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Steampunk - Mit Volldampf ins Abenteuer

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P18
Discord König Sombra OC (Own Character) Prinzessin Celestia Prinzessin Luna Twilight Sparkle
22.09.2017
17.09.2020
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22.09.2017 5.543
 
Irgendetwas schepperte.
Die Gleise knirschten fürchterlich unter der Last der Lokomotive.  
Unsere Fahrt verlangsamte sich, Dampf drängte aus jeder nur erdenklichen Öffnung.
Draußen war es wohl recht kalt, denn er hüllte uns wie Nebel ein.
Erst als wir völlig zum Stillstand gekommen waren, und auch die Ventile verstummten, bemerkten wir,
dass hier irgendetwas nicht stimmte.
Es wehte ein steifer Wind.
Rasch blies er die Dampfschwaden fort und es offenbarte sich uns eine trostlose Einöde.
„Was zur Hölle...“, war das einzige, was wir hervorbrachten.
Ich sah mich einmal kurz um und sprang dann von der Maschine.
Zuerst stand ich etwas wackelig auf den Beinen, jetzt wo ich wieder auf vier Hufen lief,
doch gab sich das diesmal recht schnell.
Mein Blick wanderte einmal über die Fahrzeuge, soweit sah alles in Ordnung aus.
Erst nach einem genaueren Blick fand ich den Grund für das Scheppern.
„Hm, Leute?! Ich glaub, das hier wird die Arbeit von uns allen erfordern!“ rief ich am Führerstand hoch.
„Was ist denn?“
„Die Vordere Laufachse ist nicht auf den Schienen gelandet“, erklärte ich.
„Gut, wir kommen gleich.“, sagten sie und ich sah mich grob noch etwas um.

Meine Freunde und Vereinskollegen waren wenig später zu mir nach Vorn gekommen.
Gemeinsam wollten wir der alten Dame wieder auf die Schienen helfen.
Karl-Heinz und ich konzentrierten unsere Magie.
Stück für Stück hoben wir das Vorderteil der Lok etwas an, dann wurden Holzbalken unter der
Pufferbohle platziert, damit wir sie auch mal kurz absetzen konnten,
ohne gleich wieder ganz von Vorne anfangen zu müssen.
Dabei mussten wir äußerst langsam und vorsichtig vorgehen, schließlich stand die Lok voll unter Dampf
und sollte nachher auch noch weiter fahren können.
Seltsam, an alles mögliche hatten wir gedacht, nur an nichts, womit man ein entgleistes Fahrzeug
wieder auf die Schienen setzen konnte.
Steffen stand in einer Linie mit dem Fahrzeug. Er kontrollierte, das wir Zwei sie schön gerade anhoben.
Ansonsten könnte sich das Gewicht in Form von Wasser und brennender Kohle verlagern,
die Folgen wären sicherlich unschön.
Wenn wir etwas aus der Achse gerieten, gab er uns Korrekturanweisungen.
Es dauerte nicht lange, und wir hatten sie soweit angehoben, das die Spurkränze,
diese überstehenden Wülste auf den Innenseiten der Räder, über den Schienen schwebten.
Torsten richtete das Vorlaufdrehgestell aus, dann begannen wir, sie wieder abzusenken.
Behutsam ging das ganze Spiel rückwärts.
Das war für mein Gefühl fast noch anstrengender als das Anheben.
Mir lief der Schweiß in Strömen.
Nach einigen Feinkorrekturen konnten wir die Lok dann endlich endgültig absetzen.
Ich fiel vor Erschöpfung glatt um, meinen Onkel hörte ich auf der anderen Seite hecheln.
Steffen flog zum Führerstand und holte einen Hammer aus dem Werkzeugkasten.
Er klopfte alles ab und kontrollierte so alle Lager und Verbindungen, damit wir einigermaßen sicher
sein konnten, das sich durch den Vorfall nichts gelockert, oder verzogen hatte.
Ich gab ihm noch den Schallschraubenzieher, damit wir ganz auf Nummer Sicher gehen konnten.
Torsten holte inzwischen für uns alle etwas zu trinken aus dem Speisewagen.

