Seelengefährten

von Silvana
KurzgeschichteMystery, Romanze / P12 Slash
20.09.2017
20.10.2017
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Dieses Kapitel
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Ich versuche mich heute mal an einem neuen Genre in dem ich bisher nie geschrieben habe, nämlich Mystery. Ich bin unsicher, wie das im Wrestling-Fandom ankommt, lasst mich daher einfach wissen, ob ihr das interessant findet oder nicht. :)

Disclaimer: Keine der erwähnten Personen gehört mir. Alles ist frei erfunden, es soll mit der Geschichte keinem geschadet werden und ich verdiene auch kein Geld damit.

Pairing: Kevin Owens / Sami Zayn angedeutet
Weitere Charaktere: Finn Bálor
Warnungen: Slash angedeutet, ein bisschen Fluff

Anmerkung:
Diese Geschichte spielt zeitlich zwar fünf Monate vor meiner anderen Geschichte „Seelenverwandt“, aber einige Anspielungen beziehen sich darauf, so dass es zum Verständnis besser wäre, sie vorher gelesen zu haben.


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Houston, Texas, Samstag, 08.04.2017


Dösend saß der junge Mann auf einem Mauervorsprung vor dem Hotel und wickelte sich einen Grashalm um den Finger, den er vorhin rausgerupft hatte und der mittlerweile fast vollständig durchgespielt war. Die warme Frühlingssonne schien ihm ins Gesicht und er warf einen Blick auf seine Armbanduhr. Wenige Minuten nach eins, normalerweise müsste jeden Moment...

Er hatte den Gedanken noch nicht einmal zu Ende gedacht, da hörte er schon die wohlbekannte Stimme seines Freundes hinter sich. „Hey! Bin ich zu spät?“, fragte Sami und beschleunigte seine Schritte.

„Nein, ich bin zu früh“, entgegnete der Ire, sprang von der Mauer und zupfte seine schwarze Lederjacke zurecht. „Seit dem Mittagessen sitze ich draußen und genieße die Sonne.“

„Kein Wunder, solches Wetter muss man einfach ausnutzen“, meinte Sami. „Wollen wir?“

„Na klar!“, die beiden machten sich auf den Weg in die Innenstadt, denn dort sollte das gesamte Wochenende Jahrmarkt sein. An den vergangenen Tagen hatte sowohl der Raw- als auch der Smackdown-Kader eine Houseshow in Houston gehabt und nun stand den Workern beider Brands das Wochenende zu ihrer freien Verfügung. „Wo ist eigentlich Kevin? Wollte er nicht mitkommen?“, fragte Finn, während sie durch die Straßen liefen und bereits das Riesenrad von Weitem sehen konnten.

„Ja. Aber gestern Abend hat seine Frau angerufen, weil sich Owen verletzt hat, deswegen hat er heute Morgen den ersten Flug nach Hause genommen.“

„Was ist passiert?“

„Er hat sich bei einem Fahrradunfall den Arm gebrochen.“

„Ach du Schande!“

„Zum Glück geht es ihm soweit gut, trotzdem hat sich Kev entschieden, dass er lieber dort sein und sich um seinen Sohn kümmern will, ist absolut verständlich.“

„Auf jeden Fall.“

„Er hat uns viel Spaß auf dem Jahrmarkt gewünscht und mir Unheil angedroht, falls wir vergessen sollten, ihm eine Tüte Rum-Mandeln mitzubringen.“

Finn grinste. „Vergessen werden wir das bestimmt nicht, die Frage ist eher, ob die Mandeln bis Dienstag in deiner Tasche überleben oder ob sie vorher auf rätselhafte Weise verschwinden.“

„Das weiß man nie so genau“, orakelte Sami. „Überall Diebe... und Außerirdische.“

„Und die haben nichts anderes zu tun, als gebrannte Mandeln zu klauen?!“

„Nein. Die wissen auch, dass die schmecken“, unschuldiger konnte man nicht klingen und damit brachte er Finn zum lachen.

