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'Cuz You're My Favourite Subject. ♥

von Das Kyle-
GeschichteAngst, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Aaron Burr Alexander Hamilton Hercules Mulligan John Laurens King George III. Marquis de Lafayette
20.09.2017
02.08.2018
5
17.560
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02.08.2018 3.703
 
Alexander konnte sich wirklich nicht erklären, wie er eigentlich in diese Situation geraten– geschweige denn, wie er lebendig in diese Situation geraten ist.
Nun saß er allerdings hier, in diesem großen Saal – mit niemand Geringerem als dem König von England selbst gegenüber von sich an einen gläsernen Tisch, der vermutlich das Doppelte von all seinen eigenen Habseligkeiten gekostet hatte. In seinen beiden Händen -die, auch wenn er versuchte, es zu unterdrücken, vor Nervosität ein wenig zitterten- hielt er eine Tasse Tee umschlossen und seine braunen Augen waren fest auf seinen Gegenüber gerichtet.
Dieser, noch immer ein undeutbares Lächeln auf den Lippen tragend, hatte sich weit in seinem Sessel zurück gelehnt. Die Beine waren übereinander geschlagen und mit einer Hand hielt er den kleinen Teller fest, während er mit der anderen die Tasse am Griff hielt – den kleinen Finger, wie es der feinen, englischen Art entsprach, hatte er dabei natürlich abgespreizt. Keiner von den beiden sprach ein Wort und eine merkwürdige Atmosphäre lag in der Luft – nicht zuletzt dadurch, dass noch immer eine Leiche in demselben Saal lag, in welchem sie jetzt zusammen saßen um Tee zu trinken.
Alexander wagte es nicht, seinen Blick ein wenig nach links wandern zu lassen – denn eben dort lag Isaac Johnes – jener, den King George ohne mit der Wimper zu zucken erschießen lassen hatte. Alexander vermutete, dass der Grund, warum die Leiche nicht bereits schon längst weggeräumt wurde, darin lag, ihm weiszumachen, was ihm blühen möge, würde er selbst auch nur ein falsches Wort sagen, oder sich dem Angebot – welches auch immer dies sein mochte- widersetzen.
Er schauderte ein wenig bei diesem Gedanken und setzte die Tasse mit der noch warmen Flüssigkeit an seine Lippen, ohne allerdings einen Schluck zu trinken.
Der König schien seine Zurückhaltung zu bemerken und lachte ein wenig, wechselte das Bein indem er nun sein linkes über das rechte schlug und trank einen Schluck seines Tees, wohl um verdeutlichen dass ihm nichts Gefährliches dabei drohte.
„Nur nicht so schüchtern, mein Lieber.“, sagte er und durchbrach somit diese unangenehme Stille. Seine kalten, blauen Augen fixierten dabei sein Gegenüber und ein süffisantes Lächeln lag auf seinen schmalen Lippen – undurchschaubar, was er gerade denken mochte. „Ich habe den Tee nicht vergiftet: Würde ich dich umbringen wollen, hätte ich das schon längst gemacht, als du in Amerika warst.“, fuhr er fort, noch immer lag das widerliche Grinsen auf seinen Lippen und erneut überkam Alexander dabei ein Anflug von Ekel und Hass auf den König. Gott, wie sehr es ihn nervte, dass er sich so überheblich fühlte!
George stellte die Tasse auf den Tisch ab und rührte ein wenig mit dem Löffel in der hellroten Flüssigkeit. „Ich würde doch nicht so eine Made wie dich extra hierher verschiffen, nur um sie dann umzubringen. Das wäre viel zu viel Aufwand.“, fügte er schließlich hinzu, seine Augen betrachteten dabei noch immer den warmen Tee während er sprach. Anschließend lehnte er sich in seinem Sessel zurück und machte eine abwinkende Bewegung mit der Hand, als er geendet hatte.     
