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Monster

von pestival
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P16 / Gen
Alan Eppes Amita Ramanujan Charlie Eppes Don Eppes
17.09.2017
16.07.2019
30
57.737
5
Alle Kapitel
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11.11.2018 594
 
Schrei, dachte er, schrei bis deine Stimme aufgibt. Lass sie dich hören, in voller Lautstärke. Mach sie fertig, sodass sie nicht mehr gehen können, sodass sie nicht mehr rennen können.

​​Was waren das schon für Gedanken, die durch seinen Geist blitzen, ihm zuflüsterten, er solle die Waffe nehmen, laden, gegen die Person vor ihm richten. Ihr zeigen: Das hier war sein Werk! Sein Leben!

​​Sie hatte kein Recht, keine Befugnis hier herein zu kommen! Das ihm wegnehmen, was ihm am wichtigsten war, konnte sie nicht, durfte sie nicht.

​​Er würde sie aufhalten, allen zeigen wie schwer sein Zorn war.

​​Seine Stimme war laut, übertönte das rufen der anderen Leute. Bestialisch, brachial, wütend und voller Verzweiflung. Was war sein Leben schon wert, wenn die Leidenschaft, mit der er es aufgebaut hatte, wie Farbe von einer Wand gewaschen wird.

​​So viel Arbeit, die verloren ging. So viel Vorbereitung und Feinfühliges manipulieren der Akteure. Sein Plan, sein Lebenswerk stand so kurz vor der Vollendung. Diese Menschen hier, seine Arbeiter, seine Sklaven liefen durcheinander wie kopflose, gackernde Hühner. Kugeln hagelten aus allen Richtungen. Kontinuierliches Feuer, keine Pause dazwischen, keine Zeit Deckung zu suchen. Sie wurden hingerichtet, ohne Verhandlung, ohne Vorwarnung.

​​Diese Leute, diese Monster mit den großen Waffen, ohne Gewissen, ohne einen Hauch von Menschlichkeit waren hier mit genau einem Ziel: so viel Blut zu vergießen wie es nur möglich war.

​​Oh, er war so wütend, sein Blut kochte, brannte in seinen Venen. Wehtun wollte er ihm, dieser unnützen Person vor ihm. Dieses etwas, aus Fleisch und Knochen. Ihm war es egal als eine Kugel in seinem linken Arm einschlug. Die Schmerzen vergrub er unter dem Adrenalin in seinen Blutbahnen.

​​Das hier war sein Ende.

​​Schreie von Menschen den Tod schon in seinen Armen hält, explodieren in seinem Gehör. Verschwommene Bilder tanzen vor seinen Augen, ließen die Situation weicher werden. Er war nicht mehr da, seine Psyche zog sich zurück. Der letzte Versuch seines Körpers sein Gehirn zu retten. Doch er war bereit. Seine Entscheidung war bereits gefallen. Das einzige was in seinem Gehirn wie ein Mantra immer und immer wiederholt wird ist der Ruf nach Rache. Hier und jetzt, an den Zerstörern vor ihm.

​​Kaltes, schweres Metall in seiner rechten Hand. Eine vertraute Form, eine vertraute Waffe. Wenn er sie schon hatte, warum also benutzte er sie nicht? Hinter ihm, versteckt zwischen zwei hölzernen Paletten, drang ein schwaches wimmern zu ihm.

​​Sein Bruder.

​​Noch nicht, sagte er zu sich selbst, warte bis er weg ist. Oh, sein größtes Projekt durfte nicht hier sterben. Er konnte nicht mehr zurückblicken, doch in seinem Ton, in seinem Schrei hing so viel Emotion, dass sein Bruder instinktiv verstand zu flüchten.

​​Sein Blick fokussierte auf den schwarzhaarigen Mann vor ihm. Sein Arm hob sich, wenn schon an diesem Abend die letzten Sekunden seines Lebens bevorstanden, wollte er wenigstens einen von ihnen mit in die Tiefen der Hölle ziehen. Sein Finger legte sich auf den Abzug, er drückte den Hebel nach hinten, eine Kugel wurde ins Magazin geladen, und aus dem Lauf gefeuert. Im gleichen Moment trafen ihn dumpfe Schläge in der Brust. Kugeln, stellte er nüchtern fest, die sein Inneres zerfetzten.

​​Seine Beine knickten weg, wie in Zeitlupe ging er zu Boden. Im Fallen sah er, das sein Schuss nicht traf, etwas zu weit rechts, über die Schulter, statt in die Stirn des Mannes.

​​Mit offenen Armen und weit aufgerissenen Augen empfing er den Tod, als er gen Decke der kleinen, schmutzigen Lagerhalle starrte.

​​Das einzige was er in dieser Nacht bereute? In die Augen des Mannes geschaut zu haben.
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