Die Schöne und das Biest

von Marilxve
KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
OC (Own Character)
20.09.2017
16.05.2019
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,,Bin wieder da!"rief ich als ich die Haustür aufschloss,aber niemand antwortete.Vorsichtig ging ich rein,schloss die Tür hinter mir und ging die enge Treppe hoch in den ersten Stock.Leise öffnete ich die Tür zum Flur und huschte hindurch bis zum Wohnzimmer.Dort angekommen,sah ich auch schon warum niemand geantwortet hatte.Mein Vater lag auf dem Sofa und schlief seinen Rausch aus.Seit dem meine Mutter uns vor drei Jahren verlassen hatte,ging es immer so.Ich ging Vormittags zur Schule und Nachmittags zur Arbeit,während mein Vater sich 24/7 betrank.
,,Hi Paps."flüsterte ich,stieg über den Müll zu ihn und deckte ihn noch zu,bevor ich in mein Zimmer im dritten Stock ging.Dort schloss ich mich ein und ließ mich aufs Bett fallen.Seufzend wanderte mein Blick zu meinem Nachttisch...Ich könnte doch...Langsam richtete ich mich auf und öffnete die obere Schublade.Sofort quollen Blutige Taschentücher heraus,die ich nur gleichgültig zur Seite Schob und meine Klingen,versteckt in einem Taschentücher Päckchen,heraus holte.Stumm setzte ich an und schnitt.Gebannt starrte ich auf den Schnitt,der erst ganz weiß wurde und aus dem dann immer mehr rotes,dickflüssiges Blut trat.Ein lächeln schlich sich auf mein Gesicht.Ein starkes Gefühl der Genugtuung breitete sich in mir aus.So lief es seit den letzten Monaten immer.Ich wusste nicht mehr wieso ich angefangen war oder wieso ich nicht einfach aufhöre,aber irgendwie war es für mich eine Bestätigung das ich noch lebte.Jeden Tag einen Schnitt.
Einige Minuten saß ich noch da und sah zu wie das heiße Blut über meinen Arm lief und langsam auskühlte,bevor es dann trocknete.Dann setzte mich vor meinen Laptop und fing wieder an nach einem neuen Job zu suchen,da das Caffe in dem ich arbeite am Ende des Monats schließen wird. Immer wieder wurde mir eine Anzeige für ein Casting für “Die Schöne und das Biest“ vorgeschlagen,aber ich drückte sie immer weg.Mit immer weniger Motivation suchte ich weiter,gab aber nach einer guten Stunde auf.Es hatte einfach keinen Sinn.Entweder waren die Jobs zu schlecht bezahlt für die Zeit,die ich dafür opfern musste oder ich war zu jung dafür.
,,Belle!?"riss die laute,kratzige Stimme meines Vaters mich aus meinen Gedanken.Vor Schreck zuckte ich zusammen und lauschte den lauten,polternden Schritten die näher kamen.Wie der Hölzerne Boden unter seinem Gewicht knarzte,bis er vor meiner Zimmertür stehen blieb.Wütend trommelte er gegen das alte Holz,,Mach sofort die Tür auf und fang an zu kochen!“.Ich schwieg.,,LOS!"schrie er und rüttelte an der Tür,die schon beängstigend wackelte.Ich wusste das sie nicht mehr lange standhalten würde.Also sprang ich schnell auf und stopfte ein paar Dinge in meinen Rucksack wie Klamotten,Geld,Ladekabel,etwas Essen,eine Kette und ein Bild von Mum,Stift und Block und meine Schuluniform,bevor ich dann einfach das Fenster öffnete und über einen Baum nach unten in den Garten Kletterte.Von dort aus sprang ich über den Zaun und rannte so schnell es ging.Wie immer wenn er aufwachte.Nach ungefähr zwanzig Minuten war ich bei der Brücke angekommen,wo ich immer schlief wenn mein Vater so drauf war.Dort war der inoffizielle Treff,aller Jugendlichen des Kaffs in dem ich wohnte.,,Hallo!"rief ich als ich den kleinen Abhang runter zur Brücke kletterte.Ein paar nickten mir zu,ein paar andere grüßten zurück und wieder ein paar nahmen mich gar nicht erst wahr.
