Bis das der Tod uns scheidet (Fortsetzung von Paris je Taime)

von ElliHill
GeschichteKrimi, Freundschaft / P12
26.09.2017
24.06.2018
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Kim Krüger stand auf und ging den langen Gang des Gerichtsflures zum Fenster. Sie sah hinaus. Der Himmel über Köln war wolkenverhangen und es regnete. Doch genau dieses Wetter spiegelte ihre derzeitige Gemütsverfassung wieder. Sie fühlte sich aufgewühlt, traurig, wütend…alle Gefühle kamen in ihr auf denn hinter den Türen vor denen Semir und Ben saßen sollte die Verhandlung gegen Felipe Monroe stattfinden. Felipe Monroe, der Mann für den sie ihr Leben hätte komplett verändern wollen. Felipe Monroe, der Mann mit dem sie sich vorstellen konnte das Leben zu verbringen. Felipe Monroe für den sie sogar Deutschland verlassen und ihren Job an den Nagel gehängt hätte. Und auch der Felipe Monroe der mit seinem Handeln und seinen Verbrechen sie aus einer Scheinwelt holte und sie in die brutale Gegenwart warf. Felipe Monroe, der Mann, der ihren Kollegen Semir Gerkhan in Gefahr gebracht hatte und Felipe Monroe der sie zum Drogenschmuggel ausnutzte. Aber auch Felipe Monroe, der Mann, der sie in Frankreich vor der Polizei gerettet hatte und der für Semir Gerkhan eine Million Euro auf den Tisch legte um ihn frei zu kaufen.

Es waren gute und böse Seiten an diesem Menschen. War er nicht wie jeder Andere? War er wirklich böser als es den Anschein hatte? Sie stöhnte leise auf und drehte sich zu Semir und Ben um, die noch vor dem Saal saßen. Was dachten diese Männer wohl von ihr? Hielten sie sie für schwach, weil sie alles durch eine rosarote Brille gesehen hatte? Weil sie nicht auf Warnungen reagiert hatte? Wie sah Semir das Ganze wohl? Er hatte doch bei diesem Abenteuer am meisten leiden müssen. Entführt in Frankreich, durch den Wald gehetzt wie ein wildes Tier, von einem Pfeil durchbohrt und dann auch noch falsch behandelt worden. Doch das war nicht alles. Kaum waren sie über der Grenze, wurde er samt Wagen entführt, weil dieser mit Drogen gespickt war. Felipe Monroe hatte sie für seinen Drogenschmuggel missbraucht. Gab er ihr nicht auch Schuld an allem? Immerhin wäre er fast gestorben als er in Gefangenschaft hohes Fieber bekam und ohne Arzt in einem dunklen Raum dahin vegetieren musste. Und als er dann endlich in guten Händen war, sich erholen konnte, hatte Felipe die Stirn und lief bei ihm auf. Er erpresste Semir mit der Drohung seiner Familie etwas anzutun, wenn er die Drogen nicht aus der Asservatenkammer holte. Natürlich fügte Semir sich, denn seine Familie war ihm heilig. Doch als Felipe die Drogen hatte, wurde Semir von ihm betäubt und in einen Futtertrog für Rotwild gesperrt. Dort fanden Kim und Ben ihn und brachten ihn sofort ins Krankenhaus.

Felipe…. hatte er sie nur belogen? Waren alle seine Gefühle nur ein Spiel? Für sie war es keins. Sie liebte ihn tatsächlich. Sie hatte sich von ihren Gefühlen überwältigen lassen und war für nichts zugänglich. Bens Bedenken gegenüber Felipe hatte sie in den Wind geschlagen. Niemals dachte sie, dass ihr geliebter Felipe so hinterhältig sein konnte und sie so ausnutzte. Niemals hätte sie gedacht, das ihre Gefühle so eine große Macht über sie haben konnte, dass sie alles nur durch eine rosarote Wolke sah. Doch genauso schnell wie die Gefühle da waren, waren sie auch wieder verschwunden und machten nun der Wut platz.  Dieser Mann hatte das Leben eines ihrer Beamten aufs Spiel gesetzt. So ein Mann musste bestraft werden und sie hoffte inständig, dass er seine gerechte Strafe bekam.

Semir stieß Ben an und wies mit dem Kopf auf Kim Krüger, die abseits am Fenster stand. Ben sah hin und nickte. Er verstand was sein Kollege ausdrücken wollte und ging zu seiner Vorgesetzten. „Frau Krüger?“ riss er sie aus ihren Gedanken. „Ja?“ fragte sie und sah ihn an. „Ist alles in Ordnung?“ wollte Ben wissen. Kim lächelte nervös und nickte. „Ja sicher…“ gab sie von sich. „Es sieht aber gar nicht danach aus.“ lächelte Ben sie nun an. Kim sah zu Semir und Ben bemerkte es natürlich. Er konnte sich vorstellen was sie nun dachte. „Sie denken immer noch an ihn oder?“ hakte Ben nach. „An Semir, ja sicher ... er musste einiges durchmachen und…“ nickte Kim. „Ich meinte nicht Semir. Ich meine Felipe. Sie lieben ihn.“ stellte Ben richtig. Kim senkte ihren Blick. „Ben … Sie sind ein sehr guter Polizist mit einer sehr guten Auffassungsgabe. Ja, ich denke an ihn. Ich denke daran, dass er mich schamlos ausgenutzt hat und dass ich durch meine rosarote Brille nicht bemerkte, dass er mich nur benutzte. Und ich habe dadurch einen Familienvater in großer Gefahr gebracht. So große Gefahr, dass er fast gestorben wäre. Und nur, weil ich weder Ihre noch Semirs Einwände beachtet habe. Sie beide waren Felipe gegenüber sehr misstrauisch und das war genau richtig. Ich habe nur alles durch die rosarote Brille gesehen und kann Sie und Semir nur um Entschuldigung bitten.“ sagte sie leise.