Wir fuhren, wie schon erwähnt, nicht nur mit unserer Lokomotive, sondern führten zudem auch vier
ältere Wagen aus dem Bestand unseres Vereins mit.
Einen zweiachsigen Kesselwagen mit dem Fassungsvermögen von etwa 30 Kubikmeter Wasser, einen
Hochbordwagen mit etwa 20 Tonnen Kohle gleicher Achszahl als Lager für Betriebsstoffe.
Wir hatten uns, auch weil von verschiedenster Seite Bedenken geäußert wurden, dazu entschlossen,
uns so gut es ging auf alle Eventualitäten vorzubereiten.
Dabei hatten wir wohl ein paar Dinge nicht auf dem Schirm gehabt, aber zumindest waren wir mit
zusätzlichen Brennstoff-, und ganz wichtig, Wasservorräten ausgestattet.
Ein Großteil der Werkzeuge und Ersatzteile fanden im dahinter eingereihten Gepäckwagen ihren Platz,
wie auch einige persönliche Gegenstände.
Das letzte Fahrzeug im Verband stellte ein alter Halbspeisewagen dar, mit einer kleinen Küche und dem
Speiseraum als gemütlichen Salon ausgestattet war.
Allerdings war das hintere Drittel, wo sich einst die normalen Sitzbänke befanden, noch immer leer.
Während das Innere der Wagen ansonsten recht frisch erschien, waren sie äußerlich so gut wie nicht
restauriert.
Die grüne Farbe, welche die Aufbauten der Eilzugwagen noch aus der regulären Einsatzzeit bei der
Bundesbahn trugen, war fleckig und ausgeblichen.
An den Dächern waren unsere provisorischen Abdichtungen zu erkennen.  
Unsere Lokomotive stand dazu im kompletten Widerspruch, denn sie war grunderneuert.
Jedoch war dies, um der Wahrheit keinen Abbruch zu tun, nicht uns zu verdanken.
Äußerlich war sie von uns natürlich immer aufs Beste gepflegt und hergerichtet worden, aber eine  
betriebsfähige Aufarbeitung?
Für uns unbezahlbar.
Jedoch nicht für die Herren von der Staatsbahn, die sich sehr für unsere alte T18, dabei besonders für
ihre technische Seite interessierten.
Es hatte uns einiges an Überwindung gekostet, das Flaggschiff unseres Vereins in fremde Hufe zu
verleihen, aber wir wurden immer über die Arbeiten informiert und durften sie uns auch ansehen.
Nachdem ihre Forschungen und Probefahrten abgeschlossen waren, erhielten wir sie zurück.
Glücklicherweise wurde sie vorher noch umlackiert, sodass sie jetzt nicht rosa und Pink war,
sondern ein historisch angelehntes Farbschema trug.
Führerhaus, Kessel, Wasser- und Kohlenkasten in dunkel Grün, Rauchkammer in Schwarz und
das Fahrwerk in rotbraun.

Die Erfrischung tat wirklich gut, schnell hatten wir uns erholt.
Torsten, Steffen und Karl-Heinz begannen eine Diskussion darüber, was sie jetzt machen würden,
doch ich hatte etwas anderes im Sinn.
Eine ganze Zeit, bevor das alles mit der Ponywelt angefangen hatte, war ich mit diesem Doktor
unterwegs gewesen, einem Außerirdischen, der durch Raum und Zeit reist.
Die Dinge, die man dabei erlebt, lassen einen irgendwann ein Gespür dafür entwickeln,
wenn etwas nicht stimmt.
Gut, hier war es offensichtlich, das etwas nicht richtig war, aber was?
Ich beschloss, mich etwas genauer umzusehen.
Der Boden war staubig, trocken und voller Geröll.
Es gab eigentlich keine Vegetation, alles was noch daran erinnerte, das hier überhaupt mal Pflanzen
wuchsen, waren die traurigen Überreste einiger schief stehender Bäume, von denen, wenn überhaupt,
nur noch der Stamm mit den dicksten Äste übrig war.
Der Himmel sah genauso trostlos aus wie der Boden.
Eine Mischung aus schwarzen und rostroten tönen, aber kein einziges Fitzelchen blau.
Egal wo man hinsah, man erblickte nur totes Niemandsland.
Und still war es.
Ich hatte mich inzwischen soweit von unserem Zug entfernt, das sämtliche Geräusche von dort
verstummten und es außer dem Pfeifen des Windes und dem knirschen des Bodens unter meinen Hufen,
kein einziges Geräusch an mein Ohr drang.
Auch die Kälte war deutlich zu spüren. Trotz Fell und Mantel begann ich leicht zu frieren.
Ich ging zurück zu meinen Freunden. Sie redeten immer noch miteinander.
Jedoch schloss ich mich nicht an, sondern kletterte wieder auf den Führerstand, herausfinden,
was schief gegangen war.
Das konnte einfach nicht das Equestria sein, das wir heute Morgen erst verlassen hatten.
Falls das hier überhaupt das Land der Ponys war.
Und Tatsächlich, als ich die eingegebenen Werte überprüfte, viel mir schnell der Fehler auf.
Ein simpler Zahlendreher in der Realitätssignatur sorgte dafür, das wir nicht da rauskamen,
wo wir es eigentlich vorhatten, sondern offenbar in einem nebenliegenden Paralleluniversum.
Erleichtert atmete ich auf.
In dem Moment kamen auch die anderen Drei wieder hoch.
„Na, haste was herausgefunden?“
„Ich weiß zwar nicht, wo wir hier sind, aber dafür weiß ich jetzt zumindest, wo wir nicht sind.“
„Das wir nicht zu Hause sind, sehe ich auch so.“ erwiderte Torsten.
Eine gewisse unterschwellige, negative Anspannung war nicht zu überhören.
Die anderen Beiden rollten nur mit den Augen.
„Ist ja gut. Ich hab den Fehler ja gefunden. Starten wir das Ding einfach nochmal, dann sollten wir schon  
 da rauskommen, wo wir hinwollen“, versuchte ich zu beschwichtigen.
„Ich glaube nicht, dass es das ist, weswegen der so drauf ist.“ sagte Steffen.
„Oh. …“ Ich rieb mir mit dem Huf am Kinn.
„Ich würde jedenfalls sagen, wir versuchen das jetzt einfach noch mal. Weniger als Nichts kann nicht
 passieren“, schlug ich vor, „Oder erst mal ne Pause machen?“
„Ne lass mal, ich will nach Hause. Den einen Versuch überstehen wir auch noch“, sagte Steffen.