,,Hey du“entgegnete mein Freund Kyan mit einem müden lächeln,welches ich nur erwiderte.
,,Anstrengender Streit?“fragte er weiter und ich nickte,,Jap"Seufzend ließ meine Tasche auf den Boden fallen,setzte mich auf seinen Schoß und er Umarmte mich vor hinten.So saßen wir in einer größeren Runde von zehn Leuten um ein kleines Feuer in einer alten Tonne und ich ließ meinen Blick langsam durch die Runde streifen.Alles bekannte Gesichter,die schon seit Jahren hier lebten und jeden Tag hier waren.Auch in den anderen Gruppen um die anderen Feuer.Kaum einen kannte ich nicht,auch wen ich sie nicht kannte,sprach ich sie nicht an.Ich brauchte keine neuen Kontakte.Ich hatte eine Hand voll loyaler Leute und das reichte mir vollkommen.
,,Hey Belle"begrüßte mich Rita,eine 24 jährige Frau,lächelnd während sie mit einem Becher und Brot auf mich zukamen.
,,Hey Rita"entgegnete ich fröhlich und nahm dankbar Becher und Brot an.Hungrig fing ich an zu essen und hörte einfach den anderen zu.
,,Ey Belle,suchst du nicht einen neuen Job?“fragte Alicia plötzlich,die sich gerade zu ihrer besten Freundin ans Feuer setzte.Überrascht nickte ich.
,,Ja,wieso?“fragte ich und sie warf mir ein eingerolltes Plakat rüber.Skeptisch sah ich es mir an und seufzte.
,,Ich will nicht zu irgendeinem Carsting“sagte ich und sie sah mich überrascht an.
,,Aber wieso denn nicht?Du kannst doch so gut schauspielern!“rief sie,aber ich zuckte nur mit den Schultern.
,,Ich gucke erst mal ob ich noch etwas anderes...“
,,Geh dahin!Bitte Belle.Es ist einer der einfachsten Wege an viel Geld zu kommen.Außerdem ist es viel einfacher als ein mühseliger Kellner Job!“unterbrach Alicia mich einfach und ich seufzte.
,,Wenn ihr mitkommt“sagte ich dann und sie sah mich verwirrt an.
,,Wieso denn?Welche Rolle sollten wir übernehmen?“
,,Na.Rita kann ja die Teekanne spielen,Hendrik den Kerzenständer,Kyan Gaston,du die Kommode mit deiner wunderschöner Stimme,Lea der Federwedel,Johann Belles Vater,Sam Gastons Helfer, Marcel das Biest mit seiner Größe und Daniel kann sich ja um die Technik kümmern“erklärte ich und alle tauschte kurz ein paar Blicke aus,bevor sie nickten.
,,Okay,dann“sagte ich zufrieden und stand auf.
,,Wo willst du denn jetzt hin?“fragte Kyan mich und ich gähnte.
,,Schlafen.Ich hab heute eine wichtige Arbeit geschrieben und Überstunden gemacht“erklärte ich noch und ging dann zu meinem Schlafplatz.Dort legte ich mich einfach in meinen Schlafsack,denn ich hier immer hatte und wollte schlafen.Doch da legte sich Kyan zu mir.
,,Was ist genau passiert?"fragte er nach,während er eine kleine Tasche zum Vorschein brachte, meinen Arm hochhob und den Ärmel herunter schob.So brachte er den tiefen Schnitt zum Vorschein der immer noch nicht komplett zu war.Seufzend fing er an mit Desinfektionsmittel den Schnitt zu säubern,eine Kompresse vorsichtig darauf zu legen und meinen Arm zu verbinden.So lief es jedes mal.Er hatte aufgehört,zu versuchen mich davon abzubringen.Er verstand mich.Er hatte es Jahrelang selber getan und fragte einfach nicht.So versorgte er die Wunde,während ich ihm alles erzählte was so in den letzten Tagen passiert war,wo ich nicht hier war.Als er fertig war legte er sich nur stumm zu mir.Zufrieden kuschelte mich an ihn und er legte einen Arm um mich.Schnell schlief ich ein,denn hier fühlte ich mich sicher.Sicher,bei den Leuten den ich vertraute...
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