Have Faith in Me

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
15.09.2017
17.04.2019
59
201095
168
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Hallo Ihr Lieben!
Willkommen zu meinem neuesten Baby!
Ich war wieder viel zu ungeduldig und konnte nicht warten, ehe ich wenigstens zehn Kapitel auf Reserve habe. Diese Geschichte ist eigentlich eine, in eine Prosa-Form umgewandelte Variante meiner ersten Geschichte, die ich hier damals noch im Wrestling-Fandom veröffentlicht habe. Und da ich es nicht lassen kann, dass meine Herren der Schöpfung in irgendeinem Kampfsportbereich unterwegs sind, habe ich meinen OC Dylan einfach mal zu einem MMA-Fighter gemacht.
Ich hoffe natürlich sehr, dass ich Euch für Dylan und Jade ebenso begeistern kann wie für Logan und Jocelyne oder Damian und Sara. Aber vor allem hoffe ich, dass es mir gelingt den beiden ein Leben einzuhauchen, das sich von den anderen unterscheidet.

Kleine Anmerkung am Rande: Wer mich kennt weiß, dass es bei mir nicht direkt in den ersten Kapiteln heiß hergeht.
Und an die, die vielleicht noch nie etwas von  mir gelesen haben: Habt ein wenig Geduld, im Laufe der Storie wird es noch zu genug erotischen Momenten kommen. Allerdings wird die Handlung immer im Vordergrund stehen.

Kleine Anmerkung meinerseits: Die Personen und die Handlung sind mein geistiges Eigentum. Ich möchte bitte davon abzusehen diese zu kopieren und zu veröffentlichen. Das werde ich rechtlich verfolgen.
© Pina Moxlay

So, lange rede, kurzer Sinn. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen und hoffe natürlich auf viele nette und auch gerne kritische Rückmeldungen von Eurer Seite.
Eure Pina!


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Die einsam gelegene Blockhütte am Ufer des Mirror Lake hatte lange Zeit leer gestanden. Abgestandene Luft schlug ihm entgegen, die Sonnenstrahlen, die durch die trüb gewordenen Fenster hineinfielen, wanderten über die verstaubten Möbel. Staubfragmente tanzten wild in dem fahlen Licht, die er durch sein Eindringen aufwirbelte, als ob sie gegen die Störung protestieren wollten.
Erinnerungen wurden wach, als er den Blick über das einfache, teilweise selbst gezimmerte Mobiliar wandern ließ. Erinnerungen an glückliche, unbeschwerte Ferien, die er mit der Familie seines besten Freundes hier verbringen durfte, weil seine Eltern nicht genug Geld hatten, um ihn in ein Camp zu schicken oder selbst mit ihm in Urlaub zu fahren.
Vor Sonnenuntergang aufstehen, um zu angeln, Abende am Lagerfeuer oder, wenn es zu kalt wurde, am Kamin in dem geräumigen Wohnzimmer verbringen, während Samuels Vater Greg ihnen Geschichten erzählte und die Jungs von Elisabeth, seiner Mom, heißen Kakao mit Sahne serviert bekamen, während sie gespannt lauschten. An Sams jüngeren Bruder Gabriel, wie er mit dem Boot rausgefahren und beide Paddel verloren hatte. Seine erste Knutscherei mit Layla in der Scheune vom alten McDonald, der sie anschließend mit der Mistgabel davongejagt hatte.
Das letzte Mal war er vor fünfzehn Jahren hier gewesen, kurz vor seinem Antritt bei den Marines.
Nun war er zweiunddreißig Jahre alt. Ein Alter, in dem die meisten Männer viel erreicht hatten. Geheiratet und eine Familie gegründet, ein Haus gekauft oder gebaut und Kinder in die Welt gesetzt hatten, während sie ihrer Arbeit nachgingen.
Und was hatte er getan? Gut, er hatte wirklich gutes Geld verdient, noch dazu mit dem was er liebte. Allerdings war ihm von der ganzen Kohle nicht mehr geblieben, als das, was er in seiner alten Wohnung unter der Bodendiele versteckt hatte. Er würde sich damit einige Wochen über Wasser halten können, allerdings sollte er sich so schnell wie möglich um einen Job bemühen.
Er war Samuel unendlich dankbar, dass er ihm so ohne weiteres die Schlüssel für das Haus hier überlassen hatte, obwohl er sich mehr als sechs Jahre nicht bei ihm gemeldet hatte.
„Irgendwann erklärst du es mir“, hatte sein Freund nur gesagt.
„Werde ich, Sam“, hatte er müde versprochen.
Im Grunde genommen wusste er auch nicht, warum es ihn plötzlich zu der Hütte gezogen hatte. Erst am Vorabend war es ihm eingefallen, nachdem er bereits mehrere Tage in wechselnden billigen Motels übernachtet hatte und er war kurzentschlossen zu Samuel gefahren.
„Krieg dein Leben in den Griff, Mann“, waren Sams letzte Worte gewesen und hatte ihn in eine kurze Umarmung gezogen.
Er hatte es vor. Aber erst einmal musste er die ganze Scheiße, von der sein ganzer Kopf voll war und die ihm in den letzten Jahren widerfahren war, sortieren und irgendwie loswerden. Die zwölfmonatige Sperre, inklusive die Einweisung in eine Entzugsklinik und die halbe Millionen Dollar-Strafe waren nur der krönende Abschluss gewesen. Was danach folgte hatte ihm endgültig die Augen geöffnet und ihn zu dem Schritt veranlasst, den er schon vor Jahren hätte tun müssen, ihn aber nie gewagt hatte.