Wenig später waren wir wieder Unterwegs.
Mit 30 Stundenkilometer, mehr trauten wir dem angekokeltem Gleiskörper nicht zu,
stampften wir durch die karge Landschaft.
Der Generator war eingestellt, alle Eingaben doppelt und dreifach überprüft.
Ich wiederholte die Prozedur von vorhin.
Das Glühen baute sich auf, doch plötzlich wurden alle Anzeigen dunkel.
Das Surren erstarb und das funkeln verschwand. Völlig perplex sah ich meine Freunde an.
Ich versuchte es nochmal, doch das Gerät hatte keinen Saft mehr, war völlig tot.
Hektisch öffnete ich einige Verkleidungen und kontrollierte alle Elektrischen Teile mit dem Schaller.
Nichts.
Auch alle Sicherungen waren in Ordnung.
Das Problem bestand nicht bei uns hier oben auf der Lok.
Was zur Hölle war hier los.
Nervös sah ich mich um. Fieberhaft suchte ich nach einer Erklärung, stotterte nur so vor mich hin.
War die Verbindung nach Hinten vielleicht getrennt worden? Möglich, aber eher unwahrscheinlich.
Die hatten wir extra stabil gebaut.
Steffen stoppte die Fuhre. Kaum das wir standen, war ich von der Maschine gesprungen,
mir jedes Teil ansehen, doch selbst dort fand ich nichts.
Ich kam gerade unter dem Betriebsstoffe-Wagen hervorgekrochen, da stand Torsten vor mir.
Sein Blick ließ mich unwillkürlich einen Schritt nach hinten machen.
„Ich weiß zwar nicht, was du hier spielst und warum, aber wenn du nicht sofort damit aufhörst …“,
sagte er in einem bedrohlichem, leisen Tonfall.
„Was?! Von was redest du da?“, fragte ich verwirrt. „Ich spiel hier nichts …“
„Verkauf mich nicht für blöd.“ unterbrach er mich. „Ich hab nicht den leisesten Dunst, was du an der Idee,  
 den Rest deines Lebens so zu verbringen, so toll finden kannst. Und die anderen Beiden machen auch
 gleich mit. Sag mal, habt ihr alle den Verstand verloren?! Wie könnt ihr einfach so euer bisheriges Leben
 vergessen? Wie?!“, Gestikulierte er dabei wild herum.
Ich blieb stumm. Ich war gerade zu sprachlos, so hatte ich ihn ja noch nie erlebt.
Das ich auf seine Frage nicht antwortete, nicht antworten konnte, machte ihn nur noch wütender.
Er näherte sich mir, ich wollte nach hinten ausweichen, doch da blockierte der Gepäckwagen den Weg.
Ich stand mit dem Rücken an der Wand.
„Antworte!“, schrie er und schlug seinem Huf gegen die Stahlwand. Es knallte ohrenbetäubend.
Langsam bekam ich es mit der Angst zu tun.
Ich überlegte fieberhaft, was ich erwidern könnte um ihn zu beruhigen, doch unter dem Stress konnte ich
nicht denken. Das half mir nun überhaupt nicht.
„Du hast versprochen uns nach Hause zu bringen. Hast du das wirklich?! … Hast. Du. Das.Wirklich?“,
Wiederholte er seine Frage.
Die Anspannung war ihm deutlich anzusehen.
„Torsten, beruhige dich, das bringt uns so auch nicht weiter.“ sagte ich vorsichtig.
Allerdings hatte ich damit wohl das Fass zum überlaufen gebracht.
„Beruhigen?! Ich soll mich Beruhigen! Wieso sollte ich das tun, wenn vor mir einer meiner sogenannten
 Freunde steht, der mich nur von vorn bis hinten verarscht, und einem das Leben zerstört!“ schrie er,
dann spürte ich einen Schlag.

