Schnüffler auszulassen.

Die Lehrerin lächelte gezwungen, ihre Lippen waren zu einem dünnen Strich zusammengezogen der an den Mundwinkeln so leicht nach oben gezogen wurde, dass Kaito sich fragte, ob das jetzt ein Lächeln war, oder doch noch nicht.

„Es tut mir wirklich leid Koruba, dass mein Unterricht nicht deine Aufmerksamkeit genug zu fesseln scheint. Aber es gibt auch noch andere …“ sie unterbrach sich selbst und stieß hörbar die Luft aus. Er hörte ihr längst nicht mehr zu, sondern hatte den Kopf wieder in Richtung Fenster gedreht.

„Die Lösung ist übrigens: Teil A gehört zu Teil 7, Teil B gehört zu Teil 3, Teil C gehört zu Teil 1, Teil D gehört zu Teil 6, Teil E gehört zu Teil 4, Teil F gehört zu Teil 2 und Teil G gehört zu Teil 5,“ brummte er und unterdrückte ein Gähnen, während er mit seiner Hand eine vage Bewegung in Richtung des Overheadprojektors machte, auf dem eine Folie mit der heutigen Aufgabe lag.

Sie war so simpel gewesen, dass er nicht wirklich daran gedacht hatte, seine Energie mit ihr zu verschwenden. Aber wenn es seine Lehrerin glücklich machte! Er lebte immerhin dafür, seinem Publikum eine gute Show zu geben.

Die Frau schloss mit einem eingeschnappten Laut den Mund und drehte sich abrupt um.

„Bakaito,“ zischte Aoko von hinten und versetzte dem Stuhl ihres Freundes einen gezielten Tritt. „Benimm dich gefälligst!“

Kaito drehte sich auf einem Bein seines Stuhls schwungvoll um und stützte seine Ellenbogen auf dem Tisch seiner Kindergartenfreundin ab.

„Aber A~o~k~o,“ wisperte er in seiner bekannten singsong Stimme. „Ich hab doch alles richtig gelöst!“ Zur Bestätigung legte die Lehrerin nun die Folie mit den Lösungen auf, genau wie Kaito sie vorhergesagt hatte.

Aoko verzog leicht das Gesicht. Kaito ließ mit einem leichten plop seine Hand im Nebel verschwinden und hielt ihr eine Rose hin. Es war ein alter Trick. Es war sozusagen ihr Insider geworden. Kaito machte etwas dummes, Aoko bekam eine Rose.

Fasziniert besah sich die braunhaarig die Blume, boxte Kaito jedoch trotzdem gegen die Schulter, bevor er sich mit einem gespielten Schmerzenslaut wieder umdrehte.

„Aoko muss immer so gewalttätig werden!“ schimpfte der Magier vor sich hin.

„Ich kann auch den Mop rausholen,“ zischte die Benannte unheilsverkündend. Kaito spürte, wie es ihm kalt den Rücken runterlief.

„Nicht nötig, ich bin ja schon ganz brav,“ wüsste Conan wie leicht Kaito einknicken konnte, hätte der Kleinere schon lang daraus seinen Vorteil gezogen. Aber obwohl er wusste, wie Kaito richtig hieß und sogar wo er wohnte, hatte er sich mit bemerkenswerter Diskretion in diesen Teil des Lebens des Magiers eingemischt.

Nämlich gar nicht. Er weigerte sich strickt, auch nur in die Nähe des Ekado Distrikts zu kommen, geschweige denn, Kaito mit seinem Vornamen anzusprechen.

Der Magier hatte ja selbst die leise Vermutung, dass Conan nicht wirklich die hellste Leucht war, wenn es um Zwischenmenschliches ging, aber es war auf eine verwirrende Weise eine wirkliche Erleichterung, dass er nicht noch einen Detektiv an seinen Fersen hatte, der darauf bestand, ihn auffliegen zu lassen.

Hakuba hatte sich diesen speziellen Platz in Kaitos Herz hart erarbeitet, und es schien fast so, als würde er nicht von der jüngeren Konkurrenz daraus vertrieben werden.