„Für was wollen Sie sich denn entschuldigen? Sie sind doch genauso reingelegt worden wie wir.“ wies Ben die Entschuldigung indirekt ab. Doch er sah auch ihren Blick, mit dem sie Semir ansah. Sie gab sich die Schuld für das was in Frankreich passierte, obwohl sie nichts dafür konnte. Und auch Felipe war an der Entführung von Semir nicht direkt beteiligt. Es lief einfach nichts so, wie es geplant war. Lediglich der Drogenschmuggel und die Entführung in Deutschland als er Semir erpresste, die Drogen aus der Asservatenkammer zu holen und ihn anschließend betäubte und einsperrte war Felipe direkt anzulasten. „Sie haben keine Schuld an dem was passiert ist.“ gab er leise von sich. Kim sah ihn an. „Er wäre aber fast gestorben…“ wiederholte sie. „Ja, das wäre er, aber sehen Sie ihn sich doch an. Außer der Narbe erinnert nichts mehr daran, was passiert ist.“ nickte Ben. „Er gibt Ihnen keine Schuld.“ hängte er an.

Kim nickte. „Ja, ich weiß. Dennoch fühle ich mich einfach schuldig. Wenn ich auf Sie beide gehört hätte, dann wäre es sicher anders ausgegangen. Wir hätten fliegen sollen. Die Wunde von Semir wäre dann wesentlich schneller behandelt worden und er hätte nicht so eine harte Tortur durchmachen müssen. Er wäre fast gestorben. Ben…wenn ich besser aufgepasst hätte und nicht so verliebt gewesen wäre, dann…“ gab Kim leise zurück. „Nun, der Schuldige sitzt hinter dieser Tür und wird seine gerechte Strafe bekommen. Damit ist der Gerechtigkeit Genüge getan. Semir gibt Ihnen keine Schuld und ich sehe es wie er. Niemand kann für seine Gefühle und irgendwie macht es uns doch aus. Sie sind auch nur ein Mensch und vor allem sind Sie eine Frau. Warum gestehen Sie sich nicht selbst Gefühle zu?“ fragte Ben nach. Kim lächelte leicht.

„Gefühle? Deshalb ist es zu entschuldigen? Nein, ich bin auch Polizistin und ich hätte diesen Mann durchschauen müssen. Ich hätte es tun müssen dann wäre es nie so ausgeartet. Semir wäre fast gestorben und ich könnte es ihm nicht einmal verdenken, wenn er mich jetzt hasst.“ gab sie zu. Ben sah zu Semir, der sich hinter einer Zeitung versteckte. „Er hasst Sie nicht. Sie sollten sich nicht mit solchen Vorwürfen selbst bestrafen.“ kam schon fast tröstend von Ben. Kim sah ihn an. „Denken Sie, Felipe hat es ernst gemeint, als er mir sagte, dass er mich liebt? Woher soll ich wissen, dass es nicht auch eine Lüge war. Das tut weh … es schmerzt mehr als eine Kugel.“ erklärte sie.
Im Gerichtssaal war alles bereit. Felipe Monroe saß auf seinen Platz neben seinem Rechtsanwalt und gegenüber von der Staatsanwaltschaft. „wir kriegen das schon hin…überlass es einfach mir, okay? Ich habe schon dafür gesorgt, dass die Zeugen so aussagen wie wir es möchten.“ versprach der Rechtsanwalt leise. „Dafür bezahle ich auch eine ganze Stange Geld. Nur denke ich nicht, dass es so einfach klappen wird.

Gerkhan ist nur sehr schwer zu überzeugen.“ raunte Felipe genauso leise zurück. Der Richter trat ein und alle erhoben sich. „Bitte nehmen Sie Platz!“ bat der Mann in der schwarzen Robe, als er sich gesetzt hatte.  „Ich eröffne die Sitzung der großen Strafkammer des Landgerichtes im Strafverfahren gegen Felipe Monroe wegen dem Vorwurf des Drogenhandels in nicht unerheblicher Menge, Erpressung und Beihilfe zur Entführung. Vollendete Entführung sowie Drogenschmuggel.“ zählte der Richter auf. „Es sind erschienen der Angeklagte Felipe Monroe in Begleitung seines Verteidigers Rechtsanwalt Michael Schadenberg und als Vertretung der Staatsanwaltschaft Frau Dr. Isolde Maria Schrankmann. Werden Einsprüche bezüglich der Kammerbesetzung erhoben?“ wollte er wissen. Beide Parteien verneinten es und so begann die Verhandlung. Felipe Monroe setzte sich auf den Zeugenstuhl, sah zur Staatsanwältin und lächelte sie an, doch diese Frau dort regte sich nicht. Sie hielt seinem Blick einfach stand ohne auch nur die Mundwinkel zu verziehen.

