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Steampunk - Mit Volldampf ins Abenteuer

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P18
Discord König Sombra OC (Own Character) Prinzessin Celestia Prinzessin Luna Twilight Sparkle
22.09.2017
17.09.2020
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07.07.2019 4.095
 
Nach einer Weile kamen wir aus den leeren Abteilen zurück in den Speiseraum des Halbspeisewagens.
Es war doch etwas schwieriger gewesen, sich auf eine Entscheidung zu einigen,
als ich anfangs erwartet hatte.
Steffen war sich unsicher, ob wir das packen würden, fürchtete gar, sie hätte irgendwelche
unerwarteten Hintergedanken.
Gut, ich musste auch zugeben, das ich so meine Zweifel hatte, ob uns das gelänge,
aber es wäre doch auch eine Chance.
Mein Onkel war sich da nicht so sicher.
Er fürchtete, das unserer kleinen, familiären Vereinsatmosphäre etwas verloren gehen würde,
wenn wir uns und unsere Fahrzeuge quasi verkauften.
Lemon und Arrow hatten sofort die Idee, das sie ja als Wachpersonal arbeiten könnten.
Wenn auch nicht für die Passagiere, dann aber zumindest für uns.
Mir verursachte das ein gehöriges Unbehagen im Bauch und auch die Anderen sah das durchaus
Kritisch, waren sie doch noch ziemlich jung.
Ich fühlte mich unwohl, bei dem Gedanken, den Eindruck zu machen, man müsste sich von
zwei Jungponys beschützen lassen, die das wahrscheinlich auch noch tatsächlich könnten,
wo es doch normal eigentlich anders herum sein sollte.
‚Gut‘, musste ich mir gedanklich eingestehen, ‚Bei uns noch so etwas wie Normalität vortäuschen zu
wollen, wäre wohl ohnehin ein sinnloses Unterfangen‘
Die Beiden wurden daraufhin ein wenig Bockig.
Ich hoffte, die Prinzessin würde uns zustimmen, wenn sie sie fragten, wodurch genügend Zeit bliebe,
sie auf andere Tätigkeitsbereiche zu stoßen.
Es war dann Taube, die uns daran erinnerte, wer da eigentlich dieses Angebot gemacht hatte.
Ein Ablehnen käme ja glatt einer Beleidigung ihrer Person gleich, wodurch ein solches,
allein schon aus Prinzip, damit praktisch unmöglich war und jegliche Diskussion nutzlos.
Uns blieb eigentlich gar nichts anderes Übrig.

„Prinzessin Celestia, wir fühlen uns geehrt, das sie uns dieses Angebot gemacht haben, und wir
 nehmen es mit Freuden an“, sprach mein Onkel feierlich.
„Ich bin froh, das ihr euch doch noch dazu entschlossen habt“, stand sie auf, „Ich muss allerdings
 auch weiter. In der nächsten Zeit erhaltet ihr einen ersten Plan, wie wir eure Fahrzeuge wieder
 flott machen, dann sehen wir weiter“
„Einverstanden“, sagte ich.
„Dann wünsche ich euch noch einen schönen Tag“, sprach sie und teleprotierte.
„Ihnen auch“, verabschiedeten wir sie fast alle gleichzeitig, aber da war sie wohl schon außer
Hörweite.
„Was ist jetzt wegen uns?“, Lemon und Arrow sahen mich mit großen Augen an.
„Ähm, das müssen wir wohl auf später verschieben“, antwortete ich wahrheitsgemäß.
Sie ließen seufzend die Köpfe hängen.
„Kommt schon Jungs, wir gucken nachher mal, ob wir einen Raum oder eine freie Fläche finden, wo
 ihr für euch schon mal etwas“, mein Onkel schien nach dem Wort zu suchen, „Trainieren könnt“
„Au ja“, sofort strahlten beide wieder.
‚Oh man, das kann ja noch was werden‘, seufzte ich innerlich.

