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The Next Generation - Flashbacks & Oneshots

von Cookie 24
OneshotFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
01.10.2017
17.02.2018
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01.10.2017 3.989
 
VORWORT

Hallo ihr Leseratten da draußen, ich bin es schon wieder ;)
Hier werde ich einige Flashbacks unserer Vampire-Academy-Lieblinge und deren Nachwuchs für euch posten, die mir zwischendurch in den Sinn gekommen sind und bei denen es zu schade wäre, sie zu verwerfen. Alles was hier passiert, hängt mit meiner Story The Next Generation  zusammen und geschieht vor der Hauptgeschichte. (Kann dementsprechend auch unabhängig davon gelesen werden)
Eigentlich wollte ich noch ein wenig warten, bis ich das hier hochlade, aber der erste OS war einfach zu knuffig. Da ich hier nur unregelmäßig schreibe, wenn ich z. B. in der Story festhänge, werde ich dementsprechend eher unregelmäßig einen OS posten. Sie werden auch unterschiedlich lang sein, je nachdem, was mir gerade dazu einfällt. Dazu möchte ich sagen, dass das einfach nur Einblicke in das Leben von Rose, Dimitri, Lissa, Christian, Adrian, Sydney und natürlich der Kleinen sein soll und ich hoffe, ihr habt dabei genauso viel Freude am Lesen wie ich am Schreiben.
Aber jetzt viel Spaß mit dem ersten OneShot, lasst mich gerne wissen, was ihr von der Idee haltet,
Lg
Cookie



JUST MARRIED

„Hiermit erkläre ich sie zu Mann und Frau. Sie dürfen die Braut jetzt küssen.“
Die ausgelassenen, ohrenbetäubenden Jubelschreie, die auf diese Worte folgten mussten am ganzen Königshof zu hören sein, als Rose sich völlig gegen die Tradition in Dimitris Arme warf und ihn stürmisch küsste.
Der Dhampir erwiderte ihren Kuss, wenn auch ein wenig verwirrt von ihrer spontanen Handlung.
Es wurde geklatscht, gepfiffen und gejubelt, jeder der Hochzeitsgäste teilte das Glück und die Freude des frisch vermählten Paares.
Als sie das Zeremonielle endlich hinter sich gebracht hatten, marschierte die ganze Gruppe über den Königshof, zu einem Garten, der mit Tischen und Stühlen bestückt war. Es war ein schöner, sonniger Sommertag. Ein wunderschöner Tag, um zu heiraten, wie auch Rose zugeben musste.
Die Sonne schien durch die Bäume und nur ein leichter Windhauch wehte den Duft der umliegenden Blumen zu der Gesellschaft hin.
Rose hatte darauf bestanden, dass sie am Tag feiern würden, mitunter, um unerwünschte Besucher zu vermeiden. Der Großteil der Hochzeitsgesellschaft mochte aus Dhampiren bestehen, doch für die Moroi unter ihnen hatten sie extra einen Ort gewählt, an dem genügend Schatten vorhanden war, um sie vor der Sonne zu schützen.
„Und, wie fühlt es sich an, verheiratet zu sein, Rose?“, fragte Christian, der der Braut beim Festmahl gegenüber saß. „Fühlst du dich jetzt … irgendwie bekehrt oder so?“
Die Angesprochene spießte so eben – im Bewusstsein, dass sie ein weißes Kleid trug dementsprechend vorsichtig – ein Stück Spanferkel auf und deutete mit ihrem Messer auf den Moroi. „Frag mich das noch mal, wenn ich nichts habe, womit ich dich bewerfen könnte, Ozera.“
„Keine Messerstechereien heute, Rose“, kam es von ihrer Trauzeugin und Königin, Lissa, neben ihr. „Das Kleid soll weiß bleiben.“
Rose zuckte lässig die Achseln und musste ihren frisch gebackenen Ehemann plötzlich angrinsen. „Warum der Aufwand, wenn Dimitri es mir am Ende des Tages sowieso in einem Akt der Leidenschaft vom Leib reißt?“
Abe, der zusammen mit Janine neben Lissa Platz gefunden hatte, kommentierte dies mit einem Husten, als habe er sich verschluckt. „Ich weiß ja nicht, wie es den anderen Anwesenden ergeht, aber ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mich von euren … nächtlichen Plänen verschonst, Rosemarie.“
„Darüber haben wir später noch genug Zeit zu diskutieren, Roza“, sprach Dimitri mit gedämpfter Stimme und legte seiner Frau eine Hand auf den Oberschenkel, dann flüsterte er ihr ins Ohr: „Im Schlafzimmer.“
Wie er Schlafzimmer betonte, ließ ihr einen wohligen Schauder den Rücken hinablaufen.