„DU weißt, dass die schmecken!“

„Willst du mir was unterstellen?“, scherzte der 32-Jährige weiter, als sie plötzlich vor dem Eingang zum Jahrmarkt standen. „Oh, das ist aber echt nicht weit vom Hotel gewesen“, staunte er.

Sie gingen hinein und prompt zog es Sami zu einem Süßwarenstand rechts neben dem Eingang, wo er die Mandeln für Kevin und eine Zuckerwatte für sich kaufte. Er hatte so was lange nicht mehr gegessen und bot Finn an, dass er sich bedienen konnte.

„Zuckerwatte... als Kind habe ich sie geliebt, als Jugendlicher hatte ich sie über, aber jetzt schmeckt sie wieder“, konstatierte der Ire.

„Ich hab sie immer gerne gegessen“, sagte Sami. Sie blieben stehen und schauten sich um, als ihr Augenmerk auf eine Losbude fiel. „Weißt du, dass ich es als kleiner Junge mal geschafft habe, das gesamte Taschengeld eines halben Jahres durch Lose zu verzocken?“

„Und wie kamst du dazu, wolltest du einen bestimmten Preis?“

„Ach na ja, zunächst nicht. Ich habe mir für unser Stadtfest jedes Jahr einen Teil meines Taschengeldes abgezweigt, um mir davon Lose zu kaufen. Es hat mir Spaß gemacht und ich mochte die Überraschung. Auf den Losen waren Herzen in unterschiedlichen Farben, je nach Farbe bekam man Punkte und ein rotes Herz war der Hauptgewinn, denn damit durfte man sich aussuchen, was man haben wollte, egal welcher Preis es war. Meistens habe ich eher um des Spielens willen gespielt, als wegen der Preise, aber in dem einen Jahr, ich glaube ich war zehn, da hatte es mir nach einer Weile des fröhlichen Zockens eine Drachenfigur angetan. Ein zweiköpfiger Drache und ich musste ihn unbedingt haben! Dummerweise zog ich ab da eine Niete nach der nächsten und kam kaum auf Punkte, also schwand mein Geld und ich gab viel mehr aus als ich wollte.“

„Hast du den Drachen am Ende bekommen?“

„Mein Vater hat ihn dem Budenbesitzer abgekauft, er war so freundlich, sich darauf einzulassen. Und ich habe meine Lektion in Sachen Glücksspiel gelernt. Adieu Taschengeld hieß adieu Comics und adieu Süßigkeiten für einen Monat.“

„Du Ärmster!“ Finn legte ihm einen Arm um die Schultern. „Meinst du, du hast dein Lostrauma inzwischen überwunden, denn wir könnten da drüben ja mal unser Glück versuchen?!“

„Und was passiert, wenn ich diesmal zufällig den Hauptgewinn ziehe? Dann kriegst du eine gigantische Plüschmaus in die Arme gedrückt, die du den Rest des Tages über den Jahrmarkt schleppen darfst.“

„Das Risiko gehe ich jetzt mal ein“, antwortete Finn schmunzelnd und besorgte jedem von ihnen ein Los. „Und was hast du?“

„Niete. Du?“

„Eine Erdbeere, zwanzig Punkte.“

Sami begutachtete die Preise. „Oho, zwanzig Punkte, das heißt du kannst wählen zwischen einer Kunstblume, einem Bleistift, einem Monster High Schlüsselanhänger oder einer Haarspange“, sagte er amüsiert.

„Nicht ganz das Richtige für uns, was?“ Finn ging zu einem vielleicht achtjährigen Mädchen, das mehrere Lose in der Hand hatte und offenbar auf einen bestimmten Preis hinsparte. Er schenkte ihr sein Los und sie bedankte sich artig. „Ich denke, die Kleine weiß damit mehr anzufangen.“

„Da hast du Recht“, stimmte Sami zu. „Was machen wir als nächstes? Achterbahn fahren? Riesenrad?“

„Sieh mal dort!“, direkt zwischen der Losbude und einem Imbissstand war ein unscheinbares Zelt aufgebaut.