Am frühen Nachmittag ließen wir uns die Reste vom Vortag im Speisewagen schmecken, als es auf
einmal an die Tür klopfte.
„Ich geh schon“, sprach Steffen und ging los.
Man konnte undeutlich ein kurzen Wortwechsel vernehmen, dann trat er wieder zu uns.
„Leute, könnt ihr mal kurz kommen?“
„Klar, was ist los?“, fragte ich auf dem Weg.
„Nun, es geht wohl um Celestias Angebot“, erklärte er nachdenklich.
„Na, da bin ich mal gespannt“
Allesamt traten wir zu dem älteren Herrn, welcher vor dem Gepäckwagen wartete.
Er schien unsere Gruppe kritisch zu mustern, als wir den Wagen verließen.  
„So, ihr seit also diejenigen, die die Prinzessin für ihr Vorhaben ausgewählt hat“,
Es war nun nicht so, das es äußerst schwierig gewesen wäre, eine gewisse Abfälligkeit aus der
Stimme des älteren Erdponys herauszuhören.
„So ist es. Und mit wem haben wir das vergnügen?“, sprach ich gelassen.
„Sir Fancy Whistle von Golden Cave“, strich er mit einem Huf seinen Anzug glatt und
hob die Nüstern etwas gen Himmel.
‚Super, ein Adliger. Das kann ja lustig werden‘, seufzte ich innerlich auf, versuchte mir aber nichts
anmerken zu lassen.
Mein Onkel wollte gerade uns vorstellen, aber da winkte unser gegenüber schon forsch ab:
„Ich weiß wer ihr seid, eure Namen stehen in dem Dokument, das auch enthält, womit ich hier meine
 kostbare Zeit verschwenden soll“, holte er ein Papier mit offiziell aussehendem Stempel drauf heraus.
„Was ist es denn nun für eine lästige Aufgabe, die euch zugeteilt wurde“, versuchte ich es höfisch.
„Ich soll dafür sorge tragen, das ihr schnellstmöglich eine zufriedenstellende Ausbildung in euren
 Tätigkeitsbereich erhaltet, sodass ihr, zumindest unter Aufsicht ausgewählter Beamter, in der Lage
 seid, eine solch ehrenhafte Aufgabe, wie die Beförderung des Königlichen Zuges, zu bewältigen.
 Auch wenn wir immer noch der Meinung sind, das ihr kleines „Prestigeprojekt“ nichts als
 Geldverschwendung ist. Was will sie den damit demonstrieren?“
Zum Schluss schien er nur noch mit sich selbst, oder unsichtbaren Standesgenossen zu sprechen.
„Morgen gegen Mittag wird euer Schrotthaufen zu den Hauptwerkstätten überführt, ihr solltet also
 euren ganzen Müll, der sich während eures kleinen „Abenteuers““, er spuckte das Wort förmlich
 voller Verachtung aus, „Angesammelt hat, und den ihr behalten wollt, vorher raus schaffen“
Er warf einen Blick auf seinen Zettel, bevor er weitersprach.
„In Ordnung, in Zwei Tagen beginnt eure Ausbildung, ich hole euch dann vom
 Bahnhof ab. Tragt Sorge, auch alle anwesend zu sein“
Dann ging er einfach.
„Was für ein abgehobener, arroganter Mistkerl“, fauchte mein Onkel.
„Ist halt Adel, was erwartest von denen?“, erwiderte ich ungerührt.
„Wir haben eh genug zu tun, wenn die Fahrzeuge morgen abgeholt werden“, sprach Steffen.
„Richtig“, sagte ich und allesamt machten wir uns an die Arbeit.

