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Steampunk - Mit Volldampf ins Abenteuer

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P18
Discord König Sombra OC (Own Character) Prinzessin Celestia Prinzessin Luna Twilight Sparkle
22.09.2017
17.09.2020
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12.08.2019 3.453
 
Wir hatten es letztlich doch, obwohl sich die beiden Torwachen alle Zeit der Welt gelassen hatten,
sämtliche unserer Taschen aufs gründlichste zu kontrollieren,
noch Pünktlich in dem Konferenzraum geschafft, zu welchem uns der Saaldiener geführt hatte.
Prinzessin Celestia wartete dort bereits, in Gesellschaft zweier Herren in Anzügen,
ein Erdpony und ein überraschend großes Einhorn,
hinter einem großen Tisch voller Papieren und Ordnern.
Sie setzte gerade ihre Teetasse ab, als wir eintraten.

„Ah, schön das ihr es rechtzeitig geschafft habt. Setzt euch bitte“, deutete sie auf die freien
Sitzflächen um den Tisch.
Wir kamen dem Wunsch natürlich unverzüglich nach und verteilten uns auf diese, wobei mein
Onkel und ich der Prinzessin am nächsten saßen, dann Arrow und Lemon zwischen mir und Steffen
mit Taube.
Die beiden Anzugträger uns gegenüber.
Sofort fielen mir die ungewöhnlichen Zierelemente an dem des Einhornhengstes ins Auge.
Zahnräder und sogar eine Art Uhrwerk konnte ich erkennen.
„War ja klar, das die feinen Herrschaften sich wieder für zu wichtig halten, um persönlich zu
 erscheinen, und nur ihr Dienstpersonal vorbei schicken“, meckerte er auf einmal.
Ich sollte an dieser Stelle vielleicht erwähnen, das die von der Schule uns noch in „Angemessene“
Kleidung gesteckt hatten, bevor sie uns raus warfen, was in deren Augen anscheinend nur
Butleranzüge für uns, und für Taube ein Dienststutenkleid sein konnte.
Ihr war das so unangenehm, das sie sich die ganze Zeit in meinen Mantel hüllte,
während wir die Stadt durchquerten.
„Ähm, nein, wir sind schon die vom D-Zug, nur, die Leute von der Sklavenschule wollten uns nicht
 ohne diesen Aufzug gehen lassen. Als wir das endlich durch hatten, waren wir schon zu spät dran,
 um uns vorher unserer Kostümierung zu entledigen“, erklärte ich.
Der Hengst haute sich einen Huf an die Stirn, wobei ich jetzt erst erkannte, das der Dampf, den ich
bisher für den Qualm einer Zigarre oder ähnliches gehalten hatte, aus einer Prothese stammte,
welche sein linkes Vorderbein bildete.
'Faszinierend, was man hier so für feinmechanische Wunderwerke bauen kann', dachte ich mir.
Mein Anstand verbot mir allerdings gerade noch rechtzeitig, meine Begeisterung für den
technischen Aspekt auch noch laut zu äußern.
Der Herr leerte in einem Zug sein Whiskyglas. „Adlige“, brummelte er nur und schüttelte leicht den
Kopf.
„Da das nun geklärt wäre, darf ich euch die Herren Iron Rivet und Steampunk vorstellen. Sie sind die
 Chefkonstrukteure bei unserem kleinen Projekt“, sprach Celestia, wodurch sie das Gespräch wohl
wieder auf den eigentlichen Grund des Treffens lenkte.
„Sehr erfreut“, stellten wir uns nacheinander vor.
„Ebenfalls, auch wenn es schwierig ist, sich euch als Eigner vorzustellen, in diesem Aufzug“,
sprach Mister Rivet.
Ich seufzte bloß.
„Dürfen wir uns ganz kurz dieser lästigen Garderobe entledigen?“
„Wenn es dem nützt, das wir mit der Besprechung vorankommen, gern“, sprach die Prinzessin tonlos.
So schnell wie die Fracks, Querbinder und dieses Kleid auf einem kleinen Tisch am anderen Ende des
Raumes landeten, konnte man fast nicht gucken.
„Das ist viel besser“, sprach Arrow.
„Ja, das Zeug hat so geschnürt“, fügte Lemon an und rieb sich leicht den Hals.
„Ist ja vorbei, jetzt wollen wir das mal vergessen“, sprach ich, fühlte mich aber auch sehr viel freier.