Sami las das Schild davor. „Madame Geraldine liest die Zukunft in Ihren Händen. Für nur fünf Dollar.“

„Ja!“, Finn wirkte enthusiastisch.

„Nicht dein Ernst?!“

„Doch, lass uns das machen! Es kostet eh bloß fünf Dollar, das ist den Spaß wert.“

„Und wer lässt sich die Hand lesen?“, Sami stellte die Frage in Anführungsstrichen, da er von Wahrsagerei nicht viel mehr hielt als von Zeitungshoroskopen.

„Der, der Schere, Stein, Papier  verliert“, bestimmte Finn und die beiden spielten. Sami verlor.

„Na gut, hören wir mal, was mir die Zukunft bringt!“, verkündete er feierlich und marschierte begleitet von seinem kichernden Kumpel auf das Zelt zu. „Ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit bitte, schließlich werden wir gleich Zeuge von bahnbrechenden Visionen“, ermahnte er Finn mit einer Gelehrtenstimme, doch damit erreichte er nur, dass der Ire fast wegbrach vor lachen. „Glaubst du eigentlich an so was?“, wollte Sami wissen. Seine Frage klang nicht spöttisch, denn er wollte sichergehen, dass er sich nicht über etwas lustig machte, woran Finn möglicherweise glaubte. Falls die Antwort ja hieß, hätte er aufgehört, Witze zu reißen.

„Nein, nicht wirklich, aber ich find’s interessant“, sagte 35-Jährige und straffte sich. Dann betraten sie das Zelt.

„Ah, willkommen bei Madame Geraldine!“, begrüßte sie eine kleine schwarzhaarige Frau. „Wer von euch beiden möchte einen Blick in seine Zukunft wagen? Oder wollt ihr gleich beide?“

„Er möchte!“, sagte Finn mit einem breiten Grinsen und schob Sami zu dem freien Stuhl, woraufhin er sich setzte.

„Darf mein Freund hier bleiben und zusehen?“, fragte der Kanadier die Handleserin.

„Natürlich. Wenn es dir nichts ausmacht, dass er hört, was ich dir sage.“

„Nein, das ist in Ordnung“, entgegnete Sami. Warum sollte es ihm etwas ausmachen, fragte er sich. Die Dinge, die sie ihm erzählen würde, wären mit hoher Wahrscheinlichkeit so allgemein gehalten, dass jeder Mensch darin irgendetwas Wahres für sich hätte herauspicken können. So waren Horoskope nun einmal. Er sah sich in dem Zelt um und wunderte sich über die schlichte Ausstattung. Nirgends hingen mystisch anmutende Tücher. Es standen keine Kerzen auf dem Tisch, weder Räucherstäbchen- noch Kräutergeruch lag in der Luft. Madame Geraldine hatte auch keine Kristallkugel, Traumfänger oder sonstigen Brimborium aufgebaut, den man im Zelt einer Wahrsagerin erwartete. Die Kleidung, die die Frau am Körper trug war schlicht, eine Jeans und eine Bluse, keine Robe oder das Gewand einer Zigeunerin. Das Licht im Zelt war weder abgedunkelt, noch rot oder blau oder sonst wie den Eindruck vermittelnd, als würde es hier um esoterische Dienste gehen. Einzig Madame Geraldines schwarzes Halstuch mit den eingewobenen silbernen Fäden sah ein wenig nach Magie aus.

