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hey, Angst

OneshotAngst, Schmerz/Trost / P12 / Gen
17.09.2017
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Hey, Angst.

Naja, wie soll ich anfangen?

Du bist überall. Du bist einfach immer da. Manchmal bin ich die einzige, die dich sehen und fühlen kann, aber manchmal schlägst du so hart zu, dass ich schreien und weinen muss, dass ich nicht mehr atmen kann, dass man mein Zittern sieht und fast schon mein Herz klopfen hört. Ja, so fühlt sich das an. Als würdest du zuschlagen. Mitten in mein Gesicht. Abe ich spüre den Schmerz nur innerlich und niemand, absolut niemand versteht ihn. Manchmal, da frage ich mich, warum ihn niemand versteht. Ob ich denn wirklich die Einzige in meiner Umgebung bin, die das regelmäßig spürt. Aber manchmal verstehe ich es selbst nicht. Ich glaube, das ist einer der Gründe, weshalb ich dir schreibe. Ich will es einfach nur verstehen. Oft ist es auch, als wärst du weg. Aber für mich bist du immer nah, weil ich jedes Mal erwarte, dass du wieder kommst, wieder zuschlägst. Es ist wie ein endloser Kampf. Ich habe Angst davor, Angst zu haben. Ich sitze da, der Lehrer sagt meinen Namen. Ich sehe auf, hole tief Luft und sage etwas. Der Lehrer stimmt mir zu, oder auch nicht. Das spielt eigentlich keine Rolle. Er sieht wieder weg und dann fängt es an. Die Angst, du, meine Liebe, kommt in mir hoch. Sie frisst mir die Luft weg, bringt mein Herz dazu, schneller zu schlagen, lässt mich schwitzen und zittern, ich kann mich nicht bewegen, ich senke den Blick, knete die Hände, versuche, wieder Luft zu bekommen. Jedes Mal, wenn ich vor einer Menschenmenge rede. Jedes verdammte Mal. Nach fünf bis zehn Minuten fängt die Luft wieder vernünftig an, in meine Lungen zu strömen, meine Augen hören auf zu tränen, meine Hände lösen sich voneinander und ich kann mich aufsetzen. Wenn ich Glück habe. Wenn nicht, dann kann ich nicht so einfach still sein und in mir drin Schmerz empfinden. Ich lasse all das unfreiwillig heraus. Ich fange an, rumzuschreien, ich weine und schluchze, japse nach Luft, mein ganzer Körper zittert, ichh kippe fast um, ich halte mich an irgendwas fest, bohre meine Fingernägel in meine Haut und denke immer wieder nur "nein, bitte, nein, hör auf, du erregst zu viel Aufmerksamkeit, du dummes Kind, halt deine Fresse und sei nicht so, behalt das bitte für dich". Leute kommen zu mir, umarmen mich, nehmen meine Hände, fragen, ob alles okay sei, was denn los wäre. Alles, was ich sagen kann, ist "klar, alles gut, sorry, geht gleich wieder".

Das ist das schlimmste Gefühl für mich. Und ich lebe täglich, ununterbrochen in der Angst davor, Angst zu haben.

Also, sag mir: Warum? Wovor habe ich Angst? Was bedeutet das übehaupt?

Ich glaube, das ist irrelevant. Was aber relevant ist, ist, dass ich dich nicht brauche. Das ist nicht gut für mich. Aber ich werde stark sein und dir beweisen, dass ich dich loswerden kann. Du wirst schon sehen, an mir kannst du dich nicht mehr lange festklammern.
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