Ich blinzelte. Langsam realisierte ich, das ich auf dem Boden lag.
Es war kein richtiger Aussetzer, aber den Aufprall auf die Stahlwand und den Sturz hatte ich nicht
wirklich mitbekommen, wusste nur das es passiert war.
Knirschend setzte ich mich auf.
„Ohh, mein Kopf“, sagte ich dabei.
Ich wusste nicht, was mir mehr wehtat, meine Wange oder mein Hinterkopf.
„Hier, das sollte helfen“, reichte Steffen mir einen Eisbeutel.
„Danke“, sagte ich und legte ich mir hinten auf den gesenkten Kopf.  
Im Augenwinkel sah ich meinen Onkel und Torsten am Speisewagen stehen.
Ersterer schien letzterem die Leviten zu lesen. Was sie sagten konnte ich nicht hören.
Wir saßen noch etwas da.
Ich tauschte irgendwann den Eisbeutel wieder durch meinen Hut.
Irgendwann gingen wir los und setzten uns vorne auf die Pufferbohle zwischen die Laternen,
sahen einfach in die Ferne.
„So hab ich ihn ewig nicht mehr erlebt“, sagte Steffen auf einmal niedergeschlagen.
„Er ist schon den ganzen Tag so drauf, aber dass er so weit gehen würde“, schüttelte er den Kopf.
„Was ist bloß in den gefahren?“
„Er ist sauer. Verständlicher Weise. Überleg mal, wenn man eine intakte Familie hat, einen guten Job,
 und dann wird einem das alles von einem verrückten urplötzlich entrissen. Und dann kommt da einer
 der ihm sagt, er könne es wider zurück bekommen, muss aber feststellen, dass das, was man sein Leben
 lang aufgebaut hat, plötzlich weg ist, nie existiert hat.
 Das würde mich auch wütend machen. Und diese Wut musste irgendwo hin“, sinnierte ich.
„Ich stand halt mal wieder günstig“
Er nickte verstehend, dann herrschte für ein paar Augenblicke wieder Stille.
„Sag mal, dieser Berg da hinter uns, kommt der dir nicht auch auf irgendeine Weise bekannt vor?“
Das Gespräch sollte definitiv in eine andere Richtung gelenkt werden.
„Könnte der Berg von Canterlot sein“, antwortete ich beim nach hinten sehen.
„Die Spitze fehlt, aber diese flache Stelle da oben könnte etwas vom Plato sein“
„Dachte ich auch. Dann müsste vor uns ja Ponyville liegen“
„Ich will mir ehrlich gesagt gar nicht ausmalen, wie es da aussieht“
„Ich fürchte, da müssen wir durch. Mitten im Nirgendwo bleib ich jedenfalls nicht stehen“
„Da bin ich ganz deiner Meinung“
In dem Moment kam Karl-Heinz zu uns nach vorne.
„So, Torsten pennt erst mal ne Runde, der Arme ist völlig fertig. Körperlich wie mit den Nerven“,
sagte er. „Geht´s?“ fragte er mich.
„Hab leichte Kopfschmerzen, sonst aber alles okay“ kam meine prompte Antwort.
Eigentlich sollte ich sauer auf Torsten sein, wäre ich normalerweise auch, aber diesmal seltsamerweise
nicht. Ich hatte eher Mitleid mit ihm, und in gewisser Weise sagte mir ein Gefühl, das er auch irgendwo
Recht gehabt hatte.
Ich beschloss, der Sache bei Gelegenheit auf den Grund zu gehen.
„Alles schön und gut“, sagte Steffen, „Aber so langsam macht sich bei mir auch Müdigkeit bemerkbar.
 Ich schlage vor, wir suchen uns eine geeignete Raststelle und hauen uns auch ne Runde aufs Ohr“
Mein Onkel und ich nickten zustimmend.

Weiter ging die Fahrt.
Irgendwohin mussten diese Schienen ja führen, auch wenn wir schon eine Vermutung hatten, wohin,
war nachsehen immer noch besser.
Da Torsten schlief, war ich jetzt dran mit Kohlen schaufeln, da hatte ich wenigstens schon ein wenig
Übung drin. Karl-Heinz achtete mit auf die Wasserstände.
Der Landschaft wurde bald ebener, neben uns kam das Flussbett in Sicht, das bei uns östlich durch die
Stadt verlief.
Unsere Vermutung auf die nächste Ortschaft waren wohl leider richtig gewesen.
Ruinen begannen die Strecke zu säumen. Erst vereinzelt, doch dann immer zahlreicher und dichter.
Viele Gebäude waren noch als solche zu erkennen.
Ein Signal tauchte auf. Ebenfalls rostbraun, die Flügel waren in die Richtung abgeknickt worden,
in welcher auch die Bäume geneigt waren.
Fast mit Schrittgeschwindigkeit rumpelte der Zug über die nördlichen Einfahrweichen des Bahnhofs.
Die Szenerie hatte etwas unheimliches an sich.
Eine ganze Stadt aus Fachwerkhäusern, deren ausgebrannte und verkohlte Gerippe noch immer ein
gewisses Gefühl von Zivilisation vermittelten.
Nur der düstere Nebel und jede menge herumliegende Skelette fehlten noch, um das Bild abzurunden.
Auf Steffens Seite sah es nicht besser aus.
Die Reste eines Zuges befanden sich auf den beiden Bahnsteiggleisen, man hatte nur die Trümmer alle
vors Empfangsgebäude geschoben, und die Fahrzeuge, mit den Rädern zum letzten befahrbaren Gleis hin
zeigend, auf die Seite gekippt.
Vermutlich war dahinter alles untergebracht, was sich in der Stadt anscheinend nicht fand.
Eine bedrückte Stimmung machte sich im Führerhaus breit und keiner Sprach ein Wort,
während sich unsere alte Dame zaghaft ihren Weg daran vorbei bahnte.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, diesen Ort mit unserem Ponyville zu vergleichen.
Die Ähnlichkeit der beiden Orte war frappierend.
Rekonstruierte man im Kopf, wie es hier vor der Verwüstung ausgesehen haben muss,
konnte man tatsächlich denken, wir hätten bei der Rückreise wohl den Zeitvortex erwischt,
und wären einfach irgendwann in der Zukunft gelandet.
Einzig das gänzliche fehlen unseres Vereinsgeländes verriet, dass dies nicht unser Ponyville gewesen war.
Aber das wusste ich ja ohnehin bereits.