Allerdings wurde der Augenblick zerstört, als eine weitere Stimme an das Ohr der Wächterin drang. „Also ich finde es nicht schlecht, dass wenigstens eine versucht, die Stimmung ein wenig anzuheizen. Das ganze sieht mir doch noch ziemlich fad aus.“
Rose drehte sich auf ihrem Stuhl um und schaute Adrian Ivashkov in die Augen, der sie frech angrinste.
„Sagt derjenige, der seine Freundin, von der niemand etwas ahnte, heimlich still und leise in einer Kapelle in Nevada geheiratet hat.“
„Wir waren eben in Eile. Außerdem war das alles andere als langweilig, wenn man bedenkt, dass unsere Gäste aus einem wütenden Haufen Alchemisten bestand, der uns verfolgt und unseren großen Tag ruiniert hat“, rechtfertigte der Moroi sich mit einem milden Lächeln, als Rose aufstand, um ihn zu umarmen. „Herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit, kleiner Dhampir.“
„Danke, Adrian. Ihr habt die Zeremonie verpasst“, sagte sie tadelnd.
„Haben wir nicht. Wir haben uns zwar ein wenig verspätet, aber wir waren noch rechtzeitig um es uns anzusehen. Apropos, ansehen. Du siehst großartig aus. Und … Heilige Scheiße.“ Sein Blick fiel auf Dimitri. „Ist das da drüben wirklich Belikov? Hat sich ziemlich rausgeputzt. Ich glaube, ich habe ihn noch nie in etwas anderem als seiner spießigen Wächteruniform gesehen.“
Rose schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. „Ja das ist er. Und glaub mir, er könnte trotzdem jederzeit damit Leuten in den Arsch treten.“ Und dabei auch noch unglaublich heiß aussehen, fügte sie in Gedanken hinzu.
„Das bezweifle ich nicht“, murmelte Adrian schnaubend.
Rose wandte den Blick an Sydney, die in einem eleganten roten Kleid (passend zu Adrians roter Krawatte, die er zu seinem Anzug trug) in der Nähe ihres Mannes stand und ihren offiziell eineinhalb Jahre alten Sohn, Declan, auf dem Arm hielt.
„Ihr drei seht auch wundervoll aus. Schön, dass ihr gekommen seid.“ Das musste gesagt werden, schließlich hatten sie – neben Dimitris Familie, Janine und Abe – den weitesten Weg von allen gehabt, da sie von Maine aus an den Königshof reisen mussten.  
Nach Adrian umarmte die Braut auch Sydney und ganz zur Überraschung des jungen Elternpaares nahm sie sogar Declan auf den Arm um ihn zu begrüßen.
Vor nicht allzu langer Zeit schien sie vor dem Baby mehr Angst zu haben als vor einer Strigoiarmee die den Königshof stürmte, doch in den letzten beiden Jahren hatte sich das deutlich gebessert. Sie liebte den Kleinen ebenso wie alle anderen.
Auch Dimitri stand auf und begrüßte die Gäste, nachdem seine Frau noch ein paar Worte mit ihnen gewechselt hatte.
Als das Essen beendet war, machte das Brautpaar sich daran, die Hochzeitsgeschenke zu öffnen, obwohl Rose anfänglich heftig dagegen protestierte. Sie hatte doch klar und deutlich auf die Einladungen geschrieben, dass sie keine Geschenke mitbringen sollten und sie sich einfach auf einen schönen Tag mit ihren Liebsten freuten.
Trotzdem konnte sie schlussendlich nicht anders, als sich darüber zu freuen, denn ihre Gäste hatten sich eindeutig Gedanken bei den Geschenken gemacht. Olena drückte Dimitri und Rose zusätzlich sogar einen ganzen Stapel von eingepackten Gegenständen in die Hand, die sich als Westernromane entpuppten.
