Devils Eyes

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
22.09.2017
19.05.2018
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Dieses Kapitel
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Hey, ich habe mich mal wieder an eine eigene Geschichte gewagt. Ich bin auf eure Reaktionen gespannt.

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Clarke POV:

"Clarke! ... Wann habt ihr das letzte Mal etwas vernünftiges gegessen?" Genervt rollte ich mit meinen Augen. Wie jedes Mal, wenn ich mich breitschlagen ließ meine Mom zu besuchen, kam die gleiche Leier.

"Mom, wir haben zu essen!" antwortete ich ihr genervt, obwohl ich wusste, dass sie mich am richtigen Nerv getroffen hatte.

"Clarke hör auf dir etwas vorzumachen. Du wirst immer dünner. Du kannst nicht auf alles verzichten nur damit Madi etwas zu essen hat. Such dir endlich einen Job mit dem du Geld verdienen kannst. Deine Malerei wird es nie schaffen deine Tochter und dich zu ernähren!"

"MOM! Es reicht! Du hast dich noch nie für die Kunst interessiert. Wenn Dad noch hier wäre, würde er meine Entscheidung verstehen. Er hat meine Bilder immer geliebt." Meine Stimme war jetzt lauter, als ich es beabsichtigt hatte. Ich wollte nicht, dass Madi zu viel von meinen Problemen und unseren Diskussionen mitbekam, aber ich hatte es so satt, mir immer wieder die selbe Standpauke anzuhören.

"Aber dein Dad ist tot. Er ist nicht mehr hier." Antwortete sie ohne ihre Stimme anzuheben, auch wenn ich in ihren braunen Augen sah, wie weh es ihr immer noch tat. Und auch mir traten bei dem Gedanken an ihm immer wieder die Tränen in die Augen. Er fehlte mir einfach zu sehr und das wurde mir jeden Tag bewußter. Er war derjenige gewesen, der mich immer unterstützt, gefördert und ermutigt hatte meinen Träumen zu folgen.

Minutenlang saßen wir schweigend da, wie immer, wenn unsere Gespräche in einer Sackgasse endeten. Meine Blicke lagen auf Madi, die genüsslich ein Stück Pizza nach dem Anderen aß und sich von uns nicht im Geringsten stören ließ. Sie genoss die Pizza sichtlich, denn ich konnte es mir nicht leisten ihr eine zu bestellen. Diesen Luxus hatte sie nur hier bei meiner Mom, auch wenn ich es ihr gegenüber nie offen zugeben würde.

"Mommy?" fragte meine Kleine und schaute mich mit großen Augen an. Die Tomatensoße der Pizza schmückte ihr ganzes Gesicht und an ihrem Mundwinkel hing ein Faden aus Käse, den ich ihr zärtlich wegwischte. "Ich will nicht, dass du dich immer mit Granny streitest." Besorgte blaue Augen schauten mich an. Augen, die das Spiegelbild meiner eigenen waren.

Liebevoll streichelte ich ihr über den Kopf und lächelte sie an. Und obwohl sie erst drei war, gab sie  mir manchmal so viel Halt und Kraft, besonders dann wenn ich mal wieder zu sturköpfig war, um einzusehen, dass meine Mom vielleicht doch recht hatte.

"Madi, was hältst du davon, wenn wir den Rest deiner Pizza einpacken und mitnehmen. Es wird Zeit, du musst langsam ins Bett und draußen ist es schon dunkel." Natürlich schob ich diesen Grund nur vor und zum Glück kannte sie die Uhr noch nicht. Ich wollte hier einfach nur raus und den ewigen Streitereien mit meiner Mom aus dem Weg gehen und entfliehen.

"Aber Mommy ich bin noch gar nicht müde. Grandma Abby, können wir nicht noch ein wenig bleiben? Bitte?" bettelte Madi mit großen Augen und versuchte meine Mom mit ihren Zwinkern um ihren Finger zu wickeln.

"Deine Mommy hat recht, Liebes. Es wird Zeit, dass du ins Bett kommst." Ich bekam unerwartete Unterstützung, denn eigentlich stritten wir nur noch miteinander und ich besuchte Mom nur meiner Tochter zuliebe.

Und wie durch ein Wunder wiedersprach Madi heute mal nicht. Sie klappte kauend den Deckel ihres Pizzakartons zu, stand dann auf und umarmte meine Mom.

"Machs gut Grandma." Dann packte sie sich ihren Pizzakarton, der eigentlich viel zu groß für sie war und lief in Richtung der Haustür. Nur kurz nahm mich meine Mom in den Arm und legte mir dann einen hundert Dollar Schein in die Hand.

"Kauft euch was zu essen und Clarke, ... es ist mein Ernst, such dir endlich einen vernünftigen Job. Du weißt, ich stehe hinter dir, aber du musst lernen für euch selber zu sorgen."