Nicht dass er seinen Tantei-kun nicht mochte. Das Gegenteil war sogar der Fall. Der Kleine hatte sich trotz seines recht kalten und unfreundlichen Verhalten gegenüber Kaito KID im allgemeinen, irgendwie in das Herz des Diebes reingequetscht.

Und gegen das allgemeine Verständnis, dass Kaito Koruba sich mit einer Wand anfreunden konnte wenn er wollte, waren die Menschen in seinem Herzen doch wohl oder übel an einer Hand abzuzählen. Wenn man mal von Akako und Hakuba absah, die eher eine Art Wackelkandidat waren.

Er beobachtete eine Wolke, die sich allein über den Himmel zu schieben schien. Seine Finger klopften einen unbewussten Rhythmus auf die Tischplatte als er die Sekunden herunterzählen begann.

Es war ziemlich peinlich, darüber nachzudenken, dass er sich auf ein Treffen mit einem Grundschüler freute. Seine Freunde würden ihn wahrscheinlich hochkant in die Nächste Anstalt stecken, er selbst hätte sich vor 3 Jahren selbst in die Anstalt eingewiesen. Aber ein Doppelleben konnte anscheiend so einiges aus dem Gleichgewicht bringen, so auch ein Sozialleben.

Und es war wunderbar Zeit mit Conan zu verbringen. Vielleicht war der Kleine nicht das Partyhütchen schlechthin, sein Humor war sporöde und schwarz und zynisch, aber er konnte zuhören und manchmal ließ er sich sogar auf Kaito’s „Nievau eines Taugenichts von Dieb“ herunter um ein tiefgründiges Gespräch zu führen.

Was noch nicht oft vorgekommen war, weil das Vertrauen von Conan Edogawa zu gewinnen, eine eigene Disziplin in der Olympiade werden könnte, aber es war schon einmal vorgekommen. Sie hatten über Lügen gesprochen.

Nicht das es ein schönes Gespräch gewesen wäre oder ein angenehmes. Es war deprimierend und schwarz gewesen, aber am Ende hatte Kaito auf dem Bett liegen können und sich sicher sein, dass es immerhin eine Person auf dieser Welt gab, die ihn verstand.

Oder verstehen wollte. Und das hatte ihm einen Stein vom Herzen genommen.

Der Gong klingelte und Kaito blieb eine Sekunde verwirrt sitzen, um ganz sicher zu gehen, dass sein Gehirn keine Halluzination hervorgerufen hatte, um ihn von seinem Leiden zu erlösen, aber tatsächlich, es klingelte!

Und er wäre auch innerhalb eines Bruchteils aus dem Raum entkommen, immerhin war er ein Meisterdieb erster Klasse, wenn Akako keine Hexe gewesen wäre. Denn mit der Geschwindigkeit, mit der sie seinen Arm gepackt hatte, mussten übernatürliche Kräfte im Spiel sein.

„Koruba-kun,“ flötete sie und zog ihn ein wenig dichter an sich. Kaito konnte sehr genau vorhersehen, dass wenn er nicht sofort Abstand zwischen sie beide brachte, er früher oder später ihre primären Geschlechtsteile in der Hand halten würde.

Aber Himmel noch mal konnte die Frau zupacken. Er konnte geradezu sehen, wie sich ihre manikürten Finger wie Stahlklauen um seinen Oberarm schlossen.

„Was willst du?“ fragte er, darauf bedacht nichts von seiner Ungeduld zu zeigen.

„Du bist in letzter Zeit so abgelenkt,“ murmelte die Hexe und Kaito warf einen verstohlenen Blick auf den sich leerenden Raum. Wo war sein augenscheinliches Glück denn jetzt? Manch einer würde sich wohl als glücklich bekennen, mit Akako Kazumi allein in einem Raum zu sein, aber Kaito gehörte zu der verschwindend geringen Gruppe, die Akako nichtmal auf einen Abstand von zehn Meter heranlassen würde.

„Ich verstehe nicht worauf du hinauswillst,“ zischte er zurück und warf ihr einen unschuldigen Blick zu. Nur die Ruhe, ermahnte er sich. Pokerface bewahren!