„Also, wie steht es um die Fahrzeuge?“, fragte mein Onkel.
„Sehr Schwierig“, antwortete dieser Steampunk praktisch sofort.
„Man konnte bei dem Anblick nicht auf die Idee kommen, eines der Fahrzeuge wäre vor kurzem erst
 aus der Werkstatthalle gerollt“, fügte Rivet an.
„Es war eine Notlösung, um die andere ans Laufen zu bekommen“, sprach ich etwas verlegen.
„Haben wir gesehen“, sprach Steam, „Ganz ehrlich, Respekt, das ihr den Schrotthaufen,
 mit den einfachen Mitteln überhaupt wieder Leben einhauchen konntet“
„Ähm, danke, aber wir hatten auch viel Hilfe von den dortigen Mechanikern“
„Hätte mich auch wirklich gewundert, wenn das alles nur von euch käme“, erwiderte der Andere.
„Von einem wie großen Aufwand sprechen wir denn nun?“, fragte die Prinzessin.
Die Konstrukteure schlugen ihre Unterlagen auf.
„Bei der Tenderlokomotive, Bauart 78, sind Hauptsächlich Blecharbeiten durchzuführen, dazu kommt
 die Neuanfertigung einiger Spezial- und Gussteile des Dampfkessels, wie Dampfsammelkasten und
 sämtlicher Rohre im Langkessel, als auch einiger anderer Teile, die für die Sogenannte P4
 entnommen und unumkehrbar verändert wurden, sodass sie für diese verloren sind“, erklärte Rivet.
„Das klingt zwar Aufwendig, aber nicht unmöglich“, sagte Steffen.
„So ist es. Nur die Gussteile anzufertigen ist Zeitaufwendig, da die Gussformen erst einmal
 konstruiert, hergestellt, und die passende Metallrezeptur gefunden werden müssen.
 Haben wir das, ist die Arbeit, mit Lackieren, in höchstens Vierzehn Tagen erledigt“

