Von Angst und Mut- wo liegt der Unterschied?

GeschichteAllgemein / P12
21.09.2017
19.10.2017
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Endlich ist die Sonne aufgegangen und die ersten morgendlichen Strahlen malen helle Flecken auf dem Boden. Noch liegt der humane Laubfrosch ruhig im Bett und betrachtet dabei den tanzenden Staub  im schmalen Lichtstrahl.

Normalerweise verblassen Träume nach dem Erwachen, aber die Bilder des Todes derer, die ihm wichtig sind, haben sich fest in seine Augen gebrannt. Liegt es wirklich an seine Angst?
Einst sagte man ihm, als er noch jung war, er wäre zu zart beseitet für den Job. Immerhin würde man  immer mit Krieg und Tod konfrontiert werden...

Aber all die Zeit hat es Slippy geschafft,  damit klar zu kommen. Doch der Traum und diese schlaflose Nacht hat ein Paar seltsame Zweifel in ihm geweckt. 'Bin ich der einzige der  manchmal so darüber denkt und deswegen davon träumt?'

Schon die ganze Zeit über wollte er eigentlich aufstehen,  jetzt aber wo er weiß, dass die anderen wohl auch langsam wach sein sollten, erhebt er sich vorsichtig aus dem Bett. Er überquert das kleine Zimmer, bemerkt unbewusst den Wärmeunterschied, wenn er mit seinen nackten Füßen auf die Stellen am Boden tritt, die von der Sonne bestrahlt werden. Im Flur jedoch wartet noch eine eigenartige Stille.

Ja, es ist trotz allem noch sehr früh. Das Hauptquartier des Star Fox Teams befindet sich in der nähe des Militärischen Zentralgebäudes, welches auch gleichzeitig den Hauptsitz des General beherbergt. Das Star Fox Team genießt schon so manche Privilegien.

Im Bad aber hat Slippy eine erstaunliche  Begegnung. Ausgerechnet Falco steht am Spiegel und putzt sich die Zähne. (Ps. Falken haben eigentlich keine Zähne...) Er ist eigentlich dafür bekannt ein Langschläfer zu sein. Und ein Morgenmuffel. Slippy weiß eigentlich, dass er den blauen Falken lieber in Ruhe lassen sollte.

"Morgen." Slippy bemerkt zu Spät, dass er beinahe etwas aufgekratzt klingt. Falco richtet matt seinen müden Blick auf ihn. Normalerweise fühlt sich Slippy nie wohl, wenn der Blick des Falken auf ihn lag. (ob es wohl daran lag, dass in der Natur auch Frösche auf der Speisekarte von Greifvögeln stand?) Aber dieses Mal wirkt es harmlos, weil ihm die Müdigkeit deutlich anzusehen ist.

"Was is'?" Weniger harmlos klingt dafür seine Stimme, die Schläfrigkeit  lässt ihn eher gereizt klingen. Doch dann wurde Falco wohl auf etwas aufmerksam. "Hey...du siehst aus als hättest du gar nicht geschlafen...Augenringe und so. Vermisst du etwa deine  Schickse?" "Hey, nenne Amanda nicht so!" Da trifft Falco jedoch seinen Nerv. Es stimmte schon...in seinem eigenen Haus, welches er sich mit seiner Frau teilt, schläft er stets mit ihr im selben Bett. Wenn die Arbeit ruft, schläft er ganz alleine hier in seinem Zimmer...natürlich  war es ungewohnt. Aber Slippy weiß ganz genau, dass das eben zu seiner Arbeit gehört. 'Es ist wirklich keine gute Idee, ihn jetzt anzusprechen, ich sollte ihn lieber vorerst in Ruhe lassen.'

Er greift nach seiner  Zungenbürste. Morgendliche Mundhygiene ist auch für ihn wichtig. Doch leider hat er da Falcos Hartnäckigkeit vergessen. Er ist zwar ein Morgenmuffel, aber seine beste Kunst war es immer noch, auf gewisse Schwachstellen rumzureiten. "Wenns nicht deine 'Frau' ist...was ist dir dann des Nachts aufgelauert. Hattest du etwa einen Alptraum?" Falco klingt dabei, als würde er sich glatt über ihn Lustig machen.