„Ach wirklich,“ säuselte sie und Kaito merkte ganz genau, dass er hier so einfach nicht wieder loskommen würde. „Du starrst aus dem Fenster, du hast auf einmal Verabredungen …“ sie hob bedeutungsvoll eine Augenbraue.

Kaito verdrehte die Augen. „Nur weil ich ein Sozialleben habe, das aus mehr als einer Person besteht hältst du mich von meinem wohlverdienten freien Nachmittag ab? Ist das nicht ein bisschen zu viel des guten Kazumi-san?“

Das Mädchen legte nur schweigend den Kopf schief und lächelte geheimnisvoll. Und Kaito hatte das ungute Gefühl, dass sie es wusste. Alles. Nicht das er vor hatte, irgendwelche ihrer Vermutungen zu bestätigen oder etwas ähnliches, bevor er so tief sinken würde, würde er eher Hakuba gestehen, dass er KID war und sich einbuchten lassen.

Kaito wand sich mit einem größeren Kraftaufwand als eigentlich erwartet, und mit mehr Schmerzen als unbedingt nötig, endlich aus ihrem Griff. Sie hatte ihn nicht gelockert, ganz bestimmt nicht, er hatte das ganz allein hinbekommen. Ansonsten wäre dass ein ziemlicher Schlag gegen sein Ego.

„Du siehst nur um einiges glücklicher aus,“ sagte Akako und Kaito, der schon halb zur Tür gedreht war, warf ihr einen verständnislosen Blick zu.

„Ich bin immer glücklich,“ sagte er absolut tonlos. Denn er hatte nicht vor Tantei-kun mit dieser Frau in naher Zukunft oder jemals zu teilen.

Akako legte verschwörerisch einen Finger an das Kinn und nickte mit dem Kopf. „Natürlich. Aber Lucifer lässt ausrichten, dass „der Schatten, den die Taube auf den Raben wirft, sich blutrot färben wird wenn das weiße Auge sich wieder vollständig öffnet“.“ Kaito spürte ein unangenehmes Prickeln im Nacken auch wenn er kein einziges Wort verstanden hatte.

„Was soll das nun wieder heißen?“ fragte er lustlos.

Akako schritt grazös an ihm vorbei, ihre Haare wehten leicht hinter ihr her.

„Ich habe keine Ahnung Koruba-kun,“ und dann hörte er nur noch ihr entferntes Lachen auf dem Gang.

Für eine Sekunde war Kaito wie erstarrt, aber dann erinnerte er sich, dass der heutig Tag nicht im Geringsten dazu da gewesen war, sich mit einer schwarzen Hexe zu unterhalten. Eigentlich beinhaltete der Tag heute einen kleinen Detektiv. Den Kaito abfangen musste bevor er in den Händen der Detektiv Boys landete. Und er war zu spät.

„Oh verdammt,“ fluchte der Schüler und rannte los. Auf dem Weg nach draußen rannte er fast Aoko um, und rief ihr über die Schulter eine halbherzige Erklärung zu, nämlich dass er etwas sehr, sehr wichtiges vergessen hatte. Sie sah ihm kopfschüttelnd hinterher, aber er konnte ihren entgeisterten Blick nur für eine Sekunde genießen, bevor er sich wieder auf seine Füße konzentrieren musste. Es wäre ein ziemlich ironisches Ende seines viel zu kurzen Lebens, wenn er jetzt die Treppe runterfallen würde und sich das Genick beim Aufprall brechen würde. Dafür hatte er ganz sicher keine Schusswunde überlebt.

Hakuba winkte ihm nach als er durch das Schultor sprintete und sich den Weg zur U-Bahn nahm.

In einer nicht näher definierbaren Rekordzeit, in der Kaito mehrmals die Menschheit gegen sich aufbrachte, einmal fast überfahren wurde und in das Gesicht eines entgeisterten Busfahrers blickte, legte der Dieb die Entfernung zur Teitan Grundschule zurück. Und war stolz auf sich.

Er war verschwitzt, außer Atem und so was von bereit, einen Nachmittag mit dem Detektiv zu verbringen.