„Bei der P4 wird es nicht annähernd so schnell gehen“, warf Steam hinten ran.
„Die ist bestimmt ein Totalausfall“, kam es pessimistisch von mir.
„Nun, sagen wir es so, schlimmer stand es bisher nur um eine Unfalllok, und die haben wir auch
 wieder flott bekommen“, erwiderte er.
„Wenn jemand das hinbekommt, dann die Kelpies von Gearstown, die sind die besten Erfinder und
 Konstrukteure in Sachen Dampftechnik, die ihr in der bekannten Welt finden könnt.
 Ich hab da auch noch einmal neu gelernt“, schwärmte Iron Rivet.
„Das klingt doch beruhigend. Was ist an ihr denn zu machen?“, fragte ich, als ich eine Berührung
an der Seite spürte.
Verwundert blickte ich zu den beiden Kleinen, Lemon drückte sich zitternd an mich,
auch Arrow wirkte verunsichert.
„Was ist los?“, fragte ich sie.
„Weißt du nicht, was ein Kelpie ist?“, fragte er mich ungläubig, konnte aber in Steams Augen ein
genervtes rollen erkennen.
Ich überlegte kurz.
Irgendwas klingelte da bei mir, aber ich kam nicht drauf, um welche Spezies es sich
bei ihnen handelte. Da zeigte sich wieder mein Defizit an mythologischem Wissen.
„Was immer die euch für Schauergeschichten erzählt haben, die Realität scheint sie zu widerlegen“,
sprach ich beruhigend zu den Beiden.
„Leider nicht. Bisher hat sich nur ein kleiner Teil unserer Population der Mordlosen Lebensweise
 angeschlossen“
„Ich geh nie wieder in einem Gewässer baden“, sprach Lemon.
„Würde nichts bringen, die erwischen einen auch an Land, und zum ersaufen reichen kleinste Pfützen“
Jetzt verkroch er sich fast unter mich, weshalb ich ihm sanft über den Kopf strich.
„Hey kleiner, ihr seit im Everfree aufgewachsen, dem Epizentrum für alles, was Ponys frisst, und was
 hat euer Dorf ausgelöscht? Andere Ponys. Also alles halb so wild“
„Zumal gefährdete Orte mit Sicherheit schnell gesichert werden“, ergänzte Taube.
„Außerdem ist Verteidigung ganz einfach. Die gefährlichen sind sehr anfällig für kleinste mengen
 Metall. Eine Berührung mit dem Hufeisen, und die ziehen jaulend von dannen.
 Vorausgesetzt, es ist auch aus Eisen“
„Tatsächlich?“, kam Lemon überrascht wieder hervor.
„Ich würde es nicht sagen, wenn es nicht stimmte“
„Aber wieso nur Eisen?“, fragte ich etwas irritiert, „Was ist mit Stahl, Kupfer, Bronze, andere
 Metalle?“
„Das weiß noch niemand, es ist ein rätsel. Aber normales Eisen ist die perfekte Abschreckung“
Die beiden Kleinen beruhigten sich daraufhin schnell.
Wir alle tranken etwas.
„Okay, da dieser kleine Exkurs abgeschlossen ist, was ist von der P4 denn noch zu gebrauchen?“,
die Prinzessin sprang wieder als Moderatorin ein.
Herr Steam räusperte sich: „Der Rahmen und das Fahrwerk, allerdings müssen davon auch alle Lager
 grunderneuert werden, ein Radsatz benötigt neue Radreifen“
„Ansonsten alles komplett neu?“, fragte ich noch einmal nach. Ich wollte einfach nicht glauben,
das sie so marode gewesen sein sollte.
„Naja, einige Kleinteile und der Grundrahmen vom Führerhaus auch noch, aber ansonsten, ja“
„Hätte ich nicht erwartet, gebe ich offen zu“
„Aber das gibt uns auch die Möglichkeit, die Maschine zu überarbeiten und zu verbessern“,
warf der Herr Rivet ein.
„An was haben sie so gedacht?“, fragte ich neugierig, woraufhin eine grobe Konstruktionszeichnung
über die Tischplatte ausgebreitet wurde.

Wir redeten und diskutierten eine ganze Weile über Sinn und Unsinn mancher Ideen ihrer und
unsererseits, wobei es hauptsächlich über Steffen und meinen Onkel lief, da sie die Fachseiten doch
besser kannten als ich, der nun einmal doch höchstens darüber gelesen hatte.
Aber wir einigten uns doch auf so manches.
„Wenn diese ganzen umbauten ein Erfolg werden, wäre die P4 doch am ehesten dazu geeignet,
 die Stammlok für den Hofzug zu werden“, schloss die Prinzessin,
„Dann bräuchte ich allerdings noch ein anderes Farbkonzept für sie. Dunkelgrün passt nicht zu den
 Farben des Zuges“
„Haben sie noch andere Farben, die für sie nicht in Frage kommen?“, fragte ich.
Sie schien kurz zu überlegen: „Ganz schwarz, das wäre zu düster“
Ich schrieb es mir ins Notizbuch.
„Welche Farben werden die Wagen denn bekommen“, fragte Steffen.
„Das bleibt noch ein Geheimnis“
„Wie sollen wir die Farbe dann darauf abstimmen?“, fragte mein Onkel.
„Sollt ihr ja nicht, es sollte nur etwas anderes, besonderes sein“
„In Ordnung“, ich notierte wieder, „Bis wann brauchen sie die Farbgebung?“
„So früh wie möglich“, war alles was sie sagte.
„Wir versuchens“, erwiderte ich.
Celestia wand sich den Herren Konstrukteuren zu.
„In Ordnung, ich denke, den technischen Aspekt hätten wir damit abgeklärt“
„Soweit ja, wir werden uns unverzüglich an die Arbeit machen“, sprach Rivet , während sie ihre
Unterlagen und Pläne zusammen packten, wobei sich der Tisch deutlich leerte.
Daraufhin geleitete sie die Beiden, einen freundlichen Gruß an die Familien mit auf den Weg gebend,
noch bis in den Flur.