Etwas außerhalb der Stadt gab es eine Weiche, die ein Gleis von Sweet Apple Acers her anschloss.
Steffen stoppte den Zug genau davor, jetzt war wohl eine Lagebesprechung angesagt.
Nach einer kurzen Begutachtung aller wesentlichen Vorräte trafen wir uns wieder an der Maschine.
„Also, wie sieht´s aus?“
„Kohle haben wir noch mehr als genug, auch Wasservorrat reicht noch locker ne weile hin, aber wir
 sollten trotzdem zusehen, das wir entweder hier weg kommen, oder aber einen Ort finden,
 an welchem es noch welches zum nachtanken gibt“, erklärte Steffen.
„Lebensmittel haben wir auch noch ein wenig im Kühlschrank“, fügte Karl-Heinz hinzu.
Torsten kam von hinten zu uns, er sah ein wenig blass aus
„Ist das hier wirklich nicht, wo wir los gefahren sind?“
„Keine Sorge, ist es nicht“, auf einmal musste ich laut gähnen.
So sehr wir auch versuchten, konzentriert zu bleiben, der Schlaf forderte so langsam sein Recht ein.
Bei mir machte sich die Übermüdung immer deutlicher spürbar.  
„Ich schlage vor, wir hauen uns endlich ne Runde hin“, schlug mein Onkel vor.
„Bin ganz deiner Meinung“, bejahte ich seinen Vorschlag.
„Denk ich auch“, sagte Steffen, „Torsten, du bist ja ausgeruht. Übernimmst du die erste Wache?“
„Kann ich machen“, antwortete er. Die Pause schien ihm wirklich gut getan zu haben.
„Wie ist das mit dem Feuer?“
„Ruhefeuer müssen wir noch einrichten“, fiel es Steffen plötzlich ein.
Ich hatte es jedenfalls tatsächlich vergessen.
Aber gut, gesagt, getan.
Eine halbe Stunde später stand der Zug auf dem Ladegleis, nur noch leichte Rauchschwaden
säuselten aus dem Schornstein.
Einige weitere Wartungsarbeiten hatten wir ebenfalls gleich mit durchgeführt.
Nun lagen wir Drei auf provisorisch aufgestellten Klappbetten im leeren Teil des Speisewagens,
während Torsten vorne auf Lok und Wagen aufpasste.
Für den Fall das doch etwas passieren sollte, hatten wir ja noch unser Funkgerät.
‚Nicht, das hier noch etwas passieren dürfte‘, dachte ich mir und schlief schließlich ein.


Einige Stunden später erwachte ich bereits wider. Fünf, wenn ich meine Uhr richtig las.
Zuerst hoffte ich noch, ich hätte die ganze Sache nur geträumt, bis ich aus dem Fenster heraus die
Einöde sah. ‚Mist‘, dachte ich mir.  
Mein Onkel und Steffen schliefen noch unüberhörbar tief und fest.
So leise wie möglich ging ich in den Kochbereich und setzte für die Drei eine große Kanne Kaffee auf.
Mir selbst machte ich einen grünen Tee, das bittere Bohnengetränk war nicht so meins.
Nachdem ich das Kochende Wasser zu den Teebeuteln in die Kanne gegossen hatte, ging ich ins Bad,
sofern man diesen Eineinhalb mal Zwei Meter messenden Raum so nennen konnte,
um mich zumindest ein wenig frisch zu machen.

Das Pony, welches mir da aus dem Spiegel entgegenblickte, schien sich nicht verändert zu haben.
Noch immer ein helles, tiefblaues Fell, grünbraune Augen und diese dunkelblonde, strubbelige Mähne,
aus der ein spitz zulaufende Horn hervorragte.
Ein Fleck war zum Glück auch nicht da.
Ich wollte kein Bild auf meinem Fell, und dann auch noch so, das es jeder sehen könnte, ich würde ja nur
noch im Mantel vor die Tür gehen.
Etwas, das bei regelmäßig um die 30 Grad im Schatten durchaus unangenehm werden konnte,
selbst mit eingebauter Temperierung.
Da konnte ich aus Erfahrung sprechen.
Ich trat wieder in den offenen Raum hinaus und warf einen Blick zu Steffen und meinem Onkel, die da
hinten immer noch schlummerten.
Auch bei ihnen schien die Rückverwandlung ohne äußere Veränderungen abgelaufen zu sein.  
Karl-Heinz, mein Onkel, war ebenfalls ein Einhorn.
Sein Fell war eher Türkies als Blau. Mähne und Schweif hatten bei ihm eine etwas ausgeblichene,
dunkelbraune Farbe, sein Horn wies eher eine abgerundete Spitze auf.
Steffen hatte es zu den Pegasie verschlagen.
Mit seinem grünlichen Fell und seiner aus verschiedenen Rottönen bestehenden Mähne hatte er zudem,
meiner Meinung nach, die seltsamste Farbmischung von uns abbekommen.
Von der Person her war er aber immer noch der alte.
Torsten hatte es damals in ein rostbraunes Erdpony mit beiger Mähne und Schweif verwandelt.
Ob er eifersüchtig, oder neidisch war, das wir Hörner oder Flügel hatten und er nichts von beidem?
Ich weiß es nicht.
Sicher ist nur, das er seit dem Vorfall häufiger miesepetrig war als ich, und das sollte schon etwas heißen.
Was unseren Altersunterschied anging, der war praktisch nicht mehr vorhanden.
Mein Onkel war mit 58 Jahren der Älteste von uns gewesen, ich mit 21 der Jüngste,
als uns später ein Arzt untersuchte, stellte er fest, das wir Körperlich alle so um die Zwanzig Jahre alt wären,
weshalb wir mein als unser Alter annahmen.
Erstaunlicherweise hatten wir vorhin, zurück in der humanoiden Welt, wieder unsere alte körperliche
Verfassung gehabt.
Diese Magie ist schon etwas eigenartiges.