Wir begannen damit, unser ganzes Hab und Gut, ein Stück nach dem Anderen,
wieder zur alten Villa hoch zu schleppen.
Sie kam mir beim Wiederbetreten noch heruntergekommener vor, als ich sie in Erinnerung hatte.
„Bei den Göttern, das ist ja nur noch eine Ruine. Dafür sollen wir so viel bezahlen?“, sprach Taube.
„Hängt noch ein riesiges Grundstück dran, aber das muss auch erst einmal gerodet werden“,
erklärte Steffen seiner Freundin.
„Vielleicht können wir mit dem Holz noch ein wenig Geld machen“, warf mein Onkel ein.
„Könntet ihr euch später darüber Gedanken machen? Die Kiste wird langsam etwas schwer“,
meldete sich Lemon zu Wort.
„Oh ja, richtig“, sagte ich und nahm das Schrankteil wieder auf, „Würde sagen, wir bringen erst
 einmal alles in die Bücherei“
Alle nickten und so stapelten sich in dem staubigen Raum, mit den ganzen alten Büchern in ihren
durchhängenden Regalen, bald haufenweise Kartons, Kisten und Möbel, oder besser gesagt,
ihre Einzelteile.
Die Tardis hingegen stellten wir ins große Wohnzimmer, da dies der sauberste, und ohnehin
besterhaltene Raum im ganzen Gebäude war.
Als auch das letzte Stück seinen Platz gefunden hatte, wir hatten beim umräumen gleich ein wenig
klar Schiff gemacht, war es bereits später Abend, und alle waren wir müde.
„Ich muss mich dringend hinlegen“, sprach Arrow, etwas heiser, weil er gleichzeitig gähnte.
„Ich auch“, stimmte Lemon mit ein.
„Ja, ist auch schon spät genug“, sprach ich nach einem Blick auf die Uhr, „Schlaft gut“
„Ihr auch nachher“, sprachen beide synchron und verschwanden im Zeitschiff.
„Leg dich auch hin, Schatz“, sprach Steffen zu Taube, die sich schon an ihn schmiegte, um sich noch
einigermaßen auf den Hufen halten zu können.
„Wenn du auch kommst, Federchen“, sprach sie, während sie ihm mit dem Huf über Schulter und
Brust strich.
Sein Schweif fing augenblicklich etwas an zu zucken.
Ich sah aber auch, das er mit seiner Entscheidung wohl etwas in einer kleinen Zwickmühle steckte.
„Geh schon, wir schaffen das Bisschen auch noch zu zweit“, sagte ich und meinte so etwas wie
Erleichterung in seinem Gesicht zu erkennen, bevor er mit Taube in der Tardis verschwand.
„In Ordnung Onkel, dann sind es wohl nur noch...“, doch da lag mein Onkel längst entspannt im Sessel
und rodete lautstark ganze Wälder.
„Nun, dann bist es wohl nur noch du, Alexander“, sprach ich leise zu mir selbst,
betrat kurz das Zeitschiff, um mir aus der Küche eine große Kanne Kaffee mit 20 Stück Würfelzucker
drin zu holen, bevor ich wieder zum Zug zurück kehrte.

„Schon verdammt dunkel hier unten“, murrte ich.
Um an den Außenseiten die Technik des Portalgenerators zu dokumentieren und zu demontieren,
reichte das Licht der Laternen aus, die bei Nacht das Gleisfeld erleuchteten, im Führerstand hatte man
ja sogar eine eigene Deckenleuchte, wie in den Wagen auch, nur unter den Fahrzeugen war es
mittlerweile stockdunkel.
Und da ich halt noch die Anlagen für die magischen Gleise, wie auch die Kraftfeldemitter,
abbauen wollte, musste ich mich nun einmal unter die Wagen quetschen.
„Wieso machste das nicht morgen in der Frühe fertig?“, fragte einer der Lokschlosser.
„Wenn ich mich jetzt hinlege weiß ich schon, das ich nicht mehr rechtzeitig wach werde, um das zu
 schaffen …. Ach Mist, vermaledeiter….“
Mich rücklings an den Unterböden entlang hangelnd, verlor ich andauernd irgendwelche Kleinteile,
wenn ich von magischer Horn- auf Schallschrauber-Taschenlampe wechselte, und umgekehrt.
Ich konnte halt entweder mit meiner Magie Licht machen, oder alles greifen oder die Kabel aufrollen,
wie das Gerät Taschenlampe oder Schlossöffner und Schraubenzieher sein konnte.
Es war ein einziges Chaos.
„Vielleicht hilft dir das“, er hängte ein paar kleine Strahler in Schutzkörben unten an den Rahmen des
Wagens und hielt mir noch einen Helm mit Grubenlampe dran hin.
„So wie du fluchst, dachten wir uns, könnte ein wenig Licht nicht Schaden“, sprach er grinsend.
„Danke“, sprach ich und setzte den Helm auf.
So ging tatsächlich alles viel einfacher und auch schneller von statten.
Irgendwann gegen Mitternacht hatte ich sämtliche Teile dokumentiert, in Kisten Verpackt und
hoch zur Villa getragen.
Komplett im Alleingang.
Ich war schon ein wenig Stolz auf mich den Moment, brachte es aber nicht mehr zu Stande, auch
nur annähernd mein Schlafzimmer zu erreichen, sondern schlief einfach mitten auf dem Flur ein.