Das Erste, was er machte war, dass er in sämtlichen Räumen die Fenster aufriss, um frische Luft hereinzulassen, die von dem heftigen Regenguss, der kurz zuvor niedergegangen war, einen schweren erdigen Geruch ausströmte, aber so sauber war, dass er minutenlang am Fenster stand und  diesen Duft tief in seine Lungen sog.
Wieder sah er sich prüfend um. Er musste dringend hier saubermachen. Hier hatte sich der Staub von fast fünf Jahren angesammelt. Dann sollte er das Dach auf mögliche Schäden untersuchen. In dem einen Zimmer war der Boden doch recht feucht gewesen.
Er seufzte schwer. Putzen war ja so gar nicht seins. Noch vor einem Monat hätte er einfach einen Trupp bestellt, der sich darum kümmerte, aber in Anbetracht seiner angespannten finanziellen Lage musste er wohl selber Hand anlegen.Er musste eh ins Städtchen und einiges an Vorräten besorgen. Da könnte er sich gleich mit genug Putzutensilien eindecken. Also holte er sein ganzes Gepäck aus dem Wagen, stellte es im Hausflur ab und fuhr in den kleinen Ort hinein, der außerhalb der Urlaubssaison ein beschauliches, kleines Städtchen mit etwa zweieinhalbtausend Einwohnern war.