Schlimm natürlich, dass er dabei genau ins Schwarze getroffen hat. Noch einen Grund, weswegen er Falco jetzt lieber aus dem Weg gehen sollte. Schon irgendwie eigenartig, beide können sich gut verstehen. Slippy würde sogar so weit gehen und den blauen Falken seinen Freund nennen. Aber genau so gut gibt es Momente, wo er ihn am liebsten auf den Mond schießen wollte. "Ist nicht wichtig." Grummelt er und drückt  etwas zu hastig auf die Tube, um das Gel auf der Zungenbürste zu übertragen.

Auf Falcos Schnabel bildet sich ein zynisches Lächeln. "Hab ich  dich da etwa voll erwischt, Fröschlein?"
"Falco, halte einfach deinen Schnabel." Jetzt ist Slippy deutlich genervt. Er hätte Falco überhaupt gar nicht ansprechen dürfen.  "Worum ging es denn, etwa darum dass Amanda dich verlassen hat? Dass du sie betrogen hast? Oder dass sie plötzlich vor dir steht und andeutet, sie wäre schon wieder Schwanger?"

Er erinnert sich schmerzhaft daran, in Vergangenheit das ein oder andere mal solche Träume gehabt zu haben. Und ja, er hatte dabei den dummen Fehler begangen, sie gegenüber Falco anzusprechen. Und wie es scheint, lernt er dabei wohl nie aus seinen Fehlern. Jedoch erinnert er sich gleichzeitig, dass keiner dieser Träume so ein derbes Bild in seinem Kopf hinterlassen hatte, wie der jetzige.

Aber er hält es nicht länger aus. Warum war Falco noch gleich sein Freund? In Momenten wie diesen kann er nicht anders als das zu hinterfragen. "Du bist echt manchmal ein Idiot..." Selten beleidigt er den Falken, da er genau weiß dass er nur den kürzeren ziehen kann, wenn man sich mit dem Falken wagt, verbal zu streiten. Jedoch liegt es da nicht an Slippy selbst. Die anderen, Fox und selbst Peppy haben bereits zugegeben, dass es echt schwer war, gegenüber dem Dickkopf des Falken anzukommen.

Etwas zu ruppig knallt er die Zungenbürste auf den Beckenrand und macht Anstalt, das Badezimmer zu verlassen. 'Der Morgen fängt echt prima an...ich beginne diesen Tag immer mehr zu hassen...'

"...warte." Kommt es plötzlich von Falco. Und diesmal klingt er nicht länger zynisch. Eher leicht genervt. Slippy macht den Fehler stehen zu bleiben. Auch wenn er manchmal nicht ganz weiß, wieso er mit dem Falken befreundet ist. Dass sie Freunde sind , kann er jedenfalls nicht abstreiten. Und Slippy ist nicht gerade der Beste, Dinge zu ignorieren. Auf Durchzug zu stellen war Fox Gebiet, nicht seins. "...ja...?"

Falco seufzt. Auch er geht aus dem Bad und steht jetzt neben ihm.
"Es ist also nicht das Übliche?" Wow, er klingt sogar ein wenig neugierig. Und das ist selten für ihn.
"Nun ja..." Plötzlich ist es Slippy dann doch eher unangenehm. Und auch peinlich. Immerhin hatte er alle sterben sehen. Und wer würde das schon gerne hören.

"...ich habe eine Frage an dich. Ist es dir eigentlich mal passiert dass du...na ja...dir unbewusst Sorgen gemacht hast? Ich meine, wir haben täglich mit Bedrohungen zu tun. Und schon so oft Kriege miterlebt. Hattest du nie Angst...mal den Kürzeren zu ziehen?"

