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Etwas für zwischendurch

von Merli
GeschichteHumor, Freundschaft / P12 / Gen
Bibliothekar Mustrum Ridcully Ponder Stibbons Rincewind Zweiblum
26.09.2017
13.04.2020
7
16.813
4
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26.09.2017 1.036
 
Vorwort:
Das hier wird eine kleine buntgemischte Kurzgeschichtensammlung, in der man schnell herauslesen wird, wer meine Lieblingsfigur ist.
Es wird keinen zeitlichen Ablauf geben und auch das Hochladen wird keinen großartigen Sinn ergeben.  Trotzdem wünsche ich jeden, der sich vielleicht hierher verirren sollte, viel Spaß.

1.

Dem Bibliothekar ging es nicht gut.
Er hätte nicht gedacht, dass ein Affe Bauchschmerzen bekommen konnte- aber er konnte sie bekommen und gottverdammt, taten sie weh.
Normalerweise würde er versuchen sich besser auszudrücken, aber das klappte in diesem Moment nicht. Er konnte nur einen seiner langen Arme um seine Mitte schlingen und sich unter seinem Lieblingstisch zusammenkrümmen. Hier und da entwisch ihm ein leises "Ugh..." doch das war es schon, zu mehr war er nicht fähig. Jede Bewegung tat weh und brachte ihn nur dazu, sich mehr zusammenzukrümmen.

Woher diese Schmerzen kamen konnte er sich nicht erklären- wie immer hatte man ihm seine tägliche Portion frisches Obst und dazu ein paar Nüsse gebracht und das war es. Am Trinkwasser hatte sich nichts geändert, das hätte er gerochen, und mehr hatte er nicht zu sich genommen.
Zudem war er ein Orang-Utan, diese bekamen keine Bauchkrämpfe.

Nur er, dachte er sich verdrossen und litt weiter in seiner kleinen, privaten Welt. Nachdem er den ersten Zauberer angeknurrt hatte, welcher etwas von ihm wollte, machten alle anderen einen weiten Bogen um ihn. Das war einer der vielen Vorteile seiner neuen Existenz: Hätte man früher nicht auf seine Bitte geachtet, reichte heute nur noch das Fletschen seiner Zähne und jeder überlegte es sich zwei Mal, ob man wirklich was von ihm brauchte. Es war ein Segen, der seinesgleichen suchte.

Seinen Kopf leicht unter dem Tisch hervorschiebend sah er auch, wie herrlich leer die Bibliothek war. Denn wie in jedem dieser Räume versuchte zwar jeder leise zu sein, war dadurch aber unabsichtlich viel lauter. Es waren dann die kleinen Geräusche, die sich anhörten, als wollten sie die Stille zerreißen.

Das einzige Problem war: Befand sich niemand dominantes in dem Raum, versuchte dieser sich selbst neu zu erfinden, in jeder Sekunde und in allen Dimensionen, die es gab und nicht gab. Bisher hielten sich die Bücher noch zurück, weil sie seine Anwesenheit wahrscheinlich spürten und wie kleine Kinder erst ihre Grenzen austesten wollten. Würde der erste große Band aber versuchen eine Revolution zu starten, hätte er Schwierigkeiten ihr Einhalt zu bieten. Aus dem triftigen Grund, dass er sich kaum bewegen konnte, ohne seine Decke näher um sich zu ziehen und seine Augen zusammenzukneifen. Oh man, was auch immer er seinem Körper angetan hatte, war echt übel gewesen.

Über dieses Problem noch nachdenkend, wobei er die Hälfte der Zeit sich nur wünschte, endlich einzuschlafen und sich davon abhielt, es endlich zu tun, schwangen die großen Flügeltüren zur Bibliothek auf. Schon aus Prinzip wollte er diese Person zurechtweisen- in dem er sie laut anbrüllte-als er hörte, wie sich wohlbekannte Schritte zu ihm bewegten. Das bemerkenswerte an dieser Gangart? Im Gegensatz zu den anderen Trampeln, die sich „leise“ bewegten, entstand hierbei kein noch größerer Krach, sondern die Schrittgeschwindigkeit passte sich der vorherrschenden Stille an, wodurch sie kein Ton verursachte. Dieser Mann war schon so oft hier, dass er die Resonanz des Raumes auswendig kannte.