„Für eure zukünftigen Kinder“, sagte sie und lächelte gutherzig. „Die sollen in der Familie bleiben. Wer weiß, vielleicht begeistern sie eure Kinder einmal genauso sehr wie meinen Dimka.“
Daraufhin war das Ehepaar sprachlos. Dimitri nahm seine Mutter in den Arm, küsste sie auf die Wange und murmelte ihr auf Russisch Dankesworte zu.
Olena hatte noch nicht erfahren, dass es ihnen mithilfe einer speziellen Tätowierung tatsächlich möglich wäre, Kinder zu bekommen – sie hatten einfach noch nicht den richtigen Augenblick dazu gefunden. Aber ihr fester Glaube daran, dass es so sein würde, rührte Rose zu Tränen und sie umarmte ihre Schwiegermutter ebenfalls fest. „Danke, Olena.“

Später, als alle Hochzeitsgeschenke ausgepackt und mit den Gästen zusammen Fotos gemacht waren, saßen sie zusammen und unterhielten sich. Erzählten sich lustige Geschichten über das Brautpaar und lachten.
Um drei Uhr nachmittags folgte dann die Hochzeitstorte und bei der staunten sie alle nicht schlecht. Es war eine vierstöckige Sahnetorte, die mit Rosen und Perlen verziert war. Ganz oben thronten zwei Figuren, die ein sich küssendes Brautpaar darstellten.
Lissa hatte extra die besten Konditoren des Hofes dafür angagiert und grinste wie ein Honigkuchenpferd, als Rose das Kunstwerk mit offenem Mund betrachtete.
Als es dann darum ging, die Torte anzuschneiden, gab es eine kleine, eher scherzhafte Kabbelei zwischen Rose und Dimitri. Es hieß, wer die Hand beim anschneiden der Hochzeitstorte oben hatte, hatte auch die Oberhand in der Ehe und da das scheinbar natürlich der Mann übernahm, passte das Rose gar nicht.
So gab Dimitri den Versuch schnell auf und sie entschieden sich dafür, das Messer zusammen in die Hand zu nehmen, was alle zum Grinsen brachte.
Als die Torte dann verputzt war, erreichte Rose den Tisch, an dem Adrian und Sydney saßen und sich gerade mit Jill und Eddie unterhielten.
Declan saß auf Jills Schoß und spielte begeistert mit einem blinkenden Spielzeugauto in seinen Händen.
„Rose!“, lächelte die junge Dragomir und deutete auf den Platz neben sich. „Das Fest ist wundervoll!“
Die Braut ließ sich von ihrem Lächeln anstecken und setzte sich auf den freien Stuhl. „Ja, wart's nur ab bis Olena und Dimitris Schwestern den Wodka auspacken.“
„Bitte sag mir, dass das nicht nur ein Scherz ist, Rose“, meinte Adrian schmunzelnd uns spähte zu den Belikovs hinüber, die sich gerade mit dem Bräutigam, der seine Nichte Katya auf dem Arm trug, in einem wahnsinns Tempo in ihrer Muttersprache unterhielten.
Sydney stieß ihm sanft den Ellbogen in die Rippen. „Übertreib es nicht, Adrian. Was soll dein Sohn davon denken?“
„Ihm werde ich die Freuden des Alkohols schon noch lehren … Wenn er das entsprechende Alter dazu hat“, ruderte er hastig zurück, als der den entsetzten Blick seiner Frau sah.
Apropos Declan. „Darf ich?“, fragte Rose und hob den Kleinen von Jills Schoß auf ihren. „Da ist ja mein Hübscher.“
Sydney und Adrian hatten ihn für den heutigen Tag tatsächlich ziemlich rausgeputzt – soweit dies bei einem Baby eben möglich war. Er trug eine kleine Jeans und schwarze Schühchen, auf seinem schwarzen T-Shirt stand in weißen Lettern „Daddy's Drinking Buddy“, was Adrian mal wieder ähnlich sah. Sie hatten sogar versucht, die wuscheligen Locken auf seinem Kopf ein wenig zu zähmen, allerdings mit wenig Erfolg, was seiner Niedlichkeit allerdings keinen Abbruch tat.
Der Junge schaute sie ernst von unten herab an, dann begann er zu strahlen und brabbelte ein entzücktes: „Rosa!
Rose lächelte ihn stolz an und drückte ihm einen Kuss auf die Wange, was das Dhampirkind zum Kichern brachte.