Die Fahrzeuge waren tatsächlich kurz nach der Mittagszeit des Folgetages abgeholt worden,
aber wie prophezeit hätten wir es beinahe verschlafen.
Gerade noch rechtzeitig zu deren Abfahrt hatten wir es zum Bahnhof runter geschafft.
Eigentlich wollten wir den Rest des Tages weiter die Hütte aufräumen, aber die gestrige Aktion hatte
uns so ausgelaugt, das wir noch immer ziemlich erledigt waren und stattdessen beschlossen,
aus diesem einen Ruhetag zu machen.
Nachdem der Arzt bei seiner nunmehr dritten Folgeuntersuchung an Lemons Flügeln sein Okay
gegeben hatte, und die Behandlung glücklicherweise für abgeschlossen erklärte,
gingen wir zum großen See im Norden der Stadt, schwammen etwas, ließen uns auf dem Wasser
treiben, Arrow und Lemon spielten mit den anderen Fohlen.
Nur ein Paar reagierten ablehnend auf die Beiden, da sie in ihrem Alter keine Flecke besaßen.
Das sie sie verloren hatten, wussten ja nur wir Sieben.
Aber auch so ging auch dieser Tag rasch seinem Ende entgegen, und diesmal schliefen wir alle  
selig in unseren Betten.

Pünktlich zum Sieben Uhr Schlag der Bahnhofsuhr fanden wir uns, mit gepackten Reisetaschen,
auf dem Bahnsteig des Empfangsgebäudes ein.
Nur mit Ort, aber ohne Zeit des Treffens, nahmen wir einfach eine Frühe, aber nicht zu frühe Zeit an.
„Das wird aber auch langsam Zeit, das sie auftauchen. Ich warte schon seit 5 Uhr 30 hier“,
saß er auf einer Bank am Gebäude und legte die Zeitung neben sich und sah uns vorwurfsvoll an.
„Sie haben uns ja nicht gesagt, wann….“, begann ich, wurde aber unterbrochen.
„Vom niederen Personal kann man eigentlich erwarten, das es weiß, wann es zu erscheinen hat“,
sprach er ungerührt.
Ich wusste nicht wirklich, wie ich darauf reagieren sollte, aber meinem Onkel entwich ein entrüstetes
Schnauben aus den Nüstern.
„Das heißt: Verzeihen sie die Verspätung, euer Gnaden. Es wird nicht wieder Vorkommen“,
lag Erzürnung in seiner Stimme, und so wie er den Huf bewegte, hätte er gerade sehr gerne einen
Rohrstock geschwungen.
Jetzt hieß es ruhig bleiben und die Nerven bewahren, sage ich mir, obwohl ich den Deppen schon
gerne gepackt und ein wenig geschüttelt hätte, aber so richtigen Ärger wollte ich uns nun auch
wieder nicht einhandeln.
„Ich hoffe ihr habt eure Fahrkarten schon gekauft, unser Zug komm gleich“
Wir sahen uns etwas überrascht an.
„Ähm, natürlich. … Muss auch noch einer von euch auf Klo?“, sprach ich notgedrungen,
„Niemand sonst, gut, dann bis gleich“, lief ich rein, um schnell die Fahrkarten für uns Sechs zu lösen.
„Das heißt, wenn dann,...“, war es zum Glück das einzige was er zu bemerken schien.