Alexander zog zweifelnd die Augenbraue zusammen, nickte aber ein wenig und stellte die Tasse auf den Tisch ab – ohne einen Schluck davon getrunken zu haben. Sicher war sicher.
Natürlich hatte der König mit diesem Argument recht. Was würde ihm all dies hier bringen, wenn er schlussendlich eh sterben würde? Das hätte man auch drüben in Amerika erledigen können.
„Wieso bin ich dann hier?“, fragte er schließlich gerade heraus, konnte aber nicht umhin, weiter hinzuzufügen: „Was kann es für solch ein Angebot geben, dass ich extra die großzügige Ehre habe, hierher verschleppt zu werden?“ Ein schelmisches Grinsen schlich sich auf seine Lippen, als er dies sagte. Natürlich wusste er, dass er sich eigentlich ein wenig zurückhalten musste, allerdings fürchtete er weder den Tod, noch würde er sich unterwerfen oder seinen Stolz nehmen lassen: Nicht umsonst war er Alexander Hamilton, vom Herzen überzeugter Freiheitskämpfer und Schreiber seines Landes; Wie würde er sonst im Jenseits all seinen verstorbenen Liebsten jemals ins Auge sehen können, wenn er sich letzten Endes doch seine Ehre nehmen ließe?
Der König jedoch tat seine spitzbübische Bemerkung mit einem Lächeln ab und legte einen Arm über die Lehne, sodass die Hand locker herunterhing. Noch immer sahen ihn diese blauen Auge unverwandt an  - und, auch wenn sich Alex dies nicht eingestehen wollte, so langsam machte ihn dieser Blick ein wenig nervös.
„Für ein Mann der vielen Worte willst du ganz schön schnell zum Punkt kommen, mein Lieber.“, sagte er tadelnd und hob dabei seinen Zeigefinger, als ob Alexander ein kleiner Junge wäre, dem man beibringen müsse, dass es falsch sei, Süßigkeiten aus dem Glas zu klauen. Ein kleiner Funken Wut schoss dabei durch Hamilton und für einen kurzen Augenblick musste er sich hierbei wirklich zusammenreißen, ihm nicht sofort an die Kehle zu springen – noch wollte er ein wenig am Leben bleiben und zumindest in Erfahrung bringen, was für ein Angebot ihm der König machen wollte. Also schwieg er, damit der König weiterreden konnte.
„Ich dachte, wir lernen uns erst ein wenig kennen, bevor wir zum Geschäftlichen kommen. Schließlich werden wir noch viel Zeit miteinander verbringen.“, fuhr dieser ruhig fort. Und auch, wenn seine Stimme und auch die Tonlage an sich scheinbar harmlos klang, konnte Alexander einen gewissen, eigenartigen Unterton in ihr erkennen, die ihm eine Gänsehaut verursachte. Drohte er ihm damit unterschwellig?
Schnell schüttelte er seinen Kopf. Er würde sich nicht einschüchtern lassen – niemals. Er hatte sich früher auch nicht von irgendetwas Angst machen lassen– selbst im Angesicht des Todes hatte er stets seinen Mut und Willen behalten; und diesen würde er auch jetzt nicht verlieren.
Ehe er allerdings etwas erwidern konnte – was er vermutlich eh direkt danach auch ziemlich schnell nur wieder bereut hätte- seufzte der König wehmütig und stützte seinen Kopf an seiner Schläfe mit zwei Fingern ab.
„Na schön, na schön.“, fing er an, „Ich brauche ein Gesicht, jemand der sowohl mich, als auch meine Macht repräsentiert – und sich eventuell auch mit den ganzen, nervigen und besonders langweiligen schriftlichen Angelegenheiten auseinandersetzt.“, erklärte er und wedelte dabei wieder mit seiner freien Hand herum, als würde damit er eine lästige Fliege vertreiben wollen.