Er erblickte ihn und seine Freunde auf dem Sportplatz und musste unwillkürlich lächeln. Ganz gegen das Vehemente Argument des Detektivs schien er doch einen ziemlich guten Draht zu seinen scheinbar Gleichaltrigen zu haben.

Kaito tippte schnell eine Nachricht für ihn auf seinem Handy ein und lehnte sich dann lässig gegen das Mäuerchen, das den Schulhof umgab. Da er etwas später als eigentlich geplant war, waren die meisten Menschen, die jetzt noch das Gebäude verließen, Lehrer oder Mitarbeiter. Unmerklich prägte er sich ihre Gesichter ein, ein lästiger Mechanismus, den er sich durch seine nächtliche Tätigkeit angewöhnt hatte.

An ihm gingen zwei Lehrer mittleren Alters vorbei und eine Frau, die vielleicht die Sekretärin sein konnte, bevor er das unverkennliche Geräusch von Kinderfüßen vernahm.

„Du bist spät,“ begrüßte ihn Conan und hob fragend eine Augenbraue.

Kaito grinste. „Wir müssen an deinem Small Talk üben Kleiner,“ der Blick den ihm Tantei-kun zuwarf, war zweifellos tödlich, „und außerdem hast du dich doch blendend in meiner Abwesenheit unterhalten oder? Fang jetzt bloß nicht an zu schmollen, aus dem Alter solltest du doch eigentlich raus sein oder?“

Conan boxte ihm im Vorbeigehen gegen den Oberschenkel, aber Kaito zählte es als Fortschritt, dass ihn der Detektiv nicht woanders hingetreten hatte und die beiden verfielen in ein angenehmes Schweigen.

Die Sonne gab sich alle Mühe, das Ende des Sommers so weit wie möglich hinauszuzögern und schien heute so hell wie eh und je. Kaito beglückwünschte sich zu der weisen Entscheidung, heute morgen ein T-Shirt angezogen zu haben anstelle von einem Pullover.

„Wir könnten ein Eis essen gehen?“ schlug er vor und bog vorausschauend in eine Seitenstraße ein. „In Ekado gibt es das beste Eis der Welt!“ Es war ein Schuss ins Blaue seine Heimatdistrikt ins Spiel zu bringen, aber er konnte erkennen, wie Conan sich leicht versteifte. Volltreffer!

Es war nicht so, dass Conan ein Problem mit Kaito an sich hatte. Er hatte ein geringfügiges Problem mit KID, aber das war moralischer Natur und konnte geklärt werden. Er hatte, wie Kaito kombinierte, eher ein Problem damit, Kaito und KID miteinander zu verbinden.

Solange er Kaito Koruba nicht näher kennenlernte, war auch seine Zweitidentität KID sicherer. Aber Kaito hatte nicht vor, in absehbarer Zeit aufzuhören, mit dem Detektiv befreundet zu sein also würde er Conan zwangsläufig dazu bringen müssen, sich mit Kaito zu beschäftigen.

Auch wenn es irgendwie schon nett war, dass der Detektiv bei ihm sein tiefgehenstes Bedürfnis des Schnüffelns unterdrücken zu schien.

„Was ist wenn dich deine Schulkameraden sehen?“ brummte der Kleinere und warf dem Größeren einen zweifelnden Blick zu.

Kaito zuckte mit den Schultern. „Dann kannst du dich gerne mit Hakuba anfreunden und über Sherlock Holmes reden. Solange du nicht vergisst, dass ich zuerst mit dir befreundet war.“

Der andere grummelte etwas vor sich hin, dass sich wie „es ist doch kein Wettbewerb mit mir befreundet zu sein“ anhörte, wehrte sich aber nicht verbal dagegen mitzukommen. Kaito gestattete sich leise aufzuatmen. KID war etwas temporäres, etwas was irgendwann nicht mehr da sein würde. Und trotzdem hatte er das Gefühl, dass Conan immer noch den Dieb sah, wenn sie sich unterhielten. Was jetzt kein Vorwurf sein sollte, immerhin war er irgendwie tief in sich drin auch etwas KID und würde es wohl auch immer bleiben. Aber Conan sollte auch Kaito sehen, genauso wie Conan manchmal schien, als wollte er auch, dass Kaito jemand anderen sah.