Sich wieder entspannend wartete der Bibliothekar darauf, bis die hagere Gestalt ihn gefunden hatte, was nicht lange dauern sollte. Dabei sah der Kerl heute nicht nur etwas untersetzt aus, sondern strahlte eine gute Portion Besorgnis aus. Was nicht oft passierte.

"Oh man", erklang die kratzige Stimme. "Du siehst schrecklich aus. Kann ich dir was bringen?"

Rincewind war der einzige Mensch, außer Ponders, welcher mehr aus seiner Mimik ablesen konnte, als: War ein Affe, war ein gelangweilter Affe und Argh verdammt, das ist ein extrem wütender Affe! Dieser Mann brachte es fertig, jede seiner Worte perfekt zu verstehen, zu übersetzen und auch das Ungesagte rauszuhören.
In den Jahren, in denen sie als Menschen nebeneinander existiert hatten, empfand er diesen unglückseligen, untalentierten Magier als eine gelungene Abwechslung und nach seiner Umwandlung hatte sich dieser Eindruck nur verstärkt. Oft glaubte der Bibliothekar, dass dieser Mann, der sonst in allem versagte, ihn am besten verstand.

So wie jetzt, als er im guten Abstand vor ihm hockte und ihm als einziger fragte, ob man für ihn etwas tun könnte. Ansonsten hatte heute ein jeder- allen voran der Erzkanzler, welchen er natürlich immer behilflich sein würde- nur etwas von ihm gewollt. Und das er nach einiger Zeit etwas bissig geworden war, konnte man ihm da ja nicht verübeln. Auch er brauchte mal eine Pause.

Also grunzte er nur kurz etwas und Rincewind nickte verstehend.
"Okay, dann ruh dich aus. Ich versuchte hier die Stellung zu halten", ein nervöser Blick wurde nach hinten geworfen. "So gut es geht. Ich glaube eine Bücherreihe versucht sich gerade in ein Kamel zu verwandeln. Ich bin gleich wieder da."
Die Schritte- immer noch flogen sie leise über den alten Holzboden- bewegten sich von ihm fort und kurz darauf hörte man, wie Rincewind die Bücher freundlich, aber eindringlich daran erinnerte, dass sie keine Kamele waren und auch nicht versuchen sollten, Fett in sich zu speichern.
(Ein tragischer Unfall mit einem Studenten und Magensäure hatte diese Erkenntnis erst zu Tage gefördert, dass Bücher tatsächlich organische Materialien in sich speichern konnten.)

Es klang für den Bibliothekar wie Musik in den Ohren, als er jemanden reden hörte, der wusste, wo sein Platz in diesem unendlichen Raum war- ganz unten, aber immer noch wissend, was sie wollte. Rincewind versuchte nicht mehr, als ein Hilfsbibliothekar zu sein und das respektierten die Bücher. Sie huschten nicht sofort, wenn der Magier etwas sagte, aber er konnte sie in eine gewisse Richtung lenken- und dann trat er dazu und erledigte den Rest. Die unzähligen Regale, Bücherreihen, Ecken, Kanten und Loopings des L-Raums- das war alles sein.
Und sein Freund bot ihm eine helfende Hand und manches Mal eine perfekt geschälte Banane an.

Mit diesem Letzen Gedanken schloss er endlich seine Augen und ließ seinen Körper selber den penetranten Virus aus seinem Körper rausarbeiten. In ein paar Stunden würde er wieder über sein Reich herrschen- nur jetzt ließ er seinen schlaksigen Freund aushelfen, welcher, wie es sich anhörte, einem Huf ausweichen musste.
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