Der Amerikaner zog fragend eine Augenbraue hoch. „Dürftest du für diese Dinge nicht genug Angestellte haben? Was ist mit dem da zum Beispiel.“, entgegnete er prompt und nickte dabei zu dem Butler, welcher zuvor den britischen Soldaten kaltherzig erschossen hatte. Dabei wagte er es nicht, in eben jene Richtung zu sehen und ein kalter Schauer lief ihm über seinen Rücken, wenn er daran dachte, dass bisher noch niemand gekommen war, um die Leiche zu beseitigen.
„Nein nein nein! So einfach ist das nicht.“, entgegnete der König kopfschüttelnd und seine Stimme klang unruhig-so als müsse er etwas völlig Offensichtliches erklären. „Wenn ich jemanden aus England nehmen würde, würdet ihr… Amerikaner euch nur wieder auflehnen und beschweren.“, erklärte er genervt – wobei er einen angewiderten Unterton in der Erwähnung Alexanders Nation setzte, welchen dem Braunhaarigen natürlich nicht entgangen war, allerdings ließ er es vorerst noch unkommentiert.
„Nein, was ich brauche ist ein Repräsentant. Ein Gesicht, das euer Land kennt und respektiert, aber gleichzeitig meine Ziele und Vorstellungen weitergibt und die Nation dadurch unter Kontrolle bringt.“, fuhr der König fort, während er sich erneut seine Tasse griff und die Flüssigkeit ein wenig umherschwappen ließ. „Und wer kommt dafür besser in Frage, als du?“ Seine blauen Augen fixierten dabei Hamilton, während er weitersprach: „Du bist beliebt, jeder kennt dich als den Schreiberling und rechte Hand Washingtons und auf dich würde die Masse hören.“
Der Braunhaarige biss sich auf seine Unterlippe, um eine zynische Erwiderung zu verkneifen, nachdem George geendet hatte. Wut staute sich in seinem Magen auf, als er begriff, was der König von ihm verlangte: Niemals würde er solch einem Angebot zustimmen! Eher würde er sterben, als seine Seele diesem hochnäsigen, arroganten Narzissten zu verkaufen!
Aber Alex wusste, dass er womöglich einen genauso schnellen Tod wie Isaac erleben würde, würde er diesen Gedanken Ausdruck verleihen, also atmete er kurz durch, um sich zu sammeln, bevor er antwortete:
„Entschuldige, aber ich werde dieses Angebot ablehnen. Es spricht gegen meine Prinzipien, meine eigenen Leute zu belügen und zu betrügen, genauso werde ich mich nicht für das aussprechen, gegen das ich mein gesamtes Leben gekämpft habe.“ Er versuchte, bei diesen Worten möglichst gefasst zu wirken, konnte aber einen Anflug von zittriger Wut in seiner Stimme nicht unterdrücken. Er war sich dabei auch nicht sicher, ob der König dies bemerkt hatte – wenn er es aber tat, ließ er sich seine Missgunst darüber zumindest nicht anmerken. Stattdessen lag noch immer dieses undeutbare Lächeln auf seinen Lippen, schloss dabei seine Augen und er stellte die Tasse ruhig auf den edlen Tisch ab. „Natürlich steht dir deine Ehre im Weg.“, begann er und schüttelte dabei wehmütig mit dem Kopf, ehe er seine Augen öffnete und Alexander bedauernd ansah – wobei gleichzeitig sein Grinsen gleichzeitig etwas breiter wurde, sodass es ihm einen unheimlichen Ausdruck verlieh. „Aber wäre es nicht schade, wenn mehr deiner Freunde ihre Leben verlieren müssten, nur weil du zu stur bist, zu erkennen, was das Richtige ist?“
Alexander blickte bei diesen Worten ein wenig auf und er merkte, wie sein Herz einen merkwürdigen Satz gemacht hatte. Hatte er richtig gehört? Lag in seinen Worten eine unterschwellige Drohung, bei Verweigerung seine Freunde umbringen zu lassen? Er weitete seine Augen etwas, als seine Gedanken sich weitersponnen: Hatten die Engländer sie vielleicht auch gefangen genommen und sie waren nun irgendwo in einem Verließ- einen Wink davon entfernt, das gleiche Schicksal wie die anderen zu erhalten, die bereits auf diese schauerhafte Bühne gerufen wurden? Was wäre, wenn der König aufgrund seiner Verweigerung den Befehl zu ihrer Hinrichtung geben würde? Wenn es seine Schuld war, dass andere sterben mussten? Schnell schüttelte er seinen Kopf, um diese Horrorgedanken loszuwerden. Er musste seinen Freunden jetzt vertrauen – sicherlich hatte er ihnen genug Zeit verschafft, sich in Sicherheit zu bringen; So schnell würden sich Mulligan und Lafayette nicht fangen lassen, dafür waren die zwei ein zu perfekt eingespieltes Team. Nein, Alexander würde sich nicht Einschüchtern lassen – er würde niemals an seinen Freunden zweifeln!