Einige Augenblicke später saß sie wieder auf ihrem Stuhl.
„Möchtet ihr noch etwas Tee, bevor wir weiter machen?“
„Vielen Dank, Prinzessin“, „Sehr gern“, Danke“
„Der nächste Punkt ist etwas kompliziert“, begann Celestia daraufhin wieder zu sprechen.
„Es geht darum, wer von euch welche Position einnimmt und begleitet“
„Ich vermute, sie haben sich dazu bereits etwas überlegt?“, fragte ich vorsichtig.
„So ist es. Eigentlich wollte ich euch ja die Zeit lassen, alle Bereiche erkunden zu lassen und euch
 dann für einen zu entscheiden. Aber dafür wird die Zeit nun zu knapp, dank der ach so
 vertrauenswürdigen Arbeit des Komitees“
Der letzte Halbsatz triefte förmlich vor Sarkasmus, das war nicht zu überhören und zu sehen,
aber der Inhalt machte mich stutzig.
„Was machen denn zehn, zwölf Tage aus, braucht so eine Ausbildung nicht ohnehin Jahre?“
„Ach, wer das Talent hat, lernt schnell“
„Wir haben aber keinen Fleck, nur eine Leidenschaft“
„Das reicht schon aus, und das ihr das Talent habt, habt ihr mit eurer Aktion mehr als bewiesen.
 Ich gehe natürlich vertrauensvoll davon aus, das es diese Expedition wirklich gegeben hat“
„Aber das war doch eine Ausnahmesituation, ohne regulären Verkehr neben und auf den Gleisen“
„Eben, unter welchen Bedingungen könnte man sein Können besser beweisen. Den Rest lernt ihr dann
 doch sicher schnell. Ihr habt ja noch Unterricht und erfahrene Kollegen dabei“
„Das wird sich zeigen“, sprach Steffen. Er wirkte nicht ganz überzeugt.
„Nicht so pessimistisch, Federchen“, strich ihm Taube über die Seite.
„Also, was haben sie sich ausgedacht, Prinzessin?“, sprach ich.
„Es erscheint mir am Sinnvollsten, wenn ihr fürs Erste in der Zusammenstellung bleibt,
 die ihr durch euren Trip bereits im Gefühl habt“, antwortete sie.
„Das heißt, Steffen und ich machen das Lokpersonal und Alex den Zugführer?“, sprach mein Onkel.
Ich wusste nicht, ob er das Letzte ernst meinte, oder nicht, aber ich hoffte, er läge falsch.
„So hab ich mir das gedacht“
‚Na Super‘, seufzte ich innerlich.
„Wieso muss ich den Zugchef machen?“, fragte ich etwas zaghaft.
„Na, weil es die konsequente Weiterführung dessen ist, was wir schon seit unserer Landung hier
 beobachtet haben. Fahren kannst du nicht wirklich gut, dafür aber schnell was erdenken und
 koordinieren“, antwortete mein Onkel.
„Und das ist wichtig. Trotz minutiöser Planung kann immer etwas schief gehen, dann ist
 Improvisationstalent gefragt“, fügte ihre Majestät noch an.
„Dann muss es wohl so sein“, seufzte ich leicht, und dachte mir dabei:‚Na hoffentlich geht das gut‘
„Wunderbar“, freute sich Celestia. „Dann kann ich die entsprechenden Schritte ja einleiten lassen“