„Ihr Vorname ist Felipe, Sie sind am 17.01.1969 in Toulouse in Frankreich geboren und wohnen auch dort. Sie sind ledig und sind seit dem 11.10.2012 in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt in Aachen?“ wollte der Richter wissen. „Oui, votre Honneur“ kam von Felipe. Der Richter sah ihn an. „Sie sind nach meinen Unterlagen der deutschen Sprache mächtig?“ hakte er nach. „Oh, pardon …. ja euer Ehren.“ grinste Felipe. „Gut, wenn es nicht so wäre müssten wir uns einen Dolmetscher hinzuziehen. Womit verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt?“ wollte der Richter nun wissen. „Ich bin Händler…“ erklärte Felipe. „Womit handeln Sie?“ kam die nächste Frage. „Mit Trüffel…“ gab Felipe zu verstehen. „Zu meinen Kunden zählen die größten und bekanntesten Restaurants in ganz Frankreich.“ erklärte Felipe weiter. „Wie hoch ist Ihr Nettoeinkommen?“ wollte der Richter nun wissen. „Oh, das ist schwer zu sagen, aber ich kann sehr gut davon leben.“ lächelte Felipe. „Würden Sie bitte einen Betrag nennen!“ wiederholte der Richter. „èvident“ nickte Felipe. „Oh…ähm selbstverständlich.“ berichtigte er sich. „Ich verdiene ungefähr 8.ooo Euro im Monat.“ hängte er an. Der Richter sah zum Verteidiger und dann zur Staatsanwältin. „Noch irgendwelche Fragen zur Person?“ wollte er wissen. Wieder verneinten beide Parteien. „Dann die Anklage bitte!“ forderte der Richter auf.

Isolde Maria Schrankmann stand auf. „Danke, Herr Vorsitzender. Dem Angeklagten Felipe Monroe wird Folgendes zur Last gelegt: Am 8.9.2012 hat der Angeklagte Kriminalhauptkommissar Semir Gerkhan von der Kripo Autobahn in seine Gewalt gebracht, ihn genötigt und dazu gezwungen Drogen und Geld, welches aus einem seiner Drogengeschäfte stammte und bei einem Zugriff während des Gleichen von der Drogenfahndung sichergestellt wurde und in die Asservatenkammer gebracht wurde. Herr Monroe drohte Herrn Gerkhan dessen Familie zu töten, wenn er nicht das tat, was von ihm gefordert wurde. Um seine Familie zu schützen, führte Herr Gerkhan den Befehl aus und brachte Geld wie auch die Drogen an sich, um sie an Herrn Monroe zu übergeben. Obwohl Herr Gerkhan alles getan hat, wurde er von Herrn Monroe betäubt und eingesperrt. Herr Monroe hat sich im Sinne der §§ 239a sowie 253 des Strafgesetzbuches schuldig gemacht. Sein Opfer wurde erst nach Stunden durch seine Vorgesetzte Oberkriminalrätin Kim Krüger und seinem Dienstpartner Ben Jäger, ebenfalls Kriminalhauptkommissar befreit und ins Krankenhaus gebracht. Während dessen verübte der Angeklagte einen Drogendeal und setzte sich nach Frankreich ab, wo er dann untertauchte. Nur durch die hervorragende Arbeit der Kollegen von Interpol konnte er dann festgesetzt werden.“ zählte Schrankmann auf. Der Richter nickte. „Vielen Dank Frau Staatsanwältin. Herr Monroe, Ihnen steht es natürlich frei, sich zu diesen Anschuldigungen zu äußern oder aber zu schweigen. Möchten Sie Angaben machen?“ wandte sich der Vorsitzende an den Angeklagten.

„Oui…ähm…ja“ gab Felipe von sich. „Nun ... was haben Sie zu sagen?“ fragte der Richter. „Ich bin unschuldig. Die Vorwürfe sind absurd. Ich bin quasi ein Opfer der Justiz…“ erklärte der Angeklagte. „Herr Monroe, ich denke, Sie sind hier nicht in der Situation, diese Verhandlung lächerlich zu machen. Wir haben Zeugenaussagen, die bestätigen, dass Sie Hauptkommissar Gerkhan erpresst, entführt und Betäubungsmittel verabreicht haben. Das wurde in einem ärztlichen Attest auch bewiesen und der Strafkammer vorgelegt.“ ließ Schrankmann von sich hören. „Ich möchte die Staatsanwaltschaft bitten, sich mit solchen haltlosen Anschuldigungen zurück zu halten. Mein Mandant ist sich keiner Schuld bewusst und bisher sind keine Beweise vorgelegt worden!“ mischte nun auch der Verteidiger mit.
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