Ein Grinsen schlich sich auf seine Lippen und er neigte den Kopf etwas herausfordernd zur Seite, während seine Augen den König fixierten. „Du kannst mir keine Angst machen, Georgilein.“, entgegnete er schließlich – und er wusste, dass nun er derjenige war, der einen Wink vom Tod entfernt war; Schließlich hatte er es nicht nur gewagt, den König beim Namen zu nennen- nein, er hatte diesen auch noch ins Lächerliche gezogen. Aber das war es ihm wert. Er wusste, dass er ein Spiel mit dem Feuer trieb – aber niemals würde er sich unterkriegen lassen.
Er bemerkte, wie der Butler im Hintergrund geschockt die Luft einzog, als er diese Worte ausgesprochen hatte – und gleichzeitig in seine Jacke griff, wo er versteckt die Waffe trug, mit der er wenige Zeit zuvor Isaac Jones erschossen hatte; Er wartete wohl auf den Befehl des Königs, ihn für diese Schändigung umzubringen – der König stattdessen blieb aber, zur Überraschung aller Anwesenden, relativ gefasst. Er schwieg einen Augenblick lang und hatte die Augen geschlossen; Alexander bemerkte zu seiner Befriedigung, dass eine seiner Augenbraue verärgert zuckte – womöglich kämpfte er in dem Moment damit, seine Beherrschung zu behalten. War er so wichtig für den König, dass er ihn nicht umbringen konnte? Schließlich hatte er bei Isaac auch nicht gezögert, dachte Alexander und sein Grinsen wurde dabei noch breiter. Das könnte für die Zukunft interessant werden.
Es dauerte einen Moment, bevor der König antwortete – langsam und mit einer sehr bedachten Bewegung faltete er die Hände ineinander und er atmete kurz durch, bevor er mit einer offensichtlich sehr erzwungenen-gefassten Stimme antwortete: „Du scheinst wohl noch ein wenig Zeit zum nachdenken zu brauchen.“, sagte er an Alexander gewandt, ehe er sich dem Butler zuwandte. „James, bring ihn auf sein Zimmer.“
James – Alexander fragte sich insgeheim, wie ein englischer Butler wahrhaftig einen solch klischeehaften Namen tragen konnte- lächelte auf seinen Befehl hin und nickte kurz, die Hand holte er aus seiner Jacke heraus und er kam Alexander mit langsamen, aber sehr leichtfüßigen Schritten näher.
„Mit Vergnügen, Eure Majestät.“, erwiderte er mit ruhiger Stimme – und das Letzte, was Alexander sah, war, wie er seine Hand hob- dann folgte Schwärze.

„Gottverdammt..“, nuschelte Alexander benommen, als er wieder zu sich kam. Er spürte wieder seinen Kopf dröhnen und in großen, schmerzhaften Wellen die Schmerzen an seinem Hinterkopf pochen; Er vermutete, dass der Butler ihn wohl dort ohnmächtig geschlagen hatte.Ob sich an der Stelle inzwischen eine bleibende Narbe bilden würde?