„Er stielt mir dauernd die Show“, merkte Adrian kopfschüttelnd an, allerdings lag väterlicher Stolz in seinen Augen, wenn er den Jungen betrachtete.
Was damals mit Olive geschehen war, das verzieh er sich bis heute nicht. Und dennoch genoss er jeden einzelnen Tag, den er mit seiner Frau und seinem Adoptivsohn verbringen durfte. Er vergötterte den Kleinen. Liebte und behandelte ihn wie seinen leiblichen Sohn. Und genau so taten es auch die anderen.
„Eifersüchtig, Adrian?“, zog Rose ihn auf, während Declan auf ihrem Schoß sich an sie lehnte und sich wieder seinem Spielzeug widmete.
Der Moroi schüttelte den Kopf. „Wer die Damenwelt begeistern möchte, muss früh anfangen zu üben. Wenn er so schnell lernt, werde ich im Handumdrehen einen Casanova aus ihm machen.“
Sanft mit einer der schwarzen Locken spielend, schaute Rose dem Jungen in Gedanken versunken zu. „Zum Glück ist Sydney noch da, nicht wahr, Knirps? Deine Mommy wird dir was Nützliches beibringen“, sagte sie lächelnd.
„Ja, wie man in fünf Minuten Autoreifen wechselt“, kicherte Jill, die durch das Band, das sie mit Adrian teilte, ja so einiges mitbekommen hatte. „Oder wie man seine Hochzeit in Sneakern feiert. Oder wie man einen handgroßen, dauernd hungrigen Drachen aufzieht.“
Adrian schmunzelte und betrachtete Rose, wie sie mit seinem Sohn spielte, der nach einer Weile müde gähnte.
Sie unterhielt sich noch lange mit der Gruppe und später gesellten sich auch Lissa und Christian dazu. An irgendeinem Punkt des Nachmittags fielen Declan die Augen zu und er schlief in Rose‘ Armen ein. Adrian bot ihr an, dass er den kleinen Racker auch nehmen könnte, wenn es ihr lieber wäre, doch sie lächelte nur und sagte, es sei schon in Ordnung.
So lange sie bei der Gruppe saß hielt sie ihn im Arm und immer wenn sie glaubte, es würde niemand bemerken, sah sie ihm verträumt beim Schlafen zu.
Sie war völlig vernarrt in den Kleinen und als Adrian sie so mit ihm sah, kam er nicht umhin daran zu denken, dass Rose sicher eine großartige Mutter abgeben würde, wie sie Declan so voller Stolz und Bewunderung anschaute.
Aber bevor er beschließen konnte, ihr dies mitzuteilen, stand Dimitri hinter seiner Frau. Zusammen mit seiner Schwester Viktoria.
„Es tanzt noch überhaupt niemand“, sprach die jüngste der Belikov-Geschwister.
Rose verstand überhaupt nicht, was sie von ihr wollte. „Das sehe ich auch.“
„Und weißt du auch, warum das so ist?“, hakte sie nach, während ihr älterer Bruder hinter ihr lächelte, als wüsste er über ihren Plan Bescheid.
„Vielleicht hatten sie noch keine Lust dazu“, riet Rose achselzuckend.
Viktoria murmelte etwas auf Russisch. „Sie tanzen nicht, weil das Brautpaar das mit dem Hochzeitstanz eröffnet, Rose!“
Jetzt verstand Rose auch, was sie beabsichtigte. Sie schluckte. „Oh, ich denke dass …“, setzte sie an, ihr Protest ging in dem Schwall aufmunternder Aufforderungen ihrer Freunde aber unter.
Und als Dimitri ihr die Hand hinhielt und mit dem Lächeln, das sie so liebte ihre Hand küsste und fragte: „Darf ich um diesen Tanz bitten, Mrs. Belikova?“ Nun … da konnte sie einfach nicht mehr widerstehen.
Mit einem Seufzer gab sie Declan zu seinem Daddy zurück, stand auf und legte ihre Hand in die ihres Mannes. Sie hatte extra ein paar Nachhilfestunden bei ihm genommen, denn, im Gegensatz zu ihr, konnte Dimitri einen Walzer. Was sie auch überhaupt nicht verwunderte. Es schien nichts zu geben, was Dimitri Belikov nicht konnte.
Rose atmete einmal tief ein, als die Musik einsetzte – auch bei den Musikern hatte Lissa wieder ihre Finger im Spiel gehabt – und erinnerte sich an die Worte, mit denen Dimitri sie beruhigt hatte. Wenn der Mann führen kann, kann die Frau auch tanzen.