„Also dann, gib mir bitte deine Hand“, verlangte sie und er reichte sie ihr. Die prüfenden Hände der Wahrsagerin fühlten sich warm an und als sie Sami betrachtete, überlegte er, wie alt die Frau sein mochte. Er schätzte sie um die fünfzig Jahre, obwohl einige Falten im Gesicht sie älter wirken ließen. Dafür hatte sie hellwache grüne Augen, die von Jugend zeugten. Trotzdem, Mitte vierzig war sie bestimmt. Sami wartete darauf, dass etwas passierte, dass sie einen erfundenen Zauberspruch sprach oder ihm Anweisungen gab, dass er sich auf den Aspekt seiner Zukunft konzentrieren sollte, über den er etwas wissen möchte, aber nichts dergleichen geschah.

„Fassen wir zunächst deine Lebensumstände zusammen“, sprach Geraldine so normal, als würde sie mit einer Freundin über die Angebote im Supermarkt reden. Ob sie ahnte, dass ihr Gegenüber mitnichten an Handleserei glaubte und sich deshalb gar nicht die Mühe gab, ihm vorzugaukeln, hier seien telepathische Kräfte am Werk? „Du wurdest am 12. Juli 1984 geboren und lebst in Montreal zusammen mit deiner Frau, die du vor drei Jahren geheiratet hast, deine Eltern stammen aus Syrien und sind 1976 nach Kanada gezogen. Und, oh, du arbeitest für World Wrestling Entertainment.“

Sehr witzig, dachte Sami. Den Großteil dieser Informationen konnte jeder bei Wikipedia nachlesen. Womöglich kannte sie ihn sogar? Oder Finn wollte ihm einen Streich spielen? Na klar, das musste es sein! Deswegen war er auch so erpicht darauf, ihn hier rein zu zerren, um ihn zu veräppeln! Vom Hotel bis zum Jahrmarkt lief man höchstens zehn Minuten, vielleicht hatte er am Vormittag dieses Arrangement mit Madame Geraldine getroffen? Andererseits, was wäre gewesen, wenn Finn bei Schere, Stein, Papier  verloren hätte? Wiederum andererseits verlor er darin nie gegen Sami, was den Kanadier langsam zu der Annahme führte, dass er jedes Mal das Gleiche nahm. Misstrauisch schielte er zu der kleinen Bank, auf der Finn saß. Hatte er das allen Ernstes geplant? Für Späße war er jederzeit zu haben...

„Obwohl du sehr bodenständig und gefestigt bist, zieht sich unterschwellig eine Spur der Traurigkeit wie ein roter Faden durch dein Leben.“

Sami schreckte auf. „Was?!“

„Du hast einen Seelengefährten. Ihr wart einst zusammen vor zwölfeinhalb Jahren...“

„Moment mal! Was reden Sie da?“, entsetzt unterbrach Sami die Frau und entzog ihr seine Hand. Nein, was immer hier vor sich ging, damit konnte Finn keinesfalls was zu tun haben. „Ich dachte, Sie erzählen mir von Erfolg im Beruf, Reichtum oder dass ich ewig gesund bleibe“, griff er nun ganz tief in die Klischeekiste. Ihre Worte hatten ihn völlig durcheinander gebracht.

„Schätzchen, ich bin Handleserin und keine Scharlatanin. Wenn du Märchen hören willst, musst du zu Minas Tarot  am anderen Ende des Jahrmarkts gehen“, sagte sie in einem gutmütigen, nahezu mütterlichen Tonfall.

„Hier... Ihr Geld“, hastig kramte Sami fünf Dollar aus der Tasche und legte sie auf den Tisch, dann deutete er Finn an zu verschwinden. Der 35-Jährige folgte seinem Freund.

„Falls du dir doch noch anhören möchtest, was ich zu sagen habe, ich bleibe den ganzen Tag über hier bis sie schließen. Morgen werde ich nicht mehr da sein.“

Sami drehte sich kurz um und Madame Geraldine sah die Angst in seinen Augen. Sie seufzte schwerfällig, nachdem die beiden das Zelt verlassen hatten.


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tbc


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