Auch bemerkte er, dass man seine Hände wieder an eine Wand gefesselt hatte, dieses mal waren die Ketten allerdings kürzer, sodass seine Arme in einem ungemütlichen Winkel zu seinem Körper standen und durchgehend etwas angehoben waren. Sein Rücken lehnte an einer harten, steinernen Wand und es schien, als würde er auf dem Boden sitzen, zumindest war der Untergrund ebenso unbequem. Er versuchte, sich etwas weiter aufzusetzen – aber sofort ließ der Schmerz in seinem Kopf jegliche, zukünftige Versuche unmöglich machen.
Gott, dieser James scheint echt kaltblütig zu sein – waren in England alle Butler so?, schoss es ihm durch den Kopf während er seine Augen langsam öffnete und den Raum um sich scannte, das Pochen in seinem Schädel dabei ignorierend.
Wieder einmal – und das hatte Alexander bereits nach seinen ersten Eindrücken seit seinem Erwachen erwartet- befand er sich in seiner Zelle irgendwo in einem Kerker des Schlosses. Dieses Mal jedoch war es kein Gitter, die den Raum von den übrigen Zimmern abschirmte, sondern eine dicke Wand mit einer schweren, stählernen Tür die von der anderen Seite vermutlich mit dicken Schlössern verriegelt war. Oberhalb der Wand, an welcher er gelehnt saß, drangen einige wenige Strahlen Licht durch, die den aufwirbelnden Staub ein wenig Leuchten ließen, sodass man die einzelnen Partikel erkennen konnte. Vermutlich befand sich dort oben ein kleines Fenster, welches, damit auch ja kein Gefangener auf die Idee kam zu fliehen, mit dicken Barren vergittert war. In seiner Zelle selbst gab es nur die dürftigsten Möbel. Rechts von sich konnte er ein Waschbecken  ausmachen, unter welchem ein Eimer stand, vermutlich für die übrigen Geschäfte.
Alexander schnaubte kurz belustigt und schüttelte den Kopf. Ob sie vergessen haben, dass die Ketten zu kurz sind, dort überhaupt hinzugelangen?, fragte er sich, während er ein wenig an den Ketten zog, die seine Handgelenke fixierten. Damit würde er sich gerade einmal hinstellen können – aber sie würden niemals bis zum Waschbecken reichen. Ein schwaches Grinsen schlich sich auf sein Gesicht – typisch Engländer eben – während er den restlichen Raum abscannte.
Auf der gegenüberliegenden Seite vom Waschbecken befand sich netterweise ein Bett - die Matratze dabei war allerdings aus Stein und es gab keinerlei Kissen oder sonstige Dinge, die es auch nur ansatzweise bequem gemacht hätten; abgesehen davon, dass er dieses ebenso wenig wie das Waschbecken mit der „Toilette“ erreichen konnte. Ansonsten war der Raum leer – es gab keine Schränke, keine Stühle und nichts, was ihn auch nur ansatzweise attraktiv machen würde.
Alexander seufzte leise und lehnte seinen Kopf wieder an die Wand hinter sich.
„So behandelt man also Gäste in England.“, flüsterte er leise und erneut musste er grinsen. Er war also wieder einmal ein Gefangener  - und dieses Mal beim Königshaus persönlich, was für eine Ehre. Ob er ein besseres Zimmer bekommen hätte, wenn er sich anders verhalten hätte? Mit Sicherheit – aber das war es ihm wert gewesen. Niemals würde er seinen Stolz verlieren und sich auf das Niveau von anderen Verrätern -wie Burr beispielsweise- hinabbegeben.
Bei dem Gedanken an seinen ehemaligen Freund machte er einen abfälligen Laut und schüttelte seinen Kopf. Wie hatte er das nur tun können? Wie konnte er alles, woran er geglaubt und wofür er gekämpft hatte, einfach wegwerfen, nur weil Amerika den Krieg verloren hatte? Wie konnte er seine Freunde so verraten?