Und auch wenn ihre Augen während des Tanzes auf Dimitri lagen, sah er, wie sehr sie sich auf ihre Schritte konzentrierte. Er schmunzelte.
„Was ist?“, fragte Rose ihn lächelnd, ganz ohne aus dem Takt zu geraten.
„Rose Belikova – keine Angst vor Strigoihorden und Dissidenten der Königin, fürchtet sich davor, ihrem Ehemann auf die Füße zu treten.“
Sie runzelte die Stirn. „Soll ich dir auf die Füße treten?“
Dimitri zog kaum merklich die Schultern hoch. „Selbst wenn du mir dabei den Fuß brechen würdest, wirst du mich auch nicht mehr los.“
Sie kicherte. „In Krankheit und Gesundheit, hm?“
„Ganz genau.“
Rose nickte zu ihren Füßen hinab. „Pass lieber wieder auf, was du tust, Genosse. Ich bin aufgeschmissen ohne dich.“
Die Augen aller anderen waren gebannt auf das Brautpaar gerichtet, Olena tupfte sich sogar die feuchten Augen mit einem Taschentuch trocken und Janine lehnte sich an Abe, der verstohlen die Arme um die Mutter seines Kindes legte.
Als die Musik verklang, brach ein ebenso lautes Jubeln und Klatschen aus, wie zuvor bei ihrem Kuss und selbst Rose traten vor Rührung und Freude erneut die Tränen in die Augen, als sie sich auf die Zehenspitzen stellte und ihren Mann küsste.
Rose bekam an diesem Abend noch ein paar mal die Gelegenheit, mit jemandem zu tanzen. Abe bestand auf den zweiten Tanz mit seiner Tochter, danach folgten auch Adrian, Lissa, Viktoria und der kleine Declan, den Rose einfach auf der Tanzfläche hin und her wiegte. Sogar Christian schlug sich einen Tanz mit der Braut heraus – ganz ohne Hinterhältigkeiten.
Sie feierten, tanzten und lachten bis in den späten Abend hinein und als es schließlich Zeit war, sich zu verabschieden wurde jeder umarmt und Dankesworte zugesprochen. Rose umarmte sogar ihren alten Herren herzlich und verpasste ihm einen Kuss auf die Wange, wodurch es ihm doch glatt die Sprache verschlug.
Die Belikovs, die Ivashkovs und Rose' Eltern hatten sich in Gästezimmern einquartiert, um noch ein paar Tage zu bleiben, bevor sie die Heimreise antraten, so währte der Abschied zum Glück nicht lange.
Nur eine Sache gab es da noch, die Rose zu erledigen hatte … Eine Sache, von der sonst niemand etwas ahnen konnte.
Dimitri folgte ihr über den Rasen des Hofes, ohne genau zu wissen, was sie vor hatte.
Sie hatte ihre Schuhe bereits ausgezogen und lief barfuß durch die Wiese, hinüber zum Friedhof.
So langsam wurde dem Wächter bewusst, welche Absichten seine Frau hatte und er war ratlos darüber, ob ihm ihre Idee gefallen sollte.
Als sie den Friedhof betrat und der Kies unter ihren Füßen knirschte, bekam sie ein mulmiges Gefühl im Bauch, dennoch steuerte sie zielstrebig auf ein ganz bestimmtes Grab zu.
MASON ASHFORD, war in den Stein gemeißelt, vor den Rose sich nun kniete. Sie hatte eine der weißen Rosen aus ihrem Brautstrauß gezupft, bevor sie ihn in die Menge geworfen hatte. (Zu ihrer aller Überraschung war Jill es gewesen, die den Strauß fing.)
Die Rose in ihrer Hand bebte, als sie sie auf das Grab niederlegte. Im silbernen Mondlicht, das durch die Bäume schien, war zu erkennen, dass stumme Tränen auf ihren Wangen glitzerten.
„Rose …“, setzte Dimitri an.