Auf einmal klopfte es an die Tür und ein älterer Hengst mit grauer Halbglatze und tomatenrotem Frack
trat in den Raum.
„Verzeihen sie die Störung, aber sie müssen zu ihrem nächsten Termin, eure Hoheit“
„Wunderbar, wir sind gerade fertig geworden, Kibitz“
„Sie und ihr Talent, alles auf die Mitnute hinzubekommen“, sprach der Hengst mit leuchtenden Augen.
Celestia ließ einer weißen Stute mit zusammengebundener, brauner Mahne ihre unterlagen zu
schweben, während sie aufstand.
„Bringen sie die Unterlagen bitte in meine Gemächer“
Die Stute nickte verstehend und verschwand augenblicklich.
Sofort danach wies sie zwei Wachen an, den Klamotten Stapel wieder der Schule zukommen zu lassen.
„Ähm, fahren jetzt noch Züge nach Ponyville“, sprach ich, weil ich bei einem Blick nach draußen
festgestellt hatte, das es bereits dunkel geworden war.
Die Prinzessin ließ noch einmal einen kleinen Zettel und eine Feder zu sich schweben und schreib etwas
darauf: „Ich möchte, das ihr noch etwas in Canterlot bleibt, bis alles angelaufen ist. Hier könnt gut zu moderaten
 Preisen Unterkunft finden“, ließ sie mir das gefaltete Blatt zu schweben.
Ich übernahm es und steckte es in die Innentasche meines Mantels.
„Ah, danke sehr“

Ich fragte mich mittlerweile, wie wir unseren Lebensunterhalt noch weiter Finanzieren sollten.
Einen Job konnten wir mit den chaotischen Terminverhältnissen so nicht antreten,
aber auch unsere Ersparnisse gingen langsam gegen Null.
Ich konnte jetzt nicht wirklich einschätzen, was sie mit ‚zu moderaten Preisen‘ meinte,
aber vielleicht reichte es noch für eine Nacht, wenn wir uns alle in ein Zimmer quetschten.
Mit etwas Glück blieb genug übrig, das Einer oder Zwei von uns morgen mit dem Frühzug nach
Ponyville fahren und noch ein wenig von dem Krempel beim Antiquitätenhändler verkaufen konnten,
der noch im Keller des Hauses lagerte.
Celestia um eine kleine Geldspritze zu bitten kam für mich jedenfalls nicht in Frage.
Das sie schon die Arbeiten an den Lokomotiven bezahlte war mehr als genug,
wobei sie das natürlich hauptsächlich für sich und ihr Projekt tat.
Es war schon sehr großzügig von ihr, uns soweit einzubeziehen, es überhaupt so zu machen.
Wer käme auf die Idee, das eine Herrscherin wie Celestia eigentlich fremde Personen mit ihren
relativ unbekannten Fahrzeugen für solch eine Aufgabe erwählen würde?
Niemand - die Chancen für so etwas waren doch mikroskopisch klein.
Jedenfalls für mein Verständnis, aber es war ja nicht das erste mal, das in dieser Welt einiges anders lief,
oder hatte Steffen am Ende doch recht gehabt?
Diese und andere Sachen gingen mir durch den Kopf, während ich meine Sachen packte und mir die
Reisetasche auf den Rücken wuchtete.
Als ich allerdings zu den anderen an die Tür trat, war von Celestia und ihren Angestellten nichts mehr
zu sehen.
„Nanu, alle schon weg?“
„Ja, sie wünscht uns eine gute Nacht“
„Okay, dann gucken wir mal, ob wir hier raus finden“