Ich schreckte aus meine Gedanken hoch, als das Schrillen der Eieruhr zu mir durchdrang.
Schnell sprang ich in die Küche zurück, stellte sie ab und holte die Teebeutel aus der Kanne.
Zum Glück hatten wir mal diesen Ruhezauber entdeckt, sehr praktisch, wenn man trotz Stadtfest mal
ausschlafen wollte, sodass ich schon vorsorglich den Küchenbereich vom Rest abgeschirmt hatte.
Ich sah keinen Grund dafür, die Beiden jetzt schon zu wecken, doch ich driftete gedanklich ja immer
wieder mal so leicht weg.
Den überzogenen Tee verdünnte ich mit etwas frischem Wasser und süßte mit Zucker nach,
danach war der Geschmack wieder recht annehmbar.
Ich goss etwas davon in eine Tasse, eine weitere füllte ich mit Kaffee und einem Schuss Milch.
Den Schallschrauber hinters Ohr geklemmt lief ich, die Beiden Tassen neben mir her schweben lassend,
nach vorn zur Lok.
„Na Torsten, alles Klar da Oben?“, rief ich hoch.
Ich hörte ihn überrascht aufschrecken und dann auf den Boden plumpsen.
„Alles Okay?“
„Ja, alles gut, kam nur überraschend“, er schaute aus dem Fenster und hielt sich den Hinterkopf.
„Ausgleichende Gerechtigkeit“, musste ich ein wenig grinsen, aber der Kontakt mit dem Wagen hatte
schon eine nette Beule hinterlassen.
„Grins du nur“, grummelte er.
„Ach komm schon Torsten, für das dauerhafte genervt sein bin ich zuständig“, ich ließ ihm die Tasse
Kaffee zu schweben.
„Hast ja recht, danke“, nahm er sie und ich stieg hoch.
Er wirkte ein wenig neben der Spur.

„Ist irgendetwas passiert die letzten Stunden?“, fragte ich und machte es mir auf dem Heizersitz gemütlich.
„Ne, alles Ruhig“, antwortete er trocken nach vorne schauend.
Auf einmal wandte er sich zu mir: „Wie kann so etwas passieren?“, sein Huf deutete raus.  
„Das kann ich dir nicht sagen, woher auch, aber ich würde mal auf ne Feuerwalze, oder so etwas in der
 Art tippen“
„Flächenbrand?“
„Möglich, würde auch den Fluchtversuch erklären. Nur, wieso hat es Canterlot vom Berg gehauen“
„Weiß ich auch nicht“, er sah mich ernst an: „Aber wir werden nicht dahin fahren und uns das Ansehen,
 klar? Haben wichtigeres auf dem Zettel“
„Ja, ja, das weiß ich. Herausfinden was mit dem System ist und dann wieder nach Hause“
„Genau. Also, was ist damit?“
„Woher soll ich das jetzt schon wissen, Torsten. Ich hatte ja noch keine Gelegenheit dazu, alles
 abzusuchen“
„Kein Grund gleich aggressiv zu werden, ich will nur nicht in dieser Einöde feststecken“
‚Ich soll nicht aggressiv werden, ha, ha, der war gut‘, dachte ich mir grummelig und versuchte,
nichts unüberlegtes zu sagen.
„Das will keiner von uns“, sprach ich knapp und nahm ich den letzten Schluck aus der Tasse,
die ich dann mit einem dumpfen „Tock“ auf das Brett über dem Feuerloch abstellte,
meinen Blick schweigend zur Seite aus dem Fenster gerichtet.

