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Schwimmen

GeschichteLiebesgeschichte / P18 Slash
18.09.2017
24.12.2017
57
74.107
62
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18.09.2017 708
 
Prolog


Maximilian Davids öffnete vorsichtig die Tür zum Krankenzimmer. Er trat einen Schritt hinein und hielt seinen Blick fest auf das Bett und die reglos darin liegende Gestalt geheftet.

„Es tut mir leid, dass ich nichts getan habe,“ Maximilian schrak zusammen und entdeckte die Person in einer Ecke des Zimmers. In einen der Besucherstühle zusammengesunken saß dort der Teamchef des nationalen Schwimmteams und Leiter der Akademie, Stefan Berger. „Du hast es mir erzählt, aber ich habe nichts unternommen. Dass es uns nichts angeht ist... falsch. Sowas darf einfach nicht passieren. Irgendjemand hätte sich einmischen sollen. Wir hätten das tun sollen.“

Im Bruchteil einer Sekunde entführten Maximilians Gedanken ihn wieder in den Nachmittag vor sieben Jahren, als er in die Schwimmhalle gekommen war und Herr Demidow, der russische Trainer, seinen mittleren Sohn an den Haaren gepackt festhielt.

„Wir trainieren hier,“ herrschte er Maximilian an, während er die Haare seines Sohnes losließ und ihm die Hand reichte, um ihm aus dem Becken zu helfen.
„Schon klar, ich dachte nur...“
„Euer Team hat die Halle fast ständig gebucht, in den wenigen Zeiten, in denen meine Söhne trainieren, werdet Ihr Euch fernhalten. Das ist so mit Eurem Coach ausgemacht.“

Maximilian war mit seinen 22 Jahren auch nicht gerade auf den Mund gefallen, aber er wollte keine Abmachungen in Frage stellen. Langsam hob er noch einmal den Blick und sah den Jungen an, Alexej, der schlotternd neben seinem Vater stand. Es war der Mittlere, der Elfjährige. Er zitterte wohl kaum, weil ihm kalt war. Seine Augen waren weit aufgerissen und seine Zähne schlugen so stark aufeinander, dass Maximilian sie klappern hören konnte.

„Ich werde unseren Coach informieren und nach dieser Abmachung fragen,“ er hoffte, dass Herr Demidow verstanden hatte, was er ihm sagen wollte und drehte sich um. Wütend rief dieser im hinterher: „Kein Wunder, dass ein undisziplinierter Haufen wie Eurer nichts zustande bringt!“

Maximilian lief sofort zu Teamchef Berger und informierte ihn darüber, was er gerade gesehen hatte. Er erzählte ihm alles und sagte, dass er sich Sorgen um die Söhne von Herrn Demidow machen würde. Ausweichend antwortete der Teamchef: „Max, Herr Demidow möchte seine Jungs selber trainieren, er glaubt, dass sie so bessere Leistungen bringen werden, als wenn sie in unserem Kader mittrainieren. Er zahlt den Mitgliedsbeitrag, der notwendig ist, dass sie starten dürfen, aber das ist schon alles. Es geht uns nichts an. Die Russen sind anders, Junge. Einfach anders.“

Wütend stürmte Maximilian hinaus und lief zurück in die Kabinenräumlichkeiten des Schwimmbades. Auf eine Visitenkarte des Schwimmvereins schrieb er folgende Worte: Wenn Du mit 18 immer noch Profischwimmer sein möchtest, komm zu mir. Er traute sich nicht, einen Namen zu vermerken und hoffte einfach, der Junge würde die richtigen Schlüsse ziehen. Die Karte hatte er in die Tasche der kleinen Jacke gesteckt, die dort hing. Alles Andere lag nun nicht mehr in seiner Hand.


Jetzt saß der Teamchef, mit dem Maximilian in der Zwischenzeit per Du war, in der Ecke und seufzte. Auf dem Bett vor Maximilian lag Alexej, der mittlerweile tatsächlich 18 Jahre alt sein musste. „Wie ist das passiert?“ „Ein Unfall angeblich. Im Schwimmbad. Eine Rauferei mit einem der Brüder. Ich glaube kein Wort davon.“

Maximilian ging näher. Eigentlich sah es so aus, als wäre kein Fleck an Alexej heil geblieben. Ein Verband um seinen Kopf verdeckte eine Wunde über seinem rechten Auge und die Haut in seinem Gesicht und auf seinen Armen war bereits dabei sich zu verfärben. Kratzer, Abschürfungen, Prellungen überzogen sie. „Wird er wieder?“
„Er ist noch nicht aufgewacht, sie wissen nicht genau, wie es in seinem Kopf aussieht. Er hat zumindest eine üble Gehirnerschütterung, aber er war angeblich auch lange unter Wasser.“
„Lange unter Wasser?? Verdammte Scheiße! Hat jemand Anzeige erstattet?“
„Noch keiner. Er ist achtzehn, Maximilian, sein Vater hat keine Fürsorge mehr. Wir werden abwarten, ob Alexej selbst Anzeige erstattet, wenn er aufwacht. Aber keine Sorge, sein Vater war bisland nicht hier.“
„Was ist der Plan?“
„Seine Brüder kommen regelmäßig her und wechseln sich ab und vorhin haben sie mich gebeten, eine Stunde dazubleiben. Ich denke, sie passen auf.“

Wie hatte so etwas passieren können? Maximilian legte den Kopf auf die Seite und dehnte seine malträtierte Schulter. „Wir müssen sicherstellen, dass sein Vater hier keinen Zutritt hat.“


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