Nothing else matters

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
18.09.2017
12.02.2019
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Als ich wieder mit berstenden Kopfschmerzen erwachte, aber mit der Erinnerung seiner Hände auf mir, knallte mir ein Wirrwarr aus Stimmen entgegen. Die Schiebetür des Schlafzimmers war halb geschlossen.
„ Du spinnst doch!“, rief eine weibliche Stimme voller Wut.
„ Vic‘, ich hatte keine andere Möglichkeit.“ Ein Mann. Er klang angespannt. Schuldbewusst. Warte, war das nicht…?
Die beiden befanden sich.. ein Stockwerk tiefer?
„ Wie konntest du nur so egoistisch handeln? Warst du so einsam? So verzweifelt?“
Ein genervtes Seufzen erklang. „ Du weißt, dass das nicht stimmt. Was hätte ich denn tun sollen?! Abwarten bis wir wirklich ein Problem gehabt hätten?“
„ Das war jedenfalls nicht die einzige und beste Lösung! Wir hätten –“
„ Warte …!“
Gary unterbrach die Frau barsch. Stille. „ Ich hole sie.“
Absätze klapperten und die Frau kam ihm wohl zu vor. „ Vergiss es, nicht dass du wieder auf dumme Gedanken kommst.“ Die Absätze näherten sich schnell und ich zog die Decke fester um mich. Ein Stuhl wurde ungeduldig gerückt.
Ein seltsamer Traum. Der letzte Teil des Ganzen hatte mir letzendlich ja sehr gefallen, aber nun wurde es immer kurioser. Und warum dauerte er so lange an?
Die Tür wurde geräuschvoll beiseite geschoben und eine kleine, blonde Frau streckte den Kopf zur Tür hinein.
„ Sweety, du bist ja wach.“ Sie schlüpfte durch den Spalt ins Zimmer hinein und trippelte auf ihren High-Heels einige Schritte auf mich zu. So wütend sie zuvor war, so sanft strahlte sie mich nun an. Dadurch kam ihre unglaubliche Schönheit noch mehr zur Geltung. Hellblonde Wellen umrahmten ihr makelloses Gesicht und flossen seidig glänzend ihre zierliche, aber sehr kurvige Gestalt entlang. Eisblaue Augen, umrahmt von dichten schwarzen Wimpern, blickten mich zögerlich an. Die Fremde war wohl einer der Frauen, die selbst in einem schlichten grauen Kleid wie ihrem (oder einem Kartoffelsack), tausendmal mehr aus der Menge stachen als jede andere.
„ Hast du gut geschlafen?“ Sie klemmte sich eine Strähne hinter die Ohren und ich bemerkte ein silbernes, filigranes Armband an ihrem Handgelenk.
„ Diese Situation ist vermutlich sehr verwirrend für dich.“ Vic‘ faltete ihre Hände vor der Brust und wirkte wenige Sekunden sehr verängstigt.
„ Ich bin Victoria. Victoria Burke.“, sie biss sich nervös auf die Lippe. Streckte mir ihre Hand als Gruß hin.
Langsam wich der Schlaf einem dumpfen Gefühl, das an meiner Wahrnehmung rüttelte. Dieser Traum begann mich zu nerven. Jetzt musste auch noch ein Model als Symbolik für meinen Wunsch nach Schönheit auftauchen. „Was machst du in meinem Zimmer?“, grummelte ich argwöhnisch, anstatt mich ebenfalls vorzustellen und schlug die Decke zurück. Lief in den geräumigen Kleiderschrank, in dem ich meine verschlissenen Klamotten vermutete. Nichts. Das bisschen Kleidung sah zwar aus, als könnte sie mir passen, aber meine war es sicher nicht.
„Erst dieser geile Sextraum und jetzt du, das passt doch gar nicht zusammen.“ Victoria zuckte zusammen. Ihre Hand zog sie ebenfalls zurück.
„ Hör zu, Chloe-“
„ Sag mal, wo ist er denn? Ich könnte eine zweite Runde gebrauchen.“, lachte ich sie dreckig an und ignorierte sie. Vielleicht sollte ich das Zimmer verlassen? Vielleicht war er dort? Sie würde schon verschwinden.
„Chloe, wir müssen reden!“
„ Ja ja.“, entgegnete ich und warf ihr einen verächtlichen Blick zu. Und endlich…. Das Objekt meiner Begierde. Er war inzwischen im Türrahmen aufgetaucht, seine Augen wanderten an mir herab. War das ein Bademantel in seiner Hand?
„ Hey…“ schnurrte ich genüsslich und schlang meine Arme um seinen Hals. Gott, diese Lippen, dieser Kuss …. So gut. Er wusste was er wollte und das mochte ich.
Victoria wirkte entrüstet. „Du machst es nur schlimmer!“ Wie konnte man nur so nervig sein? Sie passte gerade überhaupt nicht ins Bild.
Doch dann schob er mich rückwärts in den Raum.
„Nein, vergiss es! Ich will keinen Dreier!“ Empört schnaubend löste ich mich von ihm, aber ich kam nicht weit. Mein Arm wurde leicht nach hinten gebogen und ich fand mich in dem kuschelig warmen Bademantel wieder. Wie eine Puppe drehte Gary mich der jungen Frau zu.