Er verstand es nicht, noch wollte er es verstehen. Er wollte mit diesem Verräter nichts mehr zu tun haben – wusste aber, dass er ihm früher oder später wieder über den Weg laufen würde. Schließlich arbeitete er ja jetzt hier für den Feind.

Kaum hatte er diese letzten Gedanken zuende gedacht, da hörte er, wie jemand die Tür aufschloss und sie sich langsam – und mit einem lauten Knarzen öffnete. Und natürlich, als hätte Alexander es heraufbeschworen, trat kein geringerer, als Aaron Burr ein.
Na super, den wollte ich jetzt als allerletztes sehen, dachte Alexander und machte sich bereit, ihn mit sämtlichen Vorwürfen zu konfrontieren.
Aaron blieb noch einen Augenblick lang an der Türschwelle stehen, seine dunklen Augen fixierten dabei den am Boden sitzenden Hamilton einen Moment lang schweigend, bevor er zu sprechen begann:“
„Du bist aufgewacht.“, sagte er, wobei Alexander nicht so recht wusste, ob es eine Feststellung, eine Begrüßung oder der Versuch eines Gesprächsaufhängers sein sollte- ihm war es aber auch egal, er wollte keine belanglosen Floskeln mit diesem Verräter austauschen.
„Gut erkannt, Sherlock.“, entgegnete der Braunhaarige schroff, und er verengte seine Augen feindselig, als er fortfuhr: „Was willst du, huh? Dich weiter für deine Ehrenlosigkeit rechtfertigen!?“
Aaron seufzte und legte seine Fingerspitze an die Stelle über seinem Nasenrücken – Alexander vermutete, dass er bereits mit so einer Frage gerechnet hatte, es aber in der Realität als noch „anstrengender“ empfand, als er vermutet hatte. Braucht er sich nicht zu wundern, dachte Alexander und er spreizte seine Lippen etwas, schließlich war er es gewesen, der ihn überhaupt erst in diese Lage hier gebracht hatte. Nur wegen seinem Verrat war er hier in England, musste alles zurücklassen und war hier nun ein Gefangener -  und dann nahm er sich noch das Recht, hier aufzukreuzen? Pah.
„Mit dir reden. In Ruhe.“, erwiderte er ruhig. Dabei blickte er sich kurz um sich -wohl um sicherzugehen dass sie auch ja keiner belauschte- und schloss die Tür hinter sich. Alexander zog kurz seine Augenbraue hoch, fragte sich dabei, was so wichtig sein könnte, dass er mit ihm scheinbar unter vier Augen sprechen wollte, aber schnell überkam ihm wieder seine Wut und er schnaubte verächtlich, bevor er antwortete:
„Was gibt es noch zu bereden? Ich finde, wir haben alles gesagt.“ Er hob dabei herausfordernd seine Kinn und ignorierte dabei den stechenden Schmerz seiner Wunde, der ihn fast betäuben zu schien.
Burr schwieg einen Augenblick lang und atmete schließlich durch.
„Alexander-...“
„Hamilton für dich.“
„Hamilton.", korrigierte sich Aaron seufzend, „Du solltest anfangen, mehr an das Zukünftige zu denken, als an deinen Stolz festzuhalten.“, begann er sachlich, als würde er versuchen, einem Kind eine neue Matheformel zu lehren.
Der Braunhaarige warf beleidigt seine Haare mit einer kurzen Kopfbewegung nach hinten – Gott, er hasste es, wenn man so mit ihm sprach!, und er hob seine Stimme etwas:. „Ich mache beides gleichzeitig, Burr – und mit dem englischen König zusammenzuarbeiten gehört garantiert nicht zu den Dingen, die ich für die Zukunft Amerikas will.“
„Es kann aber nicht alles danach gehen, was du willst, Al-.. Hamilton.“, entgegnete Burr, wobei seine Stimme etwas drängender wurde. Kurz schloss er seine Augen und atmete durch, ehe er fortfuhr und dabei beschwichtigend seine Hände hob: „Sieh mal, wir haben den Krieg verloren. Wir haben viele, gute Männer verloren und wenn sich noch mehr Menschen erheben, werden noch weitere sterben- willst du das etwa? Dass noch mehr Leute ihre Leben lassen müssen?“ Er blickte ihm dabei in die Augen, wartete auf eine Antwort seines ehemaligen Freundes.