Ich nickte ihr kurz zu, bevor ich Madi den Karton abnahm, sie bei der Hand nahm und wir dann gemeinsam zu meinen Wagen gingen, den der Rost langsam zerfraß.

Schweigend fuhren wir nach Hause. Madi schlief mittlerweile seelenruhig in ihrem Kindersitz und ließ mich mit meinen Gedanken, Ängsten und Sorgen alleine. Wie so oft hatte ich mit Mom gestritten und immer ging es dabei um meine Berufswahl und das liebe Geld. Sie hätte es lieber gesehen, wenn ich wie sie Medizin studiert hätte, aber nein, ich hatte mich durchgesetzt und es mit der Kunst versucht.

Jeder meiner Freunde und Dad hatten mir immer mein Talent bescheinigt, aber kaum ein potentieller Käufer interessierte sich jetzt für meine Bilder. Ich fand einfach niemanden, der etwas kaufte und mit der Zeit war mir auch die Inspiration abhanden gekommen. Ich war so leer und wusste einfach nicht mehr weiter. Aber ich musste durchhalten. Ich musste für Madi sorgen.

Ein Hupen riss mich aus meinen Gedanken. Eine protzige, dunkle Harley raste mit hoher Geschwindigkeit an mir vorbei, während der Fahrer mir den Mittelfinger entgegenstreckte. Vielleicht war es auch eine Fahrerin, denn unter dem Helm wehte eine lange, dunkle Mähne hervor, während das schwarze Lederoutfit den schlanken Körper eng umspielte. Ich schaute auf meinen Tacho, der nur noch 30 anzeigte, erlaubt waren hier 70. Kein Wunder also, dass ich den Zorn des Fahrers auf mich gezogen hatte, denn ich hielt den ganzen Verkehr auf.

Nervös blickte ich mit einen verschwommenen Blick in den Rückspiegel. Die Anzahl der Wagen hinter mir war beträchtlich und auch das Hupen war eigentlich nicht zu überhören. Und wie von selbst steuerte ich meinen Wagen auf den Standstreifen und hielt an. Viele Autos mit kopfschüttelnden Fahrern fuhren an mir vorbei. Endlich erlöst von meinem Gebummel, während ich mit Tränen in den Augen hinter meinem Lenkrad in mich zusammenrutschte.

Nur selten gab ich mich meiner Verzweiflung hin. Schon gar nicht vor meiner Kleinen, aber die schlief noch immer seelenruhig und schien von all dem nichts mitzubekommen. Ein paar Mal atmete ich tief durch. Warum schaffte es meine Mom eigentlich auch immer wieder diese Themen anzuschneiden und warum ging ich jedes Mal aufs Neue darauf ein? Vielleicht war es besser, wenn ich sie einfach nicht mehr besuchte, aber konnte ich das Madi antun? Konnte ich ihr ihre geliebte Granny vorenthalten? Mein Kopf war so voller Fragen, die nach Antworten suchten, aber heute Nacht hatte ich dafür keine Nerven mehr.

Noch ein paar Mal holte ich tief Luft, wischte mir die Tränen weg und irgendwann bekam auch ich meine Gefühle und Gedanken wieder unter Kontrolle, startete den Motor und fuhr uns nach Hause.

***

Tage vergingen und mit jedem wurde mein Geld knapper, mein Kühlschrank leerer und mein Hunger größer. Lieber verzichtete ich, als das es Madi an irgendetwas fehlen sollte und dennoch war ich zu stolz meine Mom um weitere Hilfe zu bitten. Irgendwie musste ich es schaffen, musste Bilder verkaufen. Aber vielleicht hatte sie ja auch Recht. Vielleicht war es an der Zeit sich einen Job zu suchen, denn jegliche Muse war mir längst abhanden gekommen und die Leinwände blieben farblos.

Madi hatte ich gerade im Kindergarten abgegeben. Meine Mom meinte, sie sollte die Möglichkeit haben sich mit Gleichaltrigen zu beschäftigen und etwas Normalität erleben, also zahlte sie dafür. Ich wartete in der Zwischenzeit darauf, dass ich sie wieder abholen konnte und wanderte ziellos durch die Stadt, immer auf der Suche nach etwas Inspiration und nach einer Geldquelle, die ich für uns nutzen konnte.

Und irgendwann landete ich in einem kleinen Imbiss, in dem ich mir einen billigen, nicht wirklich schmeckenden Kaffee gönnte, um mich ein bisschen aufzuwärmen und fing an in den ausliegenden Zeitschriften zu blättern. Und natürlich landete ich irgendwann bei den Stellenanzeigen, die ich mit mehr Interesse las, als ich mir vor Tagen noch hätte vorstellen können. Aber der Hunger wurde einfach zu groß.

Ein paar Stellen klangen wirklich interessant und so rief ich bei einigen an. Und tatsächlich wurde ich bei Woods Enterprises zu einem Gespräch eingeladen.
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