Aufmerksam bewegten wir uns durch die Gänge und versuchten dabei, den geführten Hinweg zu
rekonstruieren und rückwärts abzuspielen.
Manche der Wachen guckten zwar misstrauisch, gerade die Bat-Ponys der Lunaren Nachtwache,
aber keiner von ihnen sagte etwas.
Lag wohl daran, das zu dieser „fortgeschrittenen“ Tageszeit normalerweise keine normalen Bürger
mehr hier herumzulaufen schienen.
Es gelang uns recht gut, zurück zu finden.
Außerhalb des Schlosses waren auch die Wachen nun wesentlich freundlicher.
„So, wo müssen wir eigentlich hin?“, sprach ich, während ich mich unter eine der Laternen stellte,
um den Zettel lesen zu können.
‚Hotel „3 Schwestern“, An der Flussgasse 34‘, stand dort.
„Wenn ich wüsste, wo das ist. .. müssen wir wohl einen Umweg zum Bahnhof machen,
 einen Blick auf den Stadtplan werfen“
„Sieht wohl so aus“, sprach Taube.

So machten wir uns auf den Weg durch die fast Ponyleere Stadt.
Es war erstaunlich.
Die Uhr zeigte gerade erst viertel nach Acht, trotzdem waren gute Dreiviertel der Häuser in der Stadt
bereits dunkel.
Nur die Laternen spendeten ein wenig schummriges, gelbes Licht.
Es war ein ganz schöner Marsch, bis wir um kurz nach Neun das Hotel erreichten.
Erleichtert stellte ich fest, das die Eingangstür noch offen und der Schalter besetzt war.
Das Pony war gerade auf der Rückseite des Tresens beschäftigt, begann aber bereits zu sprechen,
als die Tür hinter Steffen ins Schloss gefallen war.
„Guten Abend, meine Schwestern und ich freuen uns, sie als Gäste in unserem bescheidenen Hotel
 begrüßen zu dürf…“, sie stockte, als sie Aufsah und uns wohl erblickte.
Ich fragte mich, was los war.
„Ähm, ist etwas nicht in Ordnung?“, fragte ich vorsichtig.
„O-oh doch, es ist nur etwas ungewöhnlich, das uns Einhörner und Pegasusponys beehren“,
antwortete sie.
„Nun, sie wurden uns empfohlen.…“
Als ich das sagte, fing die Stute wieder an zu strahlen.
„Oh, das freut mich. Mein Name ist übrigens Sunny Day. Womit kann ich ihnen helfen?“
Na der Name passt ja wie der Huf aufs Auge, dachte ich mir.
„Wir bräuchten für mindestens eine Nacht ein Zimmer“
„Sie alle zusammen? Das dürfte etwas eng werden. Wie wäre es denn, wenn sie beide ein
 Zweierzimmer beziehen?“, fragte sie Steffen und Taube.
„Was würde das kosten?“, fragte er, „Wir haben nicht viel“
Sie überlegte kurz.
„Hm, mit Fohlenrabatt, sagen wir, 30 Bits die Nacht, wäre das in Ordnung?“
Ich zog unseren Geldbeutel hervor und leerte ihn auf den Tresen aus, zählte die Münzen.
„40 Bits noch drin, dann haben Karl-Heinz und Ich morgen noch genug für die Fahrkarte“, sprach ich
und schob ihr die 30 Bits zu.
„Morgen Abend sollten wir genug haben, ihnen auch etwas Trinkgeld geben zu können“
„Können sie nicht hier bei der Bank ihr Geld abheben?“, fragte die Stute.
Sie wirkte schon ein wenig Irritiert.
„Da haben wir leider nix mehr drauf, wir müssen erst ein paar eingelagerte Dinge verkaufen“,
sprach ich etwas gedämpft, denn unangenehm war es mir schon, unsere Situation so offen legen
zu müssen.
„Oh, tut mir Leid“, sprach sie, dann wendete sie sich dem Schlüsselbrett zu und hob zwei
nebeneinander hängende ab, die sie uns übergab.
„Ich wünsche trotz aller Sorgen eine gute Nacht“, sprach sie, „Frühstück ist inbegriffen und von halb
 Acht bis Zehn“
„Vielen Dank“, sagten wir und begaben uns in den zweiten Stock.