Alexander schwieg jedoch, während Aaron sprach und er sagte auch nichts, als dieser geendet hatte. Seine Wörter hallten in seinem Kopf wider und zum ersten Mal in seinem Leben begann er an seiner eigenen Einstellung und an allem, an das er immer geglaubt und festgehalten hatte, zu zweifeln. Ja, sie hatten verloren – und ja, viele Soldaten hatten ihr Leben gelassen; Viele, ehrenvolle Männer wurden hingerichtet und noch immer gab es tagtäglich überall in Amerika weitere Exekutionen. Würde er den Menschen sagen, sie sollen sich fügen- es wäre das Beste fürs Land, und würde er sie überzeugen – würde er damit tatsächlich weitere Tode verhindern? Würde er sein Land und das Leben vieler damit schützen können? Unter diesem Licht hatte er die Dinge noch nie gesehen und er fragte sich, ob dies vielleicht nicht doch das Beste für Alle wäre.
Aaron seufzte kurz, als er bemerkte, dass sein Freund nichts sagen würde und sprach weiter: „Wenn wir erneut einen Krieg anfangen würden, würden wir ihn wieder verlieren. Wir haben keine Waffen mehr und kaum noch Kämpfer – unzählige Städte sind bis auf die Grundmauern zerstört. Hamilton, wir haben nichts mehr, womit wir uns verteidigen könnten – sollten wir dann nicht das Beste tun, wenigstens das Leben derer zu schützen, die uns geblieben sind? Denk an deine Frau und dein Kind.“, fuhrt er fort und bedachte ihn dabei erneut mit einem langen Blick – und zum ersten Mal erkannte Alexander in seinen Augen einen Anflug von Schmerz; Und es durchfuhr ihn  wie ein Blitz- er spürte plötzlich, dass es ihm genauso schwer wie ihm jetzt gefallen sein muss, diese Entscheidung zu treffen dass es ihm unfassbar Leid tat und er sich diese Tat wohl niemals verzeihen könne; Er sich allerdings den Engländern anschließen musste, um seine Frau und sein Kind zu beschützen, die Personen, die er am Meisten liebte- und er es wohl auch tat, um künftige Tode anderer zu verhindern.
Langsam senkte sich Alexanders Blick gen Boden und er biss sich auf die Unterlippe. Plötzlich war er sich gar nicht mehr so sicher, was richtig und was falsch war. War es richtig, seinen Prinzipien treu zu bleiben und für das einzustehen, an das man glaubte – selbst wenn es hieß, das Leben anderer Menschen zu gefährden? War es richtig, Entscheidungen die die Leben anderer retten könnten, auszuschlagen wenn es hieß, sich selbst zu verraten? Oder war es das Richtige, das Wohl aller anderen über den eigenen Glauben zu stellen?
Er wusste es nicht und es bereitete ihn noch mehr Kopfschmerzen, als er ohnehin schon hatte.
Aaron schien seine Unsicherheit zu bemerken und er schwieg einen Augenblick lang, ehe er seine Augen schloss, sich abwandte und die Tür wieder öffnete und dabei langsam heraustrat.
„Überleg' es dir gut, bevor du dich entscheidest.“


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*slowly ascends from the dead*
I'm sorry.
Es sind inzwischen.. Gott, 8-9 Monate vergangen und herrje, wie die Zeit vergeht. D:
Ich hatte vielen, privaten Stress aber so langsam klärt sich alles- und Gott, ich will das hier weiterschreiben.
SO I DID.
HERE WE GO.
CHAPTER 5.
Hope you like it. OTL

(And I'm sorry. D: )
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