Sie erhob sich, wischte sich über die Augen, darauf bedacht, das Make-Up nicht zu verschmieren. „Ich hatte eigentlich immer geglaubt, dass er diesen Tag miterleben würde. Ich weiß, das klingt dämlich, aber ich wollte ihn zumindest ein wenig daran teilhaben lassen.“
Dimitri nahm sie in die Arme und strich ihr über die Schulter. „Das klingt nicht dämlich, Roza. Ich bin mir sicher, dass er sich darüber freuen würde.“
Er legte eine Hand an ihre Wange und sah ihr in die Augen. „Und ich bin mir sicher, dass er nicht wollen würde, dass du weinst.“
Rose brachte ein Lächeln zustande. „Es ist eine Hochzeit. Es ist üblich, dass die Braut weint, oder nicht?“
Dimitri küsste sie auf die Stirn. „Im Normalfall weint sie aber aus einem anderen Grund. Freude. Ich denke, du hast dein Pensum an Tränen für diesen Tag erfüllt. Uns steht jetzt noch etwas anderes bevor.“
Der Wächter setzte ein verführerisches Lächeln auf und schaffte es tatsächlich, dass ihre Tränen versiegten und wenn Mason auch niemals vollständig aus ihren Gedanken verschwinden würde, wurde ihr warm, als sie an das dachte, was sie nun vor sich hatten: Ihre Hochzeitsnacht.

In ihrem kleinen Haus angekommen, das Lissa, nachdem sie zur Königin gekrönt wurde und all die anderen Probleme gelöst waren, für sie beide hatte einrichten lassen, ließ Rose sich erst einmal auf ihr Bett fallen, ohne darauf zu achten, dass der Stoff ihres Kleides zerknittern könnte und stieß einen Seufzer aus.
„Gott, diese Schuhe bringen mich noch um“, murmelte sie und ließ mit einem Klack, Klack das weiße Paar High Heels neben dem Bett auf den Boden fallen.
„Wieso musstest du dir auch diese Mordwaffen aussuchen?“, fragte Dimitri schmunzelnd, als er sich seiner Krawatte entledigte.
„Ich habe das für dich getan, Genosse. Einmal mit dir auf Augenhöhe zu sein, das war es mir wert.“
Dimitri schnaubte. „Rose, du bist immer mit mir auf Augenhöhe.“
Seine Frau setzte sich auf. „Du weißt, was ich meine.“
Dimitri drehte sich zu ihr um und sah ihr zu, wie sie die Nadeln aus ihrem kunstvoll hochgesteckten Haar zupfte. Er verspürte schon den ganzen Tag über den Drang, seine Finger in ihre wundervollen Haare graben zu können, jedoch wusste er, dass das Gejammere dann groß gewesen wäre.
Zuerst hatte sie sich gegen ein weißes Hochzeitskleid und den ganzen Prunk und Protz geweigert, da sie behauptete, es wäre zu teuer, um das alles bezahlen zu können und es schien, als wolle sie dies so schnell wie möglich hinter sich bringen. Wenn es nach ihr ginge, hätten sie wohl in Wächtermontur geheiratet, aber das konnte Dimitri ja unmöglich zulassen.
Sie hatte sich also schließlich für ein beinahe bodenlanges, weißes Kleid entschieden, das am Rücken und am Saum mit Spitze besetzt war und ihre Figur wunderbar zur Geltung brachte. Und auch wenn Dimitri und Lissa sie soweit bringen konnten, sträubte sie sich doch vom Anfang bis zum Ende gegen eines: Einen Schleier.
Damit sähe ich aus wie meine Großmutter!“, begründete sie, als sie mit Lissa damals im Brautmodengeschäft stand. Und das war eine sehr gewagte Aussage, denn eigentlich kannte sie ihre Großmutter nicht einmal.
Jetzt setzte Dimitri sich mit einem Lächeln neben seine Frau, während sie den Rest ihres Schmucks ablegte – bis auf den Ehering.
„Christian hat sich heute richtig zurückgehalten“, bemerkte sie beiläufig und grinste frech. „Schade eigentlich, sonst hätte ich es ihm bei seiner Hochzeit heimzahlen können.“
Dimitri lachte auf. „Dazu müsste er Lissa erst einmal einen Antrag machen.“
Er erinnerte sich daran, wie Rose einmal zu ihm sagte, dass sie warten wolle, bis Christian Lissa einen Antrag machte und dass dies wohl noch eine Weile dauern würde, also würde sich auch ihre Hochzeit noch eine ganze Weile verschieben. Doch mit einem kleinen Stupser – oder besser gesagt, mehreren ordentlichen Schupsern – in die richtige Richtung, hatte Dimitri sie doch dazu bewegen können. Und nun bereute sie ihre Entscheidung keine Sekunde lang.