Die Zimmer waren überraschend geräumig, gemütlich eingerichtet und in warmen Farbtönen gehalten.
Ein Doppelbett stand im kleinen, zwei Einzel- und ein Stockbett in unserem.
Verbunden waren beide Räume durch ein dazwischenliegendes Badezimmer.
Die gekippten Fenster ließen das leise Rauschen des Flusses herein,
ansonsten war es jedoch komplett Still.
Wir sprachen automatisch gedämpfter.
„Gute Nacht“, „Bis morgen“, verabschiedeten sich Steffen und Taube in ihr Zimmer.
„Ebenso“, gingen wir auch in unseres.
Das Bettfertigmachen genoss ich an diesem Abend ganz besonders.
Zum ersten Mal seit 10 Tagen richtig Duschen, das über den Körper fließende Wasser genießen,
ohne das jemand mit der Stoppuhr daneben stand, und dazu auch noch den Verbrauch regulierte.
Es war alles wieder viel entspannter.
So erging es wohl auch den anderen Dreien.
Von Steffen und Taube hatten wir dagegen nichts mehr groß gehört, die gingen wohl nach uns ins Bad.
Das es sich auf einer richtigen Matratze und Daunenbettzeug viel bequemer lag, und besser Schlief,
als auf einem Strohsack mit einem besseren Kartoffelsack als Decke, brauche ich wohl nicht weiter
zu erläutern.
Als ich sah, das alle in den Federn lagen, schlief ich rasch ein.

Um Kurz nach Sieben Uhr am morgen weckte man uns mit einem kräftigen Klopfen an der Tür.
Ganz kurz ärgerte ich mich, wollte ich doch um 6 Uhr den Zug genommen haben, aber das weiche
Bett schien das schnell aufzusaugen und ließ mich entspannt in den Morgen starten.
Wie es den anderen erging, nun, die Kleinen waren sofort Aufgesprungen und brauchten einen
Augenblick, um sich zu erinnern, wo sie waren und sich aus der Verteidigungsposition zu lösen.
Das hatten sie immer noch nicht ablegen können.
Meinen Onkel dagegen juckte es überhaupt nicht. Erst das aufziehen der Vorhänge, die das Licht der
Sonne bisher fast vollständig raus hielten, weckte ihn.
Eine kurze Katzenwäsche später begaben wir uns dann in den Speisesaal, wo das Frühstücksbuffet
ausgebreitet auf die hungrigen Gäste wartete.
Der Großteil der anwesenden, die ausschließlich Erdponys waren, guckten misstrauisch oder irritiert,

als sie uns hereintreten sahen.
Wir verhielten uns jedoch freundlich, und so entspannte sich die Situation rasch, nur ein paar Wenige
schienen leise ein Hintergrundrauschen zu motzten.
Ich ließ mir die Laune ausnahmsweise davon nicht verhageln, vielmehr genoss ich es,
endlich wieder eine vernünftige Mahlzeit zu mir nehmen zu können.
Bald stieß dann auch unser Pärchen wieder zu uns, denen man wirklich ansah, das die gemeinsame
Nacht ihnen gut getan hatte.

„Du und Karl-Heinz fahrt dann nachher nach Ponyville?“, fragte Steffen über seinen Kaffee.
„So ist der Plan“, antwortete mein Onkel.
„Könntet ihr so lange auf Arrow und Lemon acht geben?“, fragte ich.
„Natürlich machen wir das“, antwortete Taube.
„Danke“
„Was sollen wir eigentlich über den Tag machen?“, murmelte Steffen.
„Ich weiß nicht. Vielleicht meldet sich ja Madame nochmal, ansonsten?“
„Wir könnten einen schönen Ruhetag machen“, schlug Taube vor, „Um Geld können wir uns
 hier ja eh nicht kümmern“
„Warum nicht, gebrauchen könnt ich ihn“, sagte Steffen.
Alle gemeinsam aßen wir auf, bevor Karl-Heinz und Ich unsere Sachen holten.
„Habt einen schönen Tag“, verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Weg zum Bahnhof.
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