Und da der Kleine noch nicht bereit dazu zu sein schien, seine Mauern einzureisen, so würde Kaito wohl den ersten Schritt tun.

Er würde Conan auf ein Eis einladen. In seinem Heimatdistrikt.

„Weißt du was das beste ist mit einem Grundschüler befreundet zu sein?“ fragte der Magier leichthin während er eine Münze zwischen seinen Fingern hin und her wandern ließ. Conan sah nicht im geringsten beeindruckt aus. Na schön, er würde sich schon noch was einfallen lassen, um den Kleinen von den Socken zu hauen.

„Man hat den ständigen Schatten der Pädophilie um sich herum?“ flötete Conan und lächelte Kaito zuckersüß an.

Kaito erschauderte. Das war gruselig. Sehr sogar.

„Ich wollte eigentlich darauf hinaus, dass man den große Geschwister Bonus hat, aber wirklich, so etwas sollte man als Kind nicht sagen Tantei-kun! Das ist ja wiederwärtig,“ Kaito hob teathralisch eine Hand um seine Stirn zu bedecken.

Conan lachte.

Die Sonne schien, es war warm und Kaito spürte ein Warmes Gefühl in seiner Brust.

„Hey Conan,“ grinste er. „Ich glaub ich bin ganz froh, dass du aufgegeben hast, Fußbälle nach mir zu schießen und dich stattdessen dafür entschieden hast, mit mir Eisessen zu gehen. Das ist doch schon viel zivilisierter oder?“

Der Grundschüler schenkte ihm ein rasiermesserscharfes Grinsen. „Nur so lange du zahlst alter Mann. Das können wir dann als Entschädigungszahlung sehen, für all die Traumata, die ich durch die Erleiden musste.“

„Du bist ganz schön durchtrieben mein Guter weißt du das?“

„Ich scheine einfach den falschen Umgang zu haben Koruba-kun, meinst du nicht auch?“

Kaito wuschelte dem braunhaarigen durch die Haare, einfach weil er es konnte und wusste, dass Conan es hasste. Das konnten sie. Sich aufziehen. So tun als wäre alles zwischen ihnen normal. Das war es was sie brauchten.

„Ich hab doch gesagt, dass wir ein gutes Team machen,“ wisperte der Magier mehr zu sich selbst als zu seinem Freund/Rivalen. Conan sah ihn mit einer unergründlichen Miene an, aber er glaubte die Zuneigung in dem Blick zu erkennen, die der Kleinere immer noch hinter so vielen Mauern zu verstecken versuchte.

Conan öffnete zögernd denn Mund, nur um sich danach sofort wieder auf die Lippen zu beißen. Kaito bohrte nicht nach. Sie hatten Zeit.

Er hatte auch noch einen Karton voller Dinge, die er dem anderen gerne sagen wollte. Er hatte eine ellenlange Liste von Sachen, die er besprechen wollte. Und das hatte auch Conan.

„Glaubst du das ist eine gute Idee?“ fragte Conan und Kaito war sich sicher, dass es nicht die Frage gewesen war, die Conan hatte stellen wollen.

Aber sie hatten Zeit.

„Das Eis ist spitzenmäßig, vertrau mir,“ antwortete er leichthin obwohl er spürte wie sein Puls leicht stieg. Sag nicht nein, wisperte eine kleine Stimme. Sag einfach nicht nein. Sieh mich. Sieh nicht den Dieb.

„Okay,“ murmelte Conan und Kaito wäre ihm am liebsten um den Hals geflogen. Was er ganz sicher nicht auf der offenen Straße tun würde. Das wäre seltsam. Aber er drückte den anderen ganz kurz in einer halbherzigen Umarmung gegen sein Bein.

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Das werden wieder zwei Kapitel. Glaub ich. Hoffe ich.
Außerdem hoffe ich, dass euch die Fortsetzung einigermaßen gefällt. Ich hatte eigentlich nicht geplant, noch etwas dazu zu schreiben, aber, scheiß drauf, ich hatte diese Idee in meinem Kopf und wollte sie unbedingt loswerden!
Lasst ein Review da, wenn es euch gefallen hat!
LG Anemonenfisch
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