Ein paar Augenblicke später kam ich mit den Fahrkarten in der Tasche, und einigen Bits weniger,
im ohnehin chronisch klammen Sparbeutel weniger, wieder heraus.
„Wo geht es eigentlich hin?“, fragte Lemon.
„Zur Schule für Bedienstete natürlich“, antwortete er.
„Sie wissen schon, das wir nur den Zug bewegen sollen, fürs Bedienen der Passagiere sind andere
 zuständig“, sofort bekam ich einen Klaps mit der Zeitung gegen den Kopf.
„Trotzdem werdet ihr leider unweigerlich mit hochgestellten Politikern, anderen Adligen und
 Mitgliedern der königlichen Familie interagieren, und da solltet ihr euch benehmen können. Deshalb“
„Ich hab es geahnt“, seufzte ich leise, wofür ich noch einen Klaps abbekam.
„Niederes Volk hat sich nicht zu beschweren, sondern nur zu gehorchen“
Die Blick die ihm die anderen Reisenden, als auch das Bahnhofspersonal zuwarfen, waren vielsagend.
„Was starrt ihr so, geht wieder an eure Arbeit zurück“, harschte er sie an.
Tatsächlich taten sie genau das, sie schienen zu ignorieren, was weiterhin passierte.
Er packte mich am Ohr und zog meinen Kopf so weit herunter, das meine Nüstern fast den Boden
berührten.
„Und jetzt entschuldige dich gefälligst demütig bei mir“
Im Augenwinkel sah ich, das Taube sichtlich bemüht war, Steffen, Heinz und die beiden kleinen
zurückzuhalten. Um noch schlimmeren Ärger vorerst zu vermeiden, entschloss ich mich,
mich nun doch mal zu beugen.
„Ich bitte sie vielmals um Verzeihung und eure gnädige Vergebung, euer Gnaden“, mir kam vor
gespielter Sülze schon das Frühstück hoch, aber er ließ meinen Kopf in den Nacken zurück schnellen.
„Geht doch. Nicht zufriedenstellend, aber zumindest ein Anfang. Und ab jetzt möchte ich nichts mehr
 von euch hören“
Bis der Zug einlief, und er in der ersten Klasse verschwand, hielten wir uns gezwungenermaßen daran.

Wir verkrochen uns auf die Plattform des hintersten Wagens und diskutierten fast die ganze Fahrt über.
„Wollen wir uns das wirklich gefallen lassen?“, fragte Steffen.
„Was haben wir denn für eine Wahl?“, sprach Taube.
„Auch wieder wahr“, seufzte ich.
„Und was heißt das jetzt?“, fragte Lemon.
„Das wir ihnen das geben, was sie wollen, dann sind wir da auch schnell wieder weg und haben erst
 einmal unsere Ruhe“, antwortete ich.
„Hoffentlich“, seufzte mein Onkel.
Plötzlich musste ich kichern.
„Ist was komisch?“, fragte er.
„Ganz ehrlich, ist das ein Wunder, das er sich so aufführt? Mit dem Namen hat der doch sicher
 gewaltige Minderwertigkeitskomplexe gegenüber seiner Standesangehörigen“
„Stimmt“, wir fingen alle an zu lachen.