Die Anzahl der Geschäfte in Lake Placid war überschaubar. Ein kleiner Supermarkt, ein Baumarkt, ein Frisör und mehrere Boutiquen und Restaurants, von denen viele allerdings nur in der Haupt-Saison geöffnet hatten.
Neugierig wurde er von der älteren Frau gemustert, die den Supermarkt betrieb und nun die Warenbeträge seines Einkaufs in eine altmodische Kasse eingab, um sie anschließend in große Papiertüten zu verpacken.
„Irgendwie kommen Sie mir bekannt vor, junger Mann“, meinte sie schließlich stirnrunzelnd, weil sie sich insgeheim über sich ärgerte, da sie nicht darauf kam, wer er war.
„Ich habe früher immer meine Sommerferien hier verbracht. Mit der Familie Browning. Ihnen gehörte die Blockhütte am Mirror Lake.“
Ihr Gesicht erhellte sich plötzlich. „Natürlich! Dylan Walsh! Du, Samuel und mein Morty waren immer unzertrennlich, wenn ihr hier ward!“
Dylans Mundwinkel verzogen sich zu einem breiten Grinsen, als er sich an den etwas dicklichen Rotschopf mit den vielen Sommersprossen erinnerte, der ihnen ständig am Rockzipfel klebte. Anfangs fanden sie ihn nervig, erst später hatten sie gemerkt, dass ein wirklich lustiger Kerl in ihm steckte, mit dem man eine menge Spaß haben konnte.
„Wie geht´s Morty?“, wollte er auch sofort wissen und kramte hektisch in seinen Erinnerungen, weil ihm ihr Name doch glatt entfallen war. „M-Martha? Richtig?“
Sie nickte strahlend. „Martha Lennox, mein Junge. Morty lebt jetzt in Albany. Er arbeitet bei einer großen Versicherung! Aber er kommt mich wenigstens alle zwei Wochen besuchen! Was machen denn die Brownings? Geht es ihnen gut?“
Ein leichter Schatten huschte über Dylans Gesicht. „Sie sind beide tot. Greg hatte einen schweren
Arbeitsunfall und starb vor sechs Jahren, Elisabeth hatte Krebs. Das ist jetzt viereinhalb Jahre her.“
Martha sah ihn betroffen an. „Das tut mir leid. Sie waren so herzensgute Leute. Geht es Sam denn gut? Und seinen Geschwistern? Herrgott, ich erinnere mich kaum an ihre Namen!“
„Ja, dem geht es prima! Er ist verheiratet und seine Frau erwartet das dritte Kind. Rachel lebt mittlerweile in Kalifornien und betreibt ein kleines Immobilienbüro, und Gabriel ist als Arzt für eine Organisation in Afrika tätig. Ärzte ohne Grenzen nennt sich das, glaube ich.“
„Oh, das freut mich aber! Naja, die Brownings waren ja eh so Familienmenschen. Das sie dich immer mitgenommen haben, war ja unglaublich nett von ihnen.“
„Stimmt, meine Eltern hatten nicht viel Geld zu der Zeit“, gab er freimütig zu. „Trotzdem hatte ich eine sehr glückliche Kindheit“, betonte er noch.
Auf seine Eltern ließ er nichts kommen, auch wenn er seit Jahren keinen Kontakt zu ihnen gehabt hatte. Aber er wusste, dass sie lebten und er hatte ihnen regelmäßig einen größeren Betrag überwiesen, dass sie sich nicht mehr abrackern mussten. Nun, da sich in seinem Leben einiges ändern sollte, würde er vielleicht irgendwann den Mut aufbringen und sie besuchen. Auch wenn er insgeheim Schiss hatte, dass sie ihn mit Schimpf und Schande vom Hof jagten.
„Das habe ich auch nicht behauptet, Dylan“, sagte Martha mit recht weichem Unterton, worauf er verlegen den Blick senkte. „Wie lange hast du vor zu bleiben?“
Er zog unschlüssig die Schultern hoch. „Keine Ahnung. Bestimmt einige Monate.“
Sie sah ihn erstaunt an. „Musst du nicht arbeiten?“
„Ähm, nein. Momentan nicht. Da fällt mir ein, wenn Sie wissen, ob irgendwo, irgendwer einen Job zu vergeben hat...“  
Gosh, wie peinlich ist das denn, dass ich mich hier als mittelloser Penner outen muss, schoss es ihm verschämt durch den Kopf.
„Im Moment fällt mir nichts ein, aber ich sag dir Bescheid, wenn ich was höre, in Ordnung?“
Er lächelte schwach.  „Klingt gut.“
„Komm doch am Mittwoch zum Dinner zu mir. Mittwochnachmittags habe ich geschlossen.“
„Gerne, Martha.“
„So um fünf?“
„Fünf ist perfekt. Danke für die Einladung, Martha.“
„Fein, ich freue mich. Dann muss ´ne alte Frau wie ich wenigstens nicht den Abend alleine verbringen.“  Sie warf einen Blick auf die Kasse. „Das macht dann $ 63,85, Dylan.“
Er schob ihr ein paar Scheine über die Theke. Ganz schön viel für so ein paar Teile, dachte er schluckend. Wenn das so weiterging, müsste er sich bald ausschließlich von Fischen aus dem See ernähren.
„Also dann, bis Mittwoch“ , sagte sie zum Abschied zu ihm.
„Ich bin pünktlich. Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen noch.“

Er verstaute die Tüten auf dem Beifahrersitz seines Hummers, ließ den Blick mit einem schweren Seufzen über sein geliebtes Gefährt wandern. Nun ja, wenn alle Stricke rissen, würde er sein Schätzchen wohl oder übel verkaufen müssen.
Trotz des klammen Portemonnaies schlenderte er gemütlich die Main Street entlang und gönnte sich  einen Burger mit Fritten. Irgendwas essen musste er und so wie es im Haus aussah würde er wohl erst morgen mit dem Kochen beginnen können.
Den Rest des Tages verbrachte er dann auch mit Staub wischen, Vorhänge, sowie Bettzeug waschen und putzen. Er war abends so erledigt, dass er wie ein Stein in das frisch bezogene Bett im Obergeschoss fiel, ohne noch eine Kleinigkeit zu essen.
Sein Magen knurrte zwar, ein Zustand, den er sonst nur ungern ertrug, aber er fühlte sich so befriedigt und vor allem geerdet, wie schon seit einer Ewigkeit nicht mehr, dass ihm schnell die Augen zufielen und er in einen tiefen, traumlosen Schlaf glitt.



© Pina Moxlay
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