„Hallo? Ist da jemand?“, erschallte es auf einmal von vorne.
Torsten und ich sahen uns überrascht an.
Er kam zu mir rüber, gemeinsam steckten wir unsere Köpfe aus den Fenstern des Führerhauses und
ich riss vor Erstaunen die Augen auf.
Da standen drei Ponys schräg vor uns neben der Lok.
Es gab hier tatsächlich noch richtiges Leben, das überraschte mich doch jetzt schon ein wenig.
Die kleine Gruppe wurde von einem dunkelblauen Pegasus angeführt, welcher eine hellblaue Mähne
besaß und einen noch dunkleren Mantel selber Farbe trug.
Weiterhin bestand der Trupp aus einem dunkelgrauen Einhornhengst mit hellgrauer Mähne, der eine
Satteltasche und ein seltsames Objekt trug, sowie einem Gardisten.
Der Hengst war schon vollkommen ergraut und trug eine ziemlich demolierte Rüstung, auf dem Rücken
hatte er ebenfalls so ein Objekt
„Ähm, mit wem haben wir das Vergnügen?“, fragte ich vorsichtig.
„Das gleiche wollte ich sie grade fragen“, antwortete der Dunkelblaue.
„Ich bin Captain Jack Harkness, das hier sind meine Kollegen Dark Moon und Reaper“
„Torsten Klein“, „Alexander Johansen.“ Stellten wir uns vor. „Angenehm“
Die Ponys da unten sahen sich gegenseitig an.
In mir begann sich eine Frage zu formen: „Es scheint hier ja offenbar noch einen Ort zu geben,
 an dem man leben kann. Wieso kommen sie dann ausgerechnet hier raus in die Einöde?“
„Weil unsere Beobachtungsposten ein, sich mehrmals bewegendes, unnatürliches Wolkenband gesichtet
 haben. Da es abflaute und an einer Stelle verharrte, wurden wir losgeschickt um zu überprüfen,
 wer oder was diese Rauchfahne produziert“, erklärte Harkness.
'Irgendwie hätte man mit so einer Antwort rechnen können', murmelte eine Ecke meines Gehirns.
„Äh, Ja~a, das sind wir, 'Hallo', vier Typen mit nem Dampfzug“
„Und wo kommen sie her?“, fragte die Wache.
„Ähm, das wird ein wenig komplizierterer“, antwortete ich ein wenig zögerlich.
Dieser Harkness zog etwas seinen linken Ärmel zurück und klappte ein Ledernes Objekt auf.
Er schien eine Weile zu lesen, bis er auf einmal ernst aufblickte: „Ich denke, wir sollten uns mal  
 unterhalten“
Mich beschlich das Gefühl, das sich unser „Plan“ gerade in Rauch auflöste.
„Einen Augenblick bitte“, sagte ich und stieg auf der Seite der Drei von der Maschine.
Ich wollte nach Hinten, Karl-Heinz und Steffen wecken, sollten sie noch schlafen.
„Gibt es Gleise zu ihrem Versteck?“, fragte ich beim Abstieg die kleine Gruppe.
„Ja, gibt es“, antwortete die Wache nach kurzer Pause, wobei die anderen Beiden sich nur fragend
angesehen hatten. „Sind allerdings schon eine Weile unbenutzt“
„Klingt zumindest schon mal nach etwas“, wenn die uns schon mitnehmen würden,
wovon ich stark ausging, würden wir zumindest den Zug nicht zurücklassen müssen.
Bevor ich los traben konnte, hielt Harkness mich zurück.
„Hör mal, es gibt da so ein paar Dinge, über die wir sprechen sollten. Ich weiß, was ihr gemacht habt“
Na super, dieses Lederding war wohl irgendein Scanner oder in der Art, zudem schien er über
weiterführendes Wissen zu verfügen.
Ob ich den Schallschrauber vorerst besser verschweigen sollte?  
„Ich weiß noch nicht, wie ihr das gemacht habt,...“
‚Und das wirst du so schnell sicherlich auch nicht erfahren‘, erwiderte ich gedanklich.
„…., aber mit dem was dafür nötig ist, könnt ihr uns Helfen“
Mich überkam ein mulmiges Gefühl.
„Das, was das hier verursacht hat, ist noch nicht vorbei?“
„Oh nein, noch lange nicht. Und wenn es so weitergeht, werden die auch gewinnen“, sprach dieser
Reaper bedeutungsschwanger.
„Ihr wisst es nicht? Wie könnt ihr das nicht wissen“, dieser Dark Moon wirkte vollkommen fassungslos.
„Eine Sache, die viel wichtiger ist, wie lange seid ihr schon hier in der Gegend?“
Ich holte meine Taschenuhr heraus.
„Ähm, sieben, acht Stunden vielleicht?“
„Dann sollten wir schnellstmöglich los, die haben sicher schon bemerkt, das sich hier draußen was tut“
„Ich mach das Feuer klar“, sprach Torsten und verschwand aus dem Fenster.
In der Stimme des blauen Pegasus hatte etwas so unheilvolles mitgeschwungen, das es mir einen Schauer
über den rücken jagte. Das passierte nicht häufig.
„Tu das, ich lauf nach hinten und mach die Schlafmützen wach“
Auf dem Weg grübelte ich über das gerade Erfahrene nach.
‚Es ist also tatsächlich ein Angriff gewesen, aber was bitte könnte so mächtig sein, das es immer noch da
ist? Trotz der Anwesenheit zweier, mächtiger Alicorns, und so etwas wie den Elementen? Oder leben
die in dieser Realität nicht, oder falls doch, nicht mehr?‘
Nun, es hatte jedenfalls eine Menge neuer Fragen aufgeworfen, die sich ganz bestimmt aufklären würden,
zumindest ein Teil davon.

Die Beiden schliefen tatsächlich noch immer.
Ich probierte mehrere Weckmethoden, doch erst der Knall einer etwas stärker zufallenden Tür holte
zumindest Steffen aus den Federn.
„Herrje, musst du einen so zu Tode erschrecken?“
„Wenn man euch sonst nicht wach bekommt.“
„Was ist aus dem guten, alten Glas Wasser geworden?“
„Hast du mal aus dem Fenster gesehen? Wir haben nicht so viel, das wir es einfach verschleudern
 können.“
„Ein Glas?“, Zweifel lagen in seiner Stimme, aber mir war klar, so, oder so, es wäre falsch gewesen.
„Nu komm, ich hab euch Kaffee gekocht“
„Zumindest ein Lichtblick, danke“
Nachdem ich auch die magische Ruhezone meines Onkels überwinden konnte, ließ ich Beide,
auf den neusten Stand gebracht, bei ihren Tassen im Speisewagen zurück.
In einer halben Stunde wollten sie bei der Lok sein.

Ich wand mich an diesen Herren Reaper.
„Sagen sie, um ihr Versteck zu erreichen, müssen wir da noch irgendwie rangieren, eine andere Richtung
 einschlagen, oder geht’s hier einfach so weiter?“
„Gute frage, da muss selbst ich kurz nachdenken. Moment. … Ihr müsst zurück aufs Hauptgleis, dann
 geht’s etwas Richtung Süden. Da kommt dann nach einiger Zeit ein Abzweig, von dort aus kommen wir
 direkt in Zentrum“, er gestikuliere dabei ein wenig auf der Seitenwand des Führerhauses herum.
„Super“ sagte ich. „Torsten, wie weit bist du?“
„Grade mit dem letzten Lager fertig.“ antwortete er, Ölkanne und Hämmerchen wieder auf den
Führerstand schiebend. Das Überdruckventil säuselte schon ein wenig. Ich folgte ihm rauf.
„Karl-Heinz, Steffen, wie lange braucht ihr noch?“ fragte ich durchs Funkgerät.
Auf meinen Wink stieg auch die kleine Expeditionstruppe zu uns auf den Führerstand.
Das würde Eng werden hier oben.
„Trinken noch den Kaffee aus, eilt es denn so?“, krächzte es zurück.
„Ein wenig, laut den Einheimischen“
„Dann Fahrt den Zug schonmal auf die Strecke zurück, das Feingefühl solltest du dir aus den Hufen
 schütteln können. Stehst ja auch nicht das erste Mal da“, antwortete Steffen.
„Ich versuchs. Könntet ihr mal die Augen offenhalten? Nicht, das ich damit rechne, aber vielleicht verirrt
 sich ja doch etwas auf die Gleise“
„Machen wir“
„Danke“