„Okay, die machen tatsächlich ernst mit der Bediensteten-Pony-Schule“, sprach Steffen, als wir vor
dem großen Tor des Gebäudekomplexes ankamen.
Er bestand aus mehreren Flügeln, welcher mittig von einem gewaltigen Gelände, welches von
einem hohen Eisenzaun mit scharf funkelnden Spitzen umgeben war.
„Was habt ihr denn gedacht, was ihr machen würdet“, fragte der zweite Adlige,
welcher am Bahnhof dazugestoßen war, spöttisch.
„Ich dachte wir sollen einen Zug fahren“
„Ja, genau, und deshalb müssen sie lernen, wie sie sich in Gegenwart ihrer Erlauchten Hoheit,
 und sicherlich anwesenden Hochwohlgeborenen, zu verhalten haben“
„Ähm, wie Steffen es schon sagte, wir sollen den Zug von A nach B bringen. Fürs Bedienen der
 Fahrgäste sind ja wohl andere zuständig.
 Und normale Höflichkeitsfloskeln, die brauch ich nun wirklich nicht in den Schädel gehämmert
 bekommen, die gehören zur normalen Erziehung“
„Wieso sollen das Bedienen der Herrschaften andere übernehmen?“, er klang ganz naiv, „So viele
 Ponys wird man doch fürs Fahren nicht brauchen“
„Also sie denken, einer Fährt und der Rest ist zum Bespaßen des Adels da?“
„So dachte ich mir das“
Wir Drei konnten uns ein gehässiges Kichern nicht verkneifen, wofür wir Böse Blicke ernteten.
„Sind sie eigentlich schon jemals Zug gefahren?“
„Nein, wozu? Das ist nur was fürs einfache Volk, wozu hab ich meine eigene Kuschte“
„Das erklärt einiges“, seufzte ich und wieder hörte man entrüstetes Husten.
„In Ordnung, dann erklären wir „Hobbyeisenbahner“ ihnen jetzt mal, wie viele Ponys das wirklich
 braucht: Da wären als erstes die Beiden auf der Lok. Lokführer und Heizer.
 Es braucht immer Beide, damit so ein Zug überhaupt fährt“
„Bei längeren Strecken wäre auch wer zum Ablösen gut“, warf Steffen ein.
„Richtig, sind schon mal Zwei bis Vier. Dann ist da noch der Zugchef mit den Zugbegleitern,
 die dafür Sorge tragen, das hinter der Lok alles in Ordnung ist und den Vorschriften entspricht“
„Der hat also den ganzen organisatorischen Papierkram an der Backe,
 bevor der Zug auch nur einen Meter Strecke zurücklegt“, meldete sich diesmal mein Onkel.
„Und wenn sie mit dem Zugbegleitern in Kontakt kommen, dann in Belangen den Zuges.
 Das Fenster lässt sich nicht öffnen, die Toilette spinnt oder eine Glühbirne im Deckenleuchter ist
 defekt, für so etwas ist dann das Zugpersonal da.
 Sie sehen also, damit wären wir sechs, selbst mit verbeamteten Aufpassern, ordentlich ausgelastet.
 Um sich Essen zuzubereiten, anreichen oder sich bespaßen zu lassen, müssen sie dann schon eigenes
 Personal mitbringen“
Als wir unseren kleinen Exkurs, den zumindest ich, ohne ein geeignetes Nachschlagewerk, aber auch
nicht wirklich detaillierter hätte darlegen können, beendet hatten, starrten uns die Adligen Einweiser
einen Augenblick lang nur stumm an.
Sie steckten kurz die Köpfe zusammen, dann sprachen sie wieder.
„Nun, in Anbetracht der neuen Informationen wird es wohl nötig sein, einige Änderungen am
 Ablaufplan vorzunehmen“
„Wir werden die dem zuständigem Komitee übermitteln, bis das erarbeitet ist, werdet ihr die trotzdem
 nötigen Verhaltensweisen erlernen“, damit verschwanden die Zwei und überließen uns dem
Schulbetrieb.

Es war nach dem Gespräch mit den Gesandten bereits zu erwarten gewesen, diese Zehn Tage dort
stellten sich als völlige Zeitverschwendung heraus.
Wir sollten ja den Zug fahren, aber der „Unterricht“ wirkte eher wie eine reine Umerziehung zum
Haussklaven, nur glücklicherweise ohne Prügelstrafe, auch wenn die Lehrkräfte teilweise den
Eindruck machten, das sie an dieser große Freude gehabt haben dürften.
Am schlimmsten war es wohl für Steffen und Taube, die sich dank strikter Geschlechtertrennung nur
bei Freigang sehen konnten, und wirklich nahe kommen nur am Sonntag, als sie vom Gelände runter
durften, und sich ein ruhiges Plätzchen suchen konnten.
Das hatte er uns für den Tag jedenfalls angekündigt.
Was sie wirklich unternommen haben – nun, das ging uns nichts an.