„ Hör ihr zu.“, raunte er gegen meine Halsbeuge, küsste sie und ich bekam eine Gänsehaut. „Sie versucht dir etwas zu erklären.“
Victoria funkelte uns beide an und schien kurz vorm Explodieren zu sein. Oh man, langsam bekam ich Angst vor ihr. Was war denn mit ihren Zähnen los?
„ Erkläre DU ihr doch, was los ist!“
Er grummelte irgendetwas und ließ mich los. Leider.
Stellte sich neben Victoria, die nun fest die Arme vor der Brust verschränkt hatte.
„Oh Shit!“, rief ich und schlug die Hände vor den Mund. Die beiden blinzelten mich verwundert an.
„Ihr seid zusammen!“
Gary rollte mit den Augen und Victoria schüttelte sich angeekelt. „ Nein, ganz falsch. Wir sind Geschwister. Und du…du“ , stammelte sie und stieß ihrem Bruder den Ellenbogen in die Seite. Gary fuhr sich schnaufend durch die Haare und sah mich fest an. Keine Spur mehr von dem Verlangen, von dem verschmitzten Grinsen in ihnen. Wie konnte man nur so tiefschwarze Augen haben? Es lag nur noch Ernst in ihnen, fast schon Schmerz in ihnen. Aber auch eine Härte, die mich schlucken ließ.
„ Du bist gestorben.“
Jetzt verdrehte seine Schwester genervt die Augen. „ Ein bisschen einfühlsamer bitte.“
Ich prustete los. „Was?“
„ Du warst tot. Bist gestorben. Vor einer Woche. Wir haben dich zurück ins Leben geholt und nun ja, jetzt bist du hier und –“ Mein schallendes Lachen unterbrach ihn.
„ Ihr verarscht mich.“, keuchte ich und kicherte erneut los.
„ Humor hat sie wenigstens.“, grinste Gary seine Schwester an und schob die Hände in die Hosentasche.
„ Hey, ganz ehrlich, Hase, langsam wird’s echt abgedreht.“ Wurde er etwa rosa bei dem Kosenamen?
Nun giggelte Victoria.
„ Stimmt, Hase. Humor hat sie.“
„ Also ich bin tot und was kommt noch? Bin ich vielleicht seit meinem Tod ein Geist oder ein Zombie?“, frotzelte ich und näherte mich ihm wieder. „ Übrigens bin ich sicher, dass du mir vorhin ein zweites Mal versprochen hast.“ Ich strich den Kragen seines Hemdes glatt. Victoria hüstelte neben uns.
„ Nein, habe ich nicht und Zombie trifft es nicht ganz, was du bist. Und bieder dich doch nicht so an, Weib.“ Gary erwiderte meine Berührung trocken mit einem Handkuss. Zuerst nur der Handrücken, dann meine Finger, die ich so sehr hasste und zu meinen Fingerkuppen. Ein siedender Schmerz durchfuhr sie, ruckartig sprang ich zurück, doch Mr. Sexappeal packte mich und drückte mich bestimmend an sich. Wimmernd bemerkte ich den veränderten Ausdruck in seinen Augen und starrte wie hypnotisiert hinein.
Ich blutete und er leckte genüsslich über den winzigen Riss in meinem Ringfinger.
War das Gier? Die Stimmung kippte.
„ Gary, lass sie los, du jagst ihr Angst ein!“
„ Darling, du bist kein Zombie, du bist ein Mensch, der eine zweite Chance bekommen hat. Ich weiß, du hast zuvor nicht viel aus deinem erbärmlichen Leben gemacht, aber danke Gott dafür, dass er dir ein zweites Leben geschenkt hat.“ Der Mann saugte sanft an meinem Finger. Waren das Fangzähne?
„ Falls es dich interessiert, meine reizende Schwester und ich sind Vampire und bevor du wieder so bescheuert lachst, ja wir würden gerne Blut trinken, aber nein, du brauchst keine Angst zu haben, wir haben einen anderen Weg gefunden uns zu ernähren.“ Die Haut hatte sich geschlossen. Eine kleine Blutspur schimmerte auf Garys Unterlippe. Er küsste mich erneut. Diesmal noch leidenschaftlicher, ungestüm, verzweifelt. Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit nach Luft schnappte, war Victoria verschwunden. Er drückte mir einen Kuss auf die Stirn.
„ Und bevor ich es vergesse: Indem wir miteinander Sex hatten, haben wir die Ehe vollzogen und eine Jahrtausend alte Prophezeiung erfüllt.“ Er hielt mir ungeduldig meine linke Hand vor die Nase. Ein Ring. Silbern, schwarzes Metall glänzte nun an meinem Ringfinger.
„ Von jetzt an bist du meine Frau. Ich verspreche dir, alles zu tun, um dich zu beschützen und für dich zu sorgen, egal wie sehr du mich nach diesem Geständnis hassen wirst. Das alles war kein Traum, Chloe.“ Leicht hob er mein Kinn an, sodass ich ihn anblicken musste. Räusperte sich.
„ Ich habe es ausgenutzt, dass du annahmst, du würdest träumen. Ich wollte deinen Schutz gewähren…. Ich weiß, es klingt total verrückt. Du wärst nun nicht in Sicherheit, wenn wir nicht die Ehe vollzogen hätten, nicht in einer Welt wie unserer.“ Seine Stimme klang rau. „ Es tut mir Leid, Babe, ich wollte dich nicht auf diese Weise betrügen. Ich hoffe, du vergibst mir eines Tages.“
Die schallende Ohrfeige nahm er kommentarlos hin.
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