Dimitri überlegte einen Augenblick lang, dann griff er in die Schublade seines Nachttischkästchens und holte eine kleine, hölzerne Schachtel hervor.
Rose schaute ihn lächelnd an. „Was ist das? Noch ein Ring?“
Der Wächter schüttelte den Kopf, befürchtend, dass ihr das Lächeln wohl gleich vergehen werde, wenn sie sah, was sich darin befand.
„Ich habe … mir selbst noch ein kleines Geschenk ausgedacht“, begann er. „Ich wollte damit eigentlich noch warten, aber …“
Rose hatte bei Dimitri noch nie erlebt, dass er keine Worte fand, für das, was er auszudrücken versuchte. Und das beunruhigte sie.
Sie nahm das Schächtelchen entgegen und öffnete es langsam. Was sie darin fand, ließ ihren Atem stocken. Mit einem flauen Gefühl im Magen nahm sie einen kleinen, babyblauen Schnuller aus dem Kästchen und schaute Dimitri teils überrascht, teils entsetzt an, als sie verstand, was dies bedeutete.
Sie hatten bisher nicht oft über die Sache mit dem Baby gesprochen, hatten sich abends vor dem Fernseher vielleicht einmal hingesetzt und miteinander geredet, wie es für sie beide sein würde, wenn sie Eltern würden, doch bis jetzt hatte Rose es nie wirklich in Erwägung gezogen – sie konnte es irgendwie noch immer nicht ganz glauben, dass sie und Dimitri einmal Kinder haben könnten.
Darauf war sie dementsprechend nun überhaupt nicht vorbereitet und Dimitri beeilte sich, es ihr zu erklären.
Er nahm ihre Hände in seine. „Ich weiß, das hier ist nur eine Kleinigkeit. Aber das, was es bedeutet, das ist ein großer Sprung in unserem Leben. Ich möchte diesen Sprung mit dir machen, Rose. Nicht heute und nicht morgen – ich will dich auf keinen Fall zu etwas drängen, zu dem du vielleicht noch nicht bereit bist. Wir können uns so viel Zeit lassen, wie du sie brauchst, wir können über alles reden. Aber eines Tages, da möchte ich, dass unsere Kinder uns morgens zu … unmöglichen Zeiten aufwecken, wir ihnen Gutenachtgeschichten vorlesen, ihnen dabei zusehen, wie sie in unserem Garten herumtollen. Ich möchte sie gemeinsam mit dir großziehen, sie auf ihrem Weg zu ihren Wächterpflichten vorbereiten und sie durch diese Zeit begleiten. Möchte sie zum Lächeln bringen und stolz auf sie sein. Und das möchte ich mit niemand anderem als mit dir tun, Roza.“
Als er geendet hatte, standen Rose schon wieder die Tränen in den Augen. Sie war außerstande, irgendetwas dazu zu sagen.
„Ich weiß, dass es dumm ist, jetzt, wo wir doch gerade erst verheiratet sind …“, fuhr Dimitri fort und wurde von seiner Frau unterbrochen, die ihm die Lippen auf den Mund drückte.
„Ist es nicht“, flüsterte sie, schluckte und nickte dann. „Ich will es auch. Eines Tages. Mit dir.“
Dimitri fiel ein ganzes Geröll von Steinen vom Herzen, als sie die Arme um seinen Hals schlang und ihn erneut küsste.
Die leichte Anspannung, die sich über sie gelegt hatte, verpuffte wie eine Staubwolke und wurde durch heiße Leidenschaft ersetzt, als Dimitri Rose in die Matratze drückte und einen der Träger ihres Kleides von ihrer Schulter streifte.
„Also, wie war das mit dem, 'das Kleid in einem Akt der Leidenschaft von deinem Körper reißen'?“, fragte er mit rauer Stimme, der russische Akzent, der sie färbte jagte ihr einen wohligen Schauder durch den Körper und seine Berührung ließ ihre Haut kribbeln.
Sie grinste breit, als sie ihn erneut zu sich herunter zog und ihn leidenschaftlich küsste, im warmen Licht der Nachttischlampe blitzte das Gold ihrer Eheringe auf – ein Versprechen, das sie bis ans Ende ihrer Tage halten würden.
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