Wie mein Kater eine Band gründete

OneshotAbenteuer, Humor / P6
21.09.2017
21.09.2017
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Wie mein Kater eine Band gründete


Liebe LeserInnen,

wieder einmal muss ich eine Sache mit euch teilen, auch wenn ich es mal in einem anderen Text angerissen habe. Doch das soll mich keineswegs aufhalten! Denn nicht nur meine Kater sind Belästigungsbären, auch ich bin unter Umständen einer (natürlich in schriftlicher Form).

Der Titel verrät es natürlich schon wieder ein wenig, aber ich möchte es noch einmal erklären. Wer meinen letzten OS mit dem Titel Wie mein Kater eine Hütte baute noch nicht kennt, ist herzlich eingeladen mal vorbei zu schauen.

Hier handelt es sich um ein ähnliches Phänomen, doch geht es nicht um den alten Opa Flaps, der nachts in seinem Katzenklo herumbuddelt, als wolle er zum Mittelpunkt der Erde gelangen, sondern um den anderen Haiopei, der jeden Tag um meine Beine streicht, als wolle er sagen: „Bitch please, du willst doch hoffentlich nicht so unter die Leute gehen?! Ohne meine Haare an deiner Hose bist du doch gar nicht richtig angezogen.“

Ich hatte es schon angedeutet – Baloo ist ein grauer Kater, ziemlich dick (wenn er sitzt, sieht er aus wie eine Birne) und sehr, sehr ... schwierig. Sagen wir schwierig. Es gibt keine passende Bezeichnung. Beziehungsweise es gibt zu viele.

Anstrengend, nervig, laut, aggressiv, verschmust, niedlich, bescheuert, weich (sowohl innen als auch außen), lauter, verzogen, arrogant, süß, noch lauter...

Womit wir zum Titel dieses OS kommen. Dieser Kater hat also eine Band? Na ja, mehr oder weniger. Eher weniger. Er ist eigentlich mehr ein Solokünstler, auch in sogenannter Aktionskunst.

Zuerst zu seiner Aktionskunst. Er klettert die Rahmen der Terrassenfenster hoch, um den ignoranten Drecksack von Mensch im Inneren des begehrten Hauses auf Augenhöhe anzuschreien, während sein Atem die Scheibe beschlägt und seine Pupillen so groß werden wie Untertassen.

Manchmal läuft er aber auch im Schweinsgalopp durch den Zen-Garten meiner Schwester über die Pflanze zum Fenster, unter dem direkt der Schreibtisch steht. Er bremst aufgrund seines enormen Körpergewichtes leider sehr schlecht ab, weshalb an derselben Stelle etwa fünfzehn bis zwanzig Nasenabdrücke auf der Scheibe zu sehen sind.

Wenn er frisst, dann holt er sich seinen Happen aus dem Napf und frisst das Nassfutter schön aufwendig und vor allem ausladend auf dem Fliesenboden, damit richtig viele Spuren zurückbleiben und man sich beim Hausputz ja nicht langweilt.

Gerne veranstaltet er auch das sogenannte Teppich-Surfen. Das macht er vor allem gerne morgens, wenn er nach einer durchzechten Nacht reinkommt und sein überschüssiges Adrenalin abbauen muss.

Er nimmt richtig Anlauf und springt auf einen Teppich im Esszimmer, der etwa einen Quadratmeter groß ist. Dann surft er auf dem Fliesenboden und schiebt den Teppich so etwa fünf- bis achtmal hin und her.

Und diese Teppich-Aktionen unternimmt er auch gerne im Badezimmer, in dem sowohl ein großer Teppich als auch ein Durschvorleger liegen. Diese beiden Stoffteile sind wohl seine erklärten Erzfeinde oder sie beleidigen ihn wohl regelmäßig wegen seines Übergewichtes, ich weiß es nicht...

Die Teile werden jedenfalls beinahe jeden Tag aggressiv attackiert, indem er sich genau wie im Esszimmer auf den Teppich stürzt, sich auf die Seite legt, den Teppich in seine Pfoten zieht, sich daran festkrallt, während er ihn mit den Hinterpfoten hasserfüllt von sich wegstößt.

Ich nannte diesen Vorgang irgendwann mal scherzhaft Carpet Rage, weil ich häufig in den Genuss kam, ihm bei diesem Spiel – oder was auch immer das jetzt sein mag, er würde es höchstwahrscheinlich als die „epische Schlacht um Gut und Böse“ bezeichnen – zu beobachten.

Dazu muss man noch wissen, dass er ein leidenschaftlicher Sänger ist, der Pavarotti alle Ehre machen würde. Wenn er raus möchte, Hunger hat oder einfach nur gelangweilt ist (ja, auch Tiere können psychoterroristische Drecksäcke sein), beginnt er damit, durch das Haus zu laufen, Dekorationsartikel durch die Gegend zu schieben, Schränke zu öffnen und dabei zu singen.

Also zu schreien. Wuterfüllt zu brüllen. Er ist eigentlich recht klein geraten, aber dafür hat er wohl ein überdimensionales Organ. In Korrelation zu seinem Ego, versteht sich.

Ich bin ein leidenschaftlicher Fan von Death Metal und Deathcore. Viele Klischees kommen ja nicht von ungefähr und jetzt komme ich endlich zum Titel dieses Textes.

Sollte ich jemals eine Band gründen, würde ich sie Carpet Rage nennen. Ich würde Baloo bei seinem Spielchen morgens filmen, seine Gesänge aufnehmen und seinen irren Blick ebenfalls fotografieren, um das gesamte Artwork für unser erstes Album fertig zu stellen. Je 'böser' respektive irrer es aussieht, desto mehr denken die Leute an Metal.

Seine riesigen Pupillen wären das Cover der CD, sein Gejaule unser Gesang (den Rest würde ich aus irgendwelchen lauten Geräuschen zusammenmischen – Metal klingt für die meisten ja eh nur nach Krach und wir würden diesen nun auch endlich produzieren) und sein Teppich-Geprügel das erste Musikvideo.

Oder wahlweise alle Musikvideos, ist völlig egal, solange sie cool aussehen und Katzen enthalten. Damit hat man sowieso meistens gewonnen (siehe Lorna Shore, ahahamumumuh...)

Im Prinzip ist also Baloo (oder auch Balloon, wie wir ihn wegen der Körpermasse zu nennen pflegen) der Gründer einer Metalband. Mehr oder weniger. Aber Flaps baut ja auch keine Hütten.

Wieder einmal bleibt es euch überlassen, ob dieser Text lustig, lehrreich oder besonders interessant war. Baloo ist es jedenfalls egal, so viel kann ich euch sagen.

Er interessiert sich nur für seinen Teppich, sein Nuckelkissen und dafür, dass Flaps bloß nicht als erster zu Fressen kriegt. Denn er könnte ja etwas weniger von seinem geliebten „gurräh“ haben und das wäre ja katastrophal.

Ich hoffe, ihr hattet ein wenig Spaß und konntet euch an diesem sonnigen Tag über diesen Blödsinn amüsieren.

Danke fürs Lesen.

LG, Erzaehlerstimme
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