„Gut, okay, was als erstes?“, ich rief mir ins Gedächtnis zurück, was jetzt zu tun war.  
„Ah ja, liegt die Weiche richtig?“
„Tut sie“
„Gut. Zylinder vorgewärmt?“
„Ähm, nein, noch nicht“
„In Ordnung“, dieser Schritt musste jetzt erst noch durchgeführt werden.
Es war damit zu rechnen, das sich Kondenswasser in den Zylindern befand, beziehungsweise,
das sie aufgrund der niedrigen Umgebungstemperaturen jetzt so kalt waren, das einströmender Dampf
in den flüssigen Zustand zurückkehren könnte.
Weil Wasser sich aber nicht, anders wie Luft oder Dampf, komprimieren lässt, könnte es zu schweren Schäden,
oder gar Zerstörungen, an Rahmen und Fahrwerk kommen, wenn die Kolben auf diese massive
Masse träfen.
Um so etwas zu verhindern, wurde, bei festgestellter Bremse und geöffneten Zylinderventilen, der Regler leicht
geöffnet und die Steuerung, mit welcher der Grad der Zylinderfüllung, wie auch die Fahrtrichtung gesteuert wurde,
mehrmals voll nach vorn und hinten durchgedreht, sodass der Dampf alle Teile erwärmen und gleichzeitig
mögliches Kondenswasser mit sich ins Freie reißen konnte.
Als dies getan war, schloss ich den Regler, drehte die Steuerung auf Rückwärtsfahrt und löste die Bremsen.
Für keine dieser Schritte nutzte ich meine Magie.
Einerseits machte das sonst auch niemand, andererseits lag einfach mehr Gefühl für die Maschine und
seine eigenen Tätigkeiten darin, wenn man es mit dem Huf machte.  

„Na dann woll'n wir mal. Alle gut festhalten.“
Ich fürchtete, schon beim Anfahren mal wieder alles falsch zu machen, aber ich brachte uns tatsächlich
recht geschmeidig in Schwung.
'Nur nicht zu schnell werden', ermahnte ich mich und zog den Regler bei 15 Kilometern auf dem Tacho
wieder auf die geschlossene Position.
Als es dann ans Bremsen ging, verpatzte ich es dann doch.
Zuerst griffen sie gar nicht, weil ich den Hebel zu schnell von der Neutral- in die Bremsstellung zog und
dann gleich wieder in die Lösestellung drückte.
Das tat ich mehrfach, bis ich ihn dann zu lange zog und die Bremsklötze die Räder blockierten.
Ein fast sofortiger Stopp war die Folge und unsere Trägheit schleuderte uns gegeneinander und die
Kesselarmaturen.
Die restlichen Anwesenden warfen mir tadelnde Blicke zu.
„So ganz hast du den Dreh nicht raus, in dem was du da tust, was?“, die Wache hielt sich den Kopf und
vermisste sicher gerade schmerzlich ihren Helm.
„Nein, leider noch nicht“, musste ich ein wenig verlegen zugeben.
‚Hoffentlich ist denen der Kaffee nicht vom Tisch geflogen‘, dachte ich mir.
Ich stieg von der Maschine um die Weiche umzustellen.
Als ich zurück kam, erwartete ich Steffen und Karl-Heinz auf dem Führerstand anzutreffen,
dem war aber nicht so.
„Alles in Ordnung bei euch da hinten?“, fragte ich zur Sicherheit einmal nach.
Eine Antwort ließ ein paar Augenblicke auf sich warten.
„Ja, nur ist hier alles, was nicht Niet und Nagelfest ist, quer durch den Raum geflogen“, seufzte er,
es klang ein wenig schmerzverzerrt.
„Denkst du, du bekommst das hin, bis dahin zu fahren? Anfahren hat ja schon ganz gut geklappt, nur die
 Bremse vorsichtiger bedienen. Wir wollen doch keine Flachstellen“
Da musste ich doch einmal Schlucken. Ich konnte besser zugucken und theoretisieren, als komplett selber
an die Sachen ran zu gehen. Ich brauchte immer gefühlte Ewigkeiten, bis ich etwas praktisch hinbekam.  
„Na komm, ist ja nicht so, das du dich damit erst seit gestern beschäftigst, und gefahren biste auch
 schon mal. Hab einfach etwas Vertrauen in dich“
Solche Worte ausgerechnet von Torsten zu hören war schon überraschend für mich. Aber schön,
wenn selbst er meinte, ich bekäme das hin, dann musste da was dran sein.
„Also gut, weiter gehts‘s “, ein wenig Unsicherheit schwang noch in meinen Worten mit, während ich
alles für die Vorwärtsfahrt neu einstellte.
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