Ganz unvermittelt lacht Falco. Es klingt nicht gekünzelt und auch nicht so, als würde er ihn auslachen. Er legt ihm beinahe schon vertraulich eine Schwinge um die Schulter.
"Daher weht also der Wind, hm? Klar. Ich hab schon oft Fox oder mich selbst sterben sehen." Er klingt beinahe so, als wäre das ganz normal. Doch für Slippy ist dieses deutlich unangenehm, er versucht zurückzuweichen.

"...du meinst, du siehst ständig Leute in deinen Träumen sterben?"
"Klar...ab und an töte ich sogar."
Uhrgs, das wird ja noch unangenehmer.
"Was denn...Slippy, meine Güte. Es sind Träume , na und? Es gehört dazu, dass man sich irgendwie Gedanken macht. Als ich noch jünger war, haben sie mich manchmal auch verstört. Besonders die Träume, in denen Fox und ich uns gegenseitig totgeprügelt haben. Aber mit der Zeit habe ich für mich bemerkt und erkannt, dass es eben meine Art und Weise ist, mit solchen Dingen umzugehen. Sie beschäftigen mich...und  ehrlich. Es ist tausendmal besser, wenn man so etwas im Traum erlebt, als in der Realität."

"Für dich ist es also wirklich normal...?" Slippy denkt darüber nach. "Na ja...du hast schon Recht, es ist im Traum besser, weil es eben nicht real ist, aber..."
"Ach Slippy, zerbrech dir nicht den Kopf. Wenn du anfängst dich von so etwas ausbremsen zu lassen, dann werden sich deine Träume verschlimmern. Und vielleicht sogar bald schon in der Realität zeigen."
Der Frosch verschränkt trotzig die Arme. "Als ob wir uns von einem einfachen Krieg töten lassen...außerdem ist es eh absurd, dass ausgerechnet ich als erstes sterben musste."
"Oh, wenn du schon dabei bist, hatte ich einen coolen Tod? Bitte sag mir nicht, meiner war langweilig."

Na klasse, Falco scheint echtes Interesse daran zu haben. Doch ausgerechnet diese Frage lässt manche Bilder in seinem Kopf deutlicher werden. "...nun ja...nachdem James urplötzlich zum Feind übergelaufen war..."

Er kommt nicht weit mit dem Erzählen. Denn ihr Gespräch hatte auch einen anderes aus dem Bett geholt.
Als Fox seine beiden Teammitglieder sprechen hörte, wollte er sie ignorieren. Aber als sein Vater Erwähnung fand, steckte er seinen Kopf aus dem Zimmer. "Mein Vater würde niemals die Seiten wechseln!"

Der Frosch erschreckt sich, als er seinen Leader bemerkt. "F...Fox...also...es ist ein Traum...nur ein Traum."
"Genau, also entspann dich." Meint jetzt auch Falco lässig. Fox aber geht zu ihnen. Er wirkt etwas verstimmt. "Wie kommt es überhaupt, dass du von meinem Vater sprichst?" "Ich...ich weiß nicht...also...ich sagte doch bereits, es war nur ein Traum." Plötzlich ist es ihm zuviel geworden. Er muss weg. "...ich habe Hunger, ich mach mir jetzt was zu essen."  

Er dreht sich um und sucht die Treppe, die nach unten führt. Innerlich fragt er sich aber auch...wie zum Teufel  kommt er denn auf diese abwegige Sache? 'Ich kenne den Vater von Fox nicht einmal wirklich...' Was er aber weiß ist, dass Fox immer sehr sensibel auf das Thema Vater reagierte. Eigentlich hatte er auch nicht gewollt, dass Fox so davon erfährt...obwohl...es ist ja nur ein Traum.

Als Slippy weg ist, betrachtet Falco seinen Kumpel. "...erinnert mich mal an das, was du mir gesagt hast. Hattest du nicht mal einen ähnlichen Traum?" "Ach, halt die Klappe." Auch Fox geht Richtung Treppe davon.

Welch seltsamer Beginn eines Tages...
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