Die Lehrerschaft sah das offenbar anders, weshalb gleich am nächsten Tag ein Vortrag darüber
gehalten wurde, das Liebschaften unter dem Personal bei den Herrschaften aufs äußerste unerwünscht
seien.
Den Reaktionen im, ausnahmsweise gemischt besetztem, Saal nach, war es aber wohl nicht nur unserem
Pärchen geschuldet, es gab einige, die gerade wohl über ihre Zukunft nachdachten.
Ich gab mir alle Mühe, mir ein schadenfrohes Grinsen zu verkneifen.
Glücklicherweise saß ich relativ weit hinten, so dass meine glücklosen Versuche diesbezüglich allem
Anschein nach unbemerkt blieben.
Wohl auch, weil gerade jemand an die Tür geklopft hatte und in nach Hufzeig eines
Sekretariatsangestellten, das konnte man erkennen, den Saal betrat.
Der Uniform nach ein Postpony.
„Ich suche einen Herrn Alexander Johansen“, sprach er extra laut.
Ich schlug mir einen Huf ins Gesicht und wäre am liebsten in der Tribüne versunken.
Das, wo ich mir solche Mühe gemacht hatte, nicht aufzufallen.
„Der Sitzt irgendwo dort. Hätte das nicht bis nach dem Unterricht warten können?“
„Auf dem Umschlag steht ‚Eilig‘ drauf“
„Na schön, dann übergib ihn schnell und lass mich meinen Unterricht beenden“
Da das Pony da unten allerdings etwas verloren in die Runde zu starren schien, überwand ich mich,
biss in den sauren Apfel und machte mich bemerkbar: „Hier oben“
Ein Umschlag flog mir in die Hufe und das Postpony verschwand.
„Was steht denn so eiliges da drin, das diese Störung nötig war“, kam es angesäuert von unten.
„Das weiß ich noch nicht“, antwortete ich freundlich.
„Willst du frech werden, Freundchen?“
„Nein. Es ist nur so, ich hab den Umschlag noch nicht mal geöffnet. Ich weiß auch nicht, wieso das
 Postpony nicht bis nach dem Unterricht warten oder den Brief in unser Zimmer bringen konnte.
 Was ich aber weiß, auch wenn ich ein Einhorn bin, wie gut 50 Prozent der übrigen Anwesenden auch,
 kann ich nicht durch geschlossene Briefumschläge gucken.
 Gut möglich, das es dafür einen Zauber gibt, oder man ihn immer öffnen muss, ich werde mit dem
 Lesen trotzdem bis zur Pause warten, um keine weitere Störung ihrerseits zu Provozieren“,
erwiderte ich in leicht Ironie-angehauchter Sachlichkeit.
„Sehr Löblich“, sprach er und holte gerade Luft, um seinen Vortrag fortzusetzen,
als es eben zu jener Pause klingelte.
Das Gesicht, welches er daraufhin machte, zog einiges Gekicher auf sich, wir sahen einfach zu,
so schnell wie möglich tief in die Pausenhalle zu kommen,
uns ein ruhiges Fleckchen suchen, wo wir sicher waren, für uns zu sein.
„Was da wohl drin steht?“, fragte Taube.
„Keine Ahnung, aber er ist formlos. Also ich vermute ein Amt, oder die Arztrechnung“
„ich hoffe nichts von beiden“, warf mein Onkel bange ein.
„Wir werden Wohl oder Übel rein sehen müssen“, sagte ich und schnitt vorsichtig den Umschlag auf.
Mir wurde schon ein wenig flau im Magen, während ich das Papier herauszog und entfaltete.


Lieber Alexander,

Wie ich gerade erfahren habe, hat das Komitee, welches sich eingesetzt hat, um die Organisation
des kleinen Vorhabens zu unterstützen, genau das Gegenteil getan und euch in einer Maßnahme
untergebracht, die kaum dafür eignet, den Plan einzuhalten.
Und da diese Herren sich nicht in der Lage sehen, sich auf irgendwelche weiteren, sinnvollen Schritte
zu einigen, sehe ich mich gezwungen, das Vorhaben wieder in eigene Hufe zu nehmen,
damit es überhaupt mal voran kommt, und auch rechtzeitig abgeschlossen werden kann.
Da diese Verzögerung allerdings nicht das einzige ist, was es zu besprechen gibt,
möchte ich euch bitten, das ihr eure Sachen packt und euch zu Fünfzehn Uhr im Thronsaal einfindet.

Für die Hausaufseher habe ich euch zwei separate Schreiben beigelegt, welche euch unter falschem
Vorwand den Auszug ermöglichen sollten.
Wir wollen aus dem Hofzug ja eine Überraschungspräsentation machen.

Mit besten Grüßen:
Prinzessin Celestia von Equestria


„Hm, interessant. Dann ist das Projekt ‚Feuerross‘ jetzt offenbar Chefsache“, sprach ich, während ich
meine Taschenuhr hervorzog, „O-ha, wir sollten uns sputen, schon nach Zwölf“
„Was steht denn nun drin, in dem Brief?“, meldete sich mein Onkel.
„Ah ja, hier“, übergab ich ihnen das Schriftstück.
Während sie lasen, sah ich mir die Beiden anderen Zettel an, die im inneren des Briefes gefaltet lagen.
„Unter welchem Vorwand holt sie uns denn hier raus?“, fragte Steffen.
„Ähm, hier steht nur etwas davon, das wir in anderen Tätigkeitsbereichen eingesetzt werden sollen,
 weshalb eine weitere Ausbildung hier als nicht mehr nötig erachtet und deshalb abgebrochen wird“,
versuchte ich die verklausulierte Formulierung wiederzugeben.
„Das ist sehr wage. Was sollen wir sagen, wenn die nachfragen?“, äußerte Taube berechtigte Sorgen.
„Sie tragen die Unterschrift von Celestia. Ich denke, da wird es keine Fragen geben“
„Hoffentlich“, sprach Steffen.

„Was macht ihr denn hier?“, kam die alte Schreckschraube wieder um die Ecke.
„Und sie sollten längst beim Nähkurs sein. Es ist ohnehin unzüchtig, eine Stute unter so vielen
 fremden Hengsten“, sprach die alte streng.
„Erstens, sind wir alle einander nicht fremd. Wir kenne uns schon eine ganze Weile.
 Zweitens, warum denkt selbst ein alter Knochen wie sie gleich so dreckig?
 Und drittens….“, an der Stelle unterbrach mich Steffen, „Ist das ganze jetzt eh erledigt“
Unser Gegenüber verfiel in eine solche Schnappatmung, das ich schon fürchtete, sie würde gleich
einen Herzinfarkt erleiden.
Taube übergab ihr den Schrieb.
Sie nahm ihn und begutachtete ihn sofort Argwöhnisch. Vielleicht sogar mehrfach.
„Nun, aufgrund der hervorragenden Wortwahl halte ich das Schreiben für Authentisch.
 Das Ponys wie ihr so gut Formulieren könnt, ist unwahrscheinlich“, ließ sie abwertend verlauten.  
„Dann sehen sie mal zu, das sie ihr Zimmer räumen, junges Fräulein“ sie hielt et Schriftstück so von
sich weg, das die Aufseherin damit klar aussagte ‚Nimm den Zettel und geh sofort‘, etwas das sich
Taube sicher auch nicht zweimal sagen ließ.
„Und was ist mit euch Fünf?“, motzte die alte Schreckschraube uns gleich darauf wieder an.
„Das gleiche“, sprach ich ungerührt.
Zuerst hatte mich deren Gehabe noch sauer aufgestoßen, und ich hatte stark damit zu tun,
mich zusammenzureißen, und nicht motzig zu werden, doch mittlerweile hörte ich einfach über das
Abgehobene dieser Leute hinweg.
„Dann wisst ihr ja, was ihr zu tun habt“
„Ganz wie die Dame es wünscht“, sprach ich absichtlich geschwollen, deutete gar eine Verbeugung an.
Währen mein Onkel nur grinsend den Kopf beim gehen schüttelte, und die Beiden kleinen sich kaum
halten konnten vor lachen, kam von ihr nur ein verächtliches Schnauben, bevor sie sich abwandte.
Keine Viertelstunde später standen wir, mit unseren Sachen, auf der Straße vor dem großen Tor
und